Romane lesen an Berufsschulen

Markus Werner    Die kalte Schulter


1.    Inhalt

Moritz Wank, Kunstmaler, gelingt das Malen nicht mehr, er hat sein Atelier geschlossen. Seine abstrakten Bilder kamen nicht an – und malen nach dem Geschmack der Masse will er auch nicht. Dass er stattdessen Schaufensterfiguren malt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist der Preis, den er für seine geistige Unabhängigkeit zu zahlen hat. Was andere das Leben nennen, irritiert ihn immer wieder. Er hat seine Mühe, in einer Welt der Angepassten zu leben und immer wieder mit der Spiessbürgerlichkeit der anderen konfrontiert zu werden. 

Der Autor hat ein Gespür für die Details des Lebens, die man meist nicht für so wichtig nimmt. Er schildert in knapper, präziser Sprache Wanks alltägliche Schwierigkeiten, den eigenen Weg zu finden – irgendwo zwischen Leben und Tod.

Für Wank sind die Menschen, denen er begegnet, wie auch seine eigenen Reaktionen und Verhaltensweisen voller Tücken, Dummheiten, Falschheiten und Gemeinheiten, voller Selbstverständlichkeiten, die ihn an allem und jedem zweifeln lassen und ihn lähmen. Immer wieder kann er sich nur retten mit seiner Art von Humor und mit innerer Distanzierung: Der Preis dafür ist Einsamkeit.

Wenn da nicht seine Freundin Judith wäre, die als Zahntechnikerin arbeitet und Wank mit Geduld, Nachsicht und Liebe „zusammenhält“. Ihre Beziehung ist geprägt ist von wahrhaftiger Nähe und Achtung vor dem anderen. Einmal stellen die beiden fest, dass ihr Geheimnis darin liegt, voneinander keine Veränderungen zu fordern.

Vor seinem 38. Geburtstag macht Wank einen neuen Anlauf. Er zögert zwar, wie er bei allen Entscheidungen zögert. Er bekennt sich dann aber zu seiner Liebe zu Judith und will es noch einmal als Maler versuchen.

Dann gibt das Paar in Wanks Wohnung ein Fest für die Nachbarn, bei dem sich jedoch Peinlichkeit an Peinlichkeit reiht. Aber gerade an diesem Abend zeigen sich Wank und Judith als wirkliches Paar. – Am nächsten Tag geschieht ein Unglück. Ein Punkt, an dem es nicht mehr zurück geht, nur weiter: Im Ende liegt ein neuer Anfang. „Sicherheit ist das Kennzeichen des Tölpels“, so ein chinesisches Sprichwort. Diese tragische Lektion muss Wank nun lernen. 

 

2.    Zum Autor 

Markus Werner wurde 1944 in Eschlikon (Kanton Thurgau) geboren. 1948 zog die Familie nach Thayngen (Kanton Schaffhausen) um. Dort besuchte Werner die Schule und bestand 1965 die Maturität. Anschliessend studierte er Germanistik, Philosophie und Psychologie an der Universität Zürich und promovierte 1974 mit einer Arbeit über Max Frisch, dessen Einfluss auf sein Schreiben bedeutsam ist. 

Von 1975 bis 1990 unterrichtete er an der Kantonsschule in Schaffhausen. Seit 1990 ist er freier Autor und lebt heute in Opfertshofen, Schaffhausen.


Am 25. Juni 2016 erhielt Markus Werner den Preis der Stiftung Pro Litteris für sein Gesamtwerk.
Markus Werner ist am 3. Juli 2016 in Schaffhausen gestorben.

Andere Werke
- Zündels Abgang (1984)
- Froschnacht (1985)
- Bis bald (1992)
- Festland (1996)
- Der ägyptische Heinrich (1999)
- Am Hang (2004)


3.    Links, Sekundärliteratur


 4.    Weitere Angaben
 

Markus Werner, Die kalte Schulter, Wien, Residenz-Verlag 1993 (156 S.)