Mit 77 Jahren 100 km am Stück: Reinhard Kusch in Biel


Unser Vereinsmitglied  Reinhard Kusch hat gemeinsam mit seiner Tochter den 100km-Lauf im schweizerischen Biel bewältigt. 

Hier der Bericht von Mark Sonneborn aus der WAZ:


In der Schweizer Stadt Biel im Kanton Bern, auf der Sprachgrenze zwischen der Deutschschweiz und der Romandie gelegen, finden jedes Jahr die Bieler Lauftage statt. Es werden unterschiedlich lange Laufstrecken angeboten, die Königsdisziplin ist jedoch der seit 1959 ausgetragene 100-km-Lauf, der sicher einer der bekanntesten Ultra-Läufe weltweit ist. Der Hohenlimburger Reinhard Kusch hat in diesem Jahr mit beachtlichen 77 Jahren teilgenommen.

„Meine Tochter Stefanie wohnt in der Schweiz und hat diesen Lauf 2014 erstmals absolviert. Nachdem ich sie vor vier Jahren bei ihren ersten Marathonläufen noch unterstützend begleitete, haben wir inzwischen die Rollen getauscht, und sie hat ihre Vorliebe für Ultraläufe entdeckt. Sie hat bereits erfolgreich an 12-Stunden-Läufen und 100-km-Läufen teilgenommen“, erklärt der Hohenlimburger.

2600 Höhenmeter
Zuletzt lief sie im Mai im Rahmen der von Jens Vieler organisierten „TorTour de Ruhr“ einhundert Kilometer vom Hengsteysee bis zur Ruhrmündung in Duisburg. „Hierbei habe ich sie auf dem Fahrrad begleitet, um sie mit Essen und Trinken zu versorgen, da es sich um einen Selbstversorgerlauf handelt. Bei solchen und anderen Anlässen war der in der Läuferwelt legendäre Bieler Hunderter immer wieder ein Thema“, so Kusch, der dennoch lange zögerte, war er doch bisher bei keinem Lauf mit mehr als 50 km gestartet. „Außerdem weiß ich seit einer sportmedizinischen Untersuchung, dass ich Spitzenbelastungen vermeiden soll. Schließlich habe ich mich aber doch entschlossen, in der Schweiz zu starten.“

Im vergangenen Jahr wanderte er problemlos am Rheinsteig 100 km am Stück, mit 2600 Höhenmetern, ohne zu schlafen. „Danach kam mir Biel durchaus machbar vor, zumal der Zielschluss für den Lauf nach 21 Stunden ist, so dass man die Strecke auch stramm gehend im Zeitlimit bewältigen kann. Ich nahm mir aber vor, überwiegend zu laufen. Die Steigungen wollte ich flott marschieren und bei Bedarf auch ebene Steckenabschnitten.“

Mit Ausnahme der ersten 21 Kilometer und der Strecke auf dem Emmendamm kann man sich als Läufer von einem Radfahrer begleiten lassen. Da es im Abstand von 3 bis 8,5 Kilometern Verpflegungsstellen gibt, sei dies aber nicht unbedingt nötig. „Außerdem hatte meine Tochter sich entschieden, mich bei meinem ersten Hunderter laufend zu begleiten, da sie lieber zu Fuß als mit dem Rad unterwegs ist.“

Nächtliche Dunkelheit und Stille
Der Lauf startete am vergangenen Freitag um 22 Uhr. Zunächst führte die Strecke etwa fünf Kilometer durch das Zentrum von Biel mit vielen Zuschauern, die die Läufer kräftig anfeuerten. Dann wurde es in der ländlichen Gegend ruhiger. „Wir Läufer waren meist unter uns und liefen jetzt im Schein unserer Stirnlampen. Zwischen den Dörfern und Ortschaften war es dann immer ein Lauf durch die nächtliche Dunkelheit und Stille, was genauso seinen Reiz hatte“, erinnert sich Kusch.

Etwa eine Stunde nach dem Start setzte der angekündigte Regen ein. Dazu gab es kräftig Gegenwind, so dass die beiden gegen den Regen anlaufen mussten und sofort nass bis auf die Haut waren. Die Temperaturen waren aber glücklicherweise auch in der Nacht angenehm.

„Auf den letzten 30 Kilometern des Rennens trafen wir mehrmals meinen Schwiegersohn, der mit seinem Auto günstige Treffpunkte anfuhr und uns wortreich und mit Marmeladenbrot unterstützte. Jetzt machten sich bei mir langsam die zurückgelegten Kilometer in den Muskeln bemerkbar, und wir legten häufiger eine kurze Laufpause ein und marschierten. Trotzdem rückte das Ziel schneller als von mir kalkuliert und erhofft näher, und wir liefen nach 13 Stunden und 50 Minuten über die Ziellinie.“

Persönliche Begrüßung
„Der Zieleinlauf war ein bewegendes Ereignis für mich. Kurz vor der Ziellinie wurden wir über Lautsprecher persönlich begrüßt, und die Zuschauer empfingen uns mit Beifall. Als dann der Sprecher mitteilte, dass ich der erste Läufer aus meiner Altersklasse M75 im Ziel sei, steigerte sich der Beifall deutlich. Kurz darauf informierte der Sprecher die Zuschauer zusätzlich, dass es sich bei uns um Vater und Tochter handele und dass es für mich der erste 100-km-Lauf meines Lebens sei. Jetzt gab es regelrecht tosenden Beifall, und der Sprecher kam mit dem Mikrofon zu einem kurzen Interview zu uns“, berichtet Kusch.

„Nach dem Lauf fühlte ich mich einfach wie auf Wolke sieben. Wir saßen mit Lauffreunden zusammen, sprachen über den Bieler 100er, andere absolvierte und über eventuelle künftige Läufe“, meinte der Hohenlimburger Läufer.

„Der Journalist und Schriftsteller Werner Sonntag hat vor Jahren ein Buch über den Bieler 100-km-Lauf verfasst. Damit hat er wahrscheinlich dazu beigetragen, dass der Bieler Lauf auch bei Deutschen sehr beliebt ist.“ Vom Buchtitel “Irgendwann musst du nach Biel“, ließ sich Kusch zusätzlich antreiben. Nun war er in Biel.

Mark Sonneborn







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