Student-Run Free Clinics sind von Studenten geführte und verwaltete Praxen der Primärversorgung. In Ihnen behandeln Studenten unter ärztlichers Supervision Patienten, die aus verschiedene Gründen nicht krankenversichert sind und deswegen keinen Zugang zur normalen ärztlichen Versorgungsstruktur haben.
Aufgaben, wie die Anamnese und körperliche Untersuchung des Patienten, sowie das Versorgen einer Wunde oder die Ultraschalluntersuchung  werden dabei von Studierenden verschiedener Semester, je nach Kenntnisstand eigenständig unter Supervision durch einen erfahrenen Arzt durchgeführt.
Student-Run Free Clinics gibt es in den USA beriets seit Ende der 1960er Jahre und erfreuen sich seitdem immer größerer Beliebtheit, weil sie einerseits neue Möglichkeiten in der Medizinlehre und Lehrforschung bieten und andererseits eine Lücke in der Gesundheitsversorgung nicht versicherter Menschen schließen.
Mittlerweile gibt es in den USA ca. 120 Student-Run Free Clinics, die stets bemüht sind die Versorgung Ihrer Patienten zu verbessern und neue Impulse in der Medizinlehre zu setzen.

Warum eine kostenfreie Sprechstunde?

Laut statistischen Bundesamt waren im Jahr 2011 mehr als 137.000 Menschen in Deutschland nicht krankenversichert. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich wesentlich höher und gerade in Ballungszentren wie dem Rhein-Main-Gebiet spürbar. Als Studierende vertreten wir die Überzeugung, dass es in einem entwickelten Land wie Deutschland keine Menschen ohne festen Zugang zur medizinischen Versorgung geben sollte. Dazu kommt, dass die Folgen einer fehlenden präventiven Versorgung sich in den Notaufnahmen Frankfurts, die nicht auf eine hausärztliche Versorgung ausgerichtet sind, ökonomisch bemerkbar macht. Als Studierende der Medizin wollen wir zumindest einen kleinen Beitrag zu einer besseren Versorgung von nicht Krankenversicherten leisten, indem wir eine wöchentliche stattfindende, kostenfreie Sprechstunde gemeinsame mit erfahrenden Ärzten organisieren und diesen Menschen so hoffentlich helfen können.

Das Projekt der Studentischen Poliklinik ("Stupoli")

Im Sommer 2012 wurde die Idee geboren, auch hier in Frankfurt die, nach unseren Recherchen, erste Student-Run Free Clinic Deutschlands zu gründen. Nach ausführlichen Studien der Literatur über die bereits etablierten Projekte in den USA wurde ein Konzeptantrag für die Etablierung der "Studentischen Poliklinik" im Studienausschuss eingereicht, um Geldmittel zur Verbesserung der Lehre zu erhalten, was glücklicherweise auch gelang.
Zudem wurde uns vom Studiendekanat, dem Institut für Allgemeinmedizin, dem Institut für Arbeits- und Sozialmedizin, der Senkenbergischen Stiftung, sowie dem Stadtgesundheitsamt Unterstützung zugesagt.
Das Wintersemester 2012/2013  wurde noch genutzt, um teilnehmende Studierende innerhalb eines klinischen Wahlpflichtfaches intensiv auf die bevorstehenden Aufgaben innerhalb der Sprechstunde vorzubereiten. Am 17.06.2014 eröffnete die StuPoli offiziell. Seit dem besuchen ca. 5-7 Patienten jeden Dienstag die Sprechstunde. Das Erkrankungsspektrum und die soziale Situation der Patienten sind dabei sehr vielfältig und stellen die Studierenden sowie die supervidierende Ärztin Fr. Dr. Tiarks-Jungk immer vor neue Herausforderung.

Was bietet die "StuPoli" den Studierenden?
  • Die bisher einmalige Möglichkeit bereits im Studium Patientenversorgung selbstständig zu organisieren und als system-basierten Ansatz kennenzulernen
  • Die Möglichkeit Patienten über einen längeren Zeitraum zu begleiten und deren psychosoziale Hintergründe kennenzulernen
  • Die Möglichkeit ein innovatives Projekt selbst mit aufzubauen und gestalten zu können
  • Die Möglichkeit  Wissen an niedrigere Semester weiterzugeben und erste Lehrerfahrungen zu sammeln
  • Die Möglichkeit mehr über die Gesundheitsversorgung und die Hintergründe von nicht krankenversicherten Menschen zu erfahren
  • Die Möglichkeit an der wissenschaftlichen Auswertung des Projektes mitzuwirken
  • Und vieles mehr..
Hier geht es zu den Inhalten des Wahlpflichtfaches.

Was bietet die "StuPoli" ihren Patienten_innen?
  • Eine regelmäßige hausärztliche Betreuung
  • Eine vertraulichen anonyme Behandlung durch eine erfahrene Amtsärztin und Studierende der Humanmediziner
  • Beratung und Hilfe bei der Lösung sozialer Probleme