Rundbriefe‎ > ‎

März 2010

Liebe Mitglieder der Aktion "Hirtenstab"

Das Priesterjahr ist sicher längst Anlass für Sie, Ihren Einsatz in Gebet und Tat für unsere Hirten zu verstärken.

Die Kirche ist wieder einmal heftig ins Feuer der angriffslustigen Medien geraten. So sehr berechtigte und unberechtigte Vorwürfe die Gemüter erhitzen, uns ist aufgefallen, dass ein wichtiger Aspekt all dieser Geschichten eigentlich niemals eine ernst zu nehmende Erwähnung gefunden hat.
 

Es ist die Frage nach der Gnade des Augenblicks!

Die Menschen reagieren unterschiedlich auf die Schlagzeilen.

Man ist entsetzt. Man sucht Schuldige oder noch schlimmere Vorfälle im zivilen Bereich, um eine Korrektur der Verhältnismäßigkeit der Vorwürfe zu finden. Man wünscht Rechtfertigung, Verteidigung und so weiter.

All diese Argumentationen und Ansätze sind sicher nicht unberechtigt, dennoch fehlt dabei etwas, das doch unsere höchste Maßgabe sein will:

Die Frage nach der Gnade des Augenblicks, die Frage nach dem, was GOTT uns in dieser Situation sagen und schenken will.
 

Was nützen sonst alle unsere Argumentationen, unsere emotionale Anteilnahme, … all das, wenn wir GOTTES Gnade nicht finden und darum nicht annehmen können?

Was ist die Gabe GOTTES in all dieser Not, in all den Vorwürfen?

Was ist die verborgene Gabe GOTTES in den öffentlichen Beschuldigungen, den Hetzkampagnen, all den Informationen, die uns da überfluten?

Wo erkennen wir GOTTES Handschrift in all den Worten, die gemacht werden?

Warum ausgerechnet im Jahr des Priesters?

Warum gerade in der Fastenzeit?

Haben Sie sich darüber schon Gedanken gemacht?
 

Die österliche Bußzeit ist eine heilige Zeit, die uns zur Umkehr bewegen will. In diesen Wochen ist uns eine besondere Gnadenfülle angeboten, um Versöhnung mit GOTT zu suchen und zu finden.

Zu der meist „unerkannten Gnade“ gehört mit Sicherheit auch die aktuelle Situation in Kirche und Gesellschaft!

Wer von uns denkt darüber nach, dass wir im Geheimnis des Leibes Christi Anteil miteinander aufs Engste verbunden sind?

Die Not der einzelnen Glieder der Kirche ist auch unsere persönliche Not, Schuld ist nie privat, wie auch Gnade nie privat bleibt!

Es ist sehr leicht, sich distanziert über all die Vorfälle zu unterhalten oder zu ereifern. Aber wir haben jetzt die einmalige Chance, selbst Umkehr zu finden, denn die Gesamtsituation zeigt uns immer auch unsere eigenen Schwächen auf. Fragen wir doch deshalb ganz neu:

  • Wo dürfen wir den mystischen Leib des HERRN „stärken“ und erneuern lassen, indem die GOTTESherrschaft in uns gefestigt wird, wenn wir allein IHN suchen, IHM die Ehre geben, uns bekehren und SEINE Erlösungstat in unserem Leben fruchtbar werden lassen?
  • Wo dürfen wir umkehren, von unseren Süchten, von unseren verkehrten Bindungen, von unserer Lauheit, von unseren geheimen Sünden und Leidenschaften?
  • Wo ist unser Mangel an Selbstbeherrschung, wo sind wir für CHRISTUS schlechte Zeugen oder gar keine Zeugen mehr?
  • Wo ist unsere Bereitschaft zur Nachfolge geblieben? Wir beten in jeder Heiligen Messe: „Deinen Tod o Herr verkünden wir, …“ – ist das denn wahr? Bekennen wir IHN? Sind wir bereit, IHM das Kreuz nachzutragen? Wo wollen wir nur unsere eigene Haut retten, gut dastehen, uns selber verteidigen, … wo doch der HERR, DER keine Sünde kannte, SICH für uns zur Sünde machen ließ, damit wir in IHM Gerechtigkeit werden? (vgl. 2Kor 5,21) Wo sind wir bereit, mit IHM zu gehen, Buße zu tun, die Not auf uns zu nehmen, Schuld vor GOTT zu tragen?
  • Wo haben wir GOTTES Wort zwar gehört, es aber nicht lebendig werden lassen? usw.

Eine tiefe Umkehr und gründliche Gewissenserforschung wäre doch unsere angemessene Antwort auf all die öffentlichen Demaskierungen, die der Kirche zurzeit so sehr zu schaffen machen.

GOTT reicht uns in dieser österlichen Bußzeit die durchbohrte Hand, die für uns ans Kreuz geschlagen wurde, damit wir den Himmel wieder erlangen.

„Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm.“ (1Kor 12,26)

 

Wenn wir in unserm Alltag sündigen, wird die ganze Kirche geschwächt, auch wenn wir niemals mit unseren Sünden in den Zeitungen stehen würden, wie heute Priester oder Kirchenangehörige.

 

Wenn wir uns jedoch heiligen lassen, wenn wir das Sakrament der Buße lieben, weil es uns erneuert, wie es die Sündenwunden heilt, weil es uns in den Gnadenstrom der Überfülle der Liebe GOTTES zurück führt, … dann wird die ganze Kirche im Geheimnis des „einen Leibes“ geheiligt!

 

Wenn wir GOTT verherrlichen, weil wir uns ernsthaft und täglich neu um das Geschenk der vergebenden Güte GOTTES bemühen, dann wird GOTT den ganzen Leib des HERRN in allen Gliedern verherrlichen und wieder zu Ehren bringen.

 

„Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn.“ (Kor 3,18)

Das ist das Angebot der Gnade!

Gerade weil es das Jahr des Priesters ist, haben wir die kostbare Gelegenheit, uns neu zu bekehren, damit GOTTES Name wieder geehrt ist, in einem heiligen, priesterlichen Volk, das IHM dient! Die öffentlichen Hetzkampagnen sollen uns wach rütteln, dass es Zeit ist, ernst zu machen und wie Paulus wollen wir Sie ermutigen:

„Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (2Kor 5,20)

 

Nehmen wir GOTT ernst? Nehmen wir SEIN Wort ernst?

Wer von uns hat am Beginn der Fastenzeit das Wort am Aschermittwoch in der Lesung aus dem Buch Joel gehört und danach gehandelt?

 

Dort heißt es: Auf dem Zion stoßt in das Horn, ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen Gottesdienst aus! Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde! Versammelt die Alten, holt die Kinder zusammen, auch die Säuglinge! Der Bräutigam verlasse seine Kammer und die Braut ihr Gemach. Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester klagen, die Diener des Herr sollen sprechen:

Hab Mitleid, Herr, mit deinem Volk und überlass dein Erbe nicht der Schande, damit die Völker nicht über uns spotten: Warum soll man bei den Völkern sagen: Wo ist denn ihr Gott?“ Joel 2,15-17

 

Tun wir das?

Bitten wir GOTT mit den Worten, die ER SELBST uns ans Herz legt, in der Heiligen Schrift?

 

„Zwischen Vorhalle und Altar“ – das ist unser Platz! Wir sind durch die Taufe ein priesterliches Volk, sind Diener des HERRN und sollen klagen und uns wird sogar das Wort GOTTES in den Mund gelegt, wie wir sprechen dürften und müssten, wenn wir GOTT ernst nehmen!

 

Wir stellen jedes Jahr fest, dass kaum jemandem dieses Schriftwort aufgefallen ist und in der Folge geschieht auch nicht, was GOTT aufträgt und verheißen hat.

 

Darum bitten wir Sie heute alle inständig: Beten, flehen Sie doch gemeinsam mit uns täglich so, wie es uns die Schrift empfiehlt:

Hab Mitleid, Herr, mit deinem Volk und überlass dein Erbe nicht der Schande, damit die Völker nicht über uns spotten: Warum soll man bei den Völkern sagen: Wo ist denn ihr Gott?“

 

Wissen Sie, was dann passierte?

Nein?

Dann lesen Sie bitte im Buch Joel weiter, was GOTT dann für SEIN Volk tat!

 

Das ist es doch, was wir alle ersehnen. Das kann man aber nicht erreichen, indem man diskutiert, argumentiert, lamentiert, … sondern nur, wenn man GOTT wahrhaft anfleht und neu beginnt – nach SEINEM Wort.

„Denn es heißt: Zur Zeit der Gnade erhöre ich dich, am Tag der Rettung helfe ich dir. Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung.“ 2Kor 6,2

 

Gemeinsam im Gebet verbunden,

Ihre Schwestern im HERRN

Schw. Michael + Schw. Doreén

 

Bitte unterschreiben Sie auch die beigelegte Karte(n) und senden Sie unseren Bischöfen in dieser schwierigen Zeit eine kleine Ermutigung!
Comments