Pehmen - von der Burg zum Gut

Pehmen – von der Burg zum Gut

oder

Slawen – Kolonisten – Ritter - Leibeigene

Vorweg  einige Worte zur Kolonisierung dieser Gegend durch die Christen im 12. Jahrhundert.

Der Geschichtsschreiber Helmold von Bosau schildert, wie der holsteinische Graf Adolf Boten nach Holland, Friesland,  Westfalen und zu den Holsten sandte :

>>Da das Land verlassen war, schickte er Boten in alle Lande, nämlich nach Flandern und Holland, Utrecht, Westfalen und Friesland, daß jeder, der zu wenig Land hätte, mit seiner Familie kommen sollte, um den schönsten, geräumigsten, fruchtbarsten, an Fisch und Fleisch überreichen Acker nebst günstigen Weidegründen zu erhalten.

Den Holsten und Stormarn ließ er sagen : „ Habt ihr euch nicht das Land der Slawen unterworfen und es mit dem Blute eurer Brüder und Väter bezahlt ? Warum wollt ihr als Letzte kommen, es in Besitz zu nehmen ? Seid die ersten, wandert in das liebliche Land ein, bewohnt es und genießt seine Gaben, denn euch gebührt das beste davon, die ihr es der Feindeshand entrissen habt.“ Daraufhin brach eine zahllose Menge aus verschiedenen Stämmen auf, um das versprochene Land in Besitz zu nehmen. <<  (1143)


1147 ist in der Besiedlung ein Rückschlag zu verzeichnen, da die Slawen Lübeck überfallen und auch ins Umland eindringen. Hier in dieser Gegend scheint es aber nicht zu Übergriffen gekommen zu sein.

Der Prozess der „deutschen“ Besiedlung wird dadurch nicht aufgehalten.

Auch, wenn die Kolonisten wie Helmold schreibt „in großer Furcht leben.“

Rings um den Ort Bosau entstehen neue Dörfer und werden von Christen bewohnt. Fast alle Dörfer sind Neugründungen, in den alten Urkunden wird nur ein slawisches Dorf erwähnt. Falls Sie etwas anderes gelesen haben, begründet sich dieses auf die überholte Einteilung der Ortschaften in der Chronik von Pastor Piening.

Bei den Ortschaften Godau, Nehmten und Pehmen bin ich mir nicht ganz so sicher, deren Namen sind wahrscheinlich ursprünglich slawisch und zu mindestens in der Nähe von Pehmen wurden auch slawische Siedlungsspuren gefunden .

Im Gegensatz zu der „überholten“ Einteilung der Dörfer  durch Pastor Piening in dessen „slawischen Dörfern“ keine Slawen lebten, könnten bei Godau, Nehmten und Pehmen „theoretisch“ noch welche gewohnt haben.

Allgemein wird immer geschrieben :

Die slawische Bevölkerung wird zurückgedrängt, erhält einen niedrigen Rechtsstatus, zieht sich in Reservate zurück und geht schließlich in der deutschen Bevölkerung auf.

Bei dem dänischen Schriftsteller und Juristen, Hieronymus Kamphövener ( 1751-1824) fand ich folgende Formulierung ;

>> Er (Heinrich der Löwe/ Graf Adolph) bezwang alle Wendischen Völker in dieser Gegend, und ließ sie alle Unterdrückung fühlen, welche die Ausbreitung der christlichen Religion durch die Gewalt der Waffen in den damaligen Zeiten mit sich führten...<<

Nach meiner Lebenserfahrung halte ich diese Formulierung am zutreffendsten.

Ganz verschwunden sind die Slawen aber nicht, denn Helmold schreibt, dass der Plöner Markt allsonntäglich von Slawen und Sachsen besucht wird.

Er berichtet aber auch >> allmählich verschwinden die Slawen aus dem Lande <<.

Es könnten sich also noch vereinzelte  slawische Siedlungen rund um den Plöner See gehalten haben, aber sicherlich nicht lange.

Ein ähnliches Problem wie bei den genannten Dörfern, haben wir bei den dort zu findenden Burgen. Es könnte sich „theoretisch“ um slawische Adelssitze handeln !

Bisher wurden die Burgen nur „akademisch“ betrachtet, d.h. vom Schreibtisch aus. Archäologische Untersuchungen sind dort keine durchgeführt worden.

Trotzdem halte ich diese Reihe von Burgen – Godau – Nehmten – Pehmen – sie sind übrigens alle etwa 2 km von einander entfernt und die nächste Burg bei Kembs ca. 2,5 km – alle aus dem 13./14. Jahrhundert. 

Der Aufbau und das Aussehen solch einer „Burg“ war durchaus verschieden und richtete sich nach dem vorhandenen Gelände. Niedriges  feuchtes oder sumpfiges Gebiet bot von vornherein einen gewissen Schutz. Eine natürliche und trockene Erhebung darin eignete sich dann für den Bau einer Befestigung. Ob  ein fester Damm oder eine Brücke zur Burg führte und weitere Gräben und Wälle erforderlich waren, ergaben das Gelände, die allgemeine Sicherheitslage und natürlich die eigenen Geldmittel.

Wenn man die Urkunden des 13. / 14. Jahrhunderts durchsieht mit all ihren Fehden und Übergriffen, war die Errichtung einer Turmhügelburg eine durchaus sinnvolle Entscheidung.


Eine Sonderform dieser Burgen ist die sogenannte „Kemlade“, man könnte sie auch als „Wasserburg“ bezeichnen. Aus Verteidigungsgründen wurde sie auf vielen Gründungspfählen direkt in Seen oder Wasserläufe gebaut.



Solch ein „Typ“ wurde vor einigen Jahren  in Travenhorst archäologisch untersucht und förderte interessante Fundstücke aus dem 14. Jahrhundert zutage.

Ich habe auch schon im Internet fantasievolle Zeichnungen von Burgen im  Plöner See gesehen, die sind aber weitab jeglicher Realität.

Die Burgen von Godau, Nehmten und Pehmen liegen zwar direkt am Plöner See, die Godauer noch näher als die anderen, aber lagen zu keiner Zeit im See.





Die ehemalige Turmhügelburg von Pehmen liegt heutzutage in einem kleinen Wäldchen etwa 400 Meter vom Gutshaus entfernt.

Wie Sie auf der nebenstehenden Laufbildaufnahme feststellen können verbirgt sie sich unter einem Gewirr von grünen Blättern vor neugierigen Blicken.

Ähnlich versteckt sich die Burg auch im Dunkel der Geschichte.

Im Gegensatz zu Godau und Nehmten wird Pehmen erst im 14. Jahrhundert erwähnt. Dies bedeutet aber nicht, dass sie erst später gegründet wurde. 

1351 wird der Name Pehmen in den Dokumenten erstmalig genannt und gleichzeitig erfahren wir dabei auch  den Namen des damaligen Besitzers.

Es ist aber kein Ritter sondern der Lübecker Bischof Bertram.

Am 1. November 1340 stiftete Graf Johann von Holstein der Plöner Burgkapelle zu Ehren des Apostels Bartholomäus eine Vikarie, die er mit 10 Mk. Lübsch aus dem Grafenschatz ausstattete.




Dieser, schon bei der Gründung reich bedachten Vikarie, übermachte der Bischof Bertram

am 31. Mai 1351  das Dorf und den Hof Pehmen am Großen Plöner See.

Wann und von wem der Bischof das Dorf und den Hof Pehmen erworben hat, bleibt ungewiss. Wenn es Bischof Bertram war und er hat einige Dörfer für das Bistum erworben, kann es nicht lange hersein, denn er war von 1350 bis 1377 im Amt.

Hinweise auf den vorherigen Besitzer gibt es keine

Den Dorfbewohnern kann dieser Besitzerwechsel ziemlich egal gewesen sein, denn ob sie dem Bischof oder der Burgkapelle Abgaben zu leisten hatten blieb letztendlich gleich. Sie waren ja noch „freie“ Bauern trotzdem war diese „Schenkung“ rückblickend gesehen, der erste Schritt in die Leibeigenschaft. Denn wenn sie beim Bistum geblieben wären, wären sie nie Leibeigene geworden.   

Viele Dörfer wurden damals zur Gründung einer Vikarie herangezogen, um das „Seelenheil“ von Adligen oder Kirchenherrn zu garantieren ( siehe auch Vikarien der Bosauer Kirche).

Nächste Nachricht über das Dorf Pehmen erfahren wir erst 1490 aus dem Königlichen Pfandregister (Registrum König Christian I.) Auszüge :

Plön, Schloß und Stadt, ist verpfändet mit Zubehör ....... an Hartog Pogwisch für 9000 Mark Lübsch.

Die Einkünfte der Burg und Vogtei :

>> 3 marck uth deme dorpe Pemen to verbittelgelde, unde dat sulve dorp horth to usem lene oppe der borch, dat nu unse seriver Johannes Kordes heft <<

Mit Sunte hulpes Kapelle und einer Vikarie auf unserer Burg haben wir 7 ewige beständige geistliche Lehen zu Plön ....

>>..Dat lehen oppe der borch dat nu Johannes Cordes hett, dar licht dat gantze dorp Pemen inne Karspel to Bosow, dar wanet inne 5 lansten.<<

 

Aus diesem Dokument erfahren wir über Pehmen nur, dass das Dorf jährlich 3 Mark Schutzgeld (Verbittelsgeld) an den Burgvogt zu zahlen hat und dass dort 5 Hufner (Lansten) leben. Dies ist nicht viel aber immerhin etwas. Denn auch in den folgenden Jahrzehnten taucht das Dorf nirgends auf.

Erst nach dem geschichtlichen Wandel in unserem Lande, das auch für Plön erhebliche Folgen hatte, tritt es wieder in Erscheinung.

Nach der Einführung der Reformation  in Plön war auch die Zeit der „ewigen Vikarien vorbei. Die Altäre der Heiligen verschwanden, von dem Kirchenschmuck der katholischen Zeit blieb nicht viel erhalten.

Die Vikarien wurden von Herzog Christian III. konfisziert  und so kam auch Pehmen endgültig zum Amt Plön.

Bei der Landesteilung kam Plön an den Herzog Johann den Jüngeren, der in Sonderburg residierte.

Dieser Herzog nahm wiederum eine Teilung seines Landes vor, bei welcher die Ämter Plön, Ahrensböck, Reinfeld und Rethwisch dem Herzog Joachim Ernst zufielen. Dieser trat im Jahre 1623 die Regierung des neuen Herzogtums Plön an.

Herzog Joachim Ernst versuchte nun sein Territorium durch Zukauf von adligen Gütern zu erweitern.  

1637 erwarb er Kleveez, 1638 Pehmen und 1648 Stocksee.

Zuerst erfolgte deren Bewirtschaftung in Eigenregie doch dann erschien dem Amt Plön eine Verpachtung der Güter wohl gewinnbringender zu sein.

Laut Amtsrechnungen scheint die erste Verpachtung des Gutes Pehmen im Jahre 1677/78 stattgefunden zu haben.

Aber erst ein Pachtvertrag aus dem Jahre 1692 gibt nähere Auskunft über die „Größe“ des Anwesens.

Das Gut wurde von „Maitag“ 1692 bis „Maitag“ 1696 an den „Pensionarius“ Jürgen Petersen verpachtet.

Zum Gut gehörten zwei Bauern, die zu täglichem Hofdienst auf dem Gut verpflichtet waren. Zur Heu- und Kornernte konnte er außerdem die Stockseer Untertanen zur Hilfe holen, jedoch nur jeweils zwei Tage lang.

Das gesamte lebende und tote Inventar stellte die herzogliche Verwaltung und musste nach Beendigung der Pacht zurückgegeben werden.

Es bestand aus sechs Milchkühen, sechs Starken, zwei alten „Harkochsen“, fünf vierjährigen Stieren und einem Bullen und aus zwei Wagen und zwei Pflügen.

Wahrlich keine großartige Ausstattung für ein „Gut“.

Jeder Hufner im Stift Eutin hatte mehr an Vieh und Gerätschaften.

Möglicherweise mußten die dienstpflichtigen Bauern auch die Pferde stellen, denn ein Gutsbetrieb ohne Pferde war nicht möglich.

1709 finden wir den Pächter Jürgen Petersen im Dorf Bichel wieder.

Laut Erdbuch ist er dann 79 Jahre alt und wohnt als Häuerinste in einer Altenteilskate von 4 Fach und hat an eigenem Vieh 2 Kühe, 6 Schafe und 1 Schwein.

>> Hätte weiter keine Handthierung,  sey vor 12 Jahren Pensionarie auf Pehmen gewesen<< 

Nach 1696 wurde das Gut zwar wieder verpachtet. Das Amt Plön  hat aber wohl niemals, weder in Eigenregie noch durch Verpachtung, viel Geld mit dem Gut verdient.

Im Jahre 1777 wurde das Gut dann endgültig aufgegeben.

H. Kamphövener ( weitere Angaben siehe Quellenangabe) schreibt 1787 :

Stocksee, Pehmen und Tarbeck im Amt Plön.

>> Diese 3 Güter sind mit einander zugleich niedergelegt worden .

Die Gutsunterthanen dieser Güter sind zwar Leibeigene gewesen, aber von ihnen ist kein Freikaufsgeld bezahlt, sondern ihre Freiheit und das Eigenthum ihrer Häuser und Beschlag geschenkt worden ....  Wegen der Aufhörung des Dienstes sind sie auch zu keinem Dienstgeld angesetzt, , sondern es ist in ihren durch eine neue Setzung nach dem wahren Ertrag des Landes bestimmte Abgaben mit begriffen ...<<

Nach Angaben von Kamphövener  bestand das Gut Pehmen damals aus

344 Tonnen und 4 14/16 Scheffel – Land, wovon der Pehmer See 16 Tonnen u. 6 4/16 Scheffel ausmachte.

Also bestand das eigentliche Hoffeld nur aus 327 Tonnen und 6 10/16 Scheffel-Land.

Wahrlich kein großartiges Anwesen.

Im Jahre 1778 wurde es dann aufgeteilt und verkauft.

Hiermit endet die geschichtliche Entwicklung von der Turmhügelburg zum Gut und verlief gänzlich anders als bei Nehmten.


Der Hof Pehmen hat seit dem 12. Jahrhundert  keinen Landzuwachs gehabt und deren ehemalige Besitzer haben niemals eine besondere Rolle in der Geschichte gespielt.

Die frühen Kolonisten wurden zwar auch hier im Laufe der Jahrhunderte zu Leibeigenen, haben aber wahrscheinlich unter dieser Leibeigenschaft weniger gelitten als ihre Nachbarn und wurden bereits 1777 wieder freie Bauern.

Offiziell war die Leibeigenschaft in Schleswig-Holstein erst am 1. Januar 1805 vorbei





Unmittelbar beim Gut Pehmen liegt die „Hammerkuhle“.

In der Sage liest es sich so : (Auszug aus dem Heimatbuch Kreis Plön)

Der Teufel mit dem Hammer

>> Damals, als das Plöner Schloß gebaut ward, stand der Teufel oft bei Sonnenaufgang auf dem Segeberger Kalkberge und sah mit Verdruß das schöne Gebäude sich erheben. Als ihm aber endlich die Fenster des Schlosses entgegenfunkelten, ergrimmte er so, daß er seinen großen silbernen Hammer ergriff und hinüberschleuderte. Er hätte auch wahrscheinlich das Schloß zerschmettert, wenn nicht unterwegs glücklicherweise der Hammer vom Stiel geflogen wäre. Nun fuhr er nieder auf eine Koppel der Dorfschaft Pehmen am Plöner See und drang so tief in die Erde, daß er eine Kuhle bildete, die meist mit Wasser angefüllt ist und noch heute die Hammerkuhle heißt. Ein alter Eichbaum stand früher daneben, und das war der Stiel des Hammers gewesen..<<


Eine  etwas andere Version bei Gustav F. Meyer. Dort ist es ein Riese, statt Teufel, sonst ist die Geschichte aber ähnlich.

Als nächstes:

Raubritter Peter Muggel

Sage und Wirklichkeit

Moin, Moin un kiek mol wedder in !

Quellen :

Beschreibung der bereits vollführten Niederlegungen Königlicher Domainen-Güter in den Herzogthümern Schleswig und Holstein. Womit zugleich die Aufhebung der Leibeigenschaft, wo sie statt gefunden hat, verbunden gewesen ist.

H. Kamphövener, Kopenhagen 1787

Urkundensammlung der Gesellschaft für Schleswig- Holstein- Lauenburgische Geschichte

Urkundenbuch zur Chronik der Stadt Plön, Bürgermeister Kinder

Heimatbuch des Kreise Plön, 1953

Helmold von Bosau – Slawenchronik – v. Heinz Stoob, 1973,

Das Herzogtum Plön unter Herzog Johann Adolf  von Joachim Neumann in

„Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holstein“, Band 94, 1969

Schleswig Holsteiner Sagen, von Gustav F. Meyer

Luftbildaufnahme von Herrn Helmut Schröder, Hutzfeld

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