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Schwarzhorn, 2812 mtr

dieses unendliche Glück muß man erst haben. Im Jänner, bei der Urlaubsplanung, habe ich Montag, Dienstag und Mittwoch dieser Traumwoche, ohne zu wissen, wie das Wetter wird, als Urlaubstage eingetragen. Auf solche Verhältnisse kann man sonst warten, bis man schwarz wird. Oder, sie gehen an einem vorbei, ohne daß man selber was unternehmen kann und man muß sich, den "Trenz" permanent abwischend, anschauen, was die anderen alles machen und man selbst ist ans Büro gefesselt. Siehe letzte Saison. Heuer aber wird eine neue Geschichte darüber geschrieben.
 
Am Samstag waren wir auf dem K2, Sonntag dann ein "Hatscher" auf den falschen Kaserer, bevor ich mir heute diesen lange ersehnten Traum bei Bedingungen erfüllte, wie sie besser nicht mehr werden.
Gar nicht allzufrüh, um 07:10 Uhr, bin ich bei der Kemater Alm losmarschiert. Nach 10 min tragen (das Schlüsselwort für viele von uns, das leider automatisch "Ende der Skitourensaison" für sie bedeutet) schnalle ich die Latten an und marschiere über ruppige Lawinenhäufen taleinwärts.
Dort, wo kleine Bächlein den Weg kreuzen, haben sich immer wieder kleine schneelose Klussen gebildet. Die Schi bleiben dran, da gehts auch so drüber.
Im Talboden ist es frisch, der thermische Luftaustausch sorgt dafür, dass ein Briserl weht. Mir wurscht, weil mir "die Larve" von den letzten Tagen sowieso brennt und das war angenehm kühl.
1 km vor dem Sendersjöchl zweigt die Spur nach rechts, den steilen Hang hinauf zu einem kleinen Hütterl. Dort vorbei fängt das muldige Gelände Richtung Gipfel an, vorher noch flach, dann wird es richtig schön happig. Meine Vorgänger müssen ziemliche Räuber gewesen sein, die Spuranlage hat mit "angenehm" nix mehr zu tun gehabt. Eher wollten die austesten, wie steil man eine Spur anlegen kann, ohne daß man abstürzt :-) kam mir zumindest vor.
Ich schraube mich also die Mörderspur rauf, bis zum Abzweig "schwarze Wand", halte mich aber links. Nach einigen Spitzkehren stand ich dann da, vor einem unscheinbaren Gratansatz, vorher waren ein paar Stapfen im Schnee, aber wie die Vorgänger auf den Grat kamen, war mit Spurenlesen nicht nachvollziehbar. Ich mache die Schi auf den Rucksack (sehr sehr gute Entscheidung!!), wenn auch nur für 15 Höhenmeter, weil die Hände brauchte ich beide frei, und zwar richtig!
Dort, wo die Stapfspuren aus waren, wuchtete ich mich über den Ansatz, kralte mich in einen Felsen, den ich vorher mit den Händen vom Schnee befreite und dachte mir, "den lassi jetzt sicher nimma aus!". Die nächsten beiden Höhenmeter gewann ich auf dem Bauch liegend, die Füsse stemmten sich gegen irgendwas und mit der rechten Hand schaffte ich es, einen weiteren Henkel vor mir zu ergreifen, mit dessen Hilfe ich mich ins sichere Gleichgewicht zog.
Zuerst auf allen vieren, gleich aber wieder stehend brachte ich die letzten Meter hinter mich, daß Kreuzerl lugte mich zur Belohnung die ganze Zeit an.
Die Gipfelrast verbrachte ich damit, zu recherchieren, ob eine Abfahrt ins Fotschertal möglich wäre. Meine Meinung: ja, aber man sollte vermutlich besser nicht alleine sein. Der Übergang zur "hohen Schöne" könnte ganz nett knusprig werden. Noch ein paar Fotos und ich mache mich bereit, in die steile Gipfelrinne einzufahren, naja, eigentlich mehr, hineinzurutschen. Die Felsen schauten heraus und ich hatte Kontakt mit ihnen. Dann aber, nach ein paar Metern einrutschen, begann eine der schönsten Abfahrten des heurigen Winters. Oben staubte es im Schatten, rüber in die Sonne wurde ich mit Firn belohnt. So konnte man sich regelrecht aussuchen, was man gerne hatte. Und ich sah`beim Aufstieg schon den schönen Hang, der mir jetzt bevorstand. Er war durch eine Rechtsquerung an der richtigen Stelle zu erreichen.
Es war doch tatsächlich eine 10 cm Pulverauflage auf hartem Untergrund, die jetzt von mir verziert wurde.
Unten, wo im Sommer das Bacherl fließt, schwebte ich im 3 cm Firn ganz hinaus ins Senderstal. Rasten. Dann noch einmal - zügig - neben dem Bach hinaus Richtung Kemater Alm. Hier war Firn nicht so wichtig, dadurch, daß es eher noch hart war, gings zügig dahin.
Die paar Lawinenstriche gequert, 10 min zu Fuß zur Alm zurück und zum Mittagessen daheim.
Juhui, das war einer der schönsten Tourentage des heurigen Winters.
Giggi, 18.4.2011
 
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