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Gaiskogel - Nord/Ost

es begann mit einem Blick und einem Foto am 20.5.2004. Der Gaiskogel war meine erste richtig alpine Eroberung auf Schiern, aber damals noch über die Gaiskogelscharte und den Westaufstieg, und das ganze ab Kühtai, vorbei an den  Drei-Seen-Liften. Ungläubig bestaunte ich die Nordostrinne (ja, damals war Schnee keine Mangelware), die sich gut gefüllt präsentierte. (Hier das Original-Bild aus 2004)
Hier soll man abfahren können? Im AV-Führer wars jedenfalls beschrieben und die Rinne sah auch "eingefahren" aus. Nun ja, in all den Jahren habe ich nie vergessen, daß ich dort mal runter will. 2009 machte ich noch von der Lawinengalerie Richtung Kühtai ein Foto des Gipfelfinales und legte es in den Ordner "Archiv- und Ideensamlung".
Immerhin muß man ja im richtigen Moment wissen, wo man hingehen will. Und heute konnte ich mir  den nächsten Traum erfüllen. Der einfachheit halber, und daß ich es besser beurteilen kann, packte ich auch den Aufstieg von Haggen. So sah ich gleich, was mich bei der Abfahrt erwartet.
Vom Auto zuerst über ein flaches Wiesenstück, den Bach querend, hin zu einer steilen, aber gut zu fahrenden Schneiße.
Ohne Harscheisen wärs Scheiße gewesen, so gings zügig voran. Vor mir drei Schwaben mit Board und Schneeschuhen. Obgleich ich gemächlich dahinzuggelte, holte ich sie bald ein. Mit Ihren Aufstiegsgeräten hatten sie nicht das große Los gezogen und kämpften und mühten sich sehr ab, während ich, mit feinen Harscheisen dran, ohne Extrakraft, dahinmarschierte. Bald war der erste Aufschwung geschafft und ich betrat die "Vorderhirscheben", eine schöne Mulde, die zum Gipfelaufschwung führt.
Nach der Flachstelle hielt ich mich rechts und ein etwa 500hm langer - wunderschöner Schihang - war zu ersteigen. Die Steilheit nahm nach oben hin zu, bis - so etwa 200 mtr unter dem Gipfel - geschätzte 45° Hangneigung dazu zwangen, keine Spitzkehre mehr zu machen, sondern hinauszuqueren.
Ich folgte der zugewitterten Spur, welche auf einen kleinen Rücken führte und sah, daß ich noch 100hm mit Schiern bewältigen würde, dann begann der Rinneneinstieg mit stapfen. Die Schi wurden geschultert und der anstrengendste Teil begann.
Einige Schnaufpausen waren notwendig. Doch, auch der unnötigste Part hat ein Ende, der Ausstieg aus der Felsenge war wie eine Befreiung. Aaaaah, Gipfelluft ist halt doppelt so gut!
Ich bin alleine. Schauen. Im Gipfelbuch eintragen. Am 17.2. war "der Bernhard" da - haha, auch nicht schlecht.
Umrüsten für die Abfahrt. Die Schwaben beobachtete ich noch immer, der erste war noch nicht ganz beim Einstieg.
Ich dachte, daß ich schnell machen werde mit der Einfahrt, nicht daß ich ihm durchs Abrutschen das ganze Material entgegenböllere. Richtig entschieden, während ich supervorsichtig hinabrattere, sehe ich nochmals, wie ungeeignet Schneeschuhe für so eine Tour sind. Und wo ich mit harten Schischuhen Stapfen nach Lust und Laune hineinhaue, geht bei denen - mit den Softboots - nichts in dieser Richtung. Mit dem ersten Schwab`wechsle ich noch ein paar Worte, wünsche Ihnen guten Aufstieg und Abfahrt (mit Board, naja, hardcore.....) und mache mich aus dem Staub.
Jetzt habe ich auch den wildesten Teil der Abfahrt hinter mir und kann die schönen Hänge - teilweise - genießen. Der Schnee ist etwas unberechenbar, aber wieder, ausmachen tut`s nicht die Fahrt selber, sondern die Route. Ich crosse ein bißchen hinaus, Stop! Bruchharsch - wieder zurück. Teilweise ist der Hang pistenartig eingefahren. Da bleib`ich, bis in den ersten Talboden.
Weiter hinaus geht`s über zerfurchte Spuren bis zum letzten Steilhang hinunter zum Bach. Es firnt fast schon ein bißchen auf, Frühjahr - ich komme......! Unten dann benutze ich, mit mir selbst eine Wette abschließend, eine morsche Brücke über den Bach. Wette gewonnen! Die Brücke hat gehalten!
Die Freude über die gelungene Partie ist groß, zumal auch noch das Wetter sehr gut gehalten hat und die angekündigte Verschlechterung "während des Tages" - noch lange nicht folgte. Und immerhin, NICHT gehen, kann ich in diesem Jahr noch exakt 309 mal.
Giggi, 20.2.2011
 
 
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