Sempervivum


Die Dachwurz begleitet die Menschheit seit über 2400 Jahren. Der botanische Name Sempervivum kommt aus dem Hoch-Mittelalter und bedeutet übersetzt immerlebend. Die ersten Erwähnungen dieser Pflanze in der Antike zeigen, dass der Saft dieser Pflanze den Samen anderer Kulturpflanzen vor Tierfraß schützen sollte. Der damit behandelte Samen sollte langlebiger gemacht werden. Immerlebend weist aber auch auf die Robustheit dieser mehrjährigen Pflanze hin, obwohl jede Rosette nach dem Blühen abstirbt und vertrocknet.

Die Pflanze besitzt zahlreiche Namen, die seinen Mythos in sich tragen. Ich möchte hier nur einige Namen nennen:
 
Hauswurzn, Steinrose, Dachwurz, Hauslauch, großes Sedum,

In England: Houseleeks oder Hens and Chicken, Housleke, Houselike, Houselyke, Houseleeke, Housleek, Singrene, Sengrene, Sengreene, Aygrene, Jupiters Beard, Jupiters Eye, Bullocks Eye,

In Schweden: Huslög,
In Frankreich: Joubarbe,
In Italien: Semprevivo Maggiore,

Uralt ist der Glaube der Hauswurz an die abwehrende Kraft vor Blitzeinschlag, deren Beziehung zum Gewittergott Donar Namen wie Dönnerkrut im Bereich Lüneburger Heide oder Donnerstock im Bereich Oldenburg verraten.

Ihr botanischer Name, nämlich Sempervivum tectorum, setzt sich aus drei lateinischen Wörtern zusammen. Übersetzt man "semper" mit immer, " vivere" mit leben und "tectus" mit Dach, so kommt man zu der Aussage: "Pflanze, die immer lebt und auf den Dächern wächst".

Sun QueenSilver Web

Die Dachwurz ist eine klassische Heil-, Hexen- und Zauberpflanze. Ob Priester, Nonnen oder Mönche, ob Ärzte oder Heiler, ob Hexen oder Scharlatane, ob Zauberer oder Alchemisten, in irgendeiner Form haben sich alle schon mit der Hauswurz beschäftigt.  Schon im 4. Jahrhundert vor Chr.  berichtet der griechische Botaniker Theophrastus von ihrer Anwesenheit. Bei den Römern wurde sie dem Gott Jupiter gewidmet und zu späterer Zeit auch dem Gott Donar. Dadurch lassen sich auch die deutschen Namen Jupiterbart, Donnerbart, Donnerlauch, Donnerkraut, Wetterwurz und Donnerwurz ableiten.

Karl der Große  (Carolus Magnus)  wurde 742 in Neustrien geboren. Karl der Große war fränkischer König und Kaiser des Westreichs. 795 erließ er (möglicherweise war es auch sein Sohn Ludwig der Fromme) die Kapitularengesetze. Dies war eine Liste mit 72 Pflanzen, die in den königlichen Gärten angepflanzt werden sollten. Karl der Große starb 814 in Aachen. Im 9. Jahrhundert wurden somit in der Karolingischen Landgüterverordnung "Capitulare de villis vel curtis imperii" den Verwaltern angewiesen, gewisse Pflanzen zu pflegen: "Et ille hortulanus habeat super domum suam Jovis barbam." Auf dem Dach eines Hauses habe jeder Gärtner die Dachwurz. So steht es in Kapitel 70, am Ende der aufgeführten Heilkräuter.

LXX.

Volumus quod in horto omnes herbas habeant, id est lilium, rosas, fenigrecum, costum, salviam, rutam, abrotanum, cucumeres, pepones, cucurbitas,
fasiolum, ciminum, ros marinum, careium, cicerum italicum, squillam, gladiolum, dragantea, anesum, coloquentidas, solsequiam, ameum, silum, lactucas, git, eruca alba, nasturtium,
parduna, puledium, olisatum, petresilinum, apium, levisticum, savinam, anetum, fenicolum, intubas, diptamnum, sinape, satureiam, sisimbrium, mentam, mentastrum, tanazitam, neptam, febrefugiam, papaver, betas, vulgigina, mismalvas, id est altaea, malvas, carvitas, pastenacas, adripias, blidas, ravacaulos, caulos, uniones, britlas, porros, radices, ascalonicas, cepas, alia, warentiam, cardones, fabas maiores, pisos mauriscos, coriandrum, cerfolium, lacteridas, sclareiam. Et ille hortulanus habeat super domum suam Iovis barbam.

Zu den verordneten Pflanzen gehörte somit auch die Hauswurz. Auf diese Weise wurde die Pflanze in ganz Europa verbreitet. Man fand die bunten Rosetten vor allem auf Dächern und Dachrinnen. Die Hauswurz hatte nämlich ursprünglich den Zweck lose Ziegeln und Strohdächer zusammen zu halten oder die Lehmdecke vor Auswäschung zu schützen. Von den Bäuerinnen wurden die Pflanzen als Wegbegrenzung  am Zaun entlang oder auf Steinsäulen gepflanzt.


"Wer edle Hauswurz hält in Ehren, der kann wohl manchem Übel wehren", aus Alräunchens Kräuterbuch von 1882


Naturformen

Sempervivum ist eine genügsame, sehr robuste, widerstandsfähige Gattung und besitzt die Fähigkeit lange Trockenperioden zu überdauern. In der Natur kommt die Hauswurz mit ihren verschiedenen Arten in den Gebirgslagen Europas vor. Hier wächst sie äußerst genügsam auf steinigen Böden. Es sind über 50 Arten bekannt. Die meisten Arten sind untereinander leicht kreuzbar. Sie stammen aus dem europäischen Gebirge. Das Verbreitungsgebiet der Arten erstreckt sich von den Pyrenäen über die Alpen bis in den Kaukasus und darüber hinaus.


Sempervivum atlanticum ist im Atlasgebirge in Nordafrika beheimatet. Wegen seiner Herkunft benötigt diese Art jedoch etwas Winterschutz.

Sempervivum arachnoideum findet man in den Alpen bis zu den Pyrenäen aber auch auf Korsika und ist die kleinste und zierlichste Art aus der Gattung Sempervivum, wie auch die variabelste. Diese Art zeichnet sich durch die spinnwebartige weiße Haare aus und ist in der Regel kalkfliehend. Die Behaarung ist mit ihrem Silberglanz im Sommer am intensivsten ausgeprägt.
Die Haare dienen als Sonnenschutz und schützen vor Verdunstung. Im Winter sind diese Haare dann weniger vorhanden oder verschwinden gänzlich. Besonders schön sind die Züchtungen Angels´s Face, Blütenwolke und Woodpecker. Die Blütenfarbe zeigt sich in den Sommermonaten Juni bis Juli in ein kräftiges Rot oder seltener in ein reines Weiss.



Sempervivum annae
findet man im Kaukasus. Die Ausläufer können bis 20 cm lang werden.

Sempervivum armenum
findet man in Armenien wie auch in der Türkei. Die Art ist nicht einfach in der Kultur und benötigt bei viel Regen einen Winterschutz.

Sempervivum braunii kommt in den Alpen, auf dem Grossglockner auf einer Höhe von 2500m vor.

Sempervivum calcareum stammt von den Seealpen. Die blühfaulen Rosetten sind mehrfarbig und zeigen eine braunrote Blattspitze. Die Blätter der Rosetten sind dicht aneinandergereiht. Die hellrosa farbenen Blüten treten nur selten in Erscheinung.
Sempervivum calcareum from Guillaumes

Sempervivum cantabricum findet man in den Kantabrischen Bergen in Spanien. Die Rosetten haben bis 40 Blätter und die Spitzen sind dunkelpurpur. Die Tochterrosetten sitzen an langen, behaarten Stolonen.

Sempervivum caucasicum
findet man in Höhenlagen ab 1300 m von Georgien bis Asserbeidschan. Die Art liebt sandigen bis kalkhaltigen Boden und hat kräftig dicke Stolonen.

Sempervivum ciliosum stammt aus dem Balkan und hat dicht bewimperte kugelige Rosetten mit gelben Blüten im Juni.  Die Stolonen sind etwas belaubt. Die Blätter sind auffallend überlappt.



Sempervivum grandiflorum findet man auf höhergelegenen Weideflächen vorwiegend in der Schweizer-Italienischer Grenzregion. Die Pflanze ähnelt Sempervivum tectorum in Form und Größe. Sie hat die größten Blüten in der Gattung. Die Blütenfarbe ist gelb. Die Blätter sind sehr lang und haben dunkelrote Spitzen. Die Rosetten haben einen harzigen Geruch und die langen Stolonen sind beblättert. Die Art ist wüchsig, aber kalkfliehend.

Sempervivum ingwerwenii findet man im Kaukasus. Sie bildet viele Tochterrosetten. Ist jedoch ein fauler Blüher.

Sempervivum iranicum findet man im Iran im Elbursgebirge und muss vor der Winterkälte geschützt werden.

In der Sierra Nevada Spaniens findet man in den Silikatfelsen und in den Geröllfeldern die Hauswurz Sempervivum nevadense.

Sempervivum ruthenicum
fühlt sich sogar am Waldrand unter Kiefern wohl.

Sempervivum kindingeri
ist von der Erscheinung her ähnlich Sempervivum pittonii und Sempervivum leucanthum, jedoch im Winter gegenüber Nässe etwas mehr empfindlich. Insgesamt ist aber Sempervivum leucanthum viel kleiner, hat aber dieselben gelben Blüten. Sempervivum leucanthum hat dagegen viel mehr Blätter.

Sempervivum kosaninii findet man in Makedonien auf Kalkstein. Die Kindel bilden sich an langen belaubten Stolonen.

Sempervivum leucanthum findet man im Rila Gebirge in Bulgarien. Die Rosetten haben bis 80 Blätter und sind nach innen gebogen. Die Art bildet wenig Tochterrosetten.

Sempervivum pittonii, auch Serpentin-Hauswurz genannt, ist eine endemische Art und kommt nur an zwei Bergen an den Steilhängen und in den Wänden auf Gulsen bei Kraubarth an der Murr im österreichischen Bundesland Steiermark vor. Die Pflanze hat im gesamten mitteleuropäischen Raum keinen näheren Verwandten und gedeiht hier auf serpentinischem Boden. Die nächsten Verwandten sind Sempervivum leucanthum, die ein kleines Areal in Bulgarien besiedeln.


Sempervivum pittonii

Sempevivum marmoreum findet man in Osteuropa, von der Slovakei bis nach Bulgarien. Es gibt viele Standorttypen und Unterarten mit auffallend intensiver Blattfärbung von braunen bis roten Rosetten. Manche zeigen durch die sehr dicht stehenden drüsigen Haare ein samtartiges Aussehen. Viele unserer Hybriden sind durch die Einkreuzung dieser Art entstanden.
Unterarten: Sempervivum ballsii,
                   Sempervivum erythraeum,
                   Sempervivum regina-amaliae,

Sempervivum montanum findet man von den Pyrenäen über die Alpen bis in die Karpaten, aber auch in Apennin und auf Korsika. Die Art ist kalkfliehend. Die Kindeln entwickeln sich an schlanken belaubten und behaarten Ausläufern. Die Blätter entwickeln wie auch Sempervivum grandiflorum bzw. Sempervivum davisii einen kräftigen Harzgeruch.
Unterarten: Sempervivum montanum subsp. burnatii
                   Sempervivum montanum subsp. carpaticum
                   Sempervivum montanum subsp. stiriacum
                   sempervivum montanum subsp. minimum

Sempervivum tectorum auch Dachwurz genannt findet man in den Alpen, den Pyrenäen und im Norden des Balkans. Das sukkulente Blatt zeigt eine purpur bis bräunliche Spitze. Die Kindel sitzen an kräftigen Stolonen.

Sempervivum wulfenii findet man in den Alpen von der Schweiz über Österreich bis nach Slowenien. Die Blätter der Rosetten sind  weniger zahlreich und unbehaart. Die Art wächst langsam, ist kalkfliehend und bildet
kräftige Ausläufer mit wenigen Tochterrosetten.
Sie blüht ab Juli bis August mit den Farben gelb bis trüb-gelb.


Eine Reise in die Vergangenheit der Hauswurz


 
Welcher Botaniker wurde mit seinen Namen bei den Sempervivum-Arten geehrt oder hat eine besondere Leistung erbracht?

Konrad von Megenberg (1309 - 1374) stammte aus Mäbenberg in der Nähe von Nürnberg und verbrachte als ältester Sohn einer Familie des niederen Adels seine Kindheit in ländlicher Umgebung. In der Zeit bis zum Ende der Studienjahre verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Nachhilfestunden. 1342 wurde er Rektor an der Stephansschule in Wien und später Dompfarrer und Domherr zu Regensburg.

Von nachhaltigster Wirkung war sein in deutscher Mundart in den Jahren 1349 -1350 verfasste Werk "Buch der Natur" oder besser das "Buoch von den natürleichen dingen". Konrad von Megenberg schrieb in der bayerisch-österreichischen Mundart, die er sich in Wien angewöhnt hat. In seinen Buch im Kapitel V "VON DEN KRÄUTERN" auf Seite 387 äußert er sich über die magischen Kräfte der Hauswurz : „ ...Barba Jovis haizet hauswurz ....  die maister/die sich fleizent zauberei/die sprechent daz ez den donr und daz himelplatz
en verjag/und darumb pflanzet man ez auf den häusern ....“. Das Buch gehörte im 14. Jahrhundert zu den beliebtesten Büchern und war damals in fast jeder grösseren Bibliothek vorhanden.

Sein Buch, noch von Hand geschrieben, war die erste Darstellung der Natur in deutscher Sprache. Das Verlagshaus Diebold Laubers war bei den späteren Auflagen (1440 - 1448) für die Bilder des Buches verantwortlich.

Eine auf einer Leiter stehende Frau bepflanzt ein Hausdach mit Dachwurzn

Titel: Von der huß wurtzen. Im Bestand der Universitätsbibliothek Heidelberg Cpg 300







Otto Brunfels ( 1488-1534) war ein deutscher Mediziner und Botaniker. Er zählte zu den Vätern der Botanik. Brunfels studierte zunächst Theologie und Philosophie an der Universität Mainz und trat in das Kartäuserkloster Mainz ein, von wo er in die Kartause zu Königshofen bei Straßburg wechselte. 
Der Rechtsgelehrte Nikolaus Gerbel wies ihn auf die Heilkraft von Pflanzen hin, womit dann sein späterer Weg als Botaniker bestimmt wurde. Nach Übertritt zum Protestantismus,  wurde er 1521  Pfarrer in Steinau an der Strasse und später in Neuenburg am Rhein. Nach dem Tod seines Freundes Ulrich von Hutten (1523) neigte er sich den Prinzipien einer altevangelischen Brüdergemeinde zu. Er studierte dann Medizin an der Universität Basel und erwarb 1530 den Doktorgrad. Das Bild links zeigt Otto Brunfels als Holzschnitt (Berlin Kupferstichkabinett). Bis zu seinem Lebensende blieb er dann Arzt in Bern. Otto Brunfels schrieb um 1532 sein  Kräuterbuch "Contrafayt Kreüterbuch",
wobei er hier die einheimischen Pflanzen in Holz schneiden und unter diese Abbildungen die deutschen Namen setzen liess. Hier wird ausführlich die Hauswurz beschrieben. Aber er war nicht überzeugt, dass die Hauswurz die Eigenschaft hat, das Hausdach gegen Blitzeinschlag zu schützen. So machte er sich über diesen Volksglauben lustig, indem er schrieb: "
Must freilich ein stumpffer und ein doller Blytz sei, den solchiges klein kreutlein solt widerlegen. Es haben auch die Römischen Keiser sich vor Zeiten mit diesem Kraut gekrönet ….....dann das sie vor solchem ungefäll des Gewitters sicher weren. Die Griechischen Poeten fabuliern auch davon, wie das ein abgott des Meers genannt Glaucus / dadurch erlangt habe unsterblichkeit. Die Latinischen geben im viel selzamer Namen / als Sempervivum/Sedum/Barba Jovis . Alles von wegen seiner ewigkeit und hochwürdigkeit/."

Franz Xaver von Wulfen (1728-1805) wurde als Sohn eines Offiziers geboren. 1745 trat er dem Jesuitenorden bei und wurde Seelsorger. Neben seiner Tätigkeit als Priester widmete er sich in seinen Mußestunden den Naturwissenschaften.  Als leidenschaftlicher Botaniker hat er die Ostalpen erforscht und beschrieb weitere noch weitgehend unbekannte Pflanzenarten.  Er war mit Scopoli, Hedwig, Schreber und Haller befreundet und war ein eifriger Pflanzensammler. Mit 77 Jahren starb er an den Folgen einer Lungenentzündung. Ihm zu Ehren wurde  durch Hoppe die Wulfen Hauswurz Sempervivum wulfenii benannt.

Carlo Ludovico Allioni (1728-1802) war ein italienischer Arzt und Botaniker. An der Universität von Turin war er Professor der Botanik. Er leitete auch den Botanischen Garten von Turin. Bei seiner Untersuchung der Pflanzenwelt im Piemont konnte er 237 bisher unbekannte Pflanzenarten auflisten. Die Art Sempervivum Jovibarba allionii wurde nach ihm benannt.

Jean Gaudin (1766-1833) wurde als Sohn eines Pfarrers geboren. Nach seinem Studium
wurde er  auch Pfarrer und Lehrer der Naturgeschichte. Durch seine Verdienste in der Botanik wurde er 1820 als Professor nach Lausanne berufen. Sempervivum gaudinii wurde ihm zu Ehren benannt. Sempervivum grandiflorum wird synonym zu Sempervivum gaudinii subsp. wulfenii und synonym zu Sempervivum braunii subsp. gaudinii gehandelt und ist identisch mit Sempervivum gaudinii.

Der Apotheker und Botaniker Heinrich Christian Funck (1771-1839) bereiste die deutschen und schweizer Alpen. Seit seiner Jugend widmete er sich der Pflanzenwelt. In seinem Alpinum in Gefrees sammelte er verschiedene Hauswurzarten. Er setzte aber auch in der Natur an geeigneten Stellen seine Pflanzen aus. Als Folge findet man im Fichtelgebirge um Bad Berneck eine  Ansalbung von Sempervivum und von Jovibarba
globiferum ssp. arenaria Arten. Seine größten Verdienste hat er sich aber wegen seiner Arbeit bezüglich der Laubmoose erworben. Die Hybride Sempervivum funckii wurde vom Botaniker Karl Friedrich Wilhelm Braun (1800-1864) beschrieben. Vermutlich ist Sempervivum funkii ein Bastard aus Sempervivum arachnoideum und Sempervivum  montanum. Heinrich Christian Funck und Karl Friedrich Wilhelm Braun waren befreundet und tauschten ihre Sammlungen gegenseitig aus.

Professor Giuseppe Comollo
(1780-1849) war ein italienischer Botaniker und Agrarwissenschaftler in Pavia. Ihm zu Ehren wurde die Naturform (Hybride) Sempervivum comollii benannt.

Heinrich Wilhelm Schott
(1794-1865) Hofgärtner in Wien, beschrieb als erster die Naturform Sempervivum heuffelii, die er dann nach den ungarischen Botaniker Janos Heuffel (1800-1857)  benannte. Johann Heuffel war auch als Kenner von Heilpflanzen und als Homöopath bekannt.
Sempervivum bewurzelte Stechlinge
Er widmete sich der botanischen Erforschung der Karpaten und machte Exkursionen im Banat, sowie im Balkangebirge. Sempervivum heuffelii ist auf Kalkböden in den Bergen der Balkanhalbinsel und im Osten der Karpaten verbreitet.

Die Serpentin Hauswurz wurde zu Ehren von Joseph Claudius Pittoni Ritter von Dannenfeldt (1797-1878) mit dem Namen Sempervivum pittonii getauft. 
Joseph Claudius Pittoni war Gutsbesitzer in Graz. Er war Mitglied der botanischen Gesellschaften zu Regensburg und Edinburg. Sein Herbar war eines der größten europäischen Privatsammlungen und wurde im Jahre 1869 für das kaiserliche botanische Museum aufgekauft.  Sempervivum pittonii  ist mit Sempervivum ruthenicum  ssp. zeleborii var. leucanthum verwandt (Rila Gebirge). Die Pflanzen sind streng geschützt und benötigen einen sauren Boden. Sempervivum pittonii ist eine endemische Art, die man nur bei Kraubarth an der Mur in Österreich findet.

Dr. Franz Josef Lagger (1799-1870) war ein schweizer Arzt und Botaniker. Ihm zu Ehren wurde eine Naturform Sempervivum arachnoideum var. laggeri benannt.
Als Botaniker sammelte er in der Umgebung von Dijon, später im Oberwallis und im Kanton Freiburg. Sein Hebarium, mit 185 Schachteln, befindet sich im Museum Freiburg (Fribourg, Schweiz).

Die Anfangsjahre des vorletzten Jahrhunderts bringen eine grundlegende Wende im Studium der Botanik. Man wird jetzt auf die Beziehung der Pflanzen zur Umwelt aufmerksam und studiert nach welcher Art und Weise die Pflanzengesellschaften sich zusammenfinden.


Dr. August Neilreich (1803-1871) war ein österreichischer Richter und Botaniker. Beim Sammeln, Bestimmen und Ordnen der Pflanzen ging er methodisch vor und konnte eine Reihe von Pflanzenbildern in Wasserfarben zeichnen. Durch den Bau der Eisenbahn konnte er von Wien ohne großen Aufwand trotz seiner Tuberkulose öfters in die Alpen, nach Tirol, Böhmen und die Schweiz reisen. Neilreich starb unvermählt. Der Botaniker Schott widmete ihm die Sempervivum neilreichii ( Sempevivum arenarium ssp. neilreichii).


Alexander Carl Heinrich Braun (1805-1877) studierte Medizin und Botanik.  Er erhielt einen Ruf als Professor der Botanik an die Universität Freiburg und wurde dort Direktor des Botanischen Gartens. Im zu Ehren wurde die Sempervivum montanum ssp. braunii benannt.

Johann Christoph Döll (1808-1885) war ein deutscher Botaniker und Lehrer am Lyzeum in Mannheim. In seinem Buch "Rheinische Flora" beschreibt er die wild wachsenden Pflanzen der Oberrheinischen Tiefebene. Die Naturform Sempervivum arachnoidem ssp. doellianum wurde ihm zu Ehren benannt.

Georg Friedrich Schnittspahn (1810-1865) wurde als jüngstes Kindern des Hofgärtners Johann August Schnittspahn und dessen Ehefrau Anne Catharine Schneeberger geboren. Er besuchte zuletzt die lutherische Oberschule in Darmstadt. Als Jugendlicher nahm er an botanischen Vorlesungen des Baurates Johannes Heß (1786‒1837) teil. Johannes Heß hat im Jahre 1814 den ersten Darmstädter Botanischen Garten im Schloßgraben begründete. Schon sein Großvater Bernhard Schnittspahn (1726-1787) wie auch sein Vater waren Hofgärtner in Darmstadt. 1841 erhält Georg Friedrich Schnittspahn die Oberleitung des Botanischen Gartens und im Februar 1855 wurde er zum Direktor des Botanischen Gartens ernannt.
In dieser Zeit legte Georg Friedrich Schnittspahn eine umfangreiche Sammlung von
Sempervivum-Arten im Botanischen Garten an. Anfang des Jahres 1865 erkrankte Schnittspahn an einem Leberleiden. Trotz mehrwöchiger Kur in Nizza und in Karlsbad stirbt er im Dezember 1865. Schnittspahns Herbar befand sich im Botanischen Institut und wurde bei der Bombardierung Darmstadts 1944 vollständig vernichtet.

Schnittspahn hat unter anderem folgende Pflanzen beschrieben:
Sempervivum mettenianum Schnittsp.
Sempervivum albidum
Sempervivum ruthenicum
Sempervivum fimbriatum
Sempervivum stenopetalum
Sempervivum tomentosum
Sempervivum delasoieii
Sempervivum schottii
Sempervivum widderi
Sempervivum spectabile
Sempervivum fuscum
Sempervivum lehmannii
Sempervivum hausmannii
Sempervivum pilosella
Sempervivum penicellatum
Sempervivum bryoides
Sempervivum cornutum
Sempervivum parviflorum.
Sempervivum densum
Sempervivum longifolium
Sempervivum leucopogon
Nach Schnittspahn benannte Pflanzen:
Sempervivum schnittspahnii


Der schweizer Edmond Boissier (1810-1885) begann seine Studien über die andalusische Flora im Jahre 1836. Er war finanziell unabhängig und von kräftiger Statur und ein begeisterter Bergsteiger. Er besuchte Spanien in weiteren Jahren. Ihm zu Ehren erhielt die Hauswurz Sempervivum boissieri ihren Namen.

Nach dem Schweizer Dr. Charles Fauconet (1811-1875) wurde eine Kreuzung aus Spinnweb und Berg-Hauswurz benannt und erhielt den Namen Sempervivum fauconettii.

Amalie von Oldenburg (1818-1875) wurde durch Heirat Königin von Griechenland und leitete die Planung des Schlossgartens in Athen. Sie durchquerte gerne die griechische Bergwelt. Sempervivum marmoreum ssp. reginae-amalie wurde ihr zu Ehren benannt.

Gaspard de la Soie (1818-1877) war ständiges Mitglied der Mönchstreffen (Chorherren) auf dem Großen St. Bernhard. Er war zuerst  Kaplan an der Knabenschule in Sembrancher (Kanton Wallis) und anschließend arbeitete er bis zu seinem Ableben als Seelsorger und Lehrer in Bovernier. Ab 1868 war er Präsident der Walliser Botanischen Gesellschaft. 1870 veröffentlichte er eine Abhandlung über die Mistel.  Ihn zu Ehren wurde Sempervivum  delasoieii benannt (Sempervivum barbulatum var. delasoieii).

Simon Gilbert Martial Lamotte
(1820-1883) studierte in Paris Pharmazie. Im Jahr 1860 wurde er Professor an der Hochschule für Medizin und Pharmazie von Clermont-Ferrand. Er zeigte großes Interesse an Pilzen und erstellte 858 Aquarelle, die jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht veröffentlicht wurden. Sempervivum lamottei (syn. Sempervivum tectorum var. lamottei) wurde ihn zu Ehren benannt.

Wilhelm Hillebrandt (1821-1886) war praktischer Arzt in Paderborn. Auf der Suche eines zuträglichen Klimas für sein Lungenleiden verbrachte er viele Jahre im Ausland. Seine Stationen waren Australien, Philippinen, Hawaii, Madeira und Teneriffa. Durch zusätzliche Reisen nach China und Ostindien führte er Nutz- und Zierpflanzen nach Hawaii ein. Sein Herbar vermachte er dem Botanischen Museum Berlin. Die Hauswurz Sempervivum globiferum ssp. hirtum (hillebrandtii) von Gulsen wurde ihm zu Ehren benannt.

Auguste Nicolas Pomel (1821-1898) war ein französischer Geologe und arbeitete als Minen-Ingenieur in Algerien. Er sammelte nordafrikanische Fossilien und wurde Professor für Geologie. Die im Juragebirge natürlich vorkommende Hybride Sempervivum pomelii, eine Kreuzung aus Sempervivum tectorum var. arvernense und Sempervivum arachnoideum var. tomentosum wurde ihm zu Ehren benannt.
 
Georg Heinrich Mettenius
(1823-1866) stammte aus einer reichen Kaufmannsfamilie. Er studierte in Heidelberg Medizin und  Botanik. Er praktizierte als Arzt in seiner Heimatstadt in Frankfurt und wurde 1863 Direktor des Botanischen Gartens in Leipzig. Ihm zu Ehren erhielt Sempevivum mettenianum ssp. lamottei ( Sempervivum Mettenianum, Sempervivum tectorum ssp. lamottei) seinen Namen.

John Gilbert Baker (1834-1920) war ein britischer Botaniker. Sein Vater war ein Kolonialwarenhändler. Baker begann bereits mit 12 Jahren Pflanzen zu sammeln und war in Bootham an der Schule für das Herbarium verantwortlich. Von 1866 bis 1890 arbeitete er am Herbarium der Royal Botanik Gardens in Kew (London). Von der Royal Horticultural Society wurde er zum Ehrenmitglied ernannt und erhielt 1897 die Victoria Medal of Honour. Von der Universität Leeds wurde ihm der Ehrendoktor für Naturwissenschaft übertragen. Er beschrieb 1884 die Naturhybride Sempervivum comollii (syn. Sempervivum calcaratum), eine Kreuzung aus S. tectorum x S. wulfenii und erwähnte als erster Sempervivum californicum. Leider gibt es in Nordamerika keine Naturformen.  Aus Sempervivum california Baker wurde später Sempervivum calcareum Jordan.


Pierre Bernard Lazare Verlot
(1836-1897) lernte, wie auch sein Vater, Gärtner in Orleans und war fast 30 Jahre im Botanischen Garten von Paris tätig, u. a. als Weinbauer und Schulleiter. Sein älterer Bruder Jean Babtiste Verlot (1816-1891) war Leiter des Botanischen Gartens von Grenoble. Pierre Bernard Verlot´s  Publikationen über die Alpenflora (1893) waren sehr geschätzt. Sempervivum tectorum ssp. verlotii wurde ihm zu Ehren benannt.

John Traherne Moggridge
(1842-1874) lebte in Swansea England und war der Herausgeber von dem reich bebilderten Buch "Contribution to the Flora of Mentone and to a Winter Flora of the Riviera". Sempervivum arachnoideum ssp. tomentosum (moggridgei) wurde ihm zu Ehren benannt.

Henry Correvon (1854-1939) machte eine Gärtnerlehre im familieneigenen Betrieb in Yverdon am See Neuchatel (Schweiz). Seine Leidenschaft war die alpine Flora. Er erhielt in jungen Jahren von Louis van Houtte (1810-1876), der zu seiner Zeit ein bekannter Handelsgärtner in Gent (Belgien) war, einen Satz Sempervivum Naturformen. Dies war der Grundstock für seine eigene Sammlung. Correvon veröffentlichte dann sein Werk "Flore Alpine", das 1911 mit dem Titel "The Alpine Garden" ins Englische übersetzt wurde. 1924 veröffentlichte er dann sein 134 Seiten umfassendes Werk "Les Joubarbes" in französischer Sprache. Es war eine Erweiterung von einem früheren Schriftstück, erstellt 1879 von John Gilbert Baker, gefunden in der Wochenzeitschrift "The Gardeners Chronicle" unter der Überschrift "Synopsis of the Hardy Sempervivums".

Carlton Elmer Purdy (1861 – 1945) war ein amerikanischer Pflanzensammler und Züchter. Er war Mitglied der California Horticultural Society, wie auch der Royal Horticultural Society von England. Sein botanisches Autorenkürzel lautet „Purdy“. Die Arten Brodiaea purdyi, Fritillaria purdyi und Iris purdyi wurden ihm zu Ehren benannt. Es gibt sogar ein Carl Purty Museum in Ukiah Redwood Empire Faigrounds.

Carl Purdy wurde in Dansville, Michigan am 16. März 1861 geboren. Im Jahr 1870 zogen seine Eltern mit Planwagen in den Westen. Nach einen Zwischenstopp in Turckee Meadows, Nevada erreichten Purdy´s Eltern Mendocino County, Kalifornien und kauften sich dort ein grösseres Grundstück nördlich von Burke Hill, das als Schaffarm und Hopfenplantage von den Burke Brüdern bewirtschaftet wurde. Purdy lernte dort zusammen mit seiner tuberkulosekranken Schwester die heimische Flora kennen. Von Nachbars Ranch der Familie Alexander McNab, die in Besitz einer prächtigen Bibliothek waren, konnte er viele botanische Bücher ausleihen. Purdy begann eine Lehrerausbildung. Er arbeitete als Lehrer jedoch nur kurz. Er gründete danach im Jahr 1879 in Ukiah mit 17 Jahren eine eigene Gärtnerei. Sein Interesse galt besonders den heimischen Lilien- und Irisgewächsen der westlichen USA. Er sammelte ab 1875 im weiten Umfeld von Kalifornien die Knollen und Samen um sie zu vermehren. Er verschickte seine Blumenzwiebeln als Grosshändler in die ganze USA und Europa. Der Händler Woolson & Co. in Passaic New Jersey erhielt für $1,50 jeweils 100 Blumenzwiebeln. Woolson´s Firmenkatalog listete bereits 1883 ein Dutzend Naturformen der Mormonentulpen aus Purdy´s Sammlung auf. Seinen ersten umfangreichen Pflanzenkatalog erstellte Purdy im Jahr 1896. In Spitzenzeiten erntete er bis zu 500.000 Blumenzwiebeln im Jahr. 1888 heiratete er Vesta Moore, die Tochter eines Arztes aus West Virginia.

Als Botaniker war er sowohl an der West- wie auch an der Ostküste bekannt. Er schrieb mehrere Artikel für das wöchentliche Journal „Garden and Forest“, wie auch für die englische illustierte Zeitschrift „The Garden“. Mit dem Botaniker und Pflanzenzüchter Luther Burbank (1849-1926), der in Santa Rosa ca. 50 Meilen entfernt wohnte, verband ihn eine enge Freundschaft. Zusammen auf einer Erkundungsreise entdeckten sie am Rande der Mojave Wüste ein riesiges Feld von 8 km Länge mit Kalifonischen Mohn. Sein Stiefsohn Carl Mahurin schrieb 1941 in „The Journal of the California Horticultural Society“ eine Biographie über Ihn. In seinen letzten Jahren schrieb Purdy seine Autobiographie mit dem Titel „My Life and My Times“. Wobei man dort folgenden Satz lesen kann: “ … for many years the romantic side of my life, especially the gypsy life of the collector had attracted ….“.

Auf Seite 187 steht geschrieben:

„The Sempervivum, commonly called hen and chickens …... I began to build a collection of them …... where no other dealer had more than a few, I had dozens ….... getting them from every possible …...“.

Er hatte zu seiner Zeit vermutlich die größte Sempervivum Sammlung in den USA. Auch Henry Correvon aus der Schweiz machte einen Besuch auf sein „The Terraces“ Grundstück, später bekannt als Gärtnerei „Purdy Garden“, an den östlichen Hügeln vom Ukiah Tal gelegen. Edith Van Allen Murphey (1879-1968) machte folgende Bemerkung: „When Henri Correvon came from Switzerland to see the Purdy Alpines and discuss a new book, they were handicapped by neither being able to speak the other's language“. Correvon schickte ihm eine komplette Sammlung Semperviven und weitere alpine Pflanzen. Bereits in der Ausgabe von 1928 in „The Garden an Home Builder“ Magazin findet man einen Hinweis auf seine Sammlung. In der 1930 Ausgabe von „American Horticulture Magazine and Home Acres“ findet man einen weiteren Hinweis. 1931 bietet er in „American Home“ 25 Sempervivumarten für $7,50 über den Postversand an. Für die damalige Zeit ein stattlicher Preis. Sammlungen von Sandy Mac Pherson, Mina Colvin, Helen E. Payne, Edward Skrocki, Betty Z. Bronow, Polly Bishop, Garry Gossett, Patricia Drown, Kevin C. Vaughn, Dr. C. W. Nixon wurden erst später aufgebaut. Züchtungen mit seinen Namen wurden jedoch erst nach seinen Tod bekannt. Vermutlich wurden nach seinen Tod die besonders schönen Sämlinge mit Nummern versehen und ohne sein Einverständnis verbreitet. Einen Nachweis seiner Züchtungsarbeit findet man jedoch 1948 in „Lexington Botanical Garden Leaflets“.

Hier werden folgende Züchtungen aus seiner Sammlung beschrieben:

Purdy´s 60-1 als small, red

Purdy´s 80-1 als red at tip

Purdy´s 90-1 als deep rose, tintgray green

Purdy´s 90-2 als large and very red

Im „Journal of the California Horticultural Society“ Ausgabe 1956 Seite 72 wird eine Sempervivum „Purdy´s Rosy Purple Beauty“ beschrieben. Diese Sorte wurde auch von seinen Sohn Elmer Purdy an die Gärtnerei von Victor Reiter Jr. geschickt. Martin Miklanek führte in seiner Liste eine Sempervivum „Rosy Purple Beauty“ mit unbekannter Jahreszahl und unbekannten Namen auf. Ob hier ein Zusammenhang besteht?

In der Sempervivum Society Newsletter Ausgabe 1983 Volume 9 wird folgendes berichtet: “Ed Skrocki send us information on a Sempervivum in his collection called „Big Red“ …. this was produced by Carl Purdy in Oregon in 1940´s“.

Purdy ist am 08. August 1945 mit 84 Jahren verstorben. Seine Kinder Elmer C. Purdy, Mary Purdy Robinson und Mabel Purdy Mahurin führten die bekannte Gärtnerei mit den Namen „Carl Purdy Gardens“ fort.

Es gibt auch einen ausführlichen Zeitungsbericht über Purdy von The San Francisco Sunday Call in der Ausgabe vom 7. April 1912 mit dem Titel "Purdy The Lili Man".

Diesen Zeitungsbericht und seinen Katalog „Rock Plants and Floral Novelties“ aus dem Jahre 1921 habe ich im Menue "Forms und Docs" zum Download bereitgestellt.

Robert Lloyd Praeger (1865-1953) lebte in Irland und arbeitete als Bibliothekar in der National Library in Dublin. Besonderes Interesse zeigte er jedoch für die Pflanzenwelt und hier insbesondere für die Gattung Sedum und die Gattung Sempervivum. Die Royal Horticultural Society hatte R. Lloyd Praeger beauftragt eine Monographie über die Hauswurz zu erstellen. Sein Buch "An Account of the Sempervivum Group" in englischer Sprache erschien 1932.

Josef Velenovský (1858 -1949) studierte von 1878 bis 1883 an der Karls-Universität Prag die Fächer Botanik und Philosophie. Nach Abschluss seines Studiums wirkte er als Assistent am Botanischen Institut der Karls-Universität. Im Jahre 1885 habilitierte er dort und wurde 1892 zum außerordentlichen Professor für Botanik berufen. Ab 1898 bis 1927 war er an der Karls-Universität ordentlicher Professor für Botanik und leitete den Botanischen Garten. Bis 1914 führte er den Vorsitz der Böhmischen Botanischen Gesellschaft. Ab 1885 wurde die Flora der Balkanhalbinsel zu seinem Forschungsgebiet. In den Jahren 1887 bis 1897 unternahm er mehrere Forschungsreisen nach Bulgarien. Die Ergebnisse seiner Forschungen publizierte er in der Ausgabe "Flora Bulgarica" von 1897 (1898 überarbeitete Auflage in deutscher Sprache). Für seine Verdienste über die bulgarische Flora erhielt Velenovský die Alexander-Medaille. Die Heuffelii Jovibarba velenovskyi und Sempevivum erythraeum Velenovsky from Rila wurden u. a. ihm zu Ehren benannt.

Lino Vaccari
(1873-1951) unternahm mehrere Exkursionen in die Alpen und untersuchte vor allem die Umgebung von Monte Grappa. Er arbeitete als Lehrer in Aosta und wurde Direktor des alpinen botanischen Gartens Chanousia, wo er auch den größten Teil seines Arbeitslebens verbrachte. Die Naturform Sempervivum vaccarii eine Kreuzung aus Sempervivum arachnoideum und Sempervivum grandiflora wurde ihm zu Ehren benannt.

Nedeljko Kosanin
(1874-1934) war Professor und Leiter des botanischen Gartens Jevremovac in der Nähe von Belgrad und hinterließ ein beeindruckendes Werk an Veröffentlichungen. Sempervivum kosaninii wurde ihm zu Ehren benannt.

Walter Edward Theodore Ingwersen (1883-1960) wurde in Hamburg geboren und wanderte noch vor Beginn des Ersten Weltkrieges nach England aus. Er hatte sehr enge Beziehungen zum RHS. Der Royal Horticultural Society´s Garden at Wisley liegt südlich von London und kann nach den Royal Botanic Gardens die zweithöchste Besucherzahl in England nachweisen. Zunächst war er bei der Six Hill´s Nursery in Stevenage bei Clarence Elliott beschäftigt. Im Jahr 1927 gründete er die Birch Farm Gärtnerei in Gravetye Sussex. Er reiste viel in den Bergen und wurde zusammen mit seinen Sohn zum Pflanzensammler. So wurden im Jahr 1935 bei einer Exkursion ins Kaukasusgebirge von Ingwersen entlang der alten Ossetian Military Road die Naturformen Sempervivum altum var. ossetiense, sowie Sempervivum transcaucasicum und Sempervivum ingwersenii eingesammelt und in seiner Gärtnerei verkauft. Die Art Sempervivum transcaucasicum wurde in erheblichen Mengen auf mittlerer Höhe oberhalb von Tiflis gefunden. Die Art Sempervivum ingwersenii wurde später Ihm zu Ehren gewidmet. Ingwersen veröffentlichte 1943 ein 24 Seiten umfassendes Heft mit dem Titel "The Genus Sempervivum". Auch das nachfolgende Gedicht wurde von ihm veröffentlicht.


THE COBWEB HOUSE LEEK

Of alpine flowers that grow so neat
The Houseleeks are the most complete
Of all the Houseleeks neatest far
The jolly Cobweb Houseleeks are.

They're always hearty, always hale,
The will grow in the merest shale,
Thrive in the country, do well in town
Grow happily forward, never look down.

They never sulk, they never die.
They smile at every kind of sky,
They grow on walls, on roofs they revel
And will do well upon the level.

Tectorum's always on the roof.
But Wulfenii is more aloof.
Comillii is purplish blue,
And rubicundum smiles at you.

But triste is not really sad,
To name it so is wrong and bad.
Calcareum so cosy and round
Does many and many a bed surround.

Yet why compare? All Houseleeks known
Possess a charm that's quite their own.
But Cobweb Houseleeks, every way
They are the perfect picture, they.

Das Gedicht wurde bereits vor über 80 Jahren in „The Gardening Illustrated“ veröffentlicht. Leider ist der Verfasser unbekannt. Ich glaube, dass der Text auch mit wenig Englischkenntnisse noch verständlich ist.

Edward Kent Balls (1892-1984) war ein englischer Botaniker und Pflanzensammler. Er war bei Six Hills Nursery, eine berühmte Gärtnerei, beschäftigt. Er gestaltete alpine Gärten u. a. auch für Lionel de Rothschild in Exbury. Zwischen 1933 und 1935 bereiste er mehrmals Anatolien. Verbascum ballsianum, Salvia ballsiana, Sempervivum atlanticum "Edward Ball" und Sempervivum ballsii wurden ihm zu Ehren benannt.

Anna Semenovna Schchian (1905-1990) war eine russische Botanikerin. Sie studierte an der Tbilisi Universität und arbeitete am Botanischen Institut von Tbilisis. Ihr Arbeitsbereich war die Flora von Kaukasus. Die Zwiebel  Allium schchianiae und die Hauswurz Sempervivum annae wurden ihr zu Ehren benannt.



David T. Ford (1911-1999) war zuerst leidenschaftlicher Rosenzüchter. Später jedoch war sein Augenmerk nur noch auf Sempervivum gerichtet. Als er zehn Jahre alt war, begann er mit seiner Sammlung. Es war eine Sempervivum tectorum, die er im Garten seiner Kusine entdeckte. Ihn faszinierte die niedliche runde Rosettenform, so dass er sofort alle Informationen, wie Bücher und Kataloge, die er über das Thema Sempervivum bekommen konnte, sammelte. Seine erste Sammlung bezog er von Mr. Hansen aus Barnet in England. Immer wieder holte er sich Kindeln, bis er die komplette Sammlung von Hansen, es waren über 100 Pflanzen, zusammen hatte. Bis 1972 war David´s Sammlung bereits auf einen Bestand von 215 Naturformen und Hybriden angelangt.

Er kultivierte und züchtete in einen Zeitraum von ca. 30 Jahren eine beachtenswerte Anzahl an Sempervivum und Jovibarba Hybriden. Er versuchte eine blutrote Hybride zu züchten, wobei mit seinen Züchtungen Rouge, Saga und Samba sich bereits erste Erfolge zeigten. Er hatte einen regen Kontakt mit seinem Tauschpartner Ed Skrocki aus Ohio, USA und war lange Jahre Mitglied in der Sempervivum Society, wo er auch 1974 den ersten Award of Merrit mit seiner Züchtung El Toro erhielt. Diese stark wachsende Sorte beschrieb er im Sempervivum Society Journal Volume 4 (1973) No.4 als eine gezielte Kreuzung aus Sempervivum Hayling und Sempervivum Lady Kelly.

Als Beruf lernte er Zimmermann und lebte allein in einem Vorort von London. Sein Reihenhaus lag direkt neben der Eisenbahnstrecke. Auch Martin Haberer war mit seiner Familie bei ihm zu Besuch und durfte seine berüchtigten Sandwiches kosten. Sein schmaler Garten war voll mit Stellagen versehen, die er bis zum Anschlag mit seiner Topfsammlung zustellte. Sogar das Scheunendach musste Platz bieten. Seine Lieblinge waren die Jovibarba heuffeliis, die er mit einem scharfen Messer teilte und diese dann ein paar Tagen in trockene Erde pflanzte, um Fäulnis zu vermeiden. Seine Sammlung war nach dem Alphabet in Töpfen angeordnet. Die Töpfe wurden mit Etiketten versehen, die er aus Plastikbechern gewann. Diese Etiketten hatte er in der Winterzeit passend zurechtgeschnitten und  mit verschiedenen Farben markiert. Somit konnte er an der Farbe zusätzlich die Herkunft seiner Sammlung, nämlich aus welchem Land die Sorte ursprünglich kam, bestimmen. Sempervivum und Jovibarba wurden in zwei Gruppen getrennt aufgestellt. In jeder Plastikeierschale konnte er bis zu 12 Kindeln heranziehen. Im Frühling organisierte er in der Lancaster Road 5, Edmonton, North London jährlich einen Tag der offenen Tür. So kam es, dass  Nicholas Moore durch den Anblick der prächtigen Züchtungen von David Ford animiert wurde, eigene Sorten zu züchten. Auch Tom E. Lewis, der auf der gleichen Staßenseite wohnte, wurde durch seine Hauswurz-Sammlung inspiriert. Tom E. Lewis wurde durch David Ford Sempervivum Sammler und Züchter, wie auch Mitglied der Sempervivum Society.

Zu seiner Schwerhörigkeit kam bei David Ford in seinen späteren Jahren noch eine erhebliche Sehschwäche hinzu, so dass er auch seine Sammlung nicht mehr ordentlich pflegen konnte. Heftiger Sturm, nachbars Hund und Katzen führten dann zu einer weiteren Verwüstung seiner Sammlung. Nach seinem Tod erhielt Alan C. Smith aus Kent den Rest seiner einmaligen Hybriden. Ihn zu Ehren benannte Cornelis Versteeg im Jahr 2001 eine heuffelii Hybride mit den Namen David Ford.

Quelle: Andre Smits
Andre Smits zu Besuch bei David Ford



Nicholas Moore (1918-1986) war ein Englischer Dichter und Pflanzenzüchter. Sein Vater George Edward Moore (1873-1958) war ein bekannter englischer Philosoph. Nicholas Moore hatte über seinen Vater, der auch ein Helfer im Botanischen Garten von Cambridge war, Zugang zu den Beeten in den Gewächshäusern. Hier entdeckte er die alpine Welt der Pflanzen. Besonders beeindruckt haben ihm dort vor allem die Varietäten Sempervivum kosaninii und Sempervivum tectorum Nigrum. Seine ersten Züchtungsversuche begann er in den 50er Jahren, nachdem er die prachtvollen Sammlungen von A. Hansen und David Ford zu Gesicht bekam. Bereits 1945 erhielt er das Buch „Alpines in Colour and Cultivation“ von T. C. Mansfiled und etwas später Präeger´s Buch „An Account of the Sempervivum Group“ zum Studium. Seine ersten Hybriden mit ausdauernder Blattfärbung waren S. Hey Hey von 1950, S. Shirley´s Joy von 1954 und S. Alcithoe von 1957. Bei Kreuzungsversuchen legte er besonderen Wert auf Sämlinge, die ihre Blattfarbe über eine längere Zeit behielten oder rotbraune bis rosa Farbtöne zeigten, wie z. B. der Typ S. marmoreum Ornatum von 1933, den er für Kreuzungsversuche nutzte. Daraus folgten die Sorten Sempervivum Al von 1950 und Sempervivum Corriana. Eine seiner Lieblinssorten war die Hybride S. Black Claret von 1952, die sich mit einer bisher noch nie gezeigten Form und Farbkombination auszeichnete. Seine Züchtungen Malabron von 1975 und Pastel von 1976 erhielten von der Sempervivum Society den Award of Merit.

Ab 1948 wohnte Nicholas Moore in 89 Oakdene Road, St. Mary Cray in Kent in einer Maisonetten-Wohnung. Er hatte nie auf seine Gesundheit geachtet und verlor in seinen späteren Jahren durch seine ungesunde Ernährung und fortgeschrittene Diabetis ein Bein und musste sich fortan im Rollstuhl bewegen. Sein Wohnzimmer war wie eine Miniatur- Berglandschaft eingerichtet.

Zwei Jahre bevor er starb, besuchte Peter Riley Nicholas Moore in St. Mary Grey.

Hier sein Bericht:

„ The garden was now under long grass but he was a professional and knew perfectly well that it was still there; the rare tulips, Michaelmas daisies and especially irises of his own breeding were rooted there in the pattern he had set them and would emerge next spring, helped by some elementary clearance which he hoped to get down to when he felt a little better. The sempervivums survived by definition. …. His small front garden was filled by a magnificent Japanese flowering cherry ….. the neighbours upstairs had complained constantly because it impeded their view of the council-houses opposite and eventually managed to get it brutally trimmed so that its branches spread upwards and then halted abruptly on an absurd horizontal plane just at the ceiling level of his living-space.“

In: Peter Riley 1990 The Menard Press London

Ab 1955 verlor er alle Kontakte zur Literaturszene. Er hatte jetzt kein geregeltes Einkommen mehr. Seine Frau und die Kindern waren weg. Für den Rest seines Lebens blieb er dann alleine. Er schrieb auch kaum noch Gedichte. Nur die Liebe zu den Pflanzen blieb bestehen, so dass er auch seine Wohnung entsprechend umfunktionierte.

Nach seinem Tod im Januar 1986 veröffentlichte Peter Riley noch einen weiteren Gedichtband von Nicholas Moore unter dem Titel Lacrimae Rerum (1988).

Der Spruch „Sunt lacrimae rerum et mentem mortalia tangunt“ stammt vom römischen Dichter Virgil (Publius Vergilius Maro), Aeneis 1,462. Es gab bisher viele Übersetzungen, aber ich glaube keine Übersetzung kann dem Original das Wasser reichen. Ich will es aber mit meinen eigenen Worten versuchen:

Tränen sind in vielen Dingen und alles was sterblich ist trifft unser Herz.

Hier das Deckblatt vom Buch. Die Zeichnung zeigt eine blühende Hauswurz und stammt von Juliet Moore.


Das Bild wurde von Patrick Roper eingescannt und mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Seine Homepage mit Bildern aus seiner Sammlung findet man hier:

http://sempervivumandjovibarba.blogspot.de/2013_08_01_archive.html


Edward L. Skrocki (1930-2010) hat sich die Kunst der Gärtnerei selbst erarbeitet. Er gründete 1961 in Hinckley, Bundesstaat Ohio, USA seine erste Gärtnerei, die er aber dann ab 1979 nach Southhington, Trumbull County, Ohio verlegte. Schon 1976 zählte seine Sammlung über 1000 Naturformen und Hybriden. Außer Sempervivum hatte er auch noch eine große Sammlung an Sedum und winterharten Kaktus Pflanzen im Angebot, die er anfangs auch an Blumenläden lieferte. Im Jahre 1982 stellte er seinen Betrieb vom Versandhandel auf Großhandel um. Er war Mitglied der Hosta Society und der Sedum Society von England.  Ed betrachtete seine Sammelleidenschaft als „sem-itis“ oder auch als „semp-a-holic“. Er sammelte aber auch gerne Streichholzschachteln und Briefmarken. Zeitweise war er Autohändler. Er verkaufte und reparierte Packard Automobile und war zugleich Mitglied beim Packard Automobile Club.

Quelle: Andre Smits

Somit wurde auch „hearse-itis“ sein Markenzeichen, denn er hatte auch eine Oldtimer-Sammlung, besuchte viele Car-Shows und fuhr als Transportmittel für die Pflanzen einen Leichenwagen. Er hatte regen Tauschkontakt zu Sandy McPherson. Ed Skrocki war einer der Gründungsmitglieder der Sempervivum Franciers Association von 1975, die auch als SFAN abgekürzt wird. Weitere Mitglieder waren u. a. Bill Nixon, Sandy MacPherson, Mina Colvin, Helene Payne, Patty Drown, Gary Gosett und Kevin Vaughn. Seine Züchtung „Packardian“ erhielt 1975 die Silver Rosette der Amerikanischen Sempervivumgesellschaft. Diese Hybride wurde wegen seiner beruflichen Vergangenheit als Autohändler zu Ehren von Packard Automodellen benannt. Die Züchtung „Clipper“ aus dem Jahre 1971 erhielt eine Ehrung als Click-of the-Month in der Januar Ausgabe 1978 der SFAN Newsletter. Auf der Titelseite der Juli 1978 Ausgabe  der SFAN wurde seine heuffelii Züchtung „Lemon Sky“ abgebildet. Es war wohl die erste Züchtung mit reinem Gelbton. Als seine Lieblingszüchtung nannte er „Fluffy Fluke“ aus dem Jahre 1988 auf Grund der starken Behaarung. Bei seiner Züchtung legte er besonderen Wert auf die Auswahl farbenprächtiger Spinnwebsorten. Durch seine liebevolle Art konnte er manche Menschen wieder Lebensmut geben.

So sagte er in Gedichtform:    From the time that you´re bor,
                                                      til you ride in the hearse,
                                                      there´s nothing so bad,
                                                      that it couldn´t be worse

Edward Skrocki starb am 23.03.2010 und hinterließ eine Schwester, sowie zwei Neffen und zwei Nichten.  Er vermachte uns über 200 farbenprächtige Züchtungen.

Ed Skrocki als Sammler


Quellen: tributes.com, u. a.






Kultur und Pflege

Die Hauswurz zählt zur Familie der Dickblattgewächse (winterharte Sukkulenten). Sie können in den dickfleischigen Blättern besonders viel Wasser speichern. Damit sind sie in der Lage, größere Trockenperioden ungeschoren zu überleben. Wenn sie einen geeigneten Platz vorfinden, brauchen sie fast keine Pflege. Besonders geeignet sind die Hauswurzn für den Steingarten. Sie finden Platz auf der Trockenmauer, können aber auch zur Begrünung für eine Dachbepflanzung nützlich sein. Die meisten Sempervivum Kultivare sind sehr genügsame anspruchslose Pflanzen und sind mit wenig Nährstoffen zufrieden. Sie sind gegenüber Hitze und Trockenheit unempfindlich und benötigen nur wenig Raum. Sie können unbesorgt in den Urlaub fahren. Die Hauswurzn überstehen auch längere Trockenperioden. Sie gedeihen noch dort, wo die Lebensbedingungen für die anderen Pflanzen viel zu schlecht sind. Sie haften sogar an Felsspalten, an dem der Niederschlag schnell abfließen kann. Sempevivum lieben einen
sonnigen Standort ohne Staunässe und bevorzugen einen eher trockenen Platz. Eine kleine Sammlung ist sogar als dekoratives Arrangement in Pflanzgefäßen auf  Balkon und Terasse möglich. Sie können viele Sommer lang in Schalen und Töpfen draußen stehen bleiben. Nur im Winter ist bei bestimmten Sorten ein Regenschutz zu empfehlen. In den Pflanzgefäßen kann der Wurzelballen gefrieren. Das hat zur Folge, dass das Wasser nicht mehr abfließen kann und die Wurzeln je nach Sorte früher oder später zu faulen anfangen. Hauswurzn haben die Eigenschaft sich in Form und Farbe zu verändern.
Dies tritt vor allem im Frühling und Sommer auf. Sie bieten somit eine außerordentliche Vielfalt. Es gibt ungefähr 7000 Sorten. Farbliche Veränderungen sind bei aufmerksamer Betrachtung fast wöchentlich festzustellen. Die im Winter geschlossenen Rosetten öffnen sich sobald Wärme und Sonne auf die Pflanzen einwirken können. Zwischen März und Juni sind bei den meisten Sorten die Farben am kräftigsten ausgeprägt. Später verlieren sie wieder diese Farbintensität und zeigen mehr grünliche Farbtöne. Als Vorbereitung für die kalte Winterzeit werden die Rosetten kompakter und die einzelnen Blätter ziehen sich etwas nach innen zusammen. Die Blütenstände sollte man rechtzeitig entfernen, um die Sortenreinheit zu erhalten. 

Für die Erdmischung zum Eintopfen nehme ich Pflanzerde, Granitsplitt und Sand im Verhältnis 2:2:1. Hinzu kommt noch 1/20 Anteil Perlite, um das Substrat aufzulockern. Durch diese Mischung erhalten die Pflanzen ähnliche Voraussetzungen, wie sie auch in der Natur vorfinden. Die Wurzeln benötigen ein wasserdurchlässiges Substrat mit guter Luftzufuhr. Wer es mit seinen Lieblingen besonders gut meint, kann noch eine Handvoll grobe Hornspäne auf 10 kg Substrat hinzufügen. Sempervivum wachsen bei neutralen oder leicht alkalischen Böden am besten.



Wuchseigenschaften

Die Sempervivum Arten sind immergrün, winterhart, wachsen zusammen als Horste ausnahmslos monokarp. Die Größe der halbkugeligen Rosetten, die sich sternförmig ausbreiten, liegt zwischen 1cm bei Sempervivum arenarium und bis 20cm bei Sempervivum grandiflorum. Wenn eine Pflanze im Frühjahr keine Tochterrosetten mehr bildet und die Mutterpflanze manchmal eine tiefere Färbung zeigt, beginnt in der Regel die Blühphase. Die Mutterpflanze verlängert sich in der Mitte zu einem Stamm
und bildet am oberen Ende eine Blütendolde. Die Blütenstände werden dann zwischen 5cm bei Sempervivum minimum und bis 40cm bei Sempervivum tectorum hoch. Die Blütezeit beginnt ab einem Alter von 3 Jahren Ende April Anfang Mai mit Sempervivum arachnoideum  und endet im August mit Sempervivum globiferum. Die Pflanze steckt während der Blüte ihre ganze Kraft in den Blütenstand, wobei die Rosette anschließend abstirbt. Dies geschieht in der Regel bei Sempervivum tectorum und Sempervivum marmoreum ab dem 3. bis 4. Standjahr. Sempervivum calcareum braucht zur Blütenbildung etwas länger Zeit. Sempervivum globiferum, mit Ausnahme von Sempervivum globiferum hirtum, sind seltene Blüher. Übermäßige Düngung regt den Beginn der Blütenbildung zusätzlich an.

Die kräftigen Farben treten bei den meisten Sorten im Frühling auf. Wenn die Temperaturen nicht zu hoch werden, dann halten diese Farben bei manchen Sorten auch bis in den Spätsommer an. In Höhenlagen wirk
en die gleichen Rosetten intensiver. Eine geringe Düngung bewirkt eine stärkere Blattfärbung. In den Sommer hinein werden dann die Farben wieder blasser. Zum Herbst verlieren viele Rosetten ihr buntes Kleid und sind dann eher grünlich gefärbt. Bei hoher Temperatur verblassen die Farben leider etwas schneller. Ist der Sommer heiß und trocken, dann schließen manche Sorten ihre Rosetten, um der Verdunstung Einhalt zu geben. Bis zum Herbst bilden manche Rosetten einen Schutzpanzer. Die äußeren Blätter vertrocknen und die inneren Blätter ziehen sich etwas nach innen zusammen um die bevorstehende nasskalte Jahreszeit besser zu überstehen.


Oft sind die Rosetten an der Oberfläche der Blätter behaart oder an den Rändern und an der Spitze bewimpert. An sonnigen Standorten ist diese Erscheinung intensiver ausgeprägt, als an schattigen  oder feuchten Lagen. Die Blätter können sich dadurch samtig aber auch glatt anfühlen. Manche Hybriden mit Sempevivum montanum oder Sempervivum grandiflorum Blut scheiden über die Blatthaare ein Sekret aus. Diese Drüsensekrete rufen dann den typischen artgerechten Harzgeruch hervor, wobei die Blattoberfläche mehr oder weniger klebrig wirkt. Die Blätter der Rosetten variieren in allen Spektralfarben. Von vorwiegend grünen Tönen, über rot und braun bis nahezu schwarz. Manche Sorten leuchten in orange oder zeigen einen glänzenden rötlichen Lack auf der Oberseite. Je nach Jahreszeit und Standort treten verschiedene Färbungen auf. Bei den Albinoformen findet man auch weiße Blütenblätter. Die Spinnwebhauswurz Sempervivum arachnoideum ist mehr oder weniger mit zarten Fäden eingesponnen. Die Blüten sind bei Sempervivum arachnoideum und Sempervivum pumilum meist rosa. Sempervivum ruthenicum,  Sempervivum pittonii, Sempervivum heuffelii und Sempervivum wulfenii blühen jedoch gelb.

Das Wurzelsystem dieser Bergpflanze besteht aus wenigen Pfahlwurzeln, die kraftvoll in den Boden ziehen. An den Nebenwurzeln findet man oft ein weisses Pilzgeflecht. Diese Pilze haften an den Wurzeln, vergrößern die Oberfläche des Wurzelsystems und verbessern die Aufnahme
von Wasser und Mineralstoffen.



Schädlinge und Krankheiten

Gelegentlich treten bei der Kultur vor allem unter Glas und nach den Wintermonaten Blattlausbefall ein. Zum Glück stellt ein Befall in der Regel kein besonderes Problem dar. Die Blätter sind durch ihre dicke Haut besonders gut geschützt. Der Schaden ist in der Regel unerheblich und die Pflanzen erholen sich wieder entsprechend schnell. Bekämpfen kann man den Schaden mit biologischen Mitteln,
wie zum Beispiel mit Baldrian- und Schachtelhalmbrühe zur Stärkung und mit einer guten  Durchlüftung. In meiner Sammlung treten gelegentlich Nacktschnecken und die bei uns heimische Weinbergschnecke auf. Bei stärkerem Befall und wenn Frassstellen sichtbar sind, gehe ich morgens und spät abends durch die Topfreihen und sammle alle sichtbaren Schnecken ein. Oft hat sich aber auch eine Schnecke geschickt unter oder neben dem Topf versteckt, dann hilft nur mühsames weitersuchen. Ich versuche jedes Jahr alle Kultivare in frisches Substrat umzutopfen. Bei meinen über 1250 Kultivaren (Stand 01.07.2012) brauche ich da allerdings ein ordentliches Durchhaltevermögen. Die Stellfläche und alle Töpfe sind dann zu diesem Moment schneckenfrei. Diesen Zustand suche ich zu bewahren, indem ich außenherum Bierfallen aufstelle und Schneckenkorn streue. Schaden können auch die Larven
vom Dickmaulrüssel anrichten. Die Larven fressen sich bis zum Zentrum der Rosetten durch. Erkennt man den Befall nicht rechtzeitig, dann stirbt die Rosette ab. Im Gewächshaus kann man zur Rettung der befallenen Rosette den Einsatz von Nematoden in Betracht ziehen. Der Rostpilz Endophyllum sempervivi
kann bei Befall die einzelnen Rosettenblätter bis zur dreifachen Länge strecken. Der Befall ist an der Blattbasis sichtbar. An der Unterseite der Blätter gibt es eine gelbgrüne Verfärbung mit rostartigen Punkten. Hier sind die Sporen des Pilzes versteckt. Der Pilz ist sehr
hartnäckig. Bevor der Befall die ganze Sammlung ansteckt sollte man die befallenen Rosetten vernichten. Schaden können auch Amseln anrichten. Sie scharren mit V orliebe die frisch gesetzten Kindeln aus und suchen bei den abgestorbenen Rosetten nach Würmern, Asseln und anderen Insekten. Wenn sie nichts fressbares finden, picken sie voller Zorn die Etiketten aus den Töpfen. Selbst die Mäuse plündern manchmal die Rosetten der Spinnwebhauswurz und bauen aus den Haaren gemütliche Nester. Die Narzissenfliege befällt die Hauswurz im späten Frühjahr und eine zweite Generation im Spätsommer. In der Regel ist der verursachte Schaden überschaubar. Es genügt, wenn man die befallenen Blätter mit den Larven entfernt.


Warum sterben leuchtende Semperviven?

Das Bild zeigt eine leuchtende Sempervivum Maria Laach. Die Blätter sind noch f
est und prall. Die Ursache des Verfalls ist bis heute noch nicht sicher geklärt. Vermutlich kommt das langsame Absterben der Rosette über die Wurzel. Bei der leuchtenden Hauswurz sieht man im Vergleich zur gesunden Pflanze deutlich weniger bis keine Wurzelverzweigung, was vielleicht auf einen Pilzbefall hindeutet oder ein Befall von Bodennematoden vermuten lässt. Bekanntlich fördert zu viel Stickstoff die Ausbreitung von Krankheiten, aber auch mangelnde Hygiene kann eine Ursache sein, wie z. B. eine minderwertige Erdmischung.























































































Hier ein Basteltipp, wie man aus ein paar Scheiben Kirschbaumholz eine kleine Hauswurz-Siedlung erstellt.
 



Man kann Hauswurzrosetten auch aus Blattstecklingen vermehren.

Ist die Hauswurz ein Hexenkraut mit der man zaubern kann?

Bereits in der Antike oder im Mittelalter, als unsere Vorfahren noch an Druiden glaubten, man Dämonen und Vampire fürchtete, war unsere Hauswurz schon bekannt, die man damals auch Fette Henne bezeichnete. Neben dem Aberglauben gab es auch den Glauben an Magie und Zauberei. Selbsternannte Kräuterheiler boten Medizin für alle Leiden und Krankheiten an. Die Hauswurz war eine klassische Zauberpflanze.

So gibt es eine Reihe von seltsamen Rezepten, die diesen Aberglauben unterstreichen. Aus einem Gemisch aus gepressten Hauswurzblättern, Arsenik und Alaun könne man ungeschützt glühendes Eisen anfassen.

Getreide und Sämereien, die mit dem Saft von Hauslauch befeuchtet wurden, sollten gegen Ungeziefer geschützt sein.



Hauswurzrosetten auf dem Dach gepflanzt, sollten das Haus oder auch die Scheunen und Viehställe vor Blitzeinschlag und Brand schützen. Setzte man die Hauswurz auf das Dach, dann sollte folgender machtvolle Hexenspruch nicht fehlen: "Du Hauswurz bist als Deck, halt Feuer und Flammen weg". Und so bildet seit Jahrhunderten die Hauswurz dichte Polster auf Torbögen, Mauerwerk, Pfosten und Dächern.

Abergläubische Leute haben früher im Ofen Blätter mit Hauswurzbestandteilen verbrannt oder man hängte sie in die Schornsteine, das dann dort keine Hexe hineinfliegen könnten. Es sollte vor allem bei herannahenden Gewittern helfen. Die Hauswurzblätter sollte man aber möglichst zur Sonnwende bzw. am Johannistag den 24. Juni vom Dach nehmen. Der Johannistag war der Tag der Heilkräfte, an dem man die Kräuter für die Hausapotheke sammelte.

Hildegard von Bingen behauptet, dass die Hauswurz bei Mann und Frau Begierde entbrennen lasse. Die Hauswurz diente aber auch als Heilmittel bei Verbrennungen, Hautentzündungen und zur Entfernung von Hühneraugen und Warzen.

Als Schutz vor Hexen wurden einzelne Rosetten der Hauswurz in den Kamin gehängt.

Bei den Kelten war sie ein beliebtes Hochzeitsgeschenk. Ein Blatt im Ehebett sollte während der Hochzeitsnacht ungeahnte Kräfte entwickeln.

Damit die Kühe beim Almabtrieb wieder in den Stall zurückfanden, erhielten sie vor dem Almauftrieb drei Hauswurzblätter.

Die Hauswurzblüte diente früher auch als Orakel. An bestimmten Orten wurde geglaubt, dass wenn eine Rosette unter bestimmten Bedingungen blühe, es Unglück brächte. War die Blüte rötlich mit langen Inflorenzen (Blütentriebe), so war es ein wohltuendes Zeichen. Es konnten freudige Ereignisse erwartet werden. Bei der Sempervivum tectorum, die eine weißlich, blassrosa Blüte zeigt, dürfte eine Zuordnung jedoch Schwierigkeiten bereiten. 

Alabasten No2
Bei einer weißen Blüte war sogar der baldige Tod eines Hausbewohners in naher Zukunft zu erwarten.

Wenn man die Dachwurz vom Haus entferne verliert man auch das Glück. Hatte jemand Haus und Hof verloren, so wurde gesagt: Er hat abhauen müssen, hat die Hauswurz vom Dach gerissen.

Bild: Alabasten No2

Ein Zaubertrank aus Hauswurz und Immergrün hatte die Kraft, dass sich zwei Menschen ineinander verliebten.

Johannes Hartlieb (geb. um 1400-1468) war Arzt und Hofdichter und studierte Theologie und Medizin. Hartlieb schrieb für seinen Fürsten Johann von Brandenburg-Kulmbach 1456 ein Buch über sieben verbotene Künste. In diesem Werk  "Das puch aller verpoten kunst, ungelaubens und der zaubrey" (Das Buch aller verbotenen Kunst) widmet er sich der Zauberei. Hier wurde erstmals eine Hexensalbe beschrieben.

Als Bestandteil dieser Flugsalbe wurde auch die Hauswurz erwähnt. Das Rezept findet man hier.    "Galgenmännlein und Wunderblumen"

Die Salbe hatte als Trägersubstanz Vogelblut und Tierschmalz. Dazu kamen sieben Pflanzen, die den sieben Planeten zugeordnet waren. Die Pflanzen mussten an sieben bestimmten Wochentagen geerntet werden.

"Als am suntag prechen und graben sy Solsequium (Ringelblume), am mentag Lunarium (Silberblatt), am eretag Verbenam (Eisenkraut), am mittwochen Mercurialem (Bingelkraut), am pfintztag (Donnerstag) Dachhauswurz Barbam Jovis, am freytag Capillos Veneris (Frauenhaarfarn). Darauß machen sy dann salben mit mischung ettlichs pluotz von vogel, auch schmaltz von tieren; das ich als nit schreib, das yemant darvon sol geergert werden. Wann sy dann wöllen, so bestreichen sy penck oder stül, rechen oder ofengabeln und faren dahin. Das alles ist recht Nigromancia und vast groß verboten ist."
Johannes Hartlieb, das Buch aller verbotenen Künste, 32. Kapitel, München 1456

Die Hauswurz,  auch Barba Jovis genannt, wurde somit am Donnerstag, am Tage Donars dem Donnergott, geerntet. Im Latein des Mittelalters war der Donnergott dem Jupiter zugeordnet. Der damalige Glaube besagte auch, dass die Gottheiten Donar und Jupiter den Blitzeinschlag beherrschten. Die Hexen konnten sich und ihr Fluggerät (Hexenbesen, Stuhl, Rechen) mit dieser Salbe einreiben und flogen dann zum Hexensabbat. Es war ein heimlicher nächtlicher Treffpunkt der Hexen zusammen mit dem Teufel. Die Hexen nahmen die Kunst der genauen Zusammenstellung und exakten Mengenangaben der einzelnen Bestandteile, wenn man so will mit auf den Scheiterhaufen.


Anton Ritter von Perger (1809-1876) war Maler, Schriftsteller und Professor der bildenden Künste in Wien und Skriptor der k. und k. Hofbibliothek in Wien.

Er berichtet in den Deutschen Pflanzensagen Ausgabe 1864 ab Seite 167:

"Die Hauswurz war dem Donar geweiht, und der Kräuterkenner Leonard Fuchs sagt, dass sie Donnerbart genannt werde, weil dem Hause, auf welchem sie wachse, weder Blitz noch Donner schaden können. Kam ein Blitz heran, so legte man nebst Palmkätzchen auch Hauswurz auf die Kohlen des Herdes, doch mußte diese an dem vielbeliebten Johannistage vom Dach genommen werden. Sie bringt dem Haus, auf dem sie wächst, jedenfalls Glück, nur darf man sie nicht zur Blüthe kommen lassen, sonst stirbt jemand in demselben. Sie wurde auch mit sechs lebendigen Krebsen gekocht und mit Gurgelwasser gegen die Bräune angewendet. Wenn sie von den Herren zu ihrem Gebräu gesammelt wurde, mußte das am Donnerstage geschehen, weil sie sonst nicht die rechten Kräfte besaß.

George Riplay (1415-1490) war ein geheimnisvoller englischer Alchemist. In seinem Buch "The Compund of Alchemy (1471)" versucht er den Stein des Weisen zu beschreiben. Im Jahr 1485 schrieb er dem italienischen Alchemisten Benhardus Trevisanus (1406-1490) einen Brief mit foldender Rezeptur: "So hilf die Salbe aus Tausend unverblühten Dachwurzen die Haut zu verjüngen, als wäre ich 40 und nicht über 70 Jahren."



Heilwirkung früher

Cajus Plinius Secundus

Plinius, der ältere wurde 23 nach Christus in Comum ( heutige Como) geboren. Er war Schriftsteller. Als er etwa 23 Jahre alt war, trat er der römischen Armee bei und nahm bei einem Feldzug gegen das heutige Deutschland teil. Von 70 bis 72 nach Christus diente er als Procurator in Spanien. Der ältere Plinius schrieb viele wissenschaftliche Werke. Sein bekanntestes Werk war die Historia Naturalis. In 37 Büchern ist sie das einzige von ihm erhaltene Werk.

Der nachfoldende Text von Cajus Plinius Secundus, "Naturgeschichte" ab Seite 2820, übersetzt und erläutert von Dr. H. Külb, Ausgabe 1855 beschreibt u. a. die Hauswurz und seine Heilwirkung.

"Von der Hauswurz (Aizoum) gibt es zwei Arten. Die größere (Sempevivum tectorum), welche andere Buphthalmus (Ochsenzunge) oder Zophthalmus (Thierauge) oder Stergethron (Liebreiz), weil sie sich zu Liebestränken schickt, oder Hypogeson (Dachkraut), weil sie gewöhnlich auf den Vordächern wächst, nennen, wird in irdenen Gefäßen gepflanzt. Manche nennen sie lieber Ambrosia (Götterkost) oder Amerimnon (Sorgenlos), die Italer groß Sedum (Mauerpfeffer) oder Auge (Oculus) oder Fingerlein (Digitellus). Die andere kleinere Art (Die sedumförmige Hauswurz, sempervivum sedirofme) nennt man Grithales (Frühlingsblüthe) oder Trithales (Dreiblüthe), weil sie dreimal blüht, oder Thrysothales (Goldblüthe), zuweilen auch Isoetes (Immergleich), beide Arten aber Aizoum oder auch Sempervivum (Immergrün), weil sie immer grünen. 

Die größere wird höher als eine Elle und dicker als einen Daumen. Die Blätter sind an der Spitze einer Zunge ähnlich, fleischig, fett, von Saft strotzen, einen Daumen breit und zum Teil nach der Erde hin gebogen, zum Theil aufrecht wachsend, so daß sie durch ihren Umkreis das Bild eines Auges vorstellen. Die kleinere Art wächst auf Mauern, Trümmern und Ziegeldächern, ist von der Wurzel an strauchig und bis zu der Spitze mit schmalen, schwertförmigen und saftigen Blättern besetzt und hat einen spannehohen Stengel; die Wurzel ist unbrauchbar (Die Hauswurz wurde sonst gegen viele Krankheiten gebraucht und auch jetzt ist sie immer noch ein beliebtes Hausmittel, welches man gegen Warzen, Sommersprossen und dergleichen anwendet).

Diesem Kraute gleicht ein anderes (Der umgeschlagene Mauerpfeffer, Sedum reflexum auch Trippmadam genannt; er wird jetzt noch in den Gärten zu Salat gezogen), welches bei den Griechen Anbrachne agria (wilder Portulak) und bei den Italern Illecebra (Liebreiz) heißt und kleine, aber breitere Blätter und eine kürzere Spitze hat. Es wächst auf Gestein und wird zur Speise eingesammelt. Alle diese Kräuter haben dieselbe fühlende und zusammenziehende Kraft. Die Blätter heilen die Tränenflüsse, wenn man sie auflegt oder den Saft einstreicht. Dieser reinigt auch die Augengeschwüre, heilt sie zu und bringt sie zur Narbe, eben so entkleistert er die Augenlieder. Dieselben Kräuter heilen die Kopfschmerzen, wenn man den Saft oder die Blätter auf die Schläfe streicht; sie wirken auch gegen die Walzenspinnen, die große Hauswurz aber insbesondere gegen die Gemswurz, und wer sie bei sich trägt, soll von Scorpionen nicht verletzt werden. Sie sind auch ein Mittel gegen das Ohrenweh; eben so der Saft des Bilsenkrautes, wenn er mäßig eingeschmiert wird, desgleichen der Saft des Achilleskrautes, des kleinen Centaurium (Tausengüldenkrautes) des Wegerichs."

Heilwirkung in der Neuzeit

Aus den dicken Blättern hergestellte Saft enthält Schleim- und Gerbstoffe, wie auch Ameisen- und Apfelsäure. Der Saft wirkt adstringierend und kühlend. Eine zu hohe Dosierung bei innerlicher Anwendung führt jedoch zu Durchfall und Erbrechen. In der Volksmedizin wurde der Saft der dickfleischigen Hauswurzblätter als heilsam angesehen. Der frische Saft wurde gegen Ekzeme und Verbrennungen verwendet. Aüßerlich aufgetragen fördert es den Heilungsprozess vieler Hautbeschwerden. Der Saft der Hauswurz gilt noch jetzt als Schönheitsmittel und soll eine reine Haut machen, kann aber auch bei Insektenstiche, Wunden und Hühneraugen hilfreich sein. Der Saft der Hauswurz wurde mancher Orts auch gegen aufgesprungene Lippen gebraucht. Im Volksmund wurde dann "Scherzen und Schrunden" gesagt und die Hauswurz erhielt daraus den Namen "Scherzenkraut".


Quellen: semper-vivum.de, semperhorst.de,
sempervivum.info, stalikez.info, wikipedia.org














Haftungsausschluss
Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität und Korrektheit der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Autor, sofern seitens des Autors kein nachweislich vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verschulden vorliegt, sind ausgeschlossen. Der Autor behält es sich ausdrücklich vor, Teile der Seiten ohne gesonderte Ankündigung zu verändern. Der Autor erklärt hiermit ausdrücklich, dass zum Zeitpunkt der Linksetzung keine illegalen Inhalte auf den zu verlinkenden Seiten erkennbar waren. Deshalb distanziert er sich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller verlinkten Seiten, die nach der Linksetzung verändert wurden. Der Autor ist bestrebt, in allen Publikationen die Urheberrechte der verwendeten Bilder und Texte zu beachten. Sofern innerhalb des Internetangebotes die Möglichkeit zur Eingabe persönlicher Daten besteht, erfolgt die Preisgabe dieser Daten auf ausdrücklich freiwilliger Basis.

Georg Merkl, Am Kutschersberg 26, 74235 Erlenbach, West Germany























































































































































































































Subpages (2): Züchtung Züchtung
Comments