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Zusammenfassung Seilacher

Funktion von Sieb-Krempen
 

 

Adolf Seilacher
 
 
Die durchbrochenen Krempen mancher Trilobiten-Kopfschilder sind mit einem ungewöhnlichen Aufwand verbunden. Das gilt sowohl für die Morphogenese, als auch für den Häutungsvorgang. Um die Weichteile aus dem alten Panzer herausziehen zu können, mussten  zuerst alle Verbindungsröhrchen durchtrennt werden, so dass sich die durchlöcherte Doublure an einer randlichen Naht ablösen konnte. Diesem hohen Preis muss eine lebenswichtige Funktion entsprochen haben, zumal sich Siebkrempen unabhängig in den Stammeslinien von Cryptolithus und Harpes entwickelt haben.
 
Folgende Merkmale unterstützen eine Sieb-Funktion:
(1) Ein elliptischer Umriss, welcher auch bei den Randstacheln von Miraspis zu beobachten ist. Das Sieb wurde offenbar  schräg in einem zylindrischen Tunnel platziert.
(2) Die Reduktion der Augen. Auch sie spricht für eine „troglodytische“ Lebensweise, insbesondere bei Cryptolithus.
(3) Eine steile und imperforate  Aufbördelung am Occipitalrand und dem Innenrand der Wangenstacheln von Harpes. Wie bei einer Kehrschaufel hat sie vermutlich verhindert, dass grobes Siebgut in die Filterkammer unter dem Körper gelangte.
 
Um dieses Modell weiter zu testen, gilt es nun, passende Tunnelbauten zu finden. Solche sind, zum Teil mit teichichnoiden Versatzlamellen und bilobaten Scharr-Mustern in Sandsteinen des Altpaläozoikums verbreitet; nur sind Panzerreste in dieser Fazies selten erhalten. Eine weitere offene Frage geht an die Sammler: Findet man auch bei Harpes die Sieb-Duplikatur als getrenntes Häutungselement?
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