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Funk & Internet

Eine der wohl interessantesten Neuerungen im lizenzfreien Jedermannfunk ist die Möglichkeit Sprechfunkgeräte mit dem Internet zu verbinden. Das schafft die Möglichkeiten ohne Funkgerät entweder über eine Software oder über ein Funkgeräte mittels eines in der Nähe erreichbares HF-Gateways mit anderen Leuten zu sprechen, die selbst entweder über eine Software teilnehmen oder über ein Funkgerät ein HF-Gateway erreichen, das die Funkgespräche mittels Voice over IP ins Internet einspeist. So kann das Internet als "virtuelle" Zubringer-Funkstrecke dienen und Sprache durch das Internet über große Entfernungen übertragen. Hierzu gibt es verschiedene Systeme wie das Free Radio Network FRN, eQSO PMR, (leider wird aktuell nur noch die Amateurfunkversion von eQSO weiterentwickelt) und verschiedene Server die das proprietäre Teamspeak-Protokoll verwenden. An die verschiedenen Plattformen sind oftmals HF-Gateways auf CB-Funk, PMR und Freenet angeschlossen. Bedient man sich eines öffentlichen, großen Servers, kann man so über eine PC-Software oder über ein Funkgerät mittels eines Gateways in der Nähe das man empfangen kann mit Menschen überall auf der Welt sprechen, je nach dem über welchen Server man sich mit welchem Raum verbindet - oder das erreichbare Gateway verbunden wurde. Auch ist es möglich einfach zwei Orte die sich über Funk direkt nicht erreichen können zu verbinden in dem man einen eigenen Server installiert und an beiden Orten jeweils ein HF-Gateway aufstellt. Im CB-Funk müssen die Gateways dann auf einem der dazu freigegebenen Kanälen 11, 29, 34, 39, 61, 71 oder 80 betrieben und bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden, von der ihnen dann ein Rufzeichen für automatisch betriebene CB-Funkstationen zugeteilt wird (PLZ[A-Z]).

Das Routen von Funkgesprächen mittels Voice over IP durch das Internet eröffnet also viele interessante Möglichkeiten, erlaubt Antennengeschädigten wieder die Teilnahme am Hobby solange sie ein Gateway in der Nähe oder Zugang zu einem Internetanschluss haben - bis hin in die Seniorenresidenz, wo die Installation von Funkantennen wohl den Ausnahmefall darstellen dürfte. Oder die Zusammenschaltung mittlerweile an Funkern armen, dünn besiedelten Landstrichen zu Regionalrunden wenn genügend HF-Gateways an günstigen Orten aufgestellt werden.

Viel benötigt man unabhängig von der Software-Plattform nicht. Gateways sind zwar am besten an guten Antennenstandorten aufgehoben wenn das Gateway eine ordentliche Reichweite erzielen soll, geht es um die Anbindung einer kleineren Ortschaft kann man ein Gateway natürlich auch mit kleineren Antennen, Boomerangs oder J-Drahtantennen aufstellen. Für ein Gateway braucht es in der Regel einen ausgedienten PC mit der Software für das Gateway. eQSO und FRN laufen durchaus stabil mittels WINE unter Linux, wer sich unter Linux durch die Schnittstellenansteuerung wühlt, spart sich eine Windows-Lizenz. Der Autor empfiehlt Ubuntu. Dazu ein halbwegs anständiges Funkgerät samt Antenne und eine selbst gebaute oder fertig gekaufte Schaltung mit der Funkgerät und PC verbunden werden und die PTT-Steuerung übernommen wird, z.B. diese per USB oder diese per serieller Schnittstelle. Fertig aufgebaut kann man solche Interfaces auch unter Bezeichnungen wie "Echolink-Gateway-Box" oder ähnlichen Namen kaufen. Natürlich kann man ein Gateway auch portabel betreiben, solange man Zugang zum Internet bekommt, egal ob über WLAN im Hotel oder per Mobilfunknetz (UMTS).

Wer gerne ausschließlich einige Standorte untereinander vernetzen möchte, kann dazu auch einen eigenen Server installieren. Auch hier braucht man eigentlich nur einen älteren PC mit Windows oder Linux mit WINE, der dauerhaft mit dem Internet verbunden ist.

Nicht verschweigen darf man, dass die ganze Geschichte auch einige Nachteile hat, zumindest wenn es nicht nur um die mehr oder weniger geschlossene Zusammenschaltung einiger Ortschaften geht. Verschiedene Softwareplattformen konkurrieren miteinander, und auf den einzelnen Plattformen wiederum eine Vielzahl an Serverbetreibern die wiederum mehrere Räume bereitstellen. So sinnvoll das Aufsetzen eines eigenen Servers samt Aufstellen eigener Gateways innerhalb einer (Regional-)Runde sein kann um dauerhaft oder temporär den Funkverkehr an bestimmten Orten miteinander zu verbinden, so nachteilig ist die Zersplitterung auf verschiedene Softwareplattformen und Serverbetreiber. Erreicht man als HF-Funker ein Gateway, kann man nie wissen auf welcher Software-Plattform, auf welchem Server  und in welchem Raum man auf dem Server landet und an welchen Orten die HF-Gateways stehen, die den eigenen Funkspruch wieder auf Funk ausgeben, in welchem Band (CB, Freenet, PMR) und auf welcher Frequenz diese arbeiten. Den Betrieb der Gateways darf man sich also als HF-Funker keinesfalls wie ein Gleichwellenfunknetz vorstellen oder annehmen alle Gateways auf einem Kanal würden alles in den selben Raum auf dem selben Server auf der selben Plattform routen. Als Benutzer der Computersoftware kann man sich beliebig zu verschiedenen Servern verbinden und die angebotenen Räume auswählen. Als HF-Funker erreicht man über das Gateway das man erreichen kann nur den einen Raum, auf dem Server, auf der Plattform in die der Betreiber das Gateway verbunden hat und kann nur mit denjenigen Leuten sprechen, die entweder über den Computer oder über weitere an anderen Orten aufgestellten Gateways mit eben jenem einen Raum verbunden sind. Das "Anwählen" bestimmter Knotenpunkte wie bei Echolink im Amateurfunk ist dem HF-Funker allerdings nicht möglich.

Außerdem sind die Software-Plattformen allesamt keine Open-Source Projekte an denen eine große Community arbeitet, sondern so weit wie das nachrecherchieren lässt Projekte von Einzelprogrammierern, die über die Zukunft der Systeme bestimmen. Ein demokratischer Einfluss auf die Zukunft und die Funktionen der einzelnen Plattformen ist damit nahezu ausgeschlossen, die jeweiligen Programmierer können durch Einstellen der Weiterentwicklung oder Abschaltung der Server auf denen die Registrierung bzw. das System-Monitoring läuft die jeweilige Plattform auf einen Schlag unbenutzbar machen. Die Erfahrung zeigt, dass im Problemfall nur Open-Source Projekte dauerhaft überleben können weil andere Interessierte ausscheidende Programmierer ersetzen können und im schlimmsten Fall ein Fork möglich ist. Die dauerhafte Verfügbarkeit von Registrierung und System-Monitoring bei gleichzeitig gerechter Verteilung des Traffic ist langfristig im Grunde genommen nach aktuellem Stand der Technik wahrscheinlich nur mittels dezentraler, verschlüsselter P2P-Vernetzung zwischen den in die Plattform eingeloggten Servern möglich, was allerdings programmiertechnisch erheblich aufwändiger wäre um alles synchron zu halten. Wobei verteilte Datenbanken immer die Frage nach dem Datenschutz aufwerfen.

Bildnachweis: Bildschirmfoto FRN-Clientsoftware, by DBX133

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