Führung

Wann wird eine Mitarbeiterin erstmals Führungskraft? In vielen Fällen hat sie als Expertin im gelernten und angestammten Beruf fachlich herausragende Arbeit geleistet und überdurchschnittlich Verantwortungsbewusstsein gezeigt. Im besten Fall hat sich auch ein gewisses Talent für Führung gezeigt.

Die wenigsten jungen bzw. neuen Führungskräfte machen sich klar (und deren Vorgesetzte leider oft auch nicht), dass Führung vom Grundsatz her ein eigenständiger Beruf ist: Als Expertin im gelernten Beruf steht oft ein Sachthema im Vordergrund; als Führungskraft habe ich es mit Menschen zu tun. Da ist dann eher psychologischer Sachverstand gefragt.

Es gibt meines Wissens nur eine Institution, die von Anbeginn an ihre Führungskräfte systematisch ausbildet - die Bundeswehr. Unabhängig von eventuellen Vorurteilen lohnt sich ein Blick in die Zentrale Dienstvorschrift Innere Führung: Da findet man viele kluge Sachen, exemplarisch und grundlegend sei hier der Punkt 607 zitiert (in Fettdruck): "Wer Menschen führen will, muss Menschen mögen." Das ist sozusagen die conditio sine qua non.

Zunächst haben wir eine Arbeitskraft gesucht, die ein bestimmtes Aufgabenspektrum erledigen soll - es kam jedoch ein Mensch mit seiner Geschichte, mit Emotionen, mit Wünschen, ... Und mit so einem Menschen muss (besser: darf) ich mich als Führungskraft auseinandersetzen. Und was noch "on top" kommt: Meine Mitarbeiterin hat vielleicht eine ganz andere Persönlichkeitsstruktur als ich selbst - und ich muss selbst aus meiner Komfortzone gehen, um auch ihr gerecht werden zu können.

Selbstredend besteht jede Führungsaufgabe aus einem Mix an Experten- und Führungsthemen. Schaut man genauer hin, stehen oft die Sachthemen zu sehr im Vordergrund - nicht nur, weil die Führungskraft sich im angestammten Beruf grundsätzlich wohler fühlt, sondern auch, weil das System (z.B. die eigene Vorgesetzte) sie auch dort hält.

Und was heißt es denn nun zu führen? Es gibt viele akademische Definitionen - wie wäre es mit folgender: "Jemande dazu zu bringen, etwas zu tun, was ich will?" Dass das nicht immer leicht ist, liegt auf der Hand. Dazu bedarf es eines überzeugenden Bildes vom Ziel und des Know-hows, wie eine bestimmte Mitarbeiterin erreichbar ist. Und es bedarf auch einer anderen Grundhaltung: Statt "Wie mache ich es?" fragt sich die Führungskraft "Wer macht's?".

Frage ich Führungskräfte nach ihrem Hauptmotiv zu führen, wird meist der Wunsch zu gestalten und Einfluss zu nehmen genannt. Viel weniger häufig höre ich das Motiv, die Talente von Mitarbeiterinnen entdecken und ausbilden zu wollen. Statt also selbst als Expertin aufzutreten, entwickle ich meine Mitarbeiterinnen weiter. Zu sehen, wie Mitarbeiterinnen ihre Talente ausbilden, kann für eine Führungskraft extrem befriedigend sein.

Hier hilft vielleicht die Analogie zum Sport: Von einer Trainerin erwarten wir stetige Korrektur und Verbesserung der Athletin, dazu muss sie in deren Bezugsrahmen eintreten - das kann und muss die Athletin verunsichern, ist aber der entscheidende Startpunkt für Veränderung. Eine Trainerin, die das aus Harmoniegründen vermeidet, würden wir mit Recht als schlechte Trainerin bezeichnen. Bei Führungskräften in den Unternehmen sind wir da häufig nachsichtiger.

Es sind individuelle Menschen, die die notwendigen Organisationsziele qua ihrer persönlichen Arbeitsmethodik in notwendige Beiträge zum Organisationserfolg umsetzen. Zur Realisierung dieser notwendigen Beiträge müssen Menschen bisweilen ihre Komfortzone verlassen und sich neue Haltungen, Kenntnisse und Verhaltensweisen aneignen. Genau das ist Entwicklung - aber immer innerhalb der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Talente und Stärken. Wie genau die Komfortzone (oder besser Diskomfortzone) des Einzelnen aussieht, ist im Vorfeld nur schwer zu prognostizieren.

Mitarbeiterführung heißt also insbesondere, mit jeder Mitarbeiterin passende Beiträge zum Unternehmenserfolg zu vereinbaren und sie in deren effektiven und effizienten Erreichung zu fördern.

Gerne unterstütze ich Sie in Ihrem Unternehmen bei der Auswahl und Entwicklung der Führungskräfte. Wie diese für Sie passgenau und im Detail ausgestaltet wird, entwickeln wir gemeinsam. Hier geht es mir darum, mit Ihnen ein paar grundlegende Gedanken zu teilen, damit Sie meine Haltung kennenlernen können.

Was Führungskräfte besonders auszeichnet: Gesunder Menschenverstand und Robustheit unter Stress