Auswanderung nach Amerika vor 200 J

Inhaltsverzeichnis

  • Warum eine Auswanderung
  • Wohin?
  • Preise der Reise
  • Verlauf und Umfang
  • Wirtschaftliche und Soziale gründe
  • Ausländische Auswanderer
  • Als die Schweizer nach scharen auswandern
      • Schlecht vorbereitet
      • Willkommene Schweizer
      • Unentgeltliches Ackerland
  • Anzahl Auswanderer 1820-1950

Warum eine Auswanderung

Man wanderte aus weil man sich in der USA ein besseres leben erhoffte .Alle sagten das es das Land der neuen Hoffnung ist.

Wohin

Die meisten Auswanderer gingen nach New York es gab aber auch Leute die nach Südamerika oder in andere Teile von Amerika auswanderten.

Preise der reise

Auswanderung

Verlauf und Umfang

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die Vereinigten Staaten, das „Land der Freiheit“, zum weitaus beliebtesten Ziel deutscher Einwanderer. Im Gegensatz zu Deutschland, das bei eher geringen Ressourcen einen Überschuss an Arbeitskräften hatte, mangelte es in den rasch empor strebenden USA an arbeitsfähigen Menschen. Darüber hinaus übte die Neue Welt eine starke Anziehungskraft vor allem auf junge Menschen aus. Ihr Wissensstand war oft spärlich, umso phantasievoller stellten sich viele eine „goldene Zukunft“ in den Vereinigten Staaten vor. Zwischen 1820 und 1930 ließen sich dort rund 90% der rund sechs Millionen deutschen Immigranten nieder. Sie gehörten dort zu den größten Einwanderergruppen. Andere Länder wie Brasilien, Argentinien, Australien, Algerien und Rußland standen nur zeitweise im Zentrum des Interesses deutscher Auswanderer, vor allem, wenn Werbung für diese Gebiete betrieben wurde oder die Vereinigten Staaten vom Bürgerkrieg oder von Wirtschaftskrisen betroffen waren.


Erstmals setzte die Auswanderung im „Hungerjahr“ 1817 in nennenswertem Ausmaß ein. Als Missernten zu stark gestiegenen Getreidepreisen und Hungerskrisen führten, übersiedelten rund 20.000 Menschen nach Osteuropa bzw. in die Vereinigten Staaten. Wie nicht anders zu erwarten, war vor allem der südwestdeutsche Raum betroffen, wo im Gegensatz zu anderen Regionen Deutschlands Fernwanderungen eine lang etablierte Tradition hatten.

In den 1820er Jahren blieb die Auswanderung nach Nordamerika gering, statt dessen wanderten zahlreiche Bauern und Handwerker aus dem Hunsrück und seinen Nachbargebieten in das seit 1822 unabhängige südamerikanische Kaiserreich Brasilien aus, das eine eifrige Werbetätigkeit entfalte. Anhaltende Wirtschaftskrisen führten seit den frühen 1830er Jahren zu einem kontinuierlichen Anwachsen der Auswanderung. Spitzenwerte mit jeweils einer Million Emigranten wurden 1846-1857 und 1864-1873 erreicht. Nach der Reichsgründung, zwischen 1880 und 1893, gingen sogar mehr als 1,8 Millionen Deutsche in die USA. Das Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz war vor allem von den ersten beiden Auswanderungswellen betroffen, während es sich bei den Wegzügen im Kaiserreich vorwiegend um Angehörige unterbäuerlicher Schichten aus dem ostelbischen Raum handelte, wo sich zuvor die Auswanderungslust sich in engen Grenzen gehalten hatte. Nach 1890 spielte die Amerikaauswanderung reichsweit keine große Rolle mehr, da aufgrund der fortgeschrittenen Industrialisierung ein größeres Arbeitsplatzangebot bestand.

Wirtschaftliche und soziale Hintergründe

Die in den meisten Landesteilen verbreitete Realteilung, die alle Erben gleichstellte, war von der napoleonischen Gesetzgebung bestätigt worden, und führte aufgrund des steigenden Bevölkerungsdrucks in den kommenden Jahrzehnten zu einer bedenklichen Aufsplitterung der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Bereits in 1817 entfielen auf jeden ländlichen Haushalt Rheinhessens durchschnittlich 3-4 ha Grundbesitz. Knapp zwei Jahrzehnte späte hatte die Besitzzersplitterung noch besorgniserregendere Ausmaße angenommen. 1834 bewirtschafteten in Alsheim bei Worms 41%, in Gau-Odernheim 76%, im Mombach bei Mainz gar 86% der landwirtschaftlichen Betriebe bis zu 2,5 ha Feld. In Orten, wo Weinbau oder andere Sonderkulturen eine Rolle spielten, boten solch kleine Betriebe oft ein ausreichendes Familieneinkommen, in reinen Ackerbaugemeinden jedoch nicht. Viele Kleinbauern arbeiteten daher im Taglohn oder als Handwerker.

Neben der Realteilung führten einige Errungenschaften aus französischer Zeit, die auch nach 1815 als so genannte „Rheinische Institutionen“ Fortbestand hatten, zu einer Verschärfung der wirtschaftlichen und sozialen Lage. Aufgrund der Gewerbefreiheit waren zahlreiche Handwerksberufe überbesetzt, insbesondere in der Textilindustrie, die unter englischen Billigimporten sowie unter der zunehmenden Mechanisierung zu leiden hatte. Viele Kleinbauern und Handwerker mussten sich als Taglöhner oder Saisonarbeiter verdingen. Bis zur Gründung des Deutschen Zollvereins 1834 stellten die Binnenzölle ein großes Hemmnis für den Export von Wein, Getreide und anderen Produkten in andere deutsche Staaten dar.

Zu einer weiteren Verschlechterung der sozialen Lage breiter Bevölkerungsschichten kam es in den 1840er und 1850er Jahren, dem Zeitalter des „Pauperismus“ (lateinisch pauper = Armer). Nach den Missernten der Jahre 1846 und 1853 kletterten die Preise für Grundnahrungsmittel wie Brot und Kartoffeln um ein Vielfaches. In vielen Gegenden kam es zu Hungersnöten, die durch staatliche Maßnahmen wie die verbilligte Abgabe von Lebensmitteln an Bedürftige oder Bauprojekte kaum gelindert werden konnten. Ein Indiz für die große Armut, die vielerorts herrschte, sind die Abschiebeaktionen zahlreicher Gemeinden. Manche Dorfvorstände versuchten in den Jahren um 1850, die Last der Armenunterstützung von sich abzuwenden, indem sie zahlreiche unbemittelte Familien auf ihre Kosten nach Amerika schickten und für ihre Schulden aufkamen. Auf diese Weise wurden die rheinhessischen Altrheingemeinden Gimbsheim und Eich in den Jahren zwischen 1848 und 1851 226 bzw. 168 Personen los. Die kleine Gemeinde Sespenroth im Gelbachtal in der Nähe von Montabaur löste sich gar 1853 auf, nachdem ihre sämtlichen 48 Bewohner ihren Buesitz verkauft hatten und nach Milwaukee ausgewandert waren. Zur gleichen Zeit zog fast die gesamte Einwohnerschaft des 85 Seelen zählenden Weilers Allscheid im Kreis Daun in die USA. Auch die wesentlich größere pfälzische Gemeinde Schopp (südlich von Kaiserslautern) trug sich 1852 mit dem Gedanken einer vollständigen Übersiedlung nach Nordamerika, was jedoch von der Kreisregierung in Speyer abgelehnt wurde.

Ausländische Auswanderer

Das wichtigste Zielland war Frankreich (83 000) mit einigem Abstand vor Deutschland (57 000), Grossbritannien (12 000) und Italien (9000).


Als die Schweizer in Scharen auswanderten

In jenem Jahrzehnt hatten gegen 82'000 Schweizer ihr Hab und Gut gepackt und sich auf den Weg gemacht, um in Hafenstädten wie Hamburg und Le Havre einen Dampfer nach Amerika zu besteigen.

In den 1880er-Jahren allein wanderten etwa gleich viele Schweizer in die USA aus, wie in den 70 Jahren zuvor insgesamt. Die Schweizer gehörten zu einer Emigrantenwelle von fast fünf Millionen Europäern. Das waren fast doppelt soviele wie im Jahrzehnt davor.

Es war eine Zeit des grossen Umbruchs. Die Welt kam aus einer grossen wirtschaftlichen Depression heraus. In Europa kam es zu politischen und sozialen Spannungen, hervorgerufen durch die zweite industrielle Revolution und eine Bevölkerungsexplosion.

So war die Bevölkerung der Schweiz zwischen 1870 und 1914 von 2,65 auf fast 4 Millionen angewachsen.

Amerika wurde zu einem beliebten Auswanderungsziel, auch weil die transatlantische Emigration durch schnellere und billigere Transport-Möglichkeiten wie Züge und Dampfschiffe einfacher geworden war.

"Die Industrialisierung breitete sich grossräumig aus. Amerika brauchte dringend Arbeitskräfte und die Staaten im Mittleren Westen wurden für die Landwirtschaft zugänglich.

Siedler, die bereit waren, drei Jahre dort zu leben, erhielten Ackerland", erklärt Barry Moreno. Der Historiker und Bibliothekar Moreno arbeitet auf Ellis Island vor New York, wo früher die Einwanderer registriert und medizinisch untersucht worden waren, bevor sie in die USA einreisen durften.

Heute ist Ellis Island ein Museum zur Geschichte der Immigration nach Amerika.

Als Immigranten-Eingangstor in Betrieb genommen worden war Ellis Island 1892. Amerika hatte damit auf die überwältigende Zahl neuer Emigranten reagiert, die in den 1880er-Jahren ins Land gekommen waren.

Schlecht vorbereitet

Laut Moreno hatten die US-Behörden zwar eine grossangelegte Immigration ermutigt, waren aber schlecht vorbereitet, um eine solche Menge von Einwanderern abzufertigen. Eine Woge, zu der erstmals nicht praktisch nur Nordeuropäer gehörten, sondern viele Menschen aus dem Süden und dem Osten der Alten Welt.

Dies führte auch zu Gegenreaktionen und Rufen nach einer Begrenzung der Einwanderung aufgrund von Nationalitäten. Es gab schon einen Präzedenzfall: Der Chinese Exclusion Act (Gesetz zum Ausschluss von Chinesen) war 1882 verabschiedet worden, um die Welle von Immigranten aus China zu bremsen, die an der Westküste landeten.

"Amerikaner waren misstrauisch geworden, als immer mehr Italiener aus dem Süden, Griechen, Slawen und auch Juden ankamen", erklärt Moreno gegenüber swissinfo.

"Viele Amerikaner dachten, diese Leute seien minderwertig, der Abschaum Europas. Und sie stiessen sich an deren Einwanderung." Schweizer hingegen waren damals grundsätzlich willkommen.

Willkommene Schweizer

Daten der US-Einwanderungsbehörden zeigen, dass viele der Ankömmlinge aus der Schweiz sich zwar nur eine Reise in der dritten Klasse hatten leisten können, dass sie aber mehr Bargeld hatten für den Start in ihr neues Leben.

Viele waren zudem mit ihren Familien gekommen, ein weiteres Zeichen, dass sie eher über etwas mehr finanzielle Mittel verfügten als der typische Immigrant aus dem Süden Europas, der allein reiste und meist nur eine Handvoll praktisch wertloser Lire oder Drachmen in der Tasche hatte.

Bevor das Zentrum auf Ellis Island eröffnet wurde, waren die neuen Ankömmlinge in einer Ankunftshalle in Battery Park (Manhattan) erfasst worden, damals bekannt unter dem Namen Castle Garden.

Ankömmlinge aus der Schweiz, egal ob sie Deutsch, Französisch oder Italienisch sprachen, waren bei der Einwanderungsprozedur unterstützt worden von einem Angestellten, der ihre Sprache oder gar ihren Dialekt sprach. Dabei wurden ihre Namen und weitere Details erfasst und mit der Passagierliste des Schiffes verglichen, bevor sie ihre Reise fortsetzen konnten.

Unentgeltliches Ackerland

Die meisten Schweizer und Schweizerinnen zogen weiter Richtung Westen, um das Angebot zu nutzen, an Ackerland zu kommen, oder an Orte zu reisen, an denen sich schon Siedler aus der Schweiz niedergelassen hatten – etwa in Kalifornien - oder eigene Gemeinden gegründet hatten, wie zum Beispiel New Glarus in Wisconsin.

"Diese Schweizer halfen den neuen Immigranten, zu Ackerland zu kommen, Läden oder andere Betriebe zu gründen und die meisten Leute traten den lokalen Schweizer Vereinen bei", sagt Moreno. "Es gab auch Kirchen, die von Schweizern geleitet wurden."

Man kann wohl sagen, dass diese Jahre die besten Zeiten für Auswanderer waren.

Die US-Behörden schufen schliesslich ein Bundesamt für Immigration, schlossen 1890 Castle Garden und eröffneten zwei Jahre später das Registrationszentrum auf Ellis Island. Ziel des neuen Amtes war es, unerwünschte Immigranten aufzuspüren und zurückzuweisen.

Die Behörden führten medizinische Untersuchungen ein. Auch wurde auf Ellis Island ein Spital gebaut, in dem kranke Immigranten isoliert wurden.

Schlussendlich wiesen die Beamten auf Ellis Island nicht allzu viele Einwanderer ab. Die neuen Prozeduren wirkten zwar abschreckend, waren aber nur ein geringer Faktor der in den 1890er-Jahren wieder deutlich gesunkenen Einwanderungs-Zahlen.

In diesem Jahrzehnt kamen wieder etwa 1,2 Millionen weniger Europäer und die Zahl der Schweizer fiel auf nur noch etwa 30'000.

Das sollte allerdings nur die Ruhe vor dem Sturm sein. Während die Einwanderung aus der Schweiz noch eine Weile stabil bleiben und danach weiter abflauen würde, standen die USA - mit Ellis Island als Haupteingangstor – vor einer noch grösseren Einwanderungswelle. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts suchten mehr als acht Millionen Europäer in Amerika ein neues Leben.

Anzahl Auswanderer 1820 - 1950

  • 1820-50: 12,722
  • 1851-60: 25,011
  • 1861-70: 23,286
  • 1871-80: 28,293
  • 1881-90: 81,988
  • 1891-00: 31,179
  • 1901-10: 34,922
  • 1911-20: 23,091
  • 1921-30: 29,676
  • 1931-40: 5,512
  • 1941-50: 10,547