Interaktion Nr. 7 „Warum ist es wichtig, sich selbst oder Dinge zu bewegen?“
Interaktion Nr. 7 „Warum ist es wichtig, sich selbst oder Dinge zu bewegen?“
Illustration: Shinra
Zum Nachdenken
Was legen wir als „etwas, das man nicht tun muss“ fest?
Und nach wessen Maßstab wird das entschieden?
„Arbeit, die Menschen nicht tun müssen, sollte man den Maschinen überlassen.“
Diese Denkweise ist mittlerweile in vielen Bereichen weit verbreitet.
In der Fertigung, der Logistik und der Gastronomie hat die Automatisierung von Aufgaben wie dem Heben schwerer Gegenstände oder der Ausführung sich wiederholender Bewegungen die Sicherheit und Effizienz verbessert.
Hinter dieser Frage verbergen sich mehrere Annahmen.
Das Tragen von Gegenständen ist eine einfache Aufgabe
Einfache Aufgaben sollten automatisiert werden
Menschen sollten „anspruchsvollere“ Aufgaben übernehmen
Aus Sicht der Effizienz und der Arbeitsteilung erscheint diese Denkweise vernünftig.
Aber wessen Rationalität dienen diese Annahmen?
Oft denken wir über unsere Gesellschaft unter der Annahme nach, dass wir uns fortbewegen können.
Dass wir uns auf unseren eigenen Beinen fortbewegen können.
Dass wir uns ganz selbstverständlich in die gewünschte Richtung bewegen können.
Dass wir uns ausruhen können, wenn wir müde werden und danach weitergehen.
Wenn dies als selbstverständlich gilt, erscheint Bewegung als bloßes Mittel zum Zweck.
Genau deshalb entsteht die Vorstellung: „Wenn man sich nicht bewegen muss, ist das besser“ oder „Menschen sollten sich auf Gespräche konzentrieren“.
Aber das ist auch eine Sichtweise, die die eigenen Selbstverständlichkeiten zum Maßstab macht.
Für Menschen, die bettlägerig sind oder denen es schwerfällt, ihren Körper über längere Zeit zu bewegen, wird der bloße Akt, aus eigenem Antrieb eine Richtung zu wählen, sich im Restaurant zu bewegen oder sich selbst fortzubewegen – anstatt von jemand anderem getragen zu werden – zu einem besonderen Erlebnis.
Wichtig ist hier nicht die Effizienz der Aufgabe Servieren.
Für diejenigen, für die gehen und sich bewegen keine Selbstverständlichkeiten sind, ist es nicht bloß eine Aufgabe, sondern eine Erfahrung, die man körperlich spürt, und ein Gefühl der Erfüllung.
„Ich kann selbst die Richtung einschlagen, in die ich gehen möchte. Es macht Freude, mich bewegen zu können.“
Das bedeutet natürlich nicht, dass Menschen an jedem Einsatzort alle Transportaufgaben übernehmen sollten. Es ist wichtig, gefährliche und körperlich anstrengende Arbeiten Maschinen zu überlassen.
Die Frage ist nicht, ob automatisiert werden soll, sondern welche Werte geschützt werden sollen und welche Prozesse automatisiert werden sollen.
Im Bereich der Avatar-Roboter liegt der Fokus weniger auf Effizienzsteigerung als vielmehr darauf, Verbindungen zur Gesellschaft herzustellen und körperliche Erfahrungen zu gewinnen.
„Jemand der zum ersten Mal einen Avatar-Roboter steuert und dabei auch gleich Kundenkontakt hat, ist am Anfang meist von Unsicherheit erfüllt. Da jede Person in einer anderen Situation ist, gibt es kein einfaches ‚So wird‘s gemacht‘. Deshalb suchen die erfahrenen Pilotinnen und Piloten gemeinsam mit den Neulingen – Schritt für Schritt, auch bei kleinen Dingen – nach einem Weg, der für sie funktioniert.“
Aus Effizienzgründen könnte das Servieren von Speisen automatisiert werden.
Doch die Bedeutung, die dieser Handlung zukommt, ist von Person zu Person unterschiedlich.
Was sollten wir beibehalten und was sollten wir delegieren?
Diese Entscheidung kann nicht allein auf der Grundlage von Effizienz getroffen werden.
Was sind „Dinge, die man nicht tun muss“ für Dich?
Und kannst Du Dir bestimmte Umstände vorstellen, unter denen sich das ändern könnte?
Lass uns noch einmal darüber nachdenken
Was legen wir als „etwas, das man nicht tun muss“ fest?
Und nach wessen Maßstab wird das entschieden?
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