Begegnung Nr. 3 „Unterschiede in der Interaktion über einen Bildschirm und über einen Roboter“
Begegnung Nr. 3 „Unterschiede in der Interaktion über einen Bildschirm und über einen Roboter“
Illustration: Ruu (X: @ruu_dayoo_ Instagram: @ruu_dayoo_)
Zum Nachdenken
Anhand welcher Anhaltspunkte erkennen wir, mit wem wir sprechen?
Wie unterscheidet sich wohl ein und dasselbe Gespräch, je nachdem ob man es vermittelt über einen Bildschirm führt oder ob man sich im selben Raum befindet?
Wenn Menschen zum ersten Mal einen Avatar-Roboter sehen, ist ihre erste Reaktion oft:
„Reicht ein Videoanruf oder ein Tablet nicht aus?“
„Wenn wir uns über den Bildschirm unterhalten können, ist das dann nicht dasselbe?“
Das sind sehr berechtigte Fragen.
Wenn das Ziel lediglich darin besteht, ein Gespräch aus der Ferne zu führen, sind das Telefon oder Online-Meeting-Tools tatsächlich völlig ausreichend.
Was den Informationsaustausch angeht, gibt es fast nichts, was man mit einem Video-Meeting nicht auch tun könnte.
Warum also die Mühe auf sich nehmen, Avatar-Roboter zu nutzen?
Stellen wir uns eine Besprechung vor, bei der mehrere Personen am Tisch sitzen.
Wenn nur eine Person per Videokonferenz teilnimmt, kommt es häufig zu Verständnisproblemen:
Es ist schwer zu erkennen, an wen sich die Person beim Sprechen wendet.
Der Blickkontakt fehlt.
Es ist schwer, den richtigen Zeitpunkt zum Sprechen zu finden.
Da die Position der Kamera feststeht, kann die Person per Videokonferenz nur schwer selbst die Richtung festlegen, in die sie blicken möchte.
Auch für die Teilnehmenden vor Ort ist es schwer zu erkennen, wohin der Blick gerichtet ist.
Avatar-Roboter bringen hier einen kleinen, aber bedeutenden Unterschied mit sich:
Sie können die Ausrichtung des Kopfes (die Blickrichtung) verändern.
Allein durch die sichtbare Ausrichtung – dass der Roboter gerade hierherschaut und nicht zu irgendjemandem, sondern speziell zu mir spricht – wird die Kommunikation etwas einfacher.
Auch in Online-Konferenzen kann man jemanden beim Namen nennen oder nicken.
Bei einem Roboter jedoch manifestiert sich diese Reaktion als Bewegung im Raum.
Das verändert den Eindruck, den man davon gewinnt.
Interessant ist die Veränderung, die sich im Laufe der Zeit vollzieht.
Zunächst hat man das Gefühl: „Ich spreche mit einem Roboter.“
Doch nach etwa 30 Minuten Gespräch sagen viele: „Es fühlte sich nicht so an, als würde ich mit einem Roboter sprechen; es fühlte sich an, als würde ich mit ‚soundso‘ sprechen.“
Der Grund liegt nicht in auffälligen Funktionen, sondern in den Details:
eine leichte Drehung des Kopfes
eine subtile Armbewegung
eine unverwechselbare Art zu nicken
Gerade diese kleinen Dinge lassen die Individualität der Person durchscheinen, obwohl sich der Roboter an sich nicht verändert.
Ein OriHime Pilot hat das so ausgedrückt:
„Es scheint, dass sich die Individualität der Person durch die Art und Weise ausdrückt, wie sie den Körper oder Kopf [des Roboters] während des Gesprächs bewegt.“
Auch bei Online-Konferenzen zeigen sich Sprechgewohnheiten.
Bei einem Avatar-Roboter werden diese Gewohnheiten jedoch nicht nur in der Stimme, sondern auch in den „Körperbewegungen“ sichtbar.
Das kann die Persönlichkeit der Person noch stärker zur Geltung bringen.
Nach all dem könnte es so klingen, als seien Videokonferenzen oder Tablets minderwertig.
Aber darum geht es nicht.
Tatsächlich sagen manche Menschen, dass sie sich im Unterricht zum Beispiel besser auf das Gesagte konzentrieren können, wenn sie über den Bildschirm teilnehmen und nicht so viele ablenkenden Dinge drumherum passieren.
Mit anderen Worten: Es geht nicht um Überlegenheit oder Unterlegenheit, sondern darum, was in einer bestimmten Situation am besten geeignet ist.
Wenn es darum geht, Informationen zu verarbeiten, ist der Bildschirm eine gute Option.
Wenn man das Gefühl schaffen möchte, vor Ort präsent zu sein, kann der Roboter die Kommunikation erleichtern.
Avatar-Roboter sind kein Ersatz für Online-Konferenzen.
Sie sind eine andere Möglichkeit, „am selben Ort zu sein“, während man weit entfernt ist.
Lass uns noch einmal darüber nachdenken
Anhand welcher Anhaltspunkte erkennen wir, mit wem wir sprechen?
Wie unterscheidet sich wohl ein und dasselbe Gespräch, je nachdem ob man es vermittelt über einen Bildschirm führt oder ob man sich im selben Raum befindet?
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