VCD: Verkehrsunfall-Vorsorge grundlegend neu aufstellen

veröffentlicht um 25.01.2017, 04:11 von VCD Landesverband Niedersachsen   [ aktualisiert: 01.02.2017, 06:11 ]

VCD fordert entschieden mehr Einsatz der Politik und Finanzmittel, um präventiv Menschenleben zu retten.


25.01.2017

Hannover. Der heute startende 55. Verkehrsgerichtstag in Goslar präsentiert ein breites Spektrum von Verkehrssicherheitsthemen. Vor einigen Jahren ist die Verkehrsopfer-Kurve aus dem Abwärtstrend nach oben ausgeschert. Somit stellen sich für die staatliche Sicherheits-Arbeit neue Herausforderungen. Der Verband für verantwortungsbewussten Verkehr VCD (Landesverband Niedersachsen) fordert die politisch Verantwortlichen auf, kraftvoll Impulse zu setzen, um den vormals positiven Trend wiederherzustellen. „Warum liegt in Deutschland weiterhin ein breites Instrumentarium ungenutzt brach, während es in anderen Ländern gang und gäbe ist und dort wirksam Opferzahlen und viel Leid mindert?“ fragt Harald Walsberg, Verkehrssicherheitsfachmann und stellvertretender Landesvorsitzender des VCD Niedersachsen.


Wie groß der Nachholbedarf hierzulande ist, kann eine vergleichende Analyse einiger Faktoren verdeutlichen.

Bei folgenden Punkten lebensrettender Maßnahmen und Regelungen etwa ist Deutschland noch überhaupt nicht dabei:

  • Halterhaftung;
  • Section Control (Ausnahme: Projektversuch Niedersachsen);
  • Höchstgeschwindigkeit (30/80/120);
  • Entziehen (und verwenden für Crashtests) von Fahrzeugen bei Rasern, Profilierungsfahrern (Posern, Schock-Lärmern), illegalen Straßenrennen;
  • Bekämpfung von Rechtsabbiegeunfällen Lkw gegen Radfahrer (Spezial-Spiegel am Fahrzeug,  an Ampelmast etc., Abbiegeassistenzsysteme, Kameras).

Und hier ist Deutschland nur sehr schlecht aufgestellt:

  • Fast kein Polizeipersonal für Kontrollen mehr geblieben (schon in einem Bundesland polizeiliche Verkehrsüberwachung wegen Personalnot temporär total eingestellt);
  • Anzeigen können von Behörden wegen Personalnot z. T. nicht mehr bearbeitet werden;
  • Sanktionen (EU-weit am unteren Ende);
  • Tempo-Blitzer (in einem großen Bundesland stehen z. B. an nur zwei von sehr vielen Autobahn-Verkehrsbeeinflussungsanlagen Tempo-Blitzer);
  • Medien benutzen eine negativ wertende Sprache in Berichterstattung: statt RadarFALLEN wäre z. B. Tempo-Blitzer/Radar oder – positiv wertend – Lebensretter-Blitzer/Radar sehr wünschenswert;
  • Auto-TV-Werbung ist teilweise psychologisch geschickt so durchkomponiert, dass sie zum Bruch der Verkehrsregeln und zu gefährlichem Fahren animiert.

„In aller Regel beschränken sich Erneuerungs-Aktivitäten seitens Politik und Behörden lediglich auf Verbesserungen von Infrastruktur und Regelungen, während die (mangelnde) Umsetzung durch die Verkehrsteilnehmer anschließend völlig aus dem Blick gerät. Überall braucht es Personal, das schlicht nicht (mehr) vorhanden ist. Hier muss sich das Blatt dringend wenden. Wir fordern, massiv in den Aufbau von zuvor weggespartem Personal bei der Polizei und anderen beteiligten Behörden für wirksame Überwachungskonzepte zu investieren, damit im alltäglichen Verkehr die gelebte Umsetzung der unfallpräventiven Regelungen wieder gewährleistet ist“, so VCD-Mann Walsberg. „Hohe Wirksamkeit und guter Erfolg mit einem weitaus besser gelebten Miteinander statt dem derzeitigen gefährlichen Gegeneinander ist der zweifelsfrei garantierte Ertrag – mit dem Zugewinn einer erheblich gesteigerten Lebensqualität.“

Kontakt: Harald Walsberg, Tel. 0171 202 9333