Dialogforum beschließt Alpha, Niedersachsen ignoriert Hamburger Interessen

veröffentlicht um 10.10.2015, 10:19 von Hans-Christian Friedrichs   [ aktualisiert 22.10.2015, 14:14 von VCD Landesverband Niedersachsen ]

7. Sitzung des Dialogforums Schiene Nord am 9. Oktober in Celle. 
Bündnis für zukunftsfähige Lösung wird eigenes Positionspapier vorlegen. 


10.10.2015 
Hannover/Celle. Neuigkeiten brachte bei der vorletzten Sitzung des Dialogforums nur das umfangreiche Gutachten des Hauses BVU (Beratergruppe Verkehr + Umwelt GmbH) zur sogenannten Alpha-Variante. Danach haben sämtliche Ausprägungen erhebliche Schwächen für den Nord-Süd-Verkehr, sie würden sogar zu mehr Lkw-Verkehr auf unseren Straßen führen. „Das ist für den VCD kein zukunftsfähiges Ergebnis, das neue Kapazitäten schafft, um spürbar Güterverkehr von der Straße auf die umweltfreundlichere Schiene zu verlagern“, so Hans-Christian Friedrichs, Landesvorsitzender des VCD-Niedersachsen.

Besonders der größte deutsche Seehafen Hamburg hält die Alpha-Variante für unzureichend und fordert die Prüfung einer zusätzlichen umweltschonenden Neubaustrecke, vorzugsweise für Güterverkehr, von Hamburg nach Hannover in einem Korridor mit der Autobahn 7. Der VCD hält die Alpha-Variante mit ihren kleinteiligen Maßnahmen für einen sinnvollen Schritt, wenn gleichzeitig die zielführende Erweiterung des Eisenbahnnetzes vorangetrieben wird. „Insofern unterstützen wir die Forderung Hamburgs. Es ist ohnehin fragwürdig, inwieweit ein Dialogforum bei der Erörterung eines Infrastrukturprojekts über die Verdichtung von Blockabständen oder „Um-Routungen“ - dem Tagesgeschäft der Deutschen Bahn - diskutieren soll. Viel wichtiger wäre es, einen Konsens unter Beteiligung aller wichtigen Akteure zu erreichen“, erklärt Friedrichs die Position des VCD.

Im Dialogforum wurde am Freitag mit großer Mehrheit beschlossen, als alleinige Maßnahme die unzureichende Alpha-Variante mit dem teilweisen Ausbau des Bestandsnetzes als Vorschlag für den Bundesverkehrswegeplan zu melden. Ein Einvernehmen mit Hamburg wurde nicht hergestellt.Wir fordern seit Jahren ein norddeutsches Seehafenkonzept, auch unter Beachtung des Seehafenhinterlandverkehrs. Was aber jetzt beschlossen wurde, führt das Ziel eines abgestimmten Vorgehens der Seehäfen ad absurdum. Ein vermeintlich funktionierendes Konzept für den Güterverkehr aus den Häfen ohne Berücksichtigung des größten Players kann kein ernstzunehmendes Ergebnis darstellen. Der Beschluss des Dialogforums ist aber auch auf ein Systemproblem zurückzuführen: Wenn die Mehrzahl der Teilnehmenden aus Bürgermeistern und Bürgerinitiativen besteht und eine Zwei-Personen-BI das gleiche Stimmrecht besitzt, wie eine Zwei-Millionen-Stadt, dann dürfen wir uns über diese Empfehlung ohne ganzheitlichen Ansatz nicht wundern. Hämische Schadenfreude über die Nichtbeachtung der - Zitat - Hamburger Pfeffersäcke halten wir für völlig deplatziert“, so Friedrichs.

Der VCD wird nun zusammen mit weiteren überregional und lokal agierenden Akteuren, wie PRO BAHN, eine eigene Bilanz zum Dialogforum ziehen. Ziel ist ein gemeinsames Eckpunktepapier für einen zukunftsfähigen, innovativen Lösungsansatz für den Schienengüterverkehr von und zu den deutschen Nordseehäfen.