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VCD trifft Deutsche Bahn – große Probleme, konstruktives Gespräch

veröffentlicht um 23.01.2015, 10:27 von VCD Landesverband Niedersachsen   [ aktualisiert: 25.04.2017, 06:00 ]
Am 22.01.2015 trafen sich der Vorstand des VCD-Landesverbandes Niedersachsen mit DB-Konzernbevollmächtigtem Ulrich Bischoping und Dr. Cay Lienau, um sich über die anstehenden Probleme auszutauschen. Das Gespräch fand in angenehmer und konstruktiver Atmosphäre statt.

Themenschwerpunkte waren die Schieneninfrastruktur, der Fernverkehr, das Dieselnetz der DB und die Barrierefreiheit.

Von besonderer Bedeutung für den Seehafenhinterlandverkehr sind die Knoten Hamburg-Harburg und Bremen. Zur Entlastung des Knotens Bremen geht die Deutsche Bahn mit den Vorstellungen des VCD konform, das Netz der EVB verstärkt zu nutzen und weiter auszubauen. Ebenso ist ein zweigleisiger Ausbau der Strecke Rotenburg – Verden notwendig.

Auch über die Schieneninfrastruktur im Raum Oldenburg wurde gesprochen. Für einen Ausbau der Verbindung nach Osnabrück oder eine Umfahrung Oldenburgs gibt es derzeit keinen Bedarf und somit auch keine Planungen. Das gilt auch für die sogenannte „Wunderline“ von Oldenburg nach Groningen. Die Inbetriebnahme des Haltepunktes Oldenburg-Wechloy findet voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte statt.

Der Bahnhof Lüneburg West ist als einziger auf dem Weg nach Hamburg noch für viele Fahrgäste ein echtes Hindernis. Hier hält der Metronom (RE 31) am sehr niedrigen Zwischenbahnsteig. Für Lüneburg hat die Bahn Verbesserungen angekündigt: Am modernisierten Bahnsteig an Gleis 1 sollen zukünftig sowohl die Züge der Metronom-Regionalbahn nach Hamburg als auch der Erixx nach Dannenberg halten. Der Beginn der Baumaßnahme ist für dieses Jahr geplant.

Im Fernverkehr hat der VCD seine Kritik an der Einstellung der Autoreisezüge und an der Reduzierung des Nachtzugangebots geäußert. Aus Sicht des Umweltverbandes sollten Autos weiter zusammen mit den Fahrgästen auf der Schiene zum Ziel reisen und nicht mit dem Lkw auf der Straße. Das Nachtzugangebot gehört zur europäischen Reisekultur und ist eine wichtige Komponente im Fernverkehr. Linien wie die von Kopenhagen über Hamburg nach Paris wurden zunächst um die Halte in Metz und danach in Saarbrücken gebracht und anschließend ganz eingestellt. Damit gibt es gar keine Direktverbindung mehr in den Südwesten. Die Veränderungen begründet die Bahn mit wirtschaftlichen Betrachtungen, unter anderem seien zu hohe Trassenpreise und der notwendige Ersatz von Wagenmaterial verantwortlich. Auch die schrittweise Reduzierung des IC von Norddeich über Münster, das Ruhrgebiet und Köln nach Trier und Luxemburg wird vom VCD kritisch gesehen. Der Betrieb zwischen Koblenz und Trier ist nicht wirtschaftlich, sagt die Bahn. Der VCD verwies auf gelungene Kooperationen mit den Ländern, wo die InterCity-Züge ausgezeichnet ausgelastet sind, wenn für sie wie in Ostfriesland oder im Berchtesgadener Land der Nahverkehrstarif gilt. Hier gilt es, Verhandlungen mit Rheinland-Pfalz wieder aufzunehmen.

Seitens des VCD wurde die Einstellung einer weiteren internationalen Bahnverbindung beanstandet. Der EC „Wawel“ von Hamburg über Lüneburg, Uelzen, Stendal und Berlin nach Polen. Ursprünglich verkehrte der beliebte Zug bis Krakau. Wegen längerer Bauarbeiten wurde der Zuglauf bis Breslau verkürzt, bis Krakau fuhr dann zunächst ein „Schienenersatzverkehr“. Heute ist es offiziell ab Berlin ein Fernreisebus. Als Ersatz für den Wawel fahren nun zwischen Berlin und Hamburg täglich zwei IRE je Richtung. Skurril an dem an sich guten Angebot ist, dass Reisende in Richtung Hamburg in Niedersachsen und Hamburg-Harburg nicht zusteigen dürfen, nur aussteigen ist erlaubt. Wer in Hamburg einsteigt, darf auch nicht in Niedersachsen aussteigen. Richtung Berlin gilt die gleiche Regelung für Bahnhöfe in Brandenburg und Berlin. Hier fordert der VCD die DB und die Länder dringend zu Verhandlungen auf, dass dieser Nahverkehrszug auch im Nahverkehr genutzt werden kann. In Niedersachsen wird es dazu auch Gespräche mit der Landesnahverkehrsgesellschaft geben.

Einen wichtigen Schwerpunkt des Treffens bildete die Barrierefreiheit. Dazu zählen aus Sicht des VCD nicht nur bauliche Maßnahmen an Bahnhöfen und Zügen. Auch die Organisation des Fahrbetriebs ist von Bedeutung. Viele Umstiege sind gerade für ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein großes Hindernis mit der Bahn zu reisen. Der VCD spricht sich daher besonders dafür aus, Direktverbindungen wie Norddeich – Trier – Luxemburg nicht weiter zu reduzieren und dieser ständig wachsenden Gruppe an potenziellen Kunden mehr Beachtung zu schenken. Im Zusammenhang bemängelt der VCD die oft an Bahnanlagen fehlenden barrierefreien Verknüpfungen von Bahnhöfen und Haltepunkten ins öffentliche Wegenetz. Oft enden barrierefreie Leiteinrichtungen oder Elemente an der Grenze des DB-Geländes. Das ist besonderes problematisch für blinde und sehschwache Personen, die oft den Zugang zum Bahnhof/Bahnsteig aus dem öffentlichen Wegenetz nicht finden oder von dort z. B. keine Orientierung zum nächsten Taxenplatz oder zur nächsten Bushaltestelle haben. Hier fordert der VCD bei Neubau, Umbau oder Erneuerung entsprechend Sorge zu tragen, dass ähnlich wie bei Kreuzungsmaßnahmen angrenzende Partner mitziehen. Darüber hinaus war die Novelle zum Personenbeförderungsgesetz (PBefG) und die darin festgeschriebene vollständige Herstellung von „Barrierefreiheit“ im ÖPNV zum 1. Januar 2022 Gegenstand des Gesprächs. Hier wünscht sich der VCD seitens der DB ihr Möglichstes dazu beizutragen, dass dieses Ziel im Sinne der Betroffenen auch erreicht wird. Die Deutsche Bahn zeigt sich der Anregung gegenüber aufgeschlossen und strebt den Dialog mit den zuständigen Kommunen an, um barrierefreie Wegebeziehungen zwischen ÖPNV-Haltestelle und Bahnstation gewährleisten zu können. (bs, hcf, jb, wj)