Der VCD‎ > ‎

Jahreshauptversammlungen

Jahreshauptversammlung am 25. und 26. April 2014 in Danneneberg, Abendveranstaltung "Zukunftsfähige Mobilität: Die Schiene als Lösung für Personen- und Güterverkehr?"

Fotos: Klaus Mayhack


Jahreshauptversammlung 2013

26. April 2013 in Hannover


Grußwort des Verkehrsministers Olaf Lies

Mit dem Thema der heutigen Versammlung, „Die Stadt der Zukunft mit dem Schwerpunkt E-Mobilität“, spricht der VCD einen sehr aktuellen und dynamischen Trend im Verkehrsbereich an, der nicht nur Stadtplaner und die breite Öffentlichkeit beschäftigt, sondern auch die niedersächsische Verkehrspolitik. Ein spannendes Zukunftsthema, denn die Elektromobilität von morgen wird den Verkehr, das individuelle Mobilitätsverhalten und die Wirtschaft deutlich verändern.

Themen wie CO2-Reduktion oder erneuerbare Energien sind zunehmend in den Mittelpunkt öffentlicher und politischer Diskussionen gerückt. Klimaschutz und Sicherung der zukünftigen Energieversorgung sind Zukunftsfelder, bei denen heute schon beinahe jeder mitdiskutiert. Die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und auch vom Ölpreis ist ein willkommener Nebeneffekt zum umweltfreundlicheren Image, dank Kraftstoffeinsparung. Die Zeit des billigen Öls geht zu Ende. Ebenso zwingen die Folgen des Klimawandels – vor allem die Begrenzungen der globalen CO2-Emissionen – dazu, die Emissionswerte pro gefahrenen Kilometer drastisch zu senken.

Die Vorteile der Elektromobilität liegen auf der Hand: Lokale Emissionsfreiheit, leiser Antrieb und, je nach Art und Effizienz der Stromerzeugung, ein geringerer CO2-Ausstoß. Wir sollten uns außerdem vor Augen halten, dass in 40 Jahren voraussichtlich 80 Prozent der Erdbevölkerung in Mega-Cities leben, in denen permanente Staugefahr bis hin zum Stillstand sowie immer weniger verfügbarer Parkraum den Mobilitätsalltag bestimmen. In Europa wird der Anteil der Stadtbewohner 2050 auf 70% prognostiziert.

Ich bin überzeugt: Wir werden uns daher in der Zukunft immer mehr in Mobilitätsketten fortbewegen, und nicht auf einzelne Verkehrssysteme festlegen. Abwechselnd zu Fuß, mit dem Rad, dem Pedelec, dem E-Bike, mit dem City-Car und fast immer mit Stadtbahn oder Bus. In innerstädtischen Regionen und in der urbanen Nahmobilität bilden sich immer vielfältigere Mobilitätsformen aus, die auch häufig kombiniert werden. Eine perfekte Ergänzung können z. B. Zweirad, ÖPNV und Car-Pooling oder -Sharing Konzepte sein.

Auch für Niedersachsen, obwohl überwiegend von ländlichen Räumen geprägt, ist die Erprobung moderner Mobilitätskonzepte sehr wichtig, selbst wenn diese stark auf urbane Strukturen zielen. Denn die Kapazitäten vorhandener Infrastrukturen stoßen an ihre Grenze und der Unterhalt wird für Land und Kommunen immer schwerer leistbar. Zugleich erreichen wir an schwer vermittelbare Grenzwerte im Bereich von Lärm- und Luftverschmutzung. Das Pedelec und das E-Bike sind im Nahmobilitätsbereich sinnvolle Alternativen zum Pkw und zugleich keine Konkurrenz zu den anderen Verkehrsträgern im Umweltverbund. Die Technologie ist ausgereift und die Akzeptanz beim Kunden, wie die Verkaufszahlen national und international belegen, sehr hoch. Und das mit voller Berechtigung, wie wir auch gleich in dem Vortrag von Herrn Prof. Pez hören werden. Denn wir sind mit dem Pedelec anscheinend auch schneller als mit dem Auto. Wobei die Vorteile der Zweiradelektromobilität noch von infrastrukturellen und rahmenrechtlichen Hindernissen gebremst werden.

Daher hat sich die rot-grüne Landesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung auch darauf geeinigt, den Radverkehr in Niedersachsen, sei es im Tourismus oder in der Nahmobilität, weiter voranzubringen:
  • wir werden uns dafür einsetzen, die Radwegenetz weiter ausbauen und vorhandene Lücken zu schließen,
  • wir werden Leistungsfähigkeit und Qualität der Radwege verbessern,
  • und wir werden die Sicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer erhöhen.
Den Radverkehr voranzubringen ist aber auch eine Aufgabe, bei verschiedene Aufgabenträger gemeinsam neue Wege gehen müssen: Bund, Länder, Kommunen und Mobilitätsdienstleister. Das zeigt sich gerade an dem im Rahmen vom Bund und vom Land Niedersachsen geförderten des „Schaufensters Elektromobilität“ der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg bei dem Vorzeigekonzept „E-Radschnellweg Göttingen“.

Im Rahmen des Vorhabens wird nicht nur die Infrastruktur für den Rad- und E-Radverkehrs auf bestimmten Streckenabschnitten erheblich verbessert, sondern es werden auch Bevorrechtigungen für das Zweirad vor dem vierspurigen Verkehr geschaffen. Noch in diesem Jahr soll mit den ersten Baumaßnahmen begonnen werden. Aus der in Göttingen durchgeführten Pilotphase werden Erkenntnisse gewonnen, die sich bundesweit auswirken können. Z. B. hinsichtlich Streckenführung, Beschilderung, Vorrangschaltungen gegenüber dem motorisierten Individualverkehr oder auch hinsichtlich der Sicherheit von Fußgängern. Neben dem Ausbau des eigentlichen Radweges müssen außerdem Abstell- und Lademöglichkeiten geschaffen werden. Es freut mich sehr, dass diese Referenzstrecke gerade hier in Niederachsen aufgebaut wird. Sobald die Planungen finalisiert sind und der Baubeginn ansteht wird seitens des Landes außerdem mit der Prüfung begonnen, den Ausbau der Referenzstrecke über die Stadtgrenzen hinaus als einmaliges Pilotprojekt zu unterstützen und zu fördern. Denn über die städtische Mobilität hinaus eignen sich Radschnellwege insbesondere als Alternative zum Pkw im Nahpendlerbereich.

Auch bei der konkreten Vernetzung der Fahrradnutzung mit weiteren Verkehrsträgern muss noch verbessert werden, z.B. hinsichtlich der Fahrradmitnahme im ÖPNV. Meine Vision ist eine landesweit einheitliche Regelung. Ich wünsche mir, dass alle Beteiligten daran konkret arbeiten.

Für die heutige Veranstaltung wünsche ich Ihnen noch viele Anregungen und Erkenntnisse.