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U-Space: Die Zukunft kann beginnen – UAV in Flugplatznähe

veröffentlicht um 14.09.2017, 04:48 von Dominik Jenzer   [ aktualisiert: 14.09.2017, 05:08 ]

GENF. UAW.aero war an der exklusiven und live vorgeführten Vorpräsentation des Swiss U-Space im Yacht-Hafen von Genf. Ein über 30-köpfiges Team flog drei UAV nach den neuen Vorgaben und wurde dabei von vier weiteren UAVs gefilmt. Alle Sichten – die der Skyguide, der Piloten, deren Bodenkontrollsysteme wie auch die Luftbilder der „Kameradrohnen“ wurden direkt in den Präsentationsraum übertragen. Fazit der Skyguide: Die Technik ist bereit. Unser Fazit: Die Zukunft kann beginnen.


Was bedeutet das?
U-Space ist der Begriff für neue Dienstleitungen und Prozeduren um den untersten Luftraum für UAV sicher und effizient zu unterstützen. Das Programm wird in vier Etappen realisiert, wobei mit dem heutigen Tag die Etappen 1 und 2 bereit für die Einführung sind. U1 beinhaltet die Registrierung (von Pilot und UAV), Identifikation des UAV im Flug und dynamisches Geofencing (dynamische Erstellung von Lufträumen inklusive definierter und automatisch ausgelöster Aktionen bei deren Verletzung). U2 beinhaltet Minimalservices für den Betrieb wie Flugplanung, Flugbewilligungen, Live-Tracking und Kommunikation zum Piloten (via Meldungen in die Flugsteuerungssoftware oder via SMS). Die weiteren Schritte U3 und U4 (komplexere Operationen, autonome Flüge) werden in wenigen Jahren folgen.


U1 und U2 wurden live vorgeführt
Alles beginnt mit der Registrierung des Piloten bei SITAONAIR, einem bewährten Dienstleister der manntragenden Aviatik – weltweit. Die Lösung ist somit keine Schweizer-Idee, einmal mehr ist die Schweiz jedoch führend in der Innovationsbranche unbemannter und autonomer Systeme. Im Zentrum der Registrierung steht die mobile Telefonnummer – über die wird später kommuniziert. Der Pilot muss sich identifizieren, z.B. mit dem Hochladen der Bilder einer Identitätskarte. Von nun an ist er auf der ganzen Welt bekannt unter der Beispielnummer „CH.LUC-862JG67“.

Im nächsten Schritt registriert der Pilot (oder Besitzer) seine UAVs. Diese erhalten eine Nummer wie „SUI-VED37Q67“. Und ja, der Pilot kann mehrere UAVs haben. Aber es soll auch möglich sein, dass ein UAV von mehreren Piloten gesteuert werden kann.


Ab jetzt geht’s zum Flug – respektive zur Flugvorbereitung. In der Steuerungssoftware wird der gewünschte Luftraum eingegeben, inklusive einer Höhe. Hinzu kommen Startzeitpunkt und Dauer. Direkt aus der Software heraus kann der Flug angemeldet werden (Gezeigt wurden die Systeme von senseFly und PX4). Die verantwortliche Stelle (z.B. Skyguide) erhält die Flugplananfrage direkt in ihrem System. Der zuständige Controller kann mit einem Klick den Plan genehmigen, ablehnen oder Änderungen verlangen (z.B. eine geringere Flughöhe). Wenn der Flugplan genehmigt wurde, wird in der Software die Startroutine freigegeben, der Pilot kann starten. Die drei gezeigten Operationen fanden gleichzeitig und teils im gleichen Luftraum statt. U1 und U2 beinhaltet somit keine aktive Separation durch skyguide, dies verbleibt weiterhin in der Verantwortung des Piloten. Diese sehen auf ihren Bildschirmen jedoch die anderen UAV – aber auch den manntragenden Verkehr in der Luft. Gleich vorweg: Weil ein UAV einem Flugzeug / Helikopter stets auszuweichen hat, sieht der manntragende Pilot die UAV in seinem System nicht.


Was, wenn sich bemannt und unbemannt nun doch nähern? In der Präsentation wurde angenommen, dass ein Rettungshelikopter das Spital Genf anfliegt. Skyguide wies mit wenigen Mausklicks und Texteingabe alle Piloten an, innerhalb von 5 Minuten zu landen. Die Meldung wird einerseits in der Flugsoftware direkt eingeblendet, andererseits per SMS auf die registrierte Mobilenummer gesendet. Ob der Pilot tatsächlich gelandet ist, sieht der Controller auf seinem Bildschirm.
Alles klappte wunderbar. Die Zukunft kann beginnen.

Wie weiter?
Skyguide gibt sich sehr optimistisch und definierte unlängst in einem internen Projekt, in welchen Gebieten dieses System zur Anwendung gelangen könnte. Welche Gebiete mit diesem System „vereinfacht“ bewilligt werden könnten. Eine wichtige Frage bleibt nur noch, wann ist die Industrie soweit? Insbesondere dürfte entscheidend sein, wann DJI ihr System mit dieser Funktionalität ausrüsten wird. Nur für die Schweiz würde sie es vermutlich nicht tun. Ziel der Initiative ist daher eine Weltweite Einführung – und diese ist auf gutem Wege. Wir sind zuversichtlich, dass die Hersteller hier rasch mitziehen werden. Und somit dürften wir zeitgleich mit den neuen Open Categories auch den U-Space-Service erhalten. Dies ist insofern erfreulich, als dass für Operationen in spezielleren Gebieten das Handling weiterhin einfach bleibt. Vielleicht sogar einfacher als heute mit dem Special Flight Formular… Leider wird dieser Dienst nicht gratis erbracht werden, einen Preis konnte Skyguide nicht nennen.

Wir konnten mit den Verantwortlichen von BAZL und Skyguide im Anschluss ausführliche Gespräche führen. Insbesondere interessierte, wie mit weiteren Flugverbotszonen (z.B. der Gemeinden, Schutzzonen in der Natur, sensible Infrastrukturen) umgegangen wird. Weitere Traffic Manager – wie die Skyguide eine sein wird –  können im System integriert werden. Ob aber die Städte dies nutzen, wird in deren Kompetenz bleiben. Vorstellbar ist es; wird sogar erwünscht. Denn der Trend auf kommunaler Ebene in die Aviatik mit Verbotszonen einzugreifen, wird in der Regulierungsbehörde nicht nur positiv bewertet.
Die Bedeutung für die UAV ist klar. Wer künftig in speziellen Gebieten fliegen will, muss kooperieren. Heisst, muss über eine Spezialsoftware verfügen. Hier positioniert sich AIRMAP sehr stark. Sie bietet bereits heute eine App mit allen gültigen nationalen Verbotszonen. Und ja, dieses System ist klar auch die Basis für reine autonome Systeme. Wenn ein ganzer Schwarm von einem Operator überwacht wird, welcher auf die Flugausführung einwirken kann, wird dies zulässig sein. Ein Zugeständnis des BAZL, das vor wenigen Jahren noch undenkbar war. Noch vor drei Jahren wollte unser Luftamt partout keine Diskussion über autonome Systeme führen und erst mal die 1:1 gesteuerten UAV regulieren. Wow, die Behörde scheint die Geschwindigkeit der Industrie zu übernehmen!

Für Kameraleute haben die neuen Services viele Vorteile. Es können weiterhin UAV der Open Categorie eingesetzt werden; die automatischen Funktionen der UAV können vermehrt voll ausgenutzt werden womit sich Pilot mehr auf die eigentliche Arbeit – das Filmen – konzentrieren kann, statt auf das Fliegen selbst. Auch wenn es kosten wird, ist die Fluganmeldung, -überwachung und Integration deutlich einfacher und direkt auf dem Pilotenbildschirm. Aus unserer Sicht deutlich sicherer. Wir wünschen uns, dass Kantone, Gemeinden und Städte diesem Beispiel folgen und alle sensiblen Gebiete als U-Space betrieben werden.


Danke BAZL, Skyguie, SITONAIR, AirMap, senseFly, Intel und px4 – die Demo war eindrücklich und gelungen.

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