TG Höxter

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    Taucherstammtisch April

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    Tauchunfall

    Der Begriff: „Tauchunfall“

     

    ·        Beschreibt im klassischen Sinne ein Ereigniss das beim Tauchen mit einem Pressluftgerät auftritt.

    ·        Tauchunfälle beruhen im wesentlichen auf Veränderungen des auf den Organismus einwirkenden Umgebungsdruckes.

     

     

    Ein typischer Tauchgang kann schematisch in 3 Phasen unterteilt werden.

    Es handelt sich dabei um:

     1. Abtauchphase , also die Phase des zunehmenden Drucks (Kompressionsphase)

     2. Druckhaltephase = Isopressionsphase

     3. Auftauchphase , also die Phase des abnehmenden Drucks (Dekompressionsphase)

     

     Jeder einzelnen Phase können bestimmte Unfallmechanismen und typische Schädigungen oder Probleme zugeordnet werden.

     

    Der Begriff „schwerer Tauchunfall“ bezieht sich auf bestimmte Unfallmechanismen während der Dekompression.

     Die Störungen werden unter dem Überbegriff „Dekompressionserkrankungen“

    (DCI) Engisch = Decompression illness zusammengefaßt:

     

    DCI

    1.     Lungenüberdruckunfall                      Dekompressionskrankheit (DCS)
    Riß des Lungengewebes                     Entsättigungsblasen (Ausperlen)des   

        mit Lufteintritt in den Pleuraspalt      Innertgases Stickstoff  in Blut oder Geweben.

        oder Mediastinalraum.                     

     

    2.     Arterielle Gasembolie (AGE)             -> DCS Grad I
    Riß des Lungengewebes mit              -> DCS Grad II
    Lufteintritt in große Gefäße
    (Luftembolie)

    Symptome Lungenüberdruckunfall

    und AGE

    Symptome (DCS) Dekompressionskrankheit

    Auftreten fast immer schlagartig, oft noch im Wasser:

     

    è    Husten

    è    Kurzatmigkeit

    è    blutiges Sputum

    è    Schmerzen im Brustbereich

    è    kloßige Sprache

    è    aufgeblähtes Aussehen (Hautemphysem im Halsbereich)

    è    Zyanose

    è    Krämpfe

    è    Orientierungsverlust/ Sehstörungen

    è    Lähmungen

    è    Bewußtlosigkeit

    è  Atemstillstand

    Auftreten überwiegend innerhalb von Minuten bis Stunden nach dem Tauchgang

     

    DCS Grad I

    è    Hautjucken (Taucherflöhe)

    è    Gelenk und Gliederschmerzen

    è    Kopfschmerzen

    DCS Grad II

    wie bei Grad I , zusätzlich:

    è    Husten / Kurzatmigkeit

    è    Taubheitsgefühl/Kribbeln

    è    undeutliches Sprechen

    è    Lähmungen (z.B. Halbseitensymptomatik)

    è    Blasen / Darmschwäche

    è  Bewußtlosigkeit

    Maßnahmen

    Maßnahmen

    è    Bergen des Verunfallten

    è    Entfernen des Tauchgerätes, im Notfall Durchschneiden der Bänderung.

    è    Ansprechen , beruhigender Zuspruch

    è    Tauchanzug am Hals öffnen

    è    ständige Kontrolle der Vitalfunktionen

    è    bei Kreislaufstillstand sofortiger Beginn mit HLW

    è    flache ! Lagerung bei Atemnot OK maximal 30° erhöht.

    è    sofortige maximale Sauerstoffgabe (100%)

    è    Flüssigkeitsgabe! (nur bei vollem Bewußtsein) ca. 1 – 1,5 Ltr.

    è    Verminderung der Wärmeverluste

    è    Notruf mit Angabe Tauchunfall

    è    Organisation der Einweisung des Rettungsdienstes.

    è    Datensicherung (Tauchcomputer , Tauchpartner) für den Arzt am Druckkammerzentrum

    è    Bergen des Verunfallten

    è    Entfernen des Tauchgerätes, im Notfall Durchschneiden der Bänderung.

    è    Ansprechen , beruhigender Zuspruch

    è    Tauchanzug am Hals öffnen

    è    ständige Kontrolle der Vitalfunktionen , evtl.Beatmung , HLW

    è    flache ! Lagerung bei Atemnot OK maximal 30° erhöht.

    è    sofortige maximale Sauerstoffgabe (100%)

    è    Flüssigkeitsgabe! (nur bei vollem Bewußtsein) ca. 1 – 1,5 Ltr.

    è    Verminderung der Wärmeverluste

    è    Notruf mit Angabe Tauchunfall

    è    Organisation der Einweisung des Rettungsdienstes.

    è    Datensicherung (Tauchcomputer , Tauchpartner) für den Arzt am Druckkammerzentrum

    Bemerke: Die Vorgehensweise für den Ersthelfer ist in beiden Fällen gleich!

    Die Tauchspezifischen Unterschiede zur allgemeinen Ersten Hilfe sind:

    è    Die absolute Notwendigkeit der maximalen (100%) Sauerstoffgabe

    è    Die Notwendigkeit der Flüssigkeitssubstitution

    è    Verminderung der Wärmeverluste

    è    Die Tauchdatensicherung

     

    Ursachen des Lungenüberdruckunfalles und der AGE

    Ursachen der (DCS) Dekompressionskrankheit

    Ursache ist das sog. „Air-Trapping“

     

    Die Luft kann aus bestimmten Lungenabschnitten nicht entweichen.

     

    è  chron. oder nicht ausgeheilte Bronchitis

    è  Raucher !!!

    è  Asthma

    è  Panikauftauchen mit angehaltener Luft

    è  Stimmritzenkrampf

     

     

    Physikal. Gesetz nach Boyle_Mariott = Druck/Volumenkonstante

    Ursache ist das Entstehen von Luftblasen oder Microbläschen im Gefäßsystem mit Störungen der Durchblutung (Luftembolie) von wichtigen Organen (Herz , Gehirn)

    oder Geweben (Nervengewebe)

     

    è  Überschreiten der max. Auftauchgeschwindigkeiten

    è  Nichteinhaltung von Austauchstufen

    è  Fehler in der Nullzeitberechnung

    è  Höhenanpassungsfehler , z.B. beim Bergseetauchen.

     

    Physikal. Gesetz nach Henry =

    Partialdruck/Sättigungskonstante

    (Sättigungsfaktor 1,6)

      

    Das Notfallmanagement

    Erkennen   – Was ist geschehen?

    Überlegen – Welche Gefahren drohen?

    Handeln     – Unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation

     

    Unverzügliche Funktionsaufteilung:

    - Wer übernimmt Notruf und Einweisung des Rettungsdienstes

    - Wer holt den Notfallkoffer

    - Wer bleibt beim Verunfallten und beginnt die Erste-Hilfe-Maßnahmen

     

    Notfallmeldung

    Feuerwehr                    112

    VDST-Hotline              0049 (0)1803322105

    Polizei                          110

     

    Bei der Notfallmeldung die 5 W´s einhalten

    1.    Was           ist geschehen

    2.    Wo           ist der Notfall geschehen

    3.    Welche      Arten von Verletzungen

    4.    Wieviele    Personen sind betroffen

    5.    Warten      auf Rückfragen durch die Leitstelle

     

     

    Vorgehen mit dem Verunfallten

     

    ABC – Regel

    A – Ansprechen der Person

    B – Bewusstsein kontrollieren (taktile Reize, Schmerzempfinden,Orientierung)

    C – Circulation und Atmung prüfen

     

    Tasten des Puls

    Der Puls wird grundsätzlich an der A. Carotis geprüft, da der Puls ggfs. an der Peripherie schon zu schwach sein kann. 

    Überprüfung der Atmung

    Zur Überprüfung der Atmung beugt sich der Helfer mit seiner Wange über Mund und Nase der liegende Person und prüft die Atmung durch Hören und Spüren. Zusätzlich kann eine Hand auf den Bauch bzw. den Brustkorb gelegt werden, um die Atmung zu spüren. 

    Atemwege freiräumen (Esmarch-Griff)

    Der Kopf wird nach hinten überstreckt. Mit den Fingern greift man an den Kiefer, die Daumen sind unterhalb des Mundes am Unterkiefer. Man öffnet mit dem Druck der Daumen den Mund. Mit gebeugten Zeigefinger kann die Mundhöhle freigeräumt werden.

    Erste Hilfe-Massnahmen bei Tauchunfällen nach den ABC-Regeln

    Person ist bei Bewusstsein

    Person ist nicht bei Bewusstsein

    I

    I

    Situationsgerecht helfen und lagern

    (Flachlagerung oder OK 30° hoch)

    100 % Sauerstoff atmen lassen, Wärmeverluste vermeiden,

    1 – 1,5 Ltr. Trinken innerhalb der nächsten Stunde,

    Tauchdaten sichern.

    Atmung und Puls prüfen

     

    I

     

    Atmung u. Puls ok

    keine Atmung/ Puls ok

    keine Atmung/ kein Puls

    I

    I

    I

    Rückenlage mit Kopf überstrecken und Esmarch-Griff,

    über Maske mit O2-Reservoir 100% Sauerstoff atmen lassen,

    Vitalzeichen engmaschig kontrollieren

    Mundhöhle inspizieren    ggfs. Atemwege freiräumen,

    Kopf überstrecken, Esmarch-Griff

    Mundhöhle inspizieren    ggfs. Atemwege freiräumen

    Kopf überstrecken, Esmarch-Griff

     

    I

    I

     

    Mund-zu-Nase oder und-zu-Mund-Beatmung, sobald möglich Maskenbeatmung mit 100 % Sauerstoff,

    Wärmeverluste vermeiden,

    Tauchdaten sichern.

     

    Beatmung im Wechsel mit Herzmassage,

    sobald möglich Maskenbeatmung mit 100 % Sauerstoff

    Wärmeverluste vermeiden,

    Tauchdaten sichern.

     

     

     Für die Reanimation beginnt man mit zwei Atemspenden, dann im Wechsel 15 Herzmassagen, 2 Atemspenden. Dies gilt für die Ein-Helfer und die Zwei-Helfer-Methode ! Bei Kleinkindern empfiehlt sich bei der Zweihelfer-Methode 5:1.  

      Beatmung

    Eine Hand fasst von unten den Unterkiefer, die andere Hand liegt auf der Stirn. Bei der Mund-zu-Nase-Beatmung wird mit der unteren Hand der Mund zugedrückt. Bei der Mund-zu-Mund-Beatmung wird mit Daumen und Zeigefinger der oberen Hand die Nase zugehalten. 

    Beatmungsfrequenz: 12-16 /min

     

    Herzmassage

    Person sollte auf einer harten Unterlage liegen. Der Druckpunkt wird 3 Fingerbreit über dem Processus xiphoideus (untere Ende Brustbein) gewählt. 

    Die Druckausübung erfolgt mit gestreckten Ellenbogengelenken und übereinandergelegten Handballen, wobei die Finger der Hände miteinander verschränkt werden. Die Schultern des Helfers sollten senkrecht über dem Druckpunkt sein.

    Druck- und Entlastungsphase sind gleich lang.

    Die Druckausübung sollte so stark sein, dass der Thorax ca. 4-5 cm einsinkt.

    Massagefrequenz:  ca. 80 /min

     

    stabile Seitenlage

    Eine Person wird in stabile Seitenlage gebracht, wenn sie bewußtlos ist, Atmung und Herzkreislauf aber ok sind.

    Die stabile Seitenlage schützt vor Aspiration (Verschluss der Atemwege durch Zunge, Erbrochenen,Blut, Schleim etc.)

    Vorgehensweise:

    zugewandten Arm gestreckt unter das Gesäß schieben (nicht bei Kindern !), anderen Arm angewickelt auf den Oberbauch legen, zugewandtes Bein aufstellen, Person an gegenüberliegender Schulter und Hüfte fassen und zu sich drehen. Zugewandte Hand mit Handfläche nach unten unter den Kopf führen. Das Gesicht sollte nicht auf den Boden fallen. Der Kopf sollte etwas überstreckt sein.

    Bei Kindern bleibt der zugewandte Arm auf der Bauchseite liegen (Schutz des Schultergelenks). Ggfs. mit Decke im Rücken abstützen.

     

    Stellenwert der Verabreichung von 100 % Sauerstoff als Atemgas

     

    1. Bei fast allen Notfällen kommt es zur Minderversorgung von Organen und Geweben mit Sauerstoff. (Hypoxie) Nur eine 100 %ige Sauerstoffgabe kann dies verhindern.

     

    2. Die Stickstoffelimination des Körpers wird beschleunigt. Durch die Partialdruckveränderungen wird mehr Stickstoff aus dem Blut abgeatmet und das Blut kann wiederrum besser den Stickstoff aus den Geweben aufnehmen und abtransportieren.

     

    (Bei Erstversorgung ohne max. Sauerstoffatmung bestehen nach der ersten Druckkammerbehandlung noch bei 30% der Verunfallten Restfunktionsstörungen. Wurde die Erstbehandlung mit max. Sauerstoffatmung durchgeführt reduziert sich diese Zahl auf 4 %!)

     

    Wisse: Unter normalen atmosphärischen Druckbedingungen ist das Atmen von reinem Sauerstoff für Erwachsene unbedenklich.

    Veränderungen am Lungengewebe (Lorreaine-Smith-Effekt) entstehen erst nach mehreren Tagen und sind auch dann noch reversibel.

    Auch die Neurotoxischen Effekte wie Krämpfe (Paul-Bert-Effekt) treten erst ab einem pO2 von 1,7 bar (entspricht den Druckverhältnissen in 71 Metern Tiefe) und einer Einwirkzeit von 30 – 40 Minuten auf.

     

      

    Stellenwert der Flüssigkeitsgabe

     

    Aufgrund der Immersionsdiurese (Druck/Volumenbedingte Steigerung der Harnproduktion) und dem Wasserverlust durch die Extrem trockene Atemluft aus der Tauchflasche verliert der Taucher bei einem durchschnittlichen Tauchgang ca. 0,5 – 1,5 Ltr. Flüssigkeit.

    Es besteht somit eine intravasale Hypovolämie(Flüssigkeitsmangel) , welche das Risiko eines Kreislaufschocks verstärkt und bei einem Lungenriß das Risiko einer Gasembolie erhöht.

    Daher vor dem Tauchgang ausreichend trinken und einem Verunfallten der voll bei Bewußtsein ist ca. 1 – 1,5 Ltr. Flüssigkeit (Tee , Wasser) innerhalb einer Std. geben.

     

    Stellenwert Temperaturverluste (Afterfall)

     

    Je nach Tauchbedingungen unterliegt der Taucher einem mehr oder weniger starken Wärmeverlust. Der Körper ist bemüht eine Kerntemperatur von ca. 37°C aufrecht zu erhalten.

     

    Ist der Wärmeverlust so groß , daß der Körper dies nicht gewährleisten kann , so kommt es zur Kreislaufzentralisation. (Das heißt , die Durchblutung der Extremitäten wird vermindert oder im Extrem sogar eingestellt.)

     

    Da Arme und Beine ca. 40 % der Körpermasse ausmachen kommt es beim Verunfallten mit starker Unterkühlung (bitte nicht verwechseln mit schnödem Frieren) durch plötzliche Erwärmung von außen (Warmes Bad , warmes Wasser in den Anzug schütten!) zum wiedereröffnen der Druchblutung in Armen und Beinen und damit zum massiven Wärmeabstrom aus dem Körperkern in die Peripherie , somit zum weiteren Absinken der Kerntemperatur!!!

    Ab einer Kerntemperatur von 33°C , sicher ab 30°C kommt es zu Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern -> damit zum Tod.

     

    Eine echte Unterkühlung ist an den folgenden Symptomen zu erkennen:

    Ø     Starke Blässe bei vorhandenem Bewußtsein

    Ø     Marmorierte Haut

    Ø     Schläfriger Bewußtseinszustand

    Ø     niedrigere Puls und Atemfrequenz

     

    Maßnahmen:

     

    Ø     Wärmezufuhr von innen!!! (warme Getränke wenn vollständig bei Bewußtsein)

    Ø     Vermeidung von Wärmeverlusten (Decken, Erste Hilfe Alufolie etc.)

    Ø     Ganz wichtig -> Kopf warm halten! Der bewegungslose Mensch gibt 60 – 70% seiner Wärme über den Kopf ab.

        (Kaputze auflassen, Mütze , Decke)

    Ø     Keine Wärmezufuhr von Außen !!! (also kein warmes Wasser in den Anzug schütten)

    Ø     Keine aktiven oder passiven Bewegungen der Extremitäten .

    Ø     kein Massieren der Arme und Beine.

     

    Stellenwert der Tauchdatensicherung

    Die unumstritten einzig sinnvolle Weiterbehandlung nach Tauchunfall besteht in der Hyperbaren Sauerstofftherapie in einer Druckkammer. Für die optimale Weiterbehandlung benötigt der Tauchmediziner die Tauchdaten.

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