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Protei on the Stern.de

posted Sep 17, 2011, 6:04 PM by Cesar Harada
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Der junge Mann und das Meer. Protei in Stern.de 

 Der junge Mann und das Meer.


 Nichts Geringeres als die Säuberung der Ozeane hat Cesar Harada sich zur Aufgabe gemacht. Das Mittel zum Zweck: eine Flotte kleiner, schwimmender Putzroboter. Von Lukas Schürmann Die Bastler und ihr Boot: "Protei" im Einsatz © Protei.org Es gibt sie wirklich, diese Leute, denen eine Umweltkatastrophe Grund genug ist, um ihr ganzes Leben umzukrempeln. Auch wenn sie nicht schuld sind, auch wenn das Elend weit entfernt liegt. Als im April 2010 die Ölplattform "Deepwater Horizon" am Golf von Mexiko explodiert, als 800 Millionen Liter Rohöl das Meer verpesten, sitzt Cesar Harada noch im renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Norden der USA. Der Städtebau der Zukunft ist Thema des Industriedesigners. Heute reist der 28-Jährige um die Welt, baut kleine Schiffe und entwickelt eine Technik, die besser sein soll als alles, was bislang den Ölteppichen zu Leibe rückte. Anzeige Gefunden in ... FTD www.ftd.de Eine ganze Armada aus selbst gebauten Kleinstschiffen will Harada in die Weltmeere setzen, damit sie Öl und Dreck absorbiert - selbststeuernd und unsinkbar. "Protei" nennt er das Projekt, nach einem griechischen Wassergott, und zwei Beobachtungen treiben ihn an. Zum einen, dass Menschen ihre Gesundheit riskieren, wenn sie mit umgerüsteten Fischkuttern das Öl einfangen. Zum anderen zieht der Fettfilm auf dem Wasser immer mit dem Wind. Hararas Lösung: Ein unbemanntes Boot, nur wenige Meter lang, das gegen den Wind schwimmt und einen Schwanz aus absorbierendem Material hinter sich herzieht, um möglichst viel Öl zu entfernen. Ein aufblasbarer Wassergott Protei heißt das Schiffsprojekt, Proteus ein griechischer Wassergott. In 70er-Jahre-Verkleidung könnte sich der antike Gestaltwandler hier eingeschlichen haben Das nötige Geld kommt von Sponsoren und Förderern; 33.800 Dollar brachte Harara allein die Akquise über den Online-Kapitalvermittler Kickstarter ein. Sechs verschiedene Prototypen haben er und sein Team aus Ingenieuren und Programmierern in den vergangenen anderthalb Jahren zu Wasser gelassen. Die Unterschiede zu herkömmlichen Booten werden von Mal zu Mal größer, denn was Protei können soll, das gibt es so noch nicht. "Ein normales Segelboot lässt sich viel schwerer manövrieren, wenn es eine lange, schwere Last zieht", erklärt Dominic Muren aus dem Protei-Team. "Wir haben versucht, das Steuerruder am Bug des Schiffes anzubringen." Damit der Rumpf sich in Kurven krümmt und elegant wie ein Tier durch die Wellen schlängelt, bekommt er diverse Gelenke. Teile des Bootes sind aufblasbar, so kann es sich selbst wieder aufrichten, auch wenn es bei schwerer See kentert. Fische-Messen mit Open Source Für die Schwarmintelligenz, die Zusammenarbeit einer ganzen Gruppe von Schiffen, wird elektronisch aufgerüstet. Kommunizieren sollen die Schiffchen miteinander und möglichst koordiniert ihren Einsatz leisten: "Die Flotte könnte per Fernsteuerung und Kamera von der Küste aus geführt werden. Oder man programmiert sie so, dass sie der Meeresströmung folgt", sagt Muren. Mit eigenen Öldetektoren und anderen chemisch-elektrischen Gerätschaften ausgerüstet, könnte Protei sich eines Tages selbst seine Arbeit suchen und komplett autonom agieren. Das erste maßstabsgetreue, übermannshohe Modell hat Harada im August in Rotterdam getestet. Probleme mit der Steuerung konnten ihn nicht entmutigen. Wenn es nach ihm geht, ist Protei nur Urzelle einer vielseitigen Flotte, die künftig auch Plastikmüll aus den Meeren klaubt, die Größe von Fischschwärmen oder auch Radioaktivität im Wasser misst. Einen Plan, wann und wie ihre Entwicklung in Serienproduktion gehen soll, haben sie aber nicht. Nachahmer sind durchaus erwünscht. Harada und sein Team hoffen auf Ingenieure, die ihre Ideen weiterentwickeln und mit an der künftigen Flotte arbeiten. Sie stellen Protei als Open-Source-Hardware bereit. Wer ausreichend Know-how und technische Ausrüstung mitbringt, darf eine eigene Version von Protei herstellen. Zweckgebunden ist die Nutzung nicht: Wer möchte, kann mit den Schiffchen auch die Fische im heimischen Gartenteich messen.
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