Sauberkeitserziehung


   
(Hilde ist 34 Tage alt und auf den Weg zum puschen)

Alle Welpen sind von Geburt an sauber !
D.h. jedes kleine Hundewesen hat instinktiv das Bedürfnis, seinen Fressplatz, seinen Lebensraum, sein Revier sauber zu halten. 
Ich möchte inzwischen behaupten, es verletzt das Grundrecht eines jeden Hundes, wenn man ihn zwingt sich in seinem Lebensraum, möglichst noch neben seinem Fressnapf zu lösen.

Es folgt ein Auszug aus "Gerties Welpentagebuch" (H-Wurf) von 2008

"Ich habe beschlossen, dass wir für 2008 ein Torwitzer-Tannen-Unwort des Jahres wählen.
Das Unwort für 2008 ist: "Stubenrein" :-)
Dieses Wort ist ab sofort bei uns gestrichen und wird durch das Wort "Revierrein" ersetzt.

Daher aus aktuellem Anlass noch einmal ein paar Wiederholungs-Worte zur Sauberkeitserziehung:
Wenn die Welpen mit ca. 12-14 Tagen die Augen geöffnet haben und sehen können, verlassen fast alle sofort ihren noch Liege- und Zitzenbereich, um pinkeln zu gehen, noch bevor sie alleine würsteln können ohne helfende Bauchmassage der Hündin.
Wenn sie in der Kiste anfangen ihre Laufübungen zu machen, eiern die ersten auch schon raus, um ihre Würste vor der Kistentür abzulegen.Voraussetzung ist natürlich, dass sie diese Möglichkeit und keine Durchfälle haben.
Je größer der Bewegungsraum wird, um so weiter gehen sie auch zum lösen, wenn die Möglichkeit besteht.

Diese haben sie natürlich nicht in abgesperrten Räumen, in Kellern, Schuppen und Zwingern. Da lernen Welpen, entgegen ihrem natürlichen Verhalten, in ihren Revierbereich zu puschen und zu kacken.
Bei uns in Kiebitzbruch, wandern sie mit 8 Wochen in die entferntesten nicht genutzten Hofecken, um sich zu lösen. Das können sie 24 Stunden lang tun, da immer einer bei Ihnen im Zimmer schläft und der Hofbereich für sie tagüber und auch nachts frei zugänglich ist.

Wenn ein Welpe nun umziehen muss, was er ja nicht freiwillig tut, kommt er in einen Lebensbereich, der noch nicht sein Revier ist. Er kennt sich noch nicht aus, weiß noch nicht, was erlaubt und verboten ist, kennt weder die menschlichen noch die tierischen Bewohner, kennt weder Wege zum Löseplatz noch Frauchens Lieblingsbeete.
Bis er sich zu Hause fühlt, richtig angekommen ist, seinen Lebensraum abgesteckt hat, kann es natürlich geschehen, dass er eine Puschecke auswählt, die nicht im Sinne der restlichen Mitbewohner ist. Wenn der Welpe aber richtig in seinen Lebensbereich eingeführt wird, die Möglichkeit hat, sich zu orientieren und sein Revier zu erobern, ist das im Nu erledigt.

Anders ist es natürlich bei Welpen, die wider die Natur gezwungen waren, sich in ihrem Lebensraum zu lösen. Da kann es dann sein, dass der Welpe etwas länger braucht, um zu kapieren, dass das Lösen im Lebensbereich nun nicht mehr gewünscht ist.
Wer also einen Welpen haben will, der komplikationslos schnell revierrein wird, sollte schon darauf achten, dass er nicht aus Zwinger-, Schuppen- oder Kellerhaltung kommt.

Natürlich ist es notwendig, dass mit einem Welpen, jedesmal nach dem Schlafen raus gegangen wird, wenn er nicht alleine in den Garten kann. Welpen haben- welpenbedingt- noch kleine Blasen und brauchen genausoviel Futter wie erwachsene Hunde. Es ist logisch, dass der Umsatz auch schneller und die Darmentleerung häufiger stattfindet, als bei einem erwachsenen Hund.
Wenn einem Hundebaby stundenlang der Zugang zum Löseplatz versperrt ist, wird es dann natürlich auch wieder notgedrungen in den Lebensbereich machen, abgesehen davon, dass langfristige Störungen des Verdauungstraktes die Folge sind.

Viele Welpen lassen noch Wasser, wenn sie Menschen und fremde Hunde begrüßen, als Zeichen der Unterwürfigkeit. Wenn ein Welpe unter sich puscht, wenn er Sie begrüßt, kann es sein, dass er zu sehr in der Unterordnung ist. ... "

Nun ist es ja nicht so, dass wir von Anfang an so schlau waren sondern auch wir mussten dies- auch auf Kosten unserer ersten Welpen- sehr aufwendig lernen.
Wir hatten uns keine Vorstellung davon gemacht, wie viel Dreck bei einem Winterwurf anfallen kann.

Wie aus dem Welpentagebuch des A-Wurfes hervor geht, haben wir alle Welpen ganz brav fast 3 Wochen in der Kiste gehalten (das hatte ich schon verdrängt
Da wir zu diesem Zeitpunkt nicht zufütterten, hat Fama auch versucht die Ausscheidungen der Welpen komplett zu entsorgen. Den Rest machte unser "Schippchen mit Spachtel". Kein Problem.

Mit dem Zufüttern hörte die Hündin auf den Kot zu fressen. Die Welpen verließen die Kiste und wir waren am Putzen.
Für regelmäßige Aussenaufenthalte war es zu kalt und so passierte alles im Zimmer. 
Nachts war die Tür zu (schlafen konnte da niemand mehr- auch Fama nicht) und morgens um 5 Uhr wurden die Welpen raus gelassen. Zu diesem Zeitpunkt konnte man den Raum nur noch mit Gummistiefeln betreten. Die Wände waren mit Kot beschmiert, die Tür ebenfalls. Es war furchtbar. So stellt man sich ein gemütliches Welpenzimmer nicht vor. Und wenn die Welpen mich morgens begeistert begrüßten, dann hatte ich auch das Gefühl von Kopf bis Fuß mit Welpenkacke beschmiert zu sein. Füttern konnte ich erst nach dem Putzen.

Beim B-Wurf waren wir schon etwas schlauer. Nach drei Wochen zogen wir zwar wieder in unsere Betten aber Morgens gegen 3:30 Uhr wurden alle Welpen aus dem Bett geholt und einmal durch den Garten geführt. Meist blieben sie dann auch gleich in der Hütte. Es war für sie wesentlich netter, als in dem verdreckten Zimmer.

Erst beim C-Wurf, dem ersten Frühlingswurf, haben wir beschlossen: Einer schläft die ganze Zeit im Zimmer und die Tür zum Hof bleibt offen. Sowie die Welpen selbständig pinkeln wackelten, wurde die Kiste geöffnet. Inzwischen wussten wir, unsere Welpen verlaufen sich nicht.
Wenn die Welpen nachts wach wurden, wurden wir auch wach, es wurde kurz raus gegangen und weiter geschlafen.

Natürlich gehört zur Revierreinheit der Welpen, dass die Haufen immer da sind, wo sie gerade noch nicht wohnen.
Wohnen sie noch vorrangig in der Kiste, puschen und würsteln sie ins Welpenzimmer. Wohnen sie im Zimmer, würsteln sie in den Hundeflur - aber dann ist es auch schon fast vorbei. Denn wenn sie erst den Flur erobert haben, ist die Erkundung der Terrasse und dann des Gartens nur noch eine Frage von Tagen.
Dafür habe ich aus Angst vor temperaturbedingten intensiveren Gerüchen und Fliegenbefall den Boden regelmäßig mit "Sagrotan" gewischt. Das Ergebnis war: Alle Welpen hatten irgendwann Hautausschläge und behandlungsbedürftige Hautbakterien.
Finger weg von scharfen Putzmitteln!

Eigentlich hatte ich erst vom 4. Wurf an ein System, das sich durchgehend bewährte.
Alles wird mit Laken ausgelegt, wenn sie klein sind darunter noch wärmende Vetbeds. Die Laken wandern bis zur Terrasse mit in die Puschbereiche. Für die Häufchen kommen Papiertücher, Schaufel und Spachtel zum Einsatz, die Laken kommen regelmäßig in die Waschmaschine - die läuft sowieso immer- und übrig bleiben nach 3 - 4 Wochen:
Vereinzelte Seen oder Häufchen in den Spielbereichen, weil einer gerade mal keine Zeit hat raus zu gehen.
Ein Genuss für Hund und Mensch.

Und wenn Sie umziehen, sind sie bei uns revierrein- Natürlich- Selbstverständlich- Hund ist eben sauber, wenn er kann!


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