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„Ich war Mamas Liebling“

veröffentlicht um 13.03.2009, 07:00 von Mirek Nowak   [ aktualisiert 13.10.2009, 04:47 von Vitalij Lubeschanin ]

Güte, Herzenswärme, Mitmenschlichkeit – das sind in unserer Gesellschaft nicht gerade die Schlüsselqualifikationen für einen, der an die Spitze eines Unternehmens gestellt wird. Und doch gibt es in den Reihen der Manager Gutmenschen. Anton Hans ist so einer: Er beweist, dass auch derjenige wirtschaftlichen Erfolg haben kann, der auf Ellenbogen-Rempler verzichtet.

Der Mann weiß, wie man mit Frauen umgeht. Fünf Kinder hatten seine Eltern: vier Mädchen und den kleinen Anton. „Meine Schwestern sagen, ich war Mamas Liebling“, sagt er. Im katholischen Krankenhaus in Zweibrücken, dessen Chef er 14 Jahre lang war, hatte er es ebenfalls hauptsächlich mit Frauen zu tun. Mit den vielen Krankenschwestern auf den Stationen, vor allem aber mit den Schwestern des Ordens der armen Franziskanerinnen von Mallersdorf, dem das Krankenhaus gehört. 

„Ordensschwestern sind Menschen wie du und ich“, sagt Hans. „Ich habe da nie Probleme gehabt.“ Wenn doch solche drohten, dann erinnerte er sich eines alten Leitspruchs: „Manchmal ist es klüger, sich im Nachhinein für eigenmächtiges Handeln zu entschuldigen als vorher zu fragen und ein Nein zu riskieren.“ 

Ende Februar hat Hans dem Krankenhaus Lebwohl gesagt. Sagen müssen, denn er ist 65 Jahre alt geworden. Das Krankenhaus war sein Lebensinhalt. Er hat es sanft geführt, fast unmerklich. Und doch sehr erfolgreich: Das St. Elisabeth-Krankenhaus schreibt schwarze Zahlen. Das ist die Ausnahme in Deutschland für ein Land-Krankenhaus, das eine starke Konkurrenz vor der Tür hat: ein zweites Hospital in der Stadt und eine Uniklinik nur zehn Kilometer weit weg. 

Sein wirtschaftliches Meisterstück machte Hans aber in Landstuhl. Der Deutsche Orden hatte das dortige Johannis-Krankenhaus heruntergewirtschaftet, die Ärzte und Schwestern nicht mehr bezahlt: Die Klinik stand vor dem Ruin. Der Orden der Mallersdorfer Schwestern übernahm das Haus – und schickte Hans als Sanierer nach Landstuhl. „Die vom Deutschen Orden waren größenwahnsinnig geworden“, sagt Hans. Er erinnert sich an seinen ersten Besuch: „In Landstuhl bin ich so begrüßt worden: ,Sind Sie der Herr Hans?‘ – ,Ja!‘ – ,Ihnen traue ich auch nicht.‘ “ 

Im Jahr 2001 übernahm Hans die Feuerwehr-Aufgabe in Landstuhl, „und ab 2002 schrieben wir dort schwarze Zahlen“, fügt er an. Und plötzlich ist da kurz ein Lächeln in seinem Gesicht. Schon wird er wieder ernst: „Aber nur durch harte Maßnahmen.“ – „Sie mussten Leute entlassen?“ – „Nein, wir haben nicht einen entlassen. Und alle ausstehenden Gehälter haben wir nachgezahlt.“ Hans hat das Krankenhaus in Landstuhl, den größten Arbeitgeber in der Sickingenstadt, gerettet. Und das nebenher, denn die Arbeit in Zweibrücken erledigte sich ja nicht von selbst. 

Zielstrebig, lautlos und bescheiden hat Hans das Haupthaus in Zweibrücken in stürmischen Zeiten auf Kurs gehalten. Und er hat dafür gesorgt, dass St. Elisabeth seinen christlichen Charakter wahrt: „Wir behandeln unseren Nächsten, egal welcher Religion er angehört.“ Die Hälfte der Patienten kommt aus der Stadt, ein Drittel aus dem Saarland, der Rest aus den pfälzischen Orten um Zweibrücken. Die meisten sind wohl evangelischen Glaubens. „Wir wollen nicht missionieren“, betont Hans, „aber wir bieten Gottesdienste an, intensive Seelsorge. Und ganz wichtig: Bei uns stirbt keiner alleine.“ 

Und dann ist da noch eine andere Tradition des Hauses, um die der Geschäftsführer nie Aufhebens machte: Wer Hunger hat und am St. Elisabeth-Krankenhaus anklopft, der bekommt eine warme Mahlzeit, ohne einen Heller dafür zu bezahlen. „Wir versorgen Menschen, die auf der Durchreise sind“, nennt Hans das. Zwischen 13 und 30 Obdachlose und andere Bedürftige speisen täglich mittags in einem Nebenraum der Küche. „Ich versuche, wenn ich Not erkenne, nicht lange zu jammern, sondern bemühe mich, Lösungen zu finden.“ Auch so ein Leitspruch des Anton Hans, der auf dem Dorf aufwuchs, wo man lernt, nicht nur sich selbst, sondern auch anderen zu helfen. In Niederlinxweiler bei Ottweiler und in Lautzkirchen, bei den „Lumpensammlern“, wie man sie im Bliestal nannte, wuchs er in einem gut katholischen Elternhaus auf, wurde Messdiener im Kloster Blieskastel und rutschte über Ehrenämter beim Deutschen Roten Kreuz ins Hauptamt. 1971 übernahm er als Geschäftsführer das DRK Zweibrücken. 

Erst mit 48 wechselte er den Arbeitgeber, ging zur Klinik. Der Grund? „Im Krankenhaus konnte ich meine betriebswirtschaftlichen Ideen schneller umsetzen.“ Wobei er, Mitarbeitern zufolge, meist abends und nachts „die Arbeit wegschaffte“, denn tagsüber stand immer wer mit irgendeinem Anliegen im Büro. Nein sagen fällt ihm schwer. „Aber wenn einer nur seinen Vorteil sieht und Christlichkeit falsch versteht, das ärgert mich dann schon. Dann kann ich auch konsequent sein.“ Hat er auch Leute gefeuert? „Ja, aber Gott sei Dank nur ganz wenige.“ 

Jetzt ist Hans auf einen Schlag die Verantwortung los, auch die für insgesamt 1300 Beschäftigte. Der Ruhestand scheint ihm nicht ganz geheuer zu sein, denn seine vielen Ehrenämter im Roten Kreuz, in der Pfarrgemeinde in Hassel will er behalten – und auf seine alten Tage noch Religionswissenschaften studieren. Da wird wenig Zeit bleiben für ein weiteres Projekt, das er sich fürs Altenteil aufgehoben hat: „Ich habe noch nie im Leben eine Waschmaschine bedient. Das will ich noch lernen.“ 

Der Krankenhaus-Chef hat dafür gesorgt, dass Hungernde satt werden: Am St. Elisabeth wird niemand abgewiesen, der um eine warme Mahlzeit bittet. . 


RHEINPFALZ-REPORT: DIE MUTMACHER Quelle „DIE RHEINPFALZ“ - VON GEORG ALTHERR
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