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Langzeittest mit SeniorInnen

Vier SeniorInnen ohne vorheriger Interneterfahrung wurden zufällig aus den Testpersonen der Einzeltests ausgewählt und haben ein Tablet (iPad v2) für den Zeitraum von je einem Monat erhalten. Darunter waren ausschließlich Damen, deren Altersschnitt lag bei 69 Jahren. 

Das Tablet wurde für den Test entsprechend der initialen Applikationsrecherche an die Bedürfnisse und Interessen von älteren Personen angepasst. Insgesamt wurden 42 Applikationen aus folgenden Bereichen ausgewählt:
  1. Kommunikation (Basisdienste)
  2. Reisen
  3. Gehirntraining
  4. Veranstaltungskalender und Amtswege (Behörden)
  5. Gesundheit
  6. Einkaufen übers Internet
  7. Angebote und Schnäppchenservice
  8. Weitere Applikationen
und am Tablet installiert. Für Details über installierte Applikationen siehe: Redesign, erweitertes Applikationsset

Die Nutzung der Funktionen war dabei den SeniorInnen völlig freigestellt, sie wurden jedoch gebeten, in einem Tagebuch festzuhalten, wie oft sie welche Applikation genutzt haben.
Zu Beginn des Feldtests haben die Testteilnehmerinnen nochmals eine Einschulung über die korrekte Verwendung des Tablets erhalten. In diesen zwei Stunden wurden vor allem die zentralen Applikationen der Einzeltests wiederholt, für weitere Informationen wurde ein für den Trial speziell angefertigtes Benutzerhandbuch zur Verfügung gestellt.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Allgemeines 

Das Feedback der Langzeit-Testpersonen war sowohl bezüglich des Testgerätes als auch der Benutzerschnittstelle und der damit ermöglichten Funktionen positiv. „Ich bin begeistert und hab auch keine Angst mehr davor“, „Das Gerät ist super! Mann muss allerdings Zeit dazu haben, es zu verwenden“ 
Alle Teilnehmerinnen stimmten im Abschlussinterview der Aussage „Das Gerät ist für ältere Menschen geeignet“ zu und würden es auch Personen gleichen Alters empfehlen. 

Alle Teilnehmerinnen hätten das Gerät auch gerne nach Ende der Trials weiter verwendet und würden es erwerben wollen. Auf Grund des hohen Preises (Anm.: das im Test eingestzte iPad kostet derzeit – August 2011 – etwa 600 Euro) überlegten zwei Testpersonen sich ein Gerät schenken zu lassen, eine wurde davon nicht abgeschreckt. 

Während der Trials 

Neben den vorab vereinbarten Terminen jeweils in der Mitte des Testmonats wurde von den Testpersonen insgesamt vier mal Hilfe angefordert. In diesen Fällen waren entweder Updates einer Applikation notwendig oder die Testperson hatte noch ergänzende Fragen zu der einen oder anderen Applikation. 

Erkenntnisse der Abschlussinterviews 

Probleme sind meist auf Grund der uneinheitlichen Bedienung von Applikationen aufgetreten. So haben beim Abschlussinterview alle Teilnehmerinnen zwar die Handhabung und Bedienung des Gerätes an sich als sehr gut eingestuft, das Erlernen neuer Applikationen jedoch kritischer bewertet. Einer Testperson ist das Erlernen neuer Funktionen nach eigenen Angaben schwer gefallen, eine war unentschlossen und eine Testperson meinte "das ist kein Problem". 

Die teilweise Anfangs noch vorhandene Angst, etwas mit dem Testgerät falsch zu machen und dadurch Schaden zu verursachen, hat sich bei allen Teilnehmerinnen schon recht bald im Laufe des Tests gelegt. Hierbei hat die Funktion des „Home“- Buttons über welchen jederzeit eine Rückkehr in das Hauptmenü erfolgen kann einen großen Beitrag zur Sicherheit im Umgang mit dem Gerät geleistet. „Wenn ich wo nicht weiter gewusst hab’, dann bin ich immer einfach ausgestiegen und hab’s dann später noch einmal probiert“ meinte eine der Testpersonen etwa. 

Ebenfalls evaluiert wurde die Zuverlässigkeit des Gerätes im Alltag. Während des Testzeitraumes von bisher insgesamt 3.5 Monaten wurden zwei Fälle bekann,t in denen das Gerät neu gestartet werden musste um die Funktionalität wieder herzustellen. Dies konnte jedoch von den Testpersonen selbst durchgeführt werden. 

Ein grundsätzliches Problem von Personen ohne Erfahrung mit www-Services und insb. der Google Suchmaschine ist das Erkennen von Links, sowie die Auswahl eines zur Suchanfrage passenden Suchergebnisses. Hier waren auch noch am Ende der Tests Unklarheiten deutlich. Dieses Problem lässt sich auch durch ein Tablet Userinterface nicht beheben. 

Mit der Bildschirm-Tastatur sind alle Nutzerinnen grundsätzlich zufrieden, eine merkte an, dass es etwas kompliziert ist zu einem Tippfehler zurückzuspringen. Hierzu wird durch längeren Druck auf den Bildschirm eine „Lupenfunktion“ aktiviert, welche das Verschieben des „Kursors“ zulässt, dies dauerte der Nutzerin zu lange. Keine der Nutzerinnen beherrschte vor dem Test das 10-Finger System zur Eingabe. 

Besonders hervorgehoben wurde nochmals (siehe auch Testergebnisse der Einzeltests) die gut gelöste Vergrößerung von Text und Bildern mit Hilfe des „Pinzettengriffes“.

Nutzung der Applikationen

Durch eine Auswertung der Testtagebücher konnte bestimmt werden, wie häufig Applikationen genutzt wurden und welche bei den Anwendern besonders beliebt sind.

Das Tablet wurde während der Testlaufzeit sehr häufig verwendet, was die Zufriedenheit der Testpersonen bestätigt. Von maximal möglichen 83 Tagen (über alle drei Testpersonen) wurde das Tablet an 70 Tagen verwendet – ein sehr hoher Wert, der in dieser Form nicht zu erwarten gewesen wäre.

Eine Analyse der Verwendung der Applikationen zeigt, warum die Nutzung derart hoch war. Die Trainingsprogramme unter "Gehirntraining" wurden überdurchschnittlich häufig verwendet. Kurz darauf folgt allerdings schon die zentrale Internetapplikation der Google-Suche.

Conclusio

Die Nutzer waren sowohl nach eigener Aussage, als auch nach Auswertung standardisierter Fragebögen mit dem Tablet sehr zufrieden, alle würden es gerne weiter behalten und auch anderen SeniorInnen empfehlen. 

Die Nutzung des Gerätes hat über den Testzeitraum nicht abgenommen. Offensichtlich hat die Verfügbarkeit des Tablets in Kombination mit etwa vier Stunden Einschulung am Gerät ausgereicht, um längerfristig eine kompetente Nutzung des Internets zu gewährleisten.

Zentraler Vorteil des Gerätes gegenüber herkömmlichen PCs für EinsteigerInnen ist dabei das nicht abschreckende, wenig technische Aussehen und das vergleichsweise einfache User Interface des Gerätes.  

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