Geschichte der Kirche

Die Lamberti-Kirche, benannt nach dem Hl.Lambert (7.Jh.), ist ein klassizistisches Bauwerk von 1833 - 35.
In ihr findet der Besucher einen prachtvollen Antwerpener Schnitzaltar von 1505, die bedeutende Ahrend & Brunzema-Orgel (1961), eine Kanzel von 1692, flämische Kronleuchter aus der Zeit des 30jährigen Krieges und zahlreiche weitere sehenswerte Gegenstände. Der Vorgängerbau wurde um 1180 von dem Oldenburger Grafen Moritz gestiftet und zunächst als Einraumkirche erbaut. Sie wurde mehrfach baulich erweitert und musste 1826 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Der frei stehende Glockenturm (Baubeginn Ende 13. Jh.) erhielt seine heutige Gestalt 1656. Er ist das Wahrzeichen Aurichs.
Die Anfänge der Besiedlung Aurichs erfolgten vermutlich im frühen 12. Jahrhundert, wobei der Siedlungskern an einem Wasserlauf nicht weit entfernt von der knapp 100 Jahre später erbauten Kirche lag, an der Stelle, an der sich heute der Piqueurhof befindet. Etwa um das Jahr 1200 schuf der Oldenburger Graf Moritz I. auf seinem „Auricher Stützpunkt“ durch die Gründung der Lamberti-Kirche einen neuen kirchlichen Mittelpunkt. Graf Moritz unterstellte die Kirche wie auch die wenige Jahre vorher von ihm in Oldenburg gegründete Kirche dem heiligen Lambert (635 – 705 oder 706). Lambert, dem schon früh Wundertätigkeit nachgesagt wurde, scheute als Bischof von Maastricht nicht davor zurück, den leichtfertigen Umgang des hohen fränkischen Adels mit der Ehemoral sowie dessen häufige Übergriffe auf kirchlichen Besitz öffentlich zu tadeln. Dafür wurde er meuchlerisch ermordet. Das Volk begann bald, ihn als Märtyrer und Heiligen zu verehren. Graf Moritz dürfte diese Verehrung in seinem Exil in der Rhein- und Maasgegend, dem Zentrum der Verehrung des hl. Lambert, kennengelernt haben. Dass es nach seiner Rückkehr in seine Heimat nach 1180 zur Stiftung von zwei  Lambertikirchen  in Oldenburg und in Aurich kam, hatte vermutlich seinen Grund darin, dass Graf Moritz I. Veranlassung genug sah, für die Wiedererlangung seiner Oldenburger Grafenherrlichkeit Dank zu sagen.

Quellen:
Delbanco, Hillard, Kirchenführer Lamberti-Kirche Aurich, Aurich 2006
Derselbe, Ein prägendes Wahrzeichen der Stadt. Anmerkungen zur Geschichte des Lamberti-Turms, in: Heimatkunde und Heimatgeschichte Folge 9, September 1995; Ostfriesische Nachrichten Aurich

Ramm, Heinz, Die Anfänge von Aurich, in: Collectanea Frisica: Beiträge zur historischen Landeskunde Ostfrieslands; Walter Deeters zum 65.Geburtstag, hrsg. von Hajo van Lengen, Aurich 1995, S.103 - 162

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