Augenbit‎ > ‎Digitales 1x1‎ > ‎Text‎ > ‎E-Buch-Standard‎ > ‎

Vorwort

Technologische Fortschritte bei den Kommunikations- und Hilfsmitteln und die mit dem Aufbau des Braille-Archivs des Hessischen Bildungsservers verbesserte Verfügbarkeit an digitalisierten Schulbüchern erleichtern Schülern/innen mit Blindheit oder Sehbehinderung den Zugang zu Unterrichts­werken.
Voraussetzung für einen tatsächlichen erleichterten Zugang ist jedoch, dass die verfügbaren digitalen Bücher nach einem Design produziert werden, aus dem ohne zusätzliche Hürden die individuell benötigte "Gestalt" des Schulbuches abgeleitet werden kann. Schulbücher die nach dem hier vorliegenden "E-Buch-Standard 2016" übertragen werden, nehmen hinsichtlich der Umsetzung der UN-Behinderten­rechtskonvention für Schüler/innen mit Blindheit oder Sehbehinderung eine zentrale Stellung ein. Dies gilt für den Nachteilsausgleich bei Zentralen Prüfungen oder anderen schriftlichen Leistungsfeststellungen ebenso.

Rückschau, E-Buch-Standard 2007

Der AK Medienzentren beantragte 2005 bei der Bundesfachkommission für die Überprüfung von Lehr- und Lernmitteln für den Unterricht blinder und sehbehinderter Schülerinnen und Schüler die Einrichtung einer länderübergrei­fenden Arbeitsgruppe. Sie sollte Vorschläge zu einheitlichen Formatierungs­standards erarbeiten. 2006 lag ein erster länderüber­greifender Entwurf vor.
Auf Einladung der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig verstän­digten sich am 26./27. September 2006 27 Vertreter der Braille-Druckereien, der Braillekommission, der Medienzentren und Schulen sowie ebenfalls eingeladene Entwickler von Braille-Konvertern und langjährige Praktiker/innen auf wesentliche Grundsätze eines Standards. Nach seiner Tagung am 19./20. September 2007 in Veitshöchheim übergab der Arbeitskreises Medienzentren der Bundesfachkommission seine Beschlussvorlage.
In länderübergreifenden Fortbildungen 2007 in Hannover und in Nürnberg konnten die Mitarbeiter/innen der Medienzentren mit dem neuen Über­tragungsstandard vertraut gemacht werden. Schulungen von Lehrkräften fanden statt.
Seit seiner Evaluation am 22./23. September 2008 anlässlich der 21. Tagung des Arbeitskreises Medienzentren wird der erreichte Standard unter www.augenbit.de dokumentiert.

E-Buch-Standard 2016

Am 17./18. März 2014 richtete der AK Medienzentren während seiner Tagung in Hannover eine Redaktionsgruppe ein, die Details des E-Buch-Standard aktualisieren, eine Broschüre mit erläuternden Beispielen erstellen und ein Werkzeug für die erleichterte Herstellung von Texten nach unterschiedlichen Formaten entwickeln sollte.
Die Bundesfachkommission beauftragte am 30./31. Mai 2016 in Nürnberg den Arbeitskreis Medienzentren, bis zum Herbst 2016 einen finalen Entwurf einer aktualisierten Fassung des E-Buch-Standards 2016 zu erarbeiten. Der hier nun vorliegende E-Buch-Standard 2016 der Medienzentren im Förderschwerpunkt Sehen wurde von der Bundesfachkommission als fachlicher Vorschlag angenommen und zur Übersendung an die Kultusministerien empfohlen.

Der E-Buch-Standard 2016

  • definiert einen Qualitätsstandard
    • für übertragene Schulbuchdateien, der die Ableitung verschiedener Gestalten entsprechend den individuellen Nutzerbedürfnisse ermöglicht,
    • für den Nachteilsausgleich in Zentralen Prüfungsarbeiten, bei schriftlichen Leistungsfeststellungen und bei Lernstandserhebungen,
    • bei der Vergabe von Übertragungsaufträgen an externe Überträger,
    • erleichtert Schülerinnen und Schülern mit Sehbeeinträchtigungen den Lernanschluss nach einem schulischen Übergang, einem Schulwechsel oder einem Wechsel in den oder aus dem inklusiven Unterricht,
  • ermöglicht die Beschreibung von Kompetenzen
    • über die die Schüler/innen beim Umgang mit übertragenen digitalen Schulbüchern, Zentralen Abschlussarbeiten und Lernstandserhebungen und 
    • über die die Beratungslehrkräften im inklusiven Unterricht und Lehrkräfte an der Förderschule Sehen beim Unterrichten und Fördern verfügen müssen, 
  • erlaubt die Ableitung von Kurzanleitungen für Lehrkräften der allgemeinen Schulen, damit sie für den inklusiven Unterricht Kurztexte, Klassenarbeiten usw. in der erforderlichen Gestalt herstellen können und
  • erlaubt Lehrkräften der allgemeinen Schule den Einsatz von übertragenen digitalen Schulbüchern und Texten in Klassen mit inklusivem Unterricht, auch ohne dass sie über Punktschriftkenntnisse verfügen müssen,
  • bietet ein Werkzeug zur Umformatierung und Auszeichnung einer Textdatei entsprechend dem individuellen Bedarf der Schülerin oder des Schülers an,
  • erleichtert die Zusammenarbeit der Medienzentren und hilft ihnen, den Ressourceneinsatz zu optimieren und 
  • kann als Richtschnur auch für Übertragungen für Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung im außerschulischen Kontext dienen (Behörden/Verwaltungen, Universitäten).

Ausblick

Der E-Buch-Standard 2016 zeigt eine Perspektive für die Herstellung von barriere­freieren Schulbüchern der Verlage auf. Schulbuchdateien in einem universellen Design könnten sowohl von Schülerinnen und Schülern mit Blindheit oder mit unterschiedlichsten Sehbehinderungen als auch von Schülern/innen ohne Sehbeeinträchtigung genutzt werden.
Wenn sie mit Standardprogrammen erstellt werden können und der Standard nicht als "Insellösung" konzipiert wurde, entsprächen sie der Definition des Universellen Designs in § 2 der UN-BRK: Sie können "von allen Menschen möglichst weitgehend ohne eine Anpassung oder ein spezielles Design genutzt werden".

Danksagung

Der E-Buch-Standard 2016 wurde durch die engagierte und länderübergreifende Zusammenarbeit von Medienzentren und Schulen, Verlagen, Einzelpersonen und mit der Unterstützung der beteiligten Fachreferate in den Kultusministerien ermöglicht.
Er genießt eine breite Akzeptanz und kennzeichnet eine bedeutsame fachliche Weiterentwicklung im Förderschwerpunkt Sehen.

Eine Gewissheit, alle Unterstützerinnen und Unterstützer aus Basel, Berlin, Friedberg, Hamburg, Hannover, Ilvesheim, Leipzig, Marburg, Neuwied, Nürnberg, Schleswig, Soest und weiteren Standorten vollständig nennen zu können, besteht selbstverständlich nicht.

Hamburg, 07./08. November 2016


Im Namen der Mitglieder des Arbeitskreises Medienzentren und der Ländervertreter der Bundesfachkommission