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1. Bausteine


1.1 Grundregeln

Nach dem E-Buch-Standard gestaltete digitale Unterrichtsmaterialien und Dokumente sind für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler vollständig zugänglich und einfach bedienbar.
Dateien werden im Format .DOCX erstellt.
Es werden alle relevanten Informationen des Original-Dokuments (Text, Struktur, Bilder, ...) wiedergegeben. Elemente, die für das Verständnis nicht von Bedeutung sind, werden nicht übertragen.
Für die Übertragung sind folgende Formatvorlagen und E-Buch-Tags zu verwenden. Andere, davon abweichende Auszeichnungsformen sind zu vermeiden.

1.2 Verwendung von Formatvorlagen

Formatvorlagen werden verwendet, um Text, Überschriften und Aufzählungen zu kennzeichnen. Dadurch wird dem Dokument eine Struktur gegeben. Diese ist für den blinden und sehbehinderten Nutzer unbedingt erforderlich.
Es dürfen nur die in WORD standardmäßig vorhandenen Formatvorlagen Standard, Liste, Listenfortsetzung, Überschrift 1, Überschrift 2, Überschrift ... verwendet werden (siehe 1.2.4).

1.2.1 Was sind Formatvorlagen?

Als Formatvorlage bezeichnet man unter WORD einen Satz von Formatierungsbefehlen, der mit einem einzigen Mausklick bzw. einer einzigen Tastenkombination auf einen Text angewendet werden kann.
Beispiel: Formatvorlage "Überschrift 1" definiert als: fett gedruckt, Schriftgröße 20, Schriftart Arial, Abstand von 12 Punkten zum nachfolgenden Text.

1.2.2 Welchen Vorteil haben Formatvorlagen?

Allgemein

  • schnelles, effizientes Formatieren
  • Texten ein einheitliches (professionell aussehendes) Erscheinungsbild verpassen
  • Erstellen eines Inhaltsverzeichnisses auf "Knopfdruck", Aktualisierung des Inhaltsverzeichnisses mit wenigen Klicks

Für blinde und sehbehinderte SuS

  • einfache Navigation durch mehrseitige Texte über die seitlich einblendbare Navigationsansicht oder über die Gliederungsansicht
  • insbesondere für Blinde die einzige Möglichkeit, einen Überblick über einen längeren Text zu bekommen
  • schnelles, einfaches Anpassen für individuelle Ausdrucke

Für die Weiterverarbeitung, z.B. die Übertragung in Brailleschrift

  • Gängige Konverter erkennen Formatvorlagen und berücksichtigen diese bei der Konvertierung; z. B. durch Unterstreichung der Ebene 1 mit zusätzlichen Braillepunkten

1.2.3 Wie wendet man Formatvorlagen an?

Mit sauberer Vorlage starten

  • Ein leeres Word-Dokument öffnen.
  • Text aus einem anderen Dokument OHNE Formatierungen hineinkopieren:
    • bis Word 2003: Einfügen - Inhalte einfügen... - unformatierten Text
    • ab WORD 2007: Registerkarte Start - Einfügen - Inhalte einfügen... - unformatierten Text
  • Zuweisen der Formatvorlagen (in Registerkarte Start - Bereich Formatvorlagen)

Formatvorlagen verwenden - Ebenen zuweisen

Für das Zuweisen der Formatvorlage genügt es, den Cursor in die betreffende Zeile zu setzen, es muss nichts markiert werden. Formatvorlagen für Überschriften und Listen beziehen sich immer auf einen ganzen Absatz.
Die Zuweisung geht am schnellsten über folgende Tastenkombinationen (gleichzeitig gedrückt)
  • Überschrift Ebene 1: ALT+1
  • Überschrift Ebene 2: ALT+2
  • Überschrift Ebene 3: ALT+3
  • Standardtext zuweisen: STRG+UMSCHALT+n
Weitere Formatvorlagen über ALT+STRG+UMSCHALT+s und Auswahl im Seitenfenster

1.2.4 Im E-Buch-Standard verwendete Formatvorlagen


AbsatztypFormatvorlage
Normaler TextStandard
Überschrift Überschrift 1, Überschrift 2, ...
Aufzählung (z.B. Spiegelstrich) und Nummerierungen

NICHT: automatische Nummerierungen und Aufzählungen.
Liste, Liste 2, ...
Eingerückter Absatz Listenfortsetzung, Listenfortsetzung 2, ...

1.3 E-Buch-Tags

Textelemente und Strukturinformationen, die nicht mit Hilfe der genannten Formatvorlagen wiedergegeben werden können, werden durch so genannte "E-Buch-Tags" ("Tag"- engl.: Auszeichnungsmarke) beschrieben.
E-Buch-Tags sind syntaktisch aufgebaut. Ein Tag besteht im Wesentlichen aus einem Start-Tag, einem getaggten Inhalt und einem Ende-Tag:

<Tag-Name>
getaggter Inhalt
</Tag-Name>

Der Start-Tag

beginnt mit einem Kleinerzeichen (<). Anschließend folgt der vordefinierte Tag-Name, auf den mehrere Attribute folgen können, aber nicht müssen. Das Start-Tag wird abgeschlossen durch ein Größerzeichen (>).

Der Ende-Tag

beginnt mit einem Kleinerzeichen (<), unmittelbar gefolgt von einem Schrägstrich (/). Dann folgt der (mit dem Start-Tag identische) Tag-Name und ein abschließendes Größerzeichen (>).
Der getaggte Inhalt ist frei wählbar. Er kann z.B. aus Textelementen, aber auch aus Bildern bestehen.
Innerhalb des Tags sollten bevorzugt weiche Zeilenumbrüche (UMSCHALT+EINGABE) statt harter Zeilenumbrüche (EINGABE) eingesetzt werden.
E-Buch-Tags innerhalb von E-Buch-Tags sind nicht erlaubt (Ausnahmen: <L>-Tags und Filtertags für <sb> oder <bl> Version).

Beispiel Standard (Bücher mit Bildbeschreibung, ohne beigefügte Bilder)

<Bild> Zeichnung. "Als Edelmann verkleideter Fuchs in Grußhaltung"
</Bild>

Fortführendes Beispiel (optional, z.B. für das Hinterlegen von Bildern und automatisierte Umwandlungen)

<Tagname Attributname1="Wert1" Attributname2="Wert2" ...>
getaggter Inhalt
</Tagname>

<Bild Id="B1Fuchs" Typ="Zeichnung" Inhalt="Als Edelmann verkleideter Fuchs in Grußhaltung" Original="B1Fuchs.png" Beschreibung="B1Fuchs.doc"> B1Fuchs.png (für SB Version erforderlich)
</Bild>

1.3.1 Der E-Buch-Tag "Anmerkung"

 Verwendungszweck E-Buch-Tag
 Anmerkung <Anmerkung> Hier steht die Anmerkung des Textservice </Anmerkung>

Erläuterung:

Anmerkungen können für das Verständnis relevante Erscheinungsbilder und Erläuterungen sein.
Beispiele siehe: 3.1 Anmerkung

1.3.2 Der E-Buch-Tag "Bild"

 Verwendungszweck E-Buch-Tag
 Bildbeschreibung <Bild> (z.B. Foto, Zeichnung). Nun folgt die Bildbeschreibung.</Bild>

Erläuterung:

Ist der Bild-Tag länger als 2 Zeilen, ist es zu empfehlen, dass der Endtag in eine neue Zeile (mit weichem Return) gesetzt wird.
In den Bild-Tag gehören nur die Informationen, die nicht im Original-Text sind, die Bildunterschriften sind außerhalb des Tags zu setzen. Eine Verschlagwortung ist hilfreich, wenn es sich z. B. um mehrere Szenen handelt.
Beispiele siehe: 3.2. Bildbeschreibung

1.3.3 Der E-Buch-Tag "Lückentext"

 Verwendungszweck E-Buch-Tag
 Lückentext <Lückentext> Hier kommt ein Lückentext und so wird eine einzelne Lücke angezeigt: _..._</Lückentext>

Erläuterung:

Wörter, die in die Lücken einzusetzen sind, werden innerhalb des Lückentext-Tags angegeben, z. B. als Wortliste vor dem eigentlichen Lückentext.
Beispiele siehe: 3.3 Lückentext

1.3.4 Der E-Buch-Tag "Rahmen"

 Verwendungszweck E-Buch-Tag
 Rahmen <Rahmen> Merksatz: Hier kommt Text, der von einem Rahmen umgeben ist.</Rahmen>

Erläuterung:

Zierrahmen sollten weggelassen werden. Insgesamt sollte mit dem E-Buch-Tag "Rahmen" sparsam umgegangen werden. Nicht alle im Original eingerahmten Texte müssen mit diesem Tag versehen werden. Wenn in einem Buch Rahmen mit einer bestimmten Bedeutung verwendet werden (z. B. roter Rahmen = Merksatz; blauer Rahmen = Definition), sollten dieses Begriffe am Anfang des getaggten Inhalts stehen.
Beispiele siehe: 3.4 Rahmen

1.3.5 Der E-Buch-Tag "Tabelle"

 Verwendungszweck E-Buch-Tag
 Tabelle <Tabelle> An dieser Stelle steht die eigentliche Tabelle.</Tabelle>

Erläuterung:

Die Tabellenbeschriftung und eventuelle Anmerkungen des Textservice können im Tag "Anmerkung" hinzugefügt werden. In einer WORD-Tabelle wird im ersten Feld eine Textmarke eingefügt. Diese wird fortlaufend bezeichnet. Bei der ersten Tabelle im Dokument ist es "title1", bei der zweiten "title2" usw...
WORD-Tabellen können bei Bedarf über: Tabellentools; Layout; Tabelle in Text umwandeln aufgelöst werden:
Grundsätzlich gilt, dass einfache Tabellen, besonders bei jüngeren Schülern, aufgelöst werden. Aufgelöst werden kann in Form von Fließtext oder in Tabellenform mit :: oder in höheren Klassen auch mit & als Trennzeichen.
Sehr komplexe Tabellen können am besten in Excel gelesen werden. Als Maßstab gilt immer die Lesbarkeit auf der Braillezeile.
Beispiele siehe: 3.6 Tabelle

1.3.6 Die Filter-Tags "bl" und "sb"(optional)

 Verwendungszweck E-Buch-Tag
 Version für Blinde<bl> An dieser Stelle steht die Beschreibung für Blinde </bl>
 Version für Sehbehinderte <sb> An dieser Stelle steht die Beschreibung für Sehbehinderte </sb>

Erläuterung:

Um Beschreibungen oder Erläuterungen speziell für blinde Schüler einbringen zu können, gibt es im E-Buch-Menü die Tags <bl> und <sb>. Diese sind lediglich Filtertags in einem umfassenderen Quelldokument und fallen in der Endversion für den Schüler heraus. Um die Filterung durchzuführen ist der Menüpunkt "Version für Blinde/Sehbehinderte" anzuwählen.

1.3.7 Der Filter-Tag "L" (optional)

 Verwendungszweck E-Buch-Tag
 Mathematische Notation <L>\frac{35}{123}</L>

Erläuterung:

In mathematischem Kontext wird mit der Mathematikschrift LaTeX gearbeitet. Eine Möglichkeit, aus einem solchen Dokument ein Dokument für Sehbehinderte mit Formeleditor zu erstellen, bietet das Formelumwandlungsmenü (vgl. augenbit.augenbit.de). Sämtliche Ausdrücke mit LaTeX-Elementen werden dazu mit <L>-Tags markiert. Sie fallen in der Endversion für den Schüler heraus.

1.4 Spezielle Notationen

1.4.1 Seitenzahl

 VerwendungszweckDarstellung
 Seitezahl((221))

Erläuterung:

Vor Seitenzahlen soll eine leere Zeile eingefügt werden, außer es handelt sich um Fließtext, der über den Seitenwechsel hinausgeht.
Beispiele siehe: 3.5 Seitenzahl
Für Doppelseiten siehe das Beispiel unter 3.6.3.

1.4.2 Lücke

 VerwendungszweckDarstellung
 Lücke
 Platzhalter werden mit _..._ gekennzeichnet.

Beispiele siehe: 3.3 Lückentext

1.4.3 Zeilennummerierungen

Nummerierte Zeilen (Zeilen mit Zeilennummern) werden mit der Formatvorlage "Liste" versehen, nummerierte Zeilen (ohne Zeilennummer) mit der Formatvorlage "Listenfortsetzung". Jede Schwarzschriftzeile wird mit einem Absatzwechsel (Return) versehen. Jede Nummer wird mit einem Tab vom nachfolgenden Text abgetrennt.
Zeilen können über STRG+F (z.B. Suche nach Zeile 15) mit 15^t gesucht werden (^t sucht nach Tabstopp).
Die Schüler können dann mit STRG+Abwärts absatzweise und damit "schwarzschriftzeilenweise" springen. Damit ist es auch kein Problem, wenn man z.B. die Zeile 18 sucht (die in der Regel keine Nummer hat). Einfach in Zeile 15 stehend 3x STRG+Abwärts.
Jede Zeile zu nummerieren, führt dazu, dass die Sprachausgabe bei jedem Zeilenwechsel die Nummer vorliest. Das ist zu zerstückelt und ist nicht zu empfehlen. Ebenso ist von einer automatischen Zeilennummerierung abzusehen, da diese ja dann z.B. bei veränderter Schriftgröße zu Anpassungen führt, die dann die Zitierfähigkeit beeinträchtigt.
Absätze/Leerzeilen im Original werden mit Shift-Return und Return (also Zeilenwechsel und Absatzwechsel hintereinander) kenntlich gemacht.

1.4.4 Fußnoten

  • kurze Fußnoten, z.B. kurze Worterklärung direkt im Text in Klammer hinter zu erklärendem Wort
  • lange Fußnoten mittels Fußnote^1 und dann verlinken. (Beispiel 3.7)

1.4.5 Mathematische Ausdrücke

Mathematische Ausdrücke werden in LaTeX gesetzt. Sie können für Sehbehinderte in MS-Formeleditor-Ansicht oder MathType übersetzt werden. Weitere Erläuterungen dazu siehe https://sites.google.com/a/augenbit.de/augenbit/home/digitales-1x1/text.