1962-2002 Radyostantsiya Belarus
Vier Jahrzehnte Auslandsdienst Radio Minsk ist Teil des staatlichen Rundfunks von Belarus, der seit 1925 sendet. Der Auslandsdienst Radyjostantsiya Belarus wurde 1962 gegründet und sendete aufgrund seines begrenzten Programmauftrags im Rahmen der sowjetischen Auslandsdienste fast ausschließlich in Belorussisch für Emigranten. Trotzdem gab es auch vereinzelt Beiträge in Englisch und anderen Sprachen. Die beiden wichtigsten Wendemarken der jüngeren belorussischen Geschichte sind die Katastrophe des Kernreaktors von Tschernobyl 1986 und die Auflösung der Sowjetunion 1990. Nach diesen Daten konnte auch für die anderen Europäer die Welt nicht mehr so sein wie davor.
Die Gründung eines deutschen Programms Am 29. Januar 1982 strahlte Radio Minsk mehrere Interviews mit deutschsprachigen Teilnehmenden der Biathlon-Weltmeisterschaft in Raubitschi bei Minsk aus. Die positiven Reaktionen aus Mitteleuropa blieben nicht aus, und Radio Minsk begann mit der Vorbereitung eines deutschen Programms. Im Herbst 1984 begannen in Minsk Vorbereitungen für ständige Sendungen in deutscher Sprache. Am 9. und 23. März 1985 sendete Radio Minsk seine ersten halben Stunden in Deutsch. Von nun an zweigte Radio Minsk Sendezeit vom belorussischen Programm ab und brachte an jedem zweiten und vierten Samstag im Monat Sendungen in Deutsch. 140 Briefe waren im ersten Monat der Dank für das deutsche Programm. Das beste Ergebnis wurde im Jahr nach dem Tschernobyl-GAU 1987 mit 1697 Briefen erzielt. Man sendete damals viermal monatlich. Das langjährige Mittel sind freilich etwa 1000 Briefe im Jahr.
Tschernobyl Ab 1986 fiel den deutschen Sendungen von Radio Minsk eine neue Rolle zu, die sie nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl auch der Spenden- und Hilfswerbung für die Opfer dienen. 70 Prozent der radioaktiven Niederschläge gingen damals auf Belarus nieder. Interessanterweise wurde noch lange nach dem Ende der Sowjetzeit die alte Sprachregelung benutzt und die Atomkatastrophe als »Havarie« bezeichnet. Dass solche Sprachregelungen fortwirkten, hängt auch damit zusammen, dass der belorussische Rundfunk immer noch im Griff der Mächtigen ist.
Das Ende der Sowjetunion Bis zum Zerfall der Sowjetunion 1990 war Radio Minsk nur eine kleine Stimme im Rahmen der sowjetischen Auslandsdienste. Danach spiegelte er die schwierige Entwicklung des Landes zwischen westlicher Demokratie und alter Diktatur. Jürgen Eberhard: »Seit 1994 untersteht unser Sender dem Präsidenten der Republik Belarus Alexander Lukaschenko. Auch als staatlicher Sender bemüht sich Radio Minsk um ausgewogene vielseitige Informationen über Vergangenheit und Gegenwart von Belarus.« Die in der Sowjetzeit nachrangige Rolle spiegelte sich auch der Sendernutzung. Radio Minsk benutzte Kurzwellensender in Belarus und Ukraine, nicht aber zum Beispiel die starke Mittelwelle 1170 kHz. Sie garantierte in weiten Teilen Mitteleuropas guten Empfang garantierte, hatte aber dem Auslandsdienst von Radio Moskau zu dienen. Erst ab März 1993 konnte Radio Minsk die Mittelwelle nutzen, deren Bedeutung zugenommen hat. Die Nutzung ukrainischer Kurzwellensender ging im Dezember 1997 zu Ende. Man fand in Minsk, dass die ukrainischen Sender gemessen an den Empfangsergebnissen zu teuer wurden.
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Am 14. Mai 2003 hat Gründungsmitarbeiter Jürgen Eberhardt die deutsche Redaktion von Radio Minsk verlassen. Er war seit 1984 frei und ab 1990 mit Zeitverträgen bei der Belteleradiocompany tätig gewesen. Die deutschen Sendungen wurden jetzt von Elena Choroschewitsch (Bild) und Julia Sadowskaja betreut. |
Die Radiostantsiya Belarus hat ihren Sendeplan umstrukturiert. Mit dem Beginn der neuen Saison der inländischen Kanäle am 1. September 2006 hat der Auslandsfunk nun sieben Stunden mit täglichen Sendeleisten in Belarussisch (19.00 Uhr Ortszeit), Deutsch (21.00 Uhr), Englisch (22.00 Uhr) und Russisch (0.00-2.00 Uhr). Deutsch kommt damit jetzt mit deutlich erweitertem Sendeplan 18.00-19.00 Uhr Weltzeit (MESZ 20.00) auf 7105, 7390 und 7440 kHz. Auf der Mittelwelle 1170 kHz läuft allerdings noch weiter die Stimme Russlands in Tschechisch bzw. Slowakisch. Die deutsche Redaktion begleitete den Neustart des Programms mit einer Fragebogenaktion unter den bereits bekannten Hörern und Hörerinnen. Nach Angaben von Ruslan Prokhorov, dem stellvertretenden Generaldirektor des Auslandsfunks, sollte www.tvr.by auch für deutsche Hörer bestimmt sein.
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