Radio Kairo
Die Nachkriegsgestalt des Auslandsdiensts ist wesentlich von der ägyptischen Geschichte unter Gamal Abd el Nasser geprägt. Am 23. Juni 1952 wurde im Rundfunk die Revolution bekannt gemacht, am 4. Juli 1953 kam die erste Sendung der »Stimme der Araber«, die für ihren propagandistischen Elan bekannt wurde. 1954 wurde Radio Kairo durch zahlreiche afrikanische Sprachen zur »Stimme Afrikas«. Mit beidem verband sich Nassers Führungsanspruch in der arabischen und blockfreien Welt. 1955 sendete Kairo um die 100 Programmstunden wöchentlich, etwa so viel wie die westdeutschen Auslandsdienste. 1965 wurde ein Stand um die 500 Stunden erreicht, der mit Abweichungen seither gehalten wurde. Zwar sendet Radio Kairo in den wichtigsten europäischen Fremdsprachen, aber interessanter ist das Sprachangebot für die islamischen Länder Afrikas und Asiens und für Schwarzafrika. Radio Kairo sendete viele Jahre über die normale Sprachpalette hinaus in neun Sprachen, in denen weder die Deutsche Welle noch die BBC London noch die Voice of America Sendungen hatten. Selbst im Vergleich mit Radio Moskau blieb noch eine Handvoll. Ein ähnlich breites Angebot an afrikanischen Diensten machten nur die christlichen Missionssender. Das Photographieren von militärisch bedeutsamen öffentlichen Gebäuden ist in Ägypten schwierig.Im Februar 1958 begann der ägyptische Rundfunk mit deutschen Auslandsprogrammen. Im deutschen Programm geht Radio Kairo ausführlich auf die altägyptische Kultur ein, aber immer wieder auch auf die christliche Geschichte und Gegenwart des Landes und natürlich auch auf die islamisch-arabische Kultur. So gibt es beispielsweise am Sonntag einen »Vers aus dem Koran«. Pluspunkte sammelt die deutsche Stunde aus Kairo für ihre kulturellen Beiträge. Reichlich Minuspunkte macht Radio Kairo durch die schlechte Modulation und den Hörerservice. In der Tat ist der Rücklauf auf Empfangsberichte eher sporadisch, aber man kann auch erleben, dass auf Motivwünsche eingegangen wird, wenn man die laufende QSL-Serie komplettieren will. Die reiche ägyptische Kultur in Vergangenheit und Gegenwart stellt die Motive für die Grußkarten, mit denen sich Radio Kairo bei seinen Hörern und Hörerinnen für Empfangsberichte bedankt.Über viele Jahre war die Verständlichkeit der Programme ein Problem. Im August 1997 kam alles noch schlimmer. China Radio International nahm ein neues Sendezentrum in Urumchi in Betrieb und plazierte seine Europasendung genau auf Kairos Traditionsfrequenz 9900 kHz. Erst im Frühjahr 1998 wurde auch für Hörer und Hörerinnen eine Reaktion der Kairoer Technik hörbar. Da China Radio International offenbar nicht bereit war, von der okkupierten Frequenz wegzugehen, testete Radio Kairo sechs Wochen lang neue Frequenzen. Am 1. September 1998 war es endlich soweit. Die deutsche Stunde kam jetzt auf 9990 kHz. Unglücklicherweise hatte sich an den Modulationsfehlern nichts geändert. Im Winter 2003/04 war offiziell 9985 kHz vorgesehen, aber der Frequenzwechsel wurde, wie bei früheren Ankündigungen nicht vollzogen. Im Herbst 2004 tauchten erstmals Gerüchte auf, Radio Cairo werde zum 1. November 2004 oder auch erst zum 1. Januar 2005 einen Großteil seiner Sprachdienste einstellen. Die Maßnahme ist Teil einer größeren Reorganisation des ägyptischen Rundfunk- und Fernsehwesens, denn schon zum 15. Oktober 2004 verschwand der Egyptian Satellite Channel 2 vom Nile Sat. Der ägyptische Medienminister soll Ende Dezember 2004 beschlossen haben, die Zahl der Sprachen von Radio Kairo von 35 auf 11 Sprachen zu verringern. Für diese Entscheidung stützte er sich auf diplomatische Berichte und politische Prioritäten. Als sicher galten Arabisch, Englisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch, während das Schicksal vieler anderer Sprachen in der Schwebe war.
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(c) Aus RADIOJournal 2/1998 Aus dem Land der Pharaonen - Radio Kairo Krasse Gegensätze prägen das Land am Nil - Gegensätze zwischen glanzvoller Vergangenheit und problemgeladener Gegenwart. Zwischen Armut und Reichtum, kahler Wüste und grünem Stromland. Ägypten gehört mit seiner 5000-jährigen Geschichte zu den ältesten Kulturländern der Welt. Zu den gigantischen Pyramiden aus der Pharaonenzeit gesellen sich heute moderne Wunderwerke wie der gewaltige Assuanstaudamm. Ägypten bildet die Brücke zwischen Afrika und Europa, hat Zugang zum Mittelmeer wie zum Roten Meer. Der Suez-Kanal ist die Lebensader und zugleich ein verlockendes Ziel fremder Mächte. Erinnern wir uns: 1956 brach die internationale Krise aus, weil Ägypten nun die Kontrolle über den 1869 erbauten Kanal übernahm. Zu dieser Zeit wurde ein mehrsprachiges Rundfunkprogramm eingerichtet. Mit dem neuen deutschen Programm wollte man die Hörer mit der ägyptischen Wirklichkeit im Land und der ägyptischen Lebensweise vertraut machen. In den Sendungen sollen aber auch die ägyptische Politik und Meinung zu nationalen und internationalen Angelegenheiten dargestellt werden. Für zukünftige Touristen werden die Sehenswürdigkeiten des Landes vorgestellt. Bilder (von oben): Blick auf Kairo, im Vordergrund das Funkhaus; Empfangsbestätigungen (QSL-Karten) von 1970 und 1981; unten rechts: Die Pyramiden Gizen in Kairo. • Zu hören sind die deutschsprachigen Sendungen von Radio Kairo täglich von 19.00 bis 20.00 Uhr Weltzeit (= 20.00 bis 21.00 MEZ) auf Kurzwelle 9990 kHz. Autor: Peter Schneider Egypt State Information Service mit Live TV und Live Radio: www.sis.gov.eg
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