Radio France International

Seit dem 19. Mai 2005 bringt Radio France Internationale in seinen digitalen Kurzwellensendungen auch Fremdsprachen. Damit sind nach langer Pause auch die deutschen Sendungen wieder auf die Kurzwelle zu hören. Der französische Auslandsdienst sendet in mehreren Blöcken insgesamt sechs Stunden täglich auf 6175 kHz im 6-MHz-Europaband. Deutsche Sendungen kommen ab 8.00, 12.30 und 18.00 Uhr MESZ.
Die deutschen Sendungen waren 1996 von Mittel- und Kurzwelle verschwunden und terrestrisch nur noch regional auf UKW zu hören. Die Wiederkehr im Rahmen eines digitalen Betriebsversuchs kann zwar die alte Hörerschaft nicht zurückgewinnen, ist aber sinnvoll, weil Deutschland eines der Länder mit der höchsten Durchdringung an DRM-Radioempfängern ist.

75 Jahre französischer Auslandsfunk

In den Anfangsjahren des Rundfunks fand die Kurzwelle zunächst wenig Beachtung, und so blieb sie Funkamateuren, Forschern und der Funktelegraphie vorbehalten. Doch je mehr die Kurzwelle ihre weltweite Reichweite offenbarte, desto mehr interessierten sich auch die Regierungen. Am 6. Mai 1931 wurde anlässlich der Kolonialausstellung in Paris der Poste Coloniale eröffnet, der noch am selben Tag in Frz.-Neukaledonien empfangen wurde. Sender wie der Poste Coloniale dienten vor allem der Verbindung von Kolonialeuropäern mit der Heimat. Fremdsprachen waren noch selten. Erst 1935 wurde auch in Fremdsprachen gesendet.

Mittlerweile selber historische Karten zum 50-jährigen Jubiläum der Auslandssendungen, mit denen sich Radio France Internationale 1981 für Empfangsberichte bedankte.
Deutschsprachige Sendungen aus Frankreich gab es schon im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs 1937 bis 1940, teils um deutscher Propaganda entgegenzuwirken, teils als Stimme von Deutschen im Exil.
Als offizieller Anfang der heutigen deutschen Sendungen gilt jedoch der 11. Januar 1945. Der Auslandsdienst brachte anfangs mit Exulanten Propaganda zur schnelleren Beendigung des Kriegs, später einen Kriegsgefangenendienst mit Grüßen und Suchmeldungen. Die Sendungen wurden auf französischen Kurz- und Mittelwellen ausgestrahlt, einige Jahre aber auch von den Sendern in der französischen Besatzungszone.  In den ersten Jahren der öffentlich-rechtlichen Zeit wurden dann andere Modelle gefunden.


Das deutsche RFI-Programm versteht sich als deutschsprachiges Radioprogramm für eine frankophile, an der frankophonen Welt interessierte Hörerschaft. „Der französischen Kultur wird als Alternative zur angelsächsischen ein besonders breiter Platz eingeräumt. In Sendungen über französisches und frankophones Kino, französische Musik sowie frankophone Weltmusik und Literatur wird diesem Anspruch Rechnung getragen.“ Die Pariser Stunde wurde über viele Jahre um 19.00 Uhr auf der elsässischen Mittelwelle Strassburg 1278 kHz und zwei Kurzwellen ausgestrahlt. Zeitweise wurde auch die für den Pariser Großraum bestimmte Mittelwelle 738 kHz eingesetzt. Immer wieder war der deutsche Dienst durch Einsparungen bedroht, wurde aber  immer wieder von seinen Hörerfreunden gerettet.

1996 Sendeende auf Mittel- und Kurzwelle
Im Oktober 1996 gab Radio France Internationale die bisherige Klientel auf und suchte sich eine neue Hörerschaft auf UKW und Satellit. Den Abschied von der der Kurzwelle erklärte man mit den immer wieder auftretenden Empfangsschwierigkeiten und der abnehmenden Kurzwellenhörerschaft in Europa. Bei den Kurzwellen konnte man damit argumentieren, dass der Empfang der Kurzwellen aus dem Nachbarland tatsächlich mit den jahreszeitlichen Ausbreitungsbedingungen bzw. den wechselnden "toten Zonen" zu kämpfen hatte. Ärgerlich für die deutschen Hörer und Hörerinnen war aber, dass die Wellen nicht einfach abgeschaltet wurden, sondern dem französischen Programm von RFI zugeschaltet wurden. Der Verzicht auf die Mittelwelle Strassburg, die nachmittags in Elsässisch sendete und weit nach Südwestdeutschland hineinreichte, leuchtete noch weniger ein. Der Einsparungseffekt durch eine veränderte Frequenzbelegung dürfte sich in Grenzen gehalten haben. Damit blieb die Tatsache, dass die Intendanz die bisherige Hörerschaft einfach nicht mehr als Zielgruppe bedienen wollte.
Nach mehr als 50 Jahren auf Kurz- und Mittelwelle waren die deutschen Sendungen ab November 1996 über Antenne nur noch in Berlin zu empfangen. Seit 1964 war Berlin als Brennpunkt des Kalten Kriegs ein eigener Schwerpunkt. Die deutsche Redaktion  produzierte eine eigene Sendestunde für den Großraum Berlin und  benutzte dafür die Frequenz des französischen Soldatensenders in Berlin. Nach dem Abzug der Alliierten aus Berlin bewarb sich Radio France Internationale um eine eigene Frequenz. Der französische Auslandsfunk verfolgte seit Jahren die Strategie, in möglichst vielen Hauptstädten der Welt auf UKW vertreten zu sein. Im Frühjahr 1996 bekam RFI die heutige Frequenz 106,0 MHz zugewiesen, die Medienanstalt Berlin- Brandenburg verlangte aber zugleich eine Ausweitung des deutschen Programms. So wurde die deutsche Sendezeit am 4. November 1996 auf zwei Stunden verdoppelt.

Gast bei Radio Ropa
Vom Februar 1998 bis Dezember 2000 kehrten die deutschen Sendungen noch einmal in die traditionellen AM-Rundfunkbänder zurück. Möglich wurde dies durch die Kooperation mit Radio Ropa, das sein Programm auf der Langwelle 261 kHz neu konzipiert hatte und nun ganze Sendeblöcke ausländischer Partner ins Programm übernahm. Schon früher hatte der 1990 gegründete private Nachrichtensender RadioRopa-Info ausgewählte Beiträge und die RFI-Nachrichten übernommen. Dabei hatten die Redakteure gelegentlich das Problem, dass die Anfangszeiten und Längen der Nachrichten aus Paris nicht fest waren. Dieses Problem stellte sich mit dem Einbau von Komplettsendungen natürlich nicht mehr. Kurzfristig stellte RadioRopa 261 zum 31. Dezember 2000 das Programm ein. Von dem Sendeende wurde die deutsche Redaktion von RFI überrascht. In einem im Januar 2001 an die bekannten Hörer und Hörerinnen versandten Brief verwies Redaktionsleiterin Bärbel Moser auf die bekannten UKW-Frequenzen und die Satellitensendungen und versprach, auch für die übrige Hörerschaft „bald eine Lösung zu finden“. Auf diese Lösung wartete man vergeblich.

Anfang September sollte der analoge Transponder auf Astra  abgeschaltet werden, lief jedoch einige Tage weiter, da es noch kein digitales Erastzsignal auf Astra gab. Wenig später war RFI trotzdem abgeschaltet. Einzige Empfangsmöglichkeit war danach ein Feeder auf Eutelsat 7 Grad Ost, einen Satelliten, den in
ganz Deutschland wohl nur ganz wenige Leute Leuten anpeilen  können. Auch bei den UKW-Sendern in Ostdeutschland gab es Probleme bei der Programmübertragung, da hier das abgeschaltete Signal auf Astra als Feeder angepeilt wurde, und nicht das von Eutelsat 7 Grad West.

Deutsches RFI-Programm bedroht?
Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP ist das deutsche Programm von Radio France Internationale (RFI) ernsthaft von der Einstellung bedroht. Vier der zehn Stellen in der deutschen Redaktion seien bereits gestrichen worden. Nach Angaben der Leitung von RFI hätten die betroffenen Redakteure „freiwillig“ den Sender verlassen oder andere Posten bei RFI übernommen.
Erst am 29. Oktober 2006 hatte RFI seine deutschen Programme eingeschränkt; die Früh- und Mittagssendungen (8.30-9.00, 12.30-13.00 Uhr Ortszeit) werden jetzt nur noch von Montag bis Freitag ausgestrahlt, lediglich die Abendsendung (18.00-19.00 Uhr Ortszeit, Sachsen 18.30-19.30 Uhr) läuft noch an allen Wochentagen. Dieser Schritt steht in zumindest zeitlichem Zusammenhang mit einer „Reorganisation“, mit der RFI nach Darstellung der Leitung des Senders auf Kürzungen des Budgets reagiert.
Vorerst ist nicht absehbar, ob ein eventuelles Ende der deutschen Sendungen Konsequenzen für die UKW-Zuweisungen von RFI in Berlin sowie in Sachsen haben könnte. Die Früh- und Mittagssendungen waren eigens zur Bewerbung für die Berliner Frequenz 106,0 MHz eingeführt worden, während exklusiv für die UKW-Frequenzen in Sachsen ein wöchentliches „Sachsenmagazin“ produziert wird, das dort jeweils am Sonnabend um 9.00 Uhr mit Wiederholungen am Sonntag um 18.00 Uhr sowie am Montag um 12.00 Uhr zu hören ist. (Kai Ludwig, RBB-Medienmagazin 22. Januar 2007)

Der französische Auslandssender Radio France Internationale (75762 Paris 16) will sein deutsches Programm einstellen. Dies gab der im Sommer neu ernannte RFI-Präsident Alain de Pouzilhac am 24. Okt. 2008 bekannt. Insgesamt sind sechs fremdsprachige Dienste des Radiosenders aus Kostengründen und wegen Hörermangels von der Streichung bedroht: außer Deutsch Albanisch, Laotisch, Polnisch, Serbokroatisch und Türkisch. Zudem werde man das Programm auf Chinesisch, Persisch und Russisch reduzieren. Stattdessen wolle man sich verstärkt in Afrika engagieren. 56 Festangestellten droht der Verlust ihres Arbeitsplatzes, darunter den fünf festen Mitarbeitenden des deutschen Dienstes.
Die Betroffenen reagierten mit einem Hilferuf an die Hörerschaft und mit einem Schreiben an den Präsident Nicolas Sarkozy. „Wir zählen darauf, Herr Präsident, dass Sie auch weiterhin die Interessen Frankreichs im Ausland vertreten“, schreiben die neun Direktoren der Programme. Die Programmkürzungen sind allerdings Folge einer präsidial vorangetriebenen Neuorganisation der französischen Staatsmedien. Sarkozy verspricht sich vom Nachrichtenfernsehen „France 24“ und dem Sender „TV 5 Monde“ eine effizientere Interessenvertretung als vom Hörfunk. Dieser hatte seine beste Zeit während des Kalten Krieges, als die Mauer noch stand, es noch kein Internet gab und keine Satellitenschüsseln auf dem Dach standen. Heute vermag bei RFI Paris niemand genau anzugeben, wie viele Hörer man im Ausland noch erreicht. Das deutschsprachige Programm ist beschränkt auf täglich zwei Stunden, die über Internet, Satellit und in vier deutschen Großräumen auf UKW zu empfangen sind.
Eine Möglichkeit zur öffentlichen Debatte bietet die Welt beim Kommentar von Sascha Lehnartz: Frankreich ohne Deutsch 29.10.2008 http://debatte.welt.de/kommentare/96238/frankreich+ohne+deutsch. (Karl Michael Gierich 30.10., Dr. Hansjörg Biener 30.10.2008)

Die geplante Einstellung des deutschen Programms von Radio France Internationale hat eine Protestwelle ausgelöst. Innerhalb der letzten Wochen hat die Redaktion nach eigenen Angaben fast 1000 Briefe von Hörern erhalten. Zudem hätten sich auch Prominente wie Völker Schlöndorff und Ulrich Wickert für den Erhalt des Programms einge setzt. Radio France Internationale mit Sitz in Paris bezeichnet sich selbst als "ausführlichste und aktuellste deutschsprachige Audio-Plattform aus und über  Frankreich und der frankophonen Welt". (ARD Teletext im Ersten 22.11.2008 via Karl Michael Gierich)
(C)  copyright:  Dr. Hansjörg Biener  http://www.asamnet.de/~bienerhj/
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