In unserem Wohnzimmer steht auf einem Wandregal ein altes funktionstüchtiges Röhrenradio Marke Nordmende. Hier eine Abbildung, Baujahr ist 1957. Woher kommt die Faszination dieser Oldie-Radios für mich und viele andere Fans ? Das erläutere ich nachstehend. Vorab nur noch: eine umfängliche Linkliste am Ende dieser Seite. >>>ein Beispiel ![]() Fast jeder, der einem Radio der fünfziger oder sechziger Jahre gegenübersteht, gewinnt nach wenigen Sekunden den Eindruck, daß es um einen sympathischen Gegenstand mit einem "warmen" oder positiven Eindruck geht. Schaltet man das Gerät dann ein, dauert es eine Weile, bis Radiowellen an Dein Ohr klingen, denn die Röhren müssen sich erst aufheizen. Nun kommt der Knackpunkt: der "Sound", das "Ohrfeeling" macht mit diesen alten Radios richtig Spaß. Die Bässe und der Gesamtklangeindruck sind durch das natürliche Holzgehäuse und die damals verwendeten großen Lautsprecher supergut und viel besser als bei den heutigen Radiogeräten. Hinzu kommt: ein Röhrenradio konnte man sehr oft selbst reparieren, wenn denn mal etwas daran zu tun war. Diese robusten Riesen spielen auch nach Jahrzehnten unverändert, und ein Scalenlicht zu tauschen - da brauchte man nur die Rückwand abzunehmen (diese war meist aus Pappe und nur lose verschraubt). Dasselbe gilt für einen Röhrentausch. Sehr schön - und heute ausgestorben - war die in den meisten Modellen eingebaute DREHBARE Ferritantenne für Mittelwelle. Das besondere war eben die Möglichkeit, die eingebaute ANTENNE zu drehen. Heute ist es so, daß man bei modernen Radios dazu das ganze Gerät drehen muß! Mit der im Nordmende eingebauten Mittelwellenantenne erlebte ich schon früh den Effekt, daß man auf der gleichen Frequenz einen Sender aus Großbritannien und bei Drehen der Antenne eine Radiostation aus Spanien hören konnte. Zu den genannten Vorteilen kam noch hinzu, daß neben dem satten UKW-Klang selbst auf Kurzwelle aufgrund der Tiefen- und Höhenregelungen und der Möglichkeit des absichtlichen "leichten Verstimmens" von z.B. zwei kHz gegenüber der Nominalfrequenz des Senders der Empfang sich gut anhörte. Hierzu ist anzufügen, daß die Röhrengeräte es dem Benutzer ermöglichten, mit einem simplen Bananenstecker (oder in Ermangelung dessen auch nur durch Herstellen des Kontaktes mit der Antennenbuchse) auf der Rückseite des Röhrenradios beliebige Antennen anzuschließen. Insbesondere Langdrahtantennen waren beliebt und führten dazu, daß manche Nordmende- oder Loewe-Opta-Radios bis heute unter der Rubrik "Weltempfänger" gehandelt wurden, so zum Beispiel bei "ebay". Denn der Empfang mit entsprechend abgestimmten Antennen war überwältigend, ich habe in meiner Jugend in selbstverständlicher Weise Radiostationen aus 50 Ländern der Welt - darunter Radio RSA aus Südafrika, Radio "Frieden und Fortschritt" aus der damaligen UdSSR, RAI Radio Rom, Radio France, Radio Warschau, etc. - zuhause in einer Qualität empfangen, die dem des deutschen WDR oder des Saarländischen Rundfunks in nichts nachstand. Man hätte meinen können, die Sender seien statt weit weg direkt hier in Hessen.
Was mich sehr an das Thema Röhrenradios bindet, ist die Situation, wie ich 1968 im zarten Alter von 8 Jahren von meinem Großvater in einen kleinen Raum neben seiner Autogarage geführt wurde, den ich vorher nie hatte betreten dürfen. Dort hatte er sich auf wenig Platz sowohl Werkstätte als auch Arbeitszimmer zusammengefasst eingerichtet, ein Traum für einen Jungen in meinem damaligen Alter. Und links auf einem Regal über dem Schreibtisch: da stand ein riesengroßer Loewe-Opta, und welche Freude, als mein Großvater mir nun erlaubte, das Radio einzuschalten. Er hatte mir freie Wahl der Taste gelassen, und wie der Zufall so spielt, hatte ich die Taste "KW" für Kurzwelle gedrückt. Und nun kam ein zweiter Zufall hinzu: nach dem Warmwerden kam ein angenehm klingender Nachrichtensprecher aus den Lautsprechern, der deutsche Nachrichten verlas. Mein Opa teilte mir mit, daß man gerade auf Kurzwelle nicht immer gleich eine deutsche Station trifft, sondern meist erst danach suchen muß, da englischsprachige, osteuropäische und weitere anderssprachige Sender auf der Radioscala sehr eng nebeneinander liegen. Also hatte ich schon Glück gehabt.
Nun verfolgten wir zusammen die Nachrichten, und man denke sich mein Erstaunen, als der Sprecher dann das Wetter aus Toronto und anderen kanadischen Städten vorlas. Ich hatte tatsächlich lediglich durch einen Druck auf die KW-Taste "RADIO CANADA INTERNATIONAL" eingeschaltet und wir hörten nun das einstündige Deutsch-Programm aus Kanada. Diesen Augenblick werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Wie stolz ich war, als ich dies meinen Klassenkameraden in der Schule berichtete. Die Geschichte geht weiter. Natürlich wollte ich wissen, ob man am nächsten Tag ebenfalls Montreal so gut hören könne und na-ch etlichen Bitten führte mich mein Großvater in seinen Arbeitsraum. Da es aber eine andere Uhrzeit (später) als am Vortag war, sendete Radio Kanada nun in Englisch, das ich damals noch nicht sprach. Mein Opa Max forderte mich auf, ein wenig weiter zu drehen, "ganz langsam" mit Gefühl. Wir waren im 31-Meter-Band der Kurzwelle, und als ich zur vollen Stunde (Lerneffekt: da kommen immer die Stationsidentifikationen) weitersuchte, kam nach einer spanischen Station "Radio Exterior de Espana" in einer brüllend klaren Lautstärke die sachliche Ansage eines Sprechers: "HIER SPRICHT DER RUNDFUNK DER VEREINIGTEN ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN. SIE HÖREN KURZNACHRICHTEN." Das war wie ein Paukenschlag. An zwei Tagen nun schon die zweite Station mit deutschsprachigem Programm, eine weit entfernte und eine exotische - wie ich mir Kairo eben damals vorstellte nach der Lektüre eines Karl-May-Buches.
Was soll ich sagen: die Welt der Radios und der Kurzwelle hatten mich in diesen kurzen Momenten in den Bann geschlagen, und haben mich bis heute nicht verlassen, wenn auch in anderer Form. Wie dankbar ich meinem Großvater war, als er eine tägliche "Hörstunde" einführte und mir dann später sogar einen Loewe-Opta-Radio schenkte, das ist nicht in Worten auszudrücken. Glücksmomente par excellence, die ich mir mit täglichem Kurzwelle-Hören bis zum 16. Lebensjahr selbst bescheren durfte. Danach hatte ich den ersten Kontakt mit dem Arbeitsleben in Form eines Praktikums bei einem bekannten Steuerberater in unserer Stadt, und als er mir dann nach Beendigung das erste selbstverdiente Geld aushändigte, war für mich sonnenklar, daß ich dieses Geld in einen der modernen Radios investieren würde. Für einen "echten" Weltempfänger von Sony oder Panasonic reichte es noch nicht, das kam später. Beim Fachhändler im Nachbarort stach mir ein GRUNDIG (Loewe-Opta gab es nicht mehr als Hersteller) als deutsches Fabrikat in die Augen, und diesen erwarb ich.Es war ein "Signal 700 DX"
Zu bemerken ist noch, daß meine Eltern über großen Grundbesitz verfügten und ich in der Lage gewesen war, eine 100-Meter Langdraht-Antenne entlang unseres Zaunes zu spannen. Nun die erste Enttäuschung. Das Grundig-Radio übersteuerte an meiner heißgeliebten Selbstbau-Antenne. Werter Leser: gib nie auf, wenn Du vor einem Problem stehst. Nach vielen Experimenten mit dem Anpasungs-Pi-Filter und Kürzung der Antenne auf verschiedene Zwischengrößen wurde dann mit Glück und Ausdauer die richtige Abmessung gefunden, um nach allen Himmelsrichtungen guten Empfang zu gewährleisten. Und das Transistor-Radio hatte zwei Vorteile: ich konnte es mit zu Freunden nehmen, und ich konnte es heimlich abends noch in meinem Zimmer einschalten, wenn eigentlich Bettruhe war. Nichtsdestotrotz war ich zu Tode betrübt, als mein Vater in einer Aufräumaktion mein altes Loewe-Opta-Radio zum Sperrmüll beförderte. Nach dem Grundig Signal 700 kamen dann diverse große Weltempfänger, aber sobald ich im Alter von 21 Jahren eine eigene Wohnung bezog, stand wieder ein auf dem Flohmarkt erworbener Röhrenradio in meinem Wohnzimmer, diesmal ein Telefunken (Super D76). Und heute habe ich eine verständnisvolle Frau, die mir im Schlafzimmer einen protzigen GRUNDIG Inter Transistor aus den 70er Jahren genehmigt hat, der jeden Tag läuft und klaglos seinen Dienst tut. Und im Badezimmer beim Baden steht in Griffweite ein batteriebetriebener GRUNDIG Yachtboy. Radio ist also weiterhin eines der Themen meines Lebens, und dafür bin ich meinem Großvater in treuem Angedenken sehr dankbar. Später weitete ich in den 80er Jahren das Hobby "Radiohören" aus und stand in brieflichem Kontakt mit rund 260 Radiostationen; weiterhin avancierte ich zum 2. Vorsitzenden des bis heute bestehenden "Rhein Main Radio Clubs" (RMRC) und lernte dadurch deutschlandweit DXer (professionelle Hörer, siehe hierzu auch Wikipedia.de) kennen, unter anderem Eberhard Ahl, Norbert Prautsch, Wolfgang Scheunemann oder Michael Bethge vom WWDXC Bad Homburg sowie Wolf Harranth vom ORF, der heutzutage als Rentner das "QSL Museum Wien" betreibt, die Erfüllung seines Lebenstraumes und eine unglaubliche Fleißaufgabe, die ohne Hilfe von Hobbykollegen niemals möglich gewesen wäre. Wolf Harranth war ein Wegbereiter für die Verbreitung unseres Hobbies, da er über den Österreichischen Rundfunk mit wöchentlichen Sendungen unser Hobby bekannt machte. Seine Seriösität wurde noch durch sein aktives Amateurfunk-Rufzeichen unterstrichen. Danke für all Dein Engagement, lieber Wolf.
Wer in Wien ist, sollte einen Besuch im QSL-Museum einplanen. Was sind QSL's ? Vereinfacht gesagt: Antwortpostkarten mit Hörbestätigungen durch Rundfunk- oder Amateurfunksender. Der geschätzte Leser findet hierzu Informationen vor allem bei den Radioclubs, die deutschlandweit und weltweit in ausreichender Anzahl bestehen und über existierende Webseiten zu finden sind. - Soweit dieser Exkurs über die Anfänge meiner Begeisterung für Rundfunkstationen und Röhrenradios. Auf einer CD habe ich in eigener Regie meine 200 beliebtesten Radioländer und deren Pausenansagen oder Stations-Identifikation (ID) zusammengestellt, worunter auch rare Stücke sind. Für mich war ausnahmslos ein Highlight beim Hören die sogenannte "IS", das ist die "kurze Pausenmusik" oder das "Stationssignal", das in wenigen Sekunden ein sicheres Erkennen des empfangenen Senders ermöglicht. Diese "Internal Signals" haben oft Fanfarencharakter oder sind archetypisch für das ausstrahlende Land oder die entsprechende Radiostation. So sind beispielsweise bei manchen arabischen oppositionellen Widerstandssendern Maschinengewehrfeuer bei der Identifikation hinterlegt. Das unvergänglichste Erkennungssignal hat BBC London: den Big-Ben. Hierzu aber in einem anderen Kapitel meiner Website. Wer meine CD mit 200 Stations-IDs (IS) erhalten möchte: Du erhältst die gebrannte CD inklusive versichertem Versand gegen Zahlung von 11,- Euro in Briefmarken oder Überweisung.
Meine Lieblingsansage war und ist: von den "Niederländischen Antillen", Bonaire mit den Worten: "Hier ist die Insel der Flamingos." |









