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Geheimsender

 
Clandestine-Sender sind Hörfunksender, die von einem verheimlichten Standort aus den Sendebetrieb aufnehmen.
 
 
 
 
 Tonbeispiel Palästina

Hier der von mir verfasste Artikel, der unter anderem unter dem Synonym "Theowille" veröffentlicht wurde (wikipedia.de & weitere websites)

Definition und Abgrenzung 

Clandestine bedeutet wörtlich übersetzt "geheim" oder "heimlich, verborgen". Fast immer ist Clandestine-Radio auf Kurzwelle anzutreffen, vereinzelt auf Mittelwelle oder anderen Wellenbereichen. In der deutschen Sprache ist in Fachkreisen auch der Begriff 'Untergrundsender' üblich.

Im Gegensatz zu Piratensendern ("Pirate-Radio") handelt es sich jedoch bei Clandestine-Sendern ausnahmslos um landgestützte Sendestationen.

"Clandestines" sind oder waren teilweise auch die von gegnerischen Staaten oder Exil-Regierungen betriebenen Propaganda-Stationen oder Sender im "Niemandsland" zwischen zwei Staatsgrenzen. Öfter sind die "Clandestine-Sender" sogar dem Einfluss von Geheimdiensten, politischen Parteien oder Oppositionsgruppen oder bewaffneten Rebellen zuzuschreiben gewesen. Clandestine-Radiostationen sind und waren bis auf wenige Ausnahmen Schwarzsender, die auf dem Hoheitsgebiet des betroffenen Staates verboten waren oder dessen Ausstrahlung in das Zielgebiet unerwünscht / unerlaubt war.

Typischerweise handelt es sich bei einem Clandestine-Radiosender um eine von einer (oder mehreren) Oppositionsgruppe(n) betriebenen Station, die mit oder ohne Lizenz oder Rufzeichen von der Regierung des Zielgebietes unerwünschte Sendungen ausstrahlt. Clandestine-Radio ist sehr sprachbezogen, da es sich in aller Regel um 100%ige Propagandastationen handelt, die selbst bei der Musikauswahl einseitig vorgehen. Diese Propaganda- oder Hetz-Sender hatten und haben nur einen Zweck: die gegnerische Seite durch Propaganda zu schwächen. Daher ist Politik meist der einzige Sendeinhalt. Bei jedem Krisenherd dieser Welt (auch der Dauerfehde zwischen Kuba und den USA) sind Clandestine-Sender sofort zur Stelle, oft auch noch von einer Regierung oder einem Geheimdienst finanziert. Insgesamt ist die Zahl der Clandestine-Radiosender jedoch rückläufig, nachdem die Faszination dieser speziellen Sender beim Publikum durch zwei Faktoren abgenommen hat: a) die Zielgruppen erkennen in der heutigen Zeit besser und schneller, dass es sich durchweg um versteckte oder offene Propaganda handelt. b) Manche Clandestine-Sender werden und wurden von gegnerischen Staaten so offen unterstützt oder sogar teilweise erst initiiert, dass es selbst unbedarften Hörern auffallen musste. Diese Tatsache wurde durch Aufklärungsarbeit der Kurzwellen-Fachpresse (sogenannte DX-News) und unabhängiger Journalisten wie dem bekannten Israeli Mickey Gurdus weltweit bekannt - natürlich auch im Zielgebiet des Clandestine-Senders. Dadurch schwand in der Regel die Zuhörerzahl. Der am längsten arbeitende Clandestine war Radio España Independiente, gegründet von der spanischen Kommunistischen Partei 1941 und erst aufgegeben nach General Francos Tod 1977.

Das Hobby 'Clandestine' 

Im englischen Sprachraum werden die Clandestine-Stationen teilweise als "Hate-Radio" bezeichnet. Diese Kategorisierung stimmt zwar nicht immer, ist aber eindeutig. Trotzdem ist es für einen Teil der dem Radiohobby nachgehenden Hörer ein spannendes Unterfangen, neue oder nur periodisch sendende Stationen zum einen zu finden (Stichwort: schwächere Sendeleistung), zum zweiten zu identifizieren (oft nur in Landessprachen oder sogar nur in Dialekten sendend!) und zum dritten entweder Mitschnitte zu fertigen und/oder den Empfang der Station anderen Hobbykollegen in der internen Fachpresse (DX-News, Clandestine-Bulletin, Clandestine Radio Watch, etc.) mitzuteilen.

Hilfreich bei der Suche sind ebenfalls die bestehenden deutschen Radioclubs und meist eine bestehende eigene Website der gesuchten Station. Eine gute Empfangsausrüstung in Form eines professionellen Weltempfängers mit entsprechender Außenantenne ist unumgänglich, denn mit einem Billigradio aus dem Supermarkt wird man nur Rauschen hören, selbst wenn Sendezeit und Frequenz bekannt sind. Beim Clandestine-Radio-Hören benötigt man fast amateurfunkähnliche Qualitäten und Abstimmungsmöglichkeiten des Receivers.

Eine Alternative zur teuren Ausrüstung ist die Jagd nach den seltenen Sendern entweder via eines sogenannten "Webreceivers" oder via Livestreams im Internet oder aufgezeichneten Programmen, die ebenfalls im Internet zur Verfügung gestellt werden. Ein Webreceiver ist eine mit dem World Wide Web verbundene höchstwertige Empfangsanlage. Eine kleine fachkundige Hörerschaft sammelt vor allem die exotischen und raren Stationsansagen bzw. Jingles und Aufnahmen von Pausensignalen. Krönung ist für die sogenannten DXer eine Karte (QSL-Card), mit der die gehörte Station das Hörergebnis schriftlich bestätigt. Kommen dann noch ein Wimpel respektive andere Beigaben beim geduldigen Hörer an, ist die Freude nicht zu überbieten, da gerade die Ortung von Clandestine-Sendern neben den geschilderten technischen Gegebenheiten und deren Status als Geheim- oder Untergrundsender den besonderen Reiz ausmachen.

Dass das Hobby "Clandestines" Auswirkungen auf die politische Weltgeschichte haben kann, bewies der oben erwähnte Michael "Mickey" Gurdus. Der sechs Sprachen sprechende DXer lebt in Tel Aviv und wurde über Nacht in den Medien bekannt: 1974 putschten Militärtruppen in Zypern, um Präsident Erzbischof Makarios III. abzusetzen. Griechischen Radiomeldungen zufolge war Makarios inzwischen erschossen worden. Gurdus überwachte zu dieser Zeit von Israel aus eine Vielzahl von "Outband"-Frequenzen und war für dreierlei berühmt: für sein Zahlengedächtnis (Frequenz-Scanner gab es damals noch nicht), weiter für seine "fliegenden Zettel" (seine Notizen) und drittens für seine Ausdauer beim Abhören der vielen Stationen; er verließ damals seinen Empfangsraum nicht einmal zum Essen oder Schlafen... Gurdus hörte plötzlich eine sehr schwache und kaum vernehmliche Ausstrahlung eines Notsenders mit nur zwei Worten: "Makarios si, Makarios si". Er rief darauf in der unweit gelegenen zypriotischen Botschaft an und ließ sich die Übersetzung geben: "Makarios lebt!". Eine Sensation. Er erkannte sofort die Bedeutung dieser Ansage und errechnete durch Kreuzpeilungen mit befreundeten DXern die ungefähre Position des Senders. Es stellte sich heraus, dass sich diese vor der Küste Zyperns im Meer befand. Michael Gurdus leitete die Information an das britische Militär vor Ort weiter. Die britischen Streitkräfte retteten Erzbischof Makarios aus einem Boot, in dem sich auch der Notsender befand. Später berichtete Makarios dem israelischen Botschafter in Zypern, dass er Gurdus sein Leben verdanke.

Die klassischen Clandestine-Sender 

Afrika und Arabien

Aus dieser Weltregion melden und meldeten sich Clandestine-Sender am häufigsten, da die Konflikthäufigkeit in diesem Kontinent schon immer größer als in den anderen Erdteilen war und zugleich nicht nur die Vielfalt von Staaten, sondern auch lokale oder in Grenznähe befindliche Befreiungsorganisationen die Sendeaktivitäten insgesamt betrachtet multiplizierten. Dabei war die gesamte Bandbreite und somit die Faszination der Clandestine-Stationen nachzuvollziehen: vom starken und relativ gut hörbaren Sender mit Briefkopf, Wimpel, Internetseite und Postkarte über mittlere Sender bis hin zu ganz kleinen Stationen mit einer Sendeleistung von unter 1 Kilowatt und handgemalten Bestätigungskarten, die überhaupt nur stundenweise Strom hatten, um ihre Programme auszustrahlen. Gerade diese Improvisation in allen Belangen machte es dem DXer und professionellen Hörer dieser Stationen zu einem besonderen Erlebnis, diese zu empfangen. Tonmitschnitte blieben trotzdem rar, weil oft die jeweils gegnerische Seite sogenanntes Jamming betrieb. Tonbeispiele des durch seine Webseite "intervalsignals.net" [1] bekannten DXers Dave Kernick (Clandestine ist dort eine separate Rubrik) belegen aber die Hörbarkeit insbesondere in den 1970er- und 1980er-Jahren. Natürlich sind die Sendungen regional orientiert, daher ist die überwiegende Anzahl der Programmstunden entweder in der Landessprache oder sogar in lokalen Dialekten ausgestrahlt worden. Die Pausensignale und Stationsansagen zu Beginn und Ende der jeweiligen Ausstrahlung sind jedoch für den geübten DXer eine gute Identifikationsmöglichkeit. Weiter hatte eine Minderheit der Clandestine-Sender in Afrika Ansagen in Englisch oder Französisch aufgenommen, nicht aber "Voice of the Broad Masses" aus Eritrea - im Befreiungskampf gegen Äthiopien. - Die Gegenstation "Voice of United and Free Ethiopia" verzichtete ebenfalls darauf. - Im portugiesischsprachigen Mosambik meldete sich die "Voz de Africa Livre" - Stimme des freien Afrikas - mit englischen Ansagen und Nachrichten zu Wort, deren Verantwortung bei der Befreiungsarmee FRELIMO lagen. - Ebenso meldete sich 'Radio Kudirat, the Voice of Democracy' mit dem Zielgebiet Nigeria 1996 in Englisch zu Wort. Diesem Vorbild folgte 1997 'Radio Nadeco, the Voice of Free Nigeria'. - Ebenfalls zeitweise in Englisch sendend, wurde durch das Erkennungssignal des krähenden Hahnes ein für Angola ausgestrahltes Programm populär: VORGAN, eine Station mit der Ansage "Voice of the Resistance of the Black Cockerel" sendete bis 2. April 1998 erfolgreich unter Leitung der UNITA gegen die amtierende zuerst marxistisch orientierte MPLA. Diese exemplarische Aufzählung belegt, dass Clandestine-Sender oft entweder mitverantwortlich oder begleitend bei politischen Umstürzen oder Umsturzversuchen beteiligt waren. Ihre Rolle war in diesem Kontinent maßgeblich, da durch die hohe Zahl an Analphabeten die Meinungsbildung der Mehrheit der Bevölkerung durch das Radio erfolgte und erfolgt.

Asien

Für Asien gelten die gleichen Aussagen wie für Afrika: jeder gewaltsame Machtwechsel und jeder kriegerische Konflikt wurden begleitet von einem "Krieg" der Radiostationen beider Seiten. Langfristige und staatlich finanzierte Projekte wie "Radio Free Asia" sind und waren ebenso anzutreffen wie kleine Radiosender, die mit Dieselgenerator oder Autobatterie ihren Strom erzeugten. Ein Musterbeispiel stellt die Station "Voice of Tibet" des aus seinem Heimatland vertriebenen Dalai Lama dar. Mit finanzieller Unterstützung der "V.o.T. Foundation" stellt der Sender ein Sprachrohr der Exilregierung dar und ist nicht nur auf Kurzwelle, sondern zusätzlich über eine eigene Webseite [2] hörbar. Die "Voice of Tibet" zeigt eindringlich die unveränderte Kontinuität und Wichtigkeit des Bestehens von Clandestine-Sendern bei ungelösten oder einseitig gewaltsam vorgenommenen politischen Einschnitten. Selbstverständlich wurde der Vietnam-Konflikt 1964 bis 1975 ebenfalls von Clandestine-Sendern begleitet: 'Mother Vietnam', 'Liberation Radio' oder 'Voice of Freedom Radio' strahlten Ansagen und Programme in Englisch und überwiegend Vietnamesisch aus. Der Ausgang des Vietnamkrieges ist hinlänglich bekannt.

Amerika

Der populärste Clandestine-Sender war Radio Rebelde, das von Che Guevara und Fidel Castro als Hilfsmittel genutzt wurde, um den damaligen Diktator Batista zu stürzen. Besonders Che erkannte schnell den Stellenwert, den Radioprogramme bei der Bevölkerung hatten. Heute ist Radio Rebelde[3] als staatlicher Sender mit Lizenz kein 'Clandestine' mehr.- Kuba war immer Zielgebiet von Clandestine-Radiostationen: nach dem Sieg der kubanischen Revolution Anfang Januar 1959 wurde Jahre später die neue Regierung unter Castro selbst Ziel politischer Agitation. `La Voz del C.I.D.' (Cuba Independiente y Democrática) - die Stimme des demokratischen und unabhängigen Kuba - war 1981 bis 1998 ein Propaganda-Sender der Anti-Castro-Fraktion mit Studio in Florida, der teilweise bei anderen Kurzwellenstationen Sendezeit kaufte, um die eigenen Programme auszustrahlen. Im Jahre 1994 wurde durch Radio Nederland die lange vermutete Tatsache publik gemacht, dass "La Voz del C.I.D." mit Hilfe des amerikanischen Geheimdienstes CIA gegründet worden war und die Finanzierung der Sendungen ebenfalls durch die CIA erfolgte, die als Reaktion kurz darauf die Zahlungen einstellte. Bis zur Aufgabe des Sendebetriebes finanzierten sich die (reduzierten) Programme durch Gruppen von Exil-Kubanern, die schon vorher Einfluss auf die Programmgestaltung hatten. Ein bedeutender weiterer Clandestine-Sender gegen Castro war Radio Caiman [4], ebenfalls von der CIA gegründet und finanziert. - Hohe Beachtung bei der Bevölkerung von Nicaragua fand 1978 / 1979 der Sender 'Radio Sandino' der nicaraguanischen Sandinisten. Am 19. Juli 1979 ergriffen diese die Macht, die sie dem korrupten Diktator Somoza entrissen hatten. - "La Voz de la Libertad" (Stimme der Freiheit) war 1987 in Panama unverkennbar durch einprägsam hinterlegte Morsezeichen bei der Stationsansage und richtete sich gegen den regierenden Manuel Noriega. Bereits im Dezember 1989 wurde er durch einmarschierende US-Truppen gestürzt. Wieder war dem Ende eines Diktators die Errichtung einer Clandestine-Station vorhergegangen.

Liste bekannter Clandestine-Radiostationen 

vor 1960

AFRIKA

Name Zielgebiet Betreiber wann
Imperial Ethiopian Radio Stations Äthiopien Kaiser Haile Selasse 1935/36
Radio Diego Suarez Madagaskar Pro-British Groups 1942

EUROPA

Name Zielgebiet Betreiber wann
Atlantiksender Großdeutsches Reich Britische Regierung ab März 1943
Soldatensender Calais Frankreich / Großdeutsches Reich Britische Regierung ab Okt. 1943
Sender Gustav Siegfried 1 Großdeutsches Reich Britische Regierung
Landschaftssender Berlin der Schwarzen Front Großdeutsches Reich Otto Strasser 1934/35
Radio Humanité Westeuropa Großdeutsches Reich (getarnt)
Radio Werwolf Berlin Propagandaministerium des Großdeutschen Reiches 1945
Radio Blyskawica Warschau polnischer Widerstand 1944
Deutscher Freiheitssender 29,8 Großdeutsches Reich KPD 1937-39
Stimme der KPD / Deutscher Freiheitssender 904 Bundesrep. Deutschland DKP und DDR 1956-71
Radio 1212 Großdeutsches Reich USA
Vaterland Radio Griechenland Großdeutsches Reich

Anmerkung: 1933 bis 1945 fand ein psychologischer Ätherkrieg statt, in dem der Propaganda des Deutschen Reiches nicht weniger als 130 Radiostationen gegenüber standen, die deutschsprachige Sendungen gegen die nationalsozialistische Regierung ausstrahlten. Viele dieser Sender wurden von prominenten deutschen Emigranten unterstützt, sei es finanziell, sei es als Autoren, Sprecher oder Übersetzer.

ASIEN

Name Zielgebiet Betreiber wann
Congress Radio Indien Quit India Movement 1942
Free Voice of the Authentic Vietnamese Nationalists Vietnam Organisation Cao Dai 1954/55
Habanah Radio Palästina Organization Hebrew for Defense ab 1938
Radio Comet // Radio Mercury Korea US Army ab Okt. 1950
Voice of the South Vietnam Betreibergruppe Viet Minh für Unabhängigkeit v. Frankreich 1947-54

AMERIKA

Name Zielgebiet Betreiber wann
Voz de la Libertad Costa Rica unbekannt 1948-50
Radio Liberacion Guatemala MLN (mit Hilfe vom CIA) 1954
Radio Rebelde Kuba Gründer: Ernesto Che Guevara, späterer Betreiber das staatliche ICRT Cuba ab Februar 1958
Radio Libertad Dominikanische Republik Anti-Trujillo-Movement

1960 bis 1980
AFRIKA

Name Zielgebiet Betreiber wann
Voice of Truth Angola UNITA
V.O.R.G.A.N. Angola UNITA
Voice of Fighting Angola Angola MPLA
Voice of the Broad Masses of Eritrea Eritrea EPLF
Voice of the West Somali and the Abo Liberation Front Äthiopien WSLF und SALF
Voice of Namibia Namibia SWAPO
Voice of Free Sahara West-Sahara Polisario Front

ASIEN

Name Zielgebiet Betreiber wann
Radio Khmer Serei Kambodscha Khmer Freedom Movement
Echo of Hope Nord-Korea Agency for National Security Planning
Voice of Reunification Nord-Korea südkoreanische Regierung
New Star Broadcasting Station VR China Taiwan Rep. of China
Voice of the People's Liberation Army VR China taiwanesischer Geheimdienst
Contingent of Proletarian Fighters VR China taiwanesischer Geheimdienst
Central People's Broadcasting Station VR China taiwanischer Geheimdienst
Voice of the Revolutionary Party for Reunification Süd-Korea NDFSK, eine nordkoreanische Guerilla-Gruppe
Voice of Malayan Revolution Malaysia Malaysian Communist Party
Voice of the Thai People Thailand Thai Patriotic Front and Communist Party of Thailand
Liberation Radio Süd-Vietnam National Liberation Front (Viet Cong, Nord-Vietnam) bis 1975
Mother Vietnam Nord-Vietnam Südvietnamesische Regierung (Strategic Technical Directorate) 1971-75
Hanoi Radio Nord-Vietnam amerikanisches Militär und CIA 1970-75
Voice of United Indochina Nord-Vietnam Geheimdienst C.I.A. 1970-75

AMERIKA

Name Zielgebiet Betreiber wann
La Voz del C.I.D. Kuba CIA
Radio Caiman Kuba CIA
Voz de la Esperanza Kuba Exil-Kubaner
Voz de la Resistencia Chilena Chile Bureau de la Resistencia Antifasciste Chilienne
Radio Magellanes Chile Chilean Communist Party
Radio Clarin Dominikanische Republik Secretaria de las Fuerzas Armadas Dominicanas
Voz de la UNO Nikaragua United Nicaraguan Opposition
Radio Sandino Nikaragua FSLN 1977/79

ab 1981
AFRIKA

Name Zielgebiet Betreiber wann
Radio Peace and Liberty Zentralafrik. Rep. A. Kolingba (Rebell)
Radio Bardai / Radio Chad Tschad GUNT , unterstützt von Libyen
Radio CANDIP DR Kongo UPC
Radio Bukavu DR Kongo RCD
Voice of the Broad Masses of Eritrea Eritrea EPLF
Voice of Democratic Eritrea Eritrea ELF-RC
Voice of the Eritrean Liberation Front Eritrea E.L.F.
Millennium Voice Eritrea Voice of Eritrea
Voice of Tigray Revolution Äthiopien Tigrean People's Liberation Front
Voice of the Ethiopian Revolution Äthiopien irakischer Geheimdienst
Voice of the West Somali and the Abo Liberation Front Äthiopien WSLF und SALF
Voz da FRELIMO Mosambik FRELIMO
Voice of the People of Namibia Namibia unknown, Anti-SWAPO
Radio Kudirat Nigeria UDFN
Voice of Biafra International Nigeria Biafra Foundation
Radio Mogadishu, Voice of the Somali Pacification Somalia Uthman Ali Ato
Radio SNM Voice of the Somali National Movement Somalia Somali National Movement
Radio Hargeisa Somalia Secessionist Movement Republic Somaliland
Radio Banaadir Somalia "eine Gruppe somalischer Geschäftsleute"
Radio Télévision Libre de Mille Collines (RTLM) Ruanda Hutu Regierung unter J. Habyalimana (Hass-Sender)
Radio Freedom Südafrika ANC
Voice of Sudan Sudan Sudanese NDA
Voice of Liberty and Renewal Sudan SAF (affiliate with NDA)
Radio SPLA Sudan Sudanese People's Liberation Army
Radio Rhino International Uganda UPC
Voice of the People (Radio VoP) Simbabwe ehemalige Mitarbeiter der ZBC
SW Radio Africa Simbabwe Exilbürger Simbabwes in London
National Radio of the Arab-Saharan Democratic Republic West-Sahara Polisario Front
Radio Voz del Sahara Libre West-Sahara Polisario Front

ASIEN

Name Zielgebiet Betreiber wann
Voice of Shari'a Afghanistan the Taliban
Voice of the United Muslim Fighters of Afghanistan Afghanistan CIA finanzierte Guerillagruppe
Radio Free Afghanistan Afghanistan RFE /RL
Afghanistan Information Radio Afghanistan das US-Militär
Voice of Justice Aserbaidschan lokale Geschäftsleute
Democratic Voice of Burma Myanmar birmanische Exilanten
Radio Free Asia Kambodscha, China, Laos, Myanmar, Vietnam U.S.-Regierung
Voice of Democratic Kampuchea Kambodscha Organisation "die roten Khmer"
Voice of the Khmer Kambodscha KPNLF and FUCINPEC
Voice of the National Army of Democratic Kampuchea Kambodscha CGDK
Radio of the Provisional Government of National Union and National Salvation of Cambodia Kambodscha "rote Khmer"
Republic of Abkhazia Radio Georgien Abkhazian secessionist movement
Voice of Jammu Kashmir Freedom Teile Indiens aufständische Mujahedin
Radio Dat Kasachstan 'Vereinigung für die Demokratie in Asien'
Echo of Hope Nord-Korea Agency for National Security Planning
Voice of the People Nord-Korea südkoreanische Streitkräfte
Voice of Tibet Tibet und China eine unabhängige Foundation
New Star Broadcasting Station VR China Taiwan (Rep. of China)
World Falun Dafa Radio VR China Organisation Falun Dafa
Voice of China VR China Foundation for China in 21th Century, USA
Voice of the People's Liberation Army VR China taiwanesischer Geheimdienst
October Storm Broadcasting Station VR China taiwanesischer Geheimdienst
Denge Mezopotamya Kurdistan Denge-Mezopotamya.com c/o www.airtime.be
Voice of the People of Kurdistan Kurdistan P.U.K., USA
Voice of National Salvation Süd-Korea NDFSK, eine nordkoreanische Guerilla-Gruppe
Hmong Lao Radio Laos United Lao Movement for Democracy, USA
Voice of Malayan Democracy Malaysia Malaysian Communist Party
Voice of the Tigers Sri Lanka LTTE
New Horizon Radio Vietnam Organisation CTM, Deutschland
Radio Free Vietnam Vietnam Oppositionsgruppe 'Government of Free Vietnam', USA
Voice of Kampuchea Krom Süd-Vietnam Khmer Kampuchea-Krom Federation (Independence for South-Vietnam)
Forum for Democracy Vietnam Vietnam Restoration Party 1994-97
Que Huong Radio Vietnam Exil-Vietnamesen in den USA

AMERIKA

Name Zielgebiet Betreiber wann
Radio Marti Kuba USA (IBB)
La Voz del C.I.D. Kuba CIA
Radio Caiman Kuba CIA
Radio Clarin Dominikanische Republik Secretaria de las Fuerzas Armadas Dominicanas
Radio Insurgente Mexiko "EZLN" (Zapatisten)
Radio Zapote Mexiko unterstützende Aktivisten der "EZLN"
Radio Patria Libre Kolumbien Frente del Guerra Central del E.L.N.
Voz de la Resistencia, Cadena Radial Bolivariana Kolumbien FARC-EP
Radio Peru Peru Herr Vasquez Chacon
Resistencia Democrática Peru Peru Ex-Gesundheitsminister Dr. Caro
Radio Liberté Haiti RDDN Progressistes d'Haiti 1984/1985
Radio Impacto Nikaragua CIA 1983 - 1990
Radio Miskut Nikaragua Misurasata, a coalition within FDN
Radio Quince de Septiembre Nikaragua 15th of September Legion, the military arm of the ADREN
Voz de Nicaragua Libre Nikaragua ARDE
Voz de la Libertad Panama Mitglieder des Panama City Rotary Clubs
Radio Free Surinam Surinam Council for the Liberation of Suriname
Radio Venceremos El Salvador People's Revolutionary Army (ERP within FMNL)
Radio Farabundo Martí El Salvador FPL (within FMNL)
Voz Patriotica El Salvador CCPD Committee

Unterscheidung der Clandestine-Sender in drei Gruppen 

Gray, white and black "Clandestines"

Fast von ihren frühesten Tagen an waren Radiosender Instrument von Propaganda und Gegenpropaganda, spätestens seit 1933 (Beginn des Hitler-Regimes) so aktiv, dass Radioausstrahlungen zum Werkzeug einer staatlichen Regierung werden konnten. Rundfunk spielte ab diesem Zeitpunkt in jedem folgenden lokalen, bilateralen oder grenzüberschreitenden Konflikt eine massive Rolle.

1) White Clandestines (klare Identifikation)

"Weiße" Clandestine-Sender sind seltene Ausnahme und daher die kleinste Gruppe. Hier ist als herausragendes Beispiel die 'BBC London' in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu nennen. Diese Station sendete legal, mit Lizenz und klarer Identifikation auf registrierten Frequenzen; was sie zu einem "white"-Clandestine machte, ist die Tatsache, dass in einem Kriegszustand mit dem Staat des Zielgebietes (großdeutsches Reich) die Ausstrahlungen zwar sachlich, jedoch in der Auswahl der gesendeten Fakten und Kommentare doch parteiisch erfolgten (was natürlich und selbstverständlich war, aber Bedeutung für die objektive Einordnung hat). Der zweite Grund zur Kategorisierung "white" ist darin zu finden, dass der Empfang des Senders im Zielgebiet per Gesetz verboten war! Hingegen war die spätere bei Journalisten und DXern bekannte Station "Frieden und Fortschritt" aus der vormaligen UdSSR kein Clandestine-Sender.

2) Grey Clandestines (unklare Identifikation) "Graue" Clandestine-Sender unterscheiden sich von den "weißen" Clandestines durch Nichtvorliegen einer Sende-Erlaubnis.

Die typische "Grey Clandestine"-Station wird betrieben von Oppositionellen im eigenen Land auf Territorium des kritisierten Staates, gegen den sich die Propaganda richtet. Diese Art von Clandestine-Sendern stellt daher die überwiegende Mehrzahl der Clandestine-Stationen dar. Ob es sich bei der für den Betrieb des Senders verantwortlichen Opposition um eine politische Partei, um eine Splittergruppe, um eine Resistance-Bewegung oder um eine bewaffnete Guerilla handelt, ist für die Zuordnung zu dieser Gruppe letztlich unerheblich. Entscheidend ist, dass es sich um einen Propaganda-Sender handelt, der ohne Frequenz-Registrierung und damit illegal arbeitet. Der erste einer größeren Öffentlichkeit bekannt werdende Grey-Clandestine-Sender startete am 9. Juni 1933 in Kuba - in der Nähe des Ortes Matranzas - und wurde von einer studentischen Revolutionsgruppe gegründet. Anlass war der spontane Ausbruch von Streiks im Lande. Die Propaganda richtete sich gegen die damalige Machado-Diktatur. Der Sender rief die kubanische Armee zur aktiven Revolte auf. Bereits nach wenigen Tagen hatte die kubanische Polizei den Sendestandort gefunden und beschlagnahmte die Sendeanlage, womit die Agitation gestoppt war. Geholfen hat diese Maßnahme dem damaligen kubanischen Präsidenten nicht mehr; schon wenige Monate später im August 1933 musste er aufgeben und ins Ausland fliehen. Diesem Präzedenzfall folgend hat so mancher Clandestine-Sender der letzten Jahrzehnte einen erheblichen Anteil an tiefgreifenden politischen Änderungen im Zielgebiet gehabt. Demzufolge ist eine Clandestine-Station eine echte Waffe im Konflikt zwischen Regierung und außerparlamentarischer oder rebellierender Opposition, was in den 1970er- und 1980er-Jahren zu einem Anstieg der Anzahl von Clandestine-Radiosendern führte. Heute ist jede bewaffnete politische Auseinandersetzung innerhalb eines Landes / einer Region fraglos begleitet von einem oder sogar mehreren Clandestine-Sendern.

3) Black Clandestines (gegenteilige Identifikation)

"Schwarze" Clandestine-Rundfunksender klassifizieren sich - neben den oben genannten Kriterien - manchmal noch durch die Aufnahme der Sendungen begleitende zeitnahe militärische oder paramilitärische Aktionen, wobei dies auch ein Bürgerkrieg sein kann. Zu einem 'schwarzen' Clandestine-Sender gehört zudem drittens zwingend die im nächsten Satz erläuterte "psychologische Kriegführung": Der Sender gibt sich für etwas anderes aus, als er tatsächlich ist (gängiges Beispiel: Eine durch eine subversive Clandestine-Station angegriffene Regierung eröffnet einen Sender gleichen Namens. Diese neue Sendestation gibt vor, Sendestation der Rebellen oder der Gegenseite zu sein, ist es aber nicht, und sendet leicht regierungsfreundliche Programme).

Solche Sender werden im Englischen als "PsyWar Tool" oder "PSYOPS" bezeichnet und sollen Verwirrung stiften. Eine bedeutende Zielgruppe sind hierbei die jeweils gegnerischen Streitkräfte. Eine kleine Zahl spezialisierter DXer hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Black-Clandestine-Sender geografisch zu lokalisieren und zu enttarnen. Besonders schwer wird dies, wenn der 'Black Clandestine' anfänglich eine regierungsfeindliche Meinung verbreitet, um dann den Inhalt der Sendungen Stück für Stück langsam in die Gegenrichtung zu verändern. Oft arbeiten Black-Clandestines auf einer direkten Nachbarfrequenz des Gegners; dieser Umstand machte es dem Publikum bei der Frequenzsuche nicht leichter. Denn in den Krisengebieten dieser Welt waren Radioempfänger mit Digitalanzeige nicht weit verbreitet, dort war und ist eher die manuelle Abstimmung auf einer Frequenzskala die Regel.

Schlussendlich ist zu erwähnen, dass die Grenzen zwischen "grey" und "black" sich im Einzelfall überschneiden können: der "Soldatensender Calais" (1943-1945) wird allgemein als Black-Clandestine eingestuft, da er lange Zeit von vielen Deutschen als Wehrmachtssender angesehen wurde... verantwortlich für die Ausstrahlungen waren jedoch die Briten! Die in 1985 von Nordkorea etablierte Clandestine-Station "Voice of the National Salvation" (Stimme der Nationalen Rettung) strahlte von Pjöngjang nach Südkorea aus und meldete sich mit "der Dienst der Nationalen Demokratischen Front von Südkorea". Es wurde also fälschlich suggeriert, die Sendungen kämen von südkoreanischem Boden aus. Zwei Beispiele von vielen.

Siehe auch: Deutscher Freiheitssender 904, Deutscher Soldatensender 935

Weblinks 

  • [5] eine umfangreiche Datenbank mit den KW und MW-Stationen bis etwa 2004
  • [6] Alphabetische Liste der vom Sendezeitmakler TDP via Relais auf Kurzwelle verbreiteten Stationen
  • [7] Linksammlung einer bekannten DX-Seite (DXer = Radioenthusiasten)
  • [8] Hörbeispiele von aktiven und inaktiven Sendern unter "CLANDESTINE"
  • [9] englische Erläuterung: Hobby im Hobby - Hören und Identifizieren von Clandestines
  • [10] Spezialseite, die allerdings teilweise Piratenradio und Clandestine vermischt
  • [11] Einführung in das DX-Hobby, Clandestine-hören ist ein Teil davon
  • [12] umfangreichste deutsche Sammlung von Briefen und Postkarten der Clandestine-Sender
  • [13] Gedenkseite an VORGAN: Stimme des Widerstandes v. Galo Negro (a Voz Resistencia do Galo Negro) - Clandestine, Angola (1998)
  • [14] Radio Rebelde, Cuba
  • [15] zur Unterscheidung der besonderen Gruppen von Clandestine-Sendern
  • [16] DXing.info: Monitoring Irak - Krieg der Wellen
  • [17] Beispiele amerikanischer PSYOPS-Maßnahmen
  • [18] Hate-Radio in Asien
  • [19] eine Liste von 75 historischen Clandestine-Sendern für Kuba
  • Tonbeispiel "Geistersender" Anti-Hitler 31.12.1944
  • [20]Tonaufnahme Deutscher Freiheitssender 904 (D.D.R., sendete bis 1971)
  • [21]Alte Pausenansage der "Stimme Palästinas" zu Beginn der damaligen AM-Ausstrahlung 1980
 
 

Schwarzsender

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Ein Schwarzsender ist zumeist eine in einem Hoheitsgebiet, das Genehmigungen für Sendebetrieb vergibt, nicht offiziell, also illegal betriebene Sendeanlage in der Funkbetriebsart „Broadcasting“. Dient ein Schwarzsender zur Verbreitung von Rundfunkprogrammen oder rundfunkähnlichen Darbietungen, so spricht man oft von Piratensendern. Die Finanzierung der dazu nötigen Gerätschaften und Betriebsmittel wird fast immer durch Werbung erbracht.- Schwarzsender klassifizieren sich in 4 Gruppen, davon ist Pirate-Radio nur eine. Diese wiederum unterscheiden sich in landbasiertes „Free Radio“ und auf hoher See ausgestrahltes „Offshore“-Radio. Eine zweite Gruppe sind sogenannte Zahlensender (Agentenfunk), des Weiteren drittens Clandestine-Sender (Geheimsender) und viertens Schwarzsender von Privatpersonen. Die dritte und kleinste Gruppe betraf nur teilweise auch die von gegnerischen Staaten oder Exil-Regierungen betriebenen Propaganda-Stationen oder Sender im „Niemandsland“ zwischen zwei Staatsgrenzen. Öfter sind die „Clandestine-Sender“ sogar dem Einfluss von Geheimdiensten oder politischen Parteien oder Oppositionsgruppen oder bewaffneten Rebellen zuzuschreiben gewesen.

Abgrenzung

Schwarzsender sind und waren immer Stationen, die von Beginn an illegal sanden (sogenanntes FREE RADIO wie z. B. 'Radio Freies Wendland' oder 'Radio Wahnsinn'). Grundsätzlich muss ein Schwarzsender nicht unbedingt der Übertragung von Hörfunk- oder Fernsehprogrammen dienen. Auch nicht zugelassene Sendegeräte für Funkfernsteuerungen stellen Schwarzsender dar. Ein Schwarzsender kann prinzipiell in jeder denkbaren Betriebsart senden, während „Piratensender“ nur zur Ausstrahlung von Hörfunk- und in seltenen Fällen auch Fernsehprogrammen dienen. Der Begriff „Piratensender“ hingegen wurde im allgemeinen Sprachgebrauch europaweit ursprünglich und vorwiegend nur für die sogenannten „Offshore“-Stationen auf hoher See (außerhalb der 3-Meilen-Zone) verwendet, wie z. B. Radio Nordsee International und Radio Caroline, die damals alle auf Schiffen beheimatet waren. Die ersten Offshore-Piratensender nutzten beim Start eine legale Sendemöglichkeit in den internationalen Gewässern und wurden erst durch einseitige Gesetzesänderungen untersagt, die NACHTRÄGLICH erfolgten. Insofern ist diese willkürliche Änderung zum Nachteil der Seesender sehr kritisch zu sehen. In einem berühmt gewordenen Kommentar zur Einstellung von Radio Caroline sprach ein Schiffs-DJ sogar von einem „kriminellen Akt der englischen Regierung“. Auf diesen wesentlichen Unterschied zwischen Schwarzsender und Piratensender sollte Bedeutung gelegt werden. Erst im Laufe der Jahre hat dann die Sprachverwendung im deutschen Sprachraum das Wort „Piratensender“ auch auf landgestützte illegale Schwarzsender gemünzt. Insofern ist einfach der deutsche 'Volksmund' für die heute nicht mehr klare Abgrenzung zwischen den beiden Begriffen verantwortlich. Eindeutiger wäre die Fortführung des Begriffes „Free Radio“ für landbasierte Piraten gewesen. Im englischen oder holländischen Sprachbereich würde es niemand einfallen, die in einem fast heroischen Andenken stehenden Schiffssender als „Schwarzsender“ zu bezeichnen; dort sind und bleiben sie 'Pirate-Radio' oder „Offshore-Radio“ oder „Teerjacken-Sender“. In Deutschland fehlt das glorreiche Andenken an diese Radiomacher, die mit ihrer Arbeit von hoher See aus eigentlich die Begründer der heutigen europäischen vielfältigen Radiolandschaft waren.

Relativ selten kommt es bei Schwarzsendern zu einem Rufzeichenmissbrauch, also einer rechtlichen Schädigung des rechtmäßigen Lizenzinhabers. Häufiger ist die Benutzung von bisher nicht gebrauchten Fantasienamen in jeder Form.

Oft handelt es sich heute aber auch bei den Betreibern eines Schwarzsenders um Jugendliche - in Unkenntnis der Bestimmungen und der möglichen Folgen. Deren Antennen und Sende-Endstufen sind zwar meist nur auf geringe Reichweiten beschränkt und der zuständige Funkstör- bzw. Funkkontroll-Messdienst der Aufsichtsbehörde hat wenig Mühe, diese „Amateure“ ruhigzustellen, aber deren fast immer breitbandiges Stören auch auf Neben- und Zwischenfrequenzen kann lebensgefährliche Folgen haben, deren sich die Bastler fahrlässigerweise nicht bewusst sind.

Schwarzsender können in jedem Frequenzbereich, angefangen von den Längstwellen bis zum Mikrowellenbereich, beobachtet werden.

Auch der lange Zeit übliche „Agentenfunk“ in der Zeit des sogenannten „Kalten Krieges“ war eine Form von Schwarzsendebetrieb, dem mobile Funkpeiler von BND und Elektronischer Kampfführung der Bundeswehr, meist mit MAD-Beteiligung, beizukommen versuchten. Mit mäßigem Erfolg. Heute sind Schwarzsender nur noch selten, da jeder bekanntlich im Internet seinen eigenen Sender ohne Lizenzärger machen kann, solange er sich an die GEMA-Bestimmungen bezüglich der Abgaben für lizenzpflichtige Musik hält.

Neben Schwarzsendern die Rundfunk oder rundfunkähnliche Programme regelmäßig oder unregelmäßig ausstrahlen, gibt es weltweit eine große Zahl illegaler Funkstellen die untereinander Kontakt aufnehmen ohne wie im Amateurfunk (oder CB-Funk) dafür eine Genehmigung besitzen. Dazu gehören Schwarzsender in Ländern mit mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten (z. B. Afrika) oder fehlenden Funküberwachung durch Behörden. Typische Beispiele sind Hochseefischer die die Gesprächskosten für Satellitentelefonie oder Kurzwellentelephonie scheuen, Missionare in afrikanischen Ländern, aber auch private Hochsee-Segler und Funkbegeisterte ohne Sendeerlaubnis.

Bekannte Frequenzbereiche in denen illegaler Funkverkehr zwischen Schwarzfunkern gehört werden kann:

  • 3,4 bis 3,5 MHz
  • 3,8 bis 4,0 MHz
  • 6,5 bis 7,0 MHz
  • 13,9 bis 14,0 MHz
  • 14,35 bis 14,5 MHz
  • 26,0 bis 27,0 MHz
  • 27,4 bis 28,0 MHz

Gesetz gegen Schwarzsender [Bearbeiten

Das erste Gesetz gegen Schwarzsender wurde in Deutschland am 24. November 1937 erlassen (RGBl. Jahrg. 1937, Teil I, S. 1298). Es diente damals schon der Bekämpfung des politischen Widerstands, der die Rundfunk-Technologie zur Gegenpropaganda einsetzte. Auszug aus diesem Gesetz:

  • § 1 Strafandrohung:
    • (1) Der Schwarzsender wird mit Zuchthaus bestraft.
    • (2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Gefängnis.
  • § 2 Schwarzsender ist:
    • 1. wer ohne vorherige Verleihung der Deutschen Reichspost eine Funksendeanlage errichtet oder betreibt;
    • 2. wer eine Verleihung der Deutschen Reichspost zum Errichten oder Betreiben einer Funkanlage hat, die Anlage aber zu Übermittlungen benutzt, die in der Verleihung der Deutschen Reichspost nicht erlaubt sind;
    • 3. wer eine Funkempfangsanlage entgegen ihrer Bestimmung unerlaubt zum Aussenden von Nachrichten, Zeichen, Bildern oder Tönen verwendet.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gesetz weiter verschärft und der Betrieb eines Schwarzsenders mit Landesverrat gleichgesetzt, auf den die Todesstrafe drohte.

In diesem Zusammenhang ist noch zu erwähnen, dass das Strafmaß prinzipiell unabhängig von der verwendeten Sendefrequenz ist. Es kann aber erhöht werden, wenn durch den Schwarzsender andere Funkdienste, wie z.B. Flugfunk-Frequenzen, Navigations-Sender oder Funktelefonie-Anlagen gestört werden.

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Zahlensender

 

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Zahlensender sind Kurzwellen-Radiosender, die Zahlen- oder Buchstabenreihen, Polyphon-Töne und ferner Daten übertragen. Oftmals handelt sich dabei um Fünfergruppen von Ziffern, die manchmal wiederholt werden, ehe die nächste Fünfergruppe vorgetragen wird. Bis in die 80er-Jahre hinein wurden diese oft von einer Person im Studio vorgelesen, aber auch schon, wie heute üblich, von Computergenerierten oder vom Band gespielten Stimmen. Es handelt sich dabei meist um Frauenstimmen, oft aber auch um Männerstimmen, ferner um Kinder- oder androgyne Stimmen. Die Stationen senden selten in Amplitudenmodulation (AM) sondern meist in Einseitenbandmodulation (SSB), da die Übertragungen dann von den meisten Weltempfängern nicht mehr verstanden werden können. Einige Sender senden seit Jahrzehnten und über einen längeren Zeitraum hinweg auf gleichen Frequenzen und mit einem regelmäßigen Sendeplan.

Ursprung und Zweck der meisten dieser Ausstrahlungen sind der Öffentlichkeit nicht genau bekannt. Es wird vermutet, dass sie von Geheimdiensten zur Kommunikation mit verdeckt operierenden Agenten verwendet werden. Man vermutet auch, dass Militär und Diplomatendienste sowie Botschaften Nachrichten von Zahlensendern empfangen. Zahlensender sind hierfür besonders geeignet, da kodierte Nachrichten über Kurzwelle weltweit versandt werden können, die Empfänger solcher Nachrichten anonym bleiben und zum Empfang nichts weiter als ein handelsübliches Radio benötigt wird, das sich für den Empfang von Kurzwellen im vollen Frequenzbereich eignet. Daher wird vorzugsweise ein Weltempfänger mit Einseitenbandmodulation verwendet. Dass Drogenschmuggler diese Technik verwenden, ist aufgrund der kaum verschleierbaren und aufwändigen Umsetzung eher unwahrscheinlich.

Es ist anzunehmen, dass die Adressaten der Sendungen die verschlüsselten Nachrichten mithilfe eines One-Time-Pads und anderer mathematischer Verfahren entschlüsseln.

Vermutete Herkunft und Funktion

Wie in den Aufzeichnungen von The Conet Project[1] festgehalten ist, gab es die ersten Berichte über Zahlensender bereits im Ersten Weltkrieg. Damit gehörten sie zu den ältesten Radioübertragungen überhaupt.

Es wird vermutet, dass es sich dabei um eine sichere Methode handelt, Spione, die geheim operieren, mit Befehlen und Informationen zu versorgen. Aufgrund dieser Theorie ging man davon aus, dass die Mitteilungen als One-Time-Pads verschlüsselt werden, um sicherzugehen, dass niemand anderes als die Zielperson diese entschlüsseln kann. Als Beweis bezieht man sich auf die Beobachtung, dass Zahlensender bei besonderen politischen Ereignissen kurzfristig ihr Verhalten ändern oder ungeplante Übertragungen starten, wie zum Beispiel beim Augustputsch 1991.

Man spekuliert auch, dass Zahlensender vom Militär und diplomatischen Diensten genutzt werden. Viele Antennenfelder, von denen aus Zahlensender operieren, liegen in militärischen Liegenschaften. Weiters findet man auf vielen Botschaftsgebäuden ungewöhnlich potente Antennenanlagen[2]. All dies legt nahe, dass manche Staaten auf diese einfache und effiziente Art und Weise global in Kontakt mit ihrem Personal bleiben können, ohne Gefahr zu laufen, ungewollt Informationen preiszugeben.

Weiterhin geht auch die Vermutung um, einige Zahlensender würden für die Koordination von Drogenschmuggel verwendet. Im Gegensatz zu den staatlich operierenden Sendern müssten diese jedoch illegal und mit niedrigerer Reichweite betrieben werden um nicht Gefahr zu laufen, von Peilsendern erfasst und ausgehoben zu werden.

Schon ein schwaches Hochfrequenzradiosignal kann bei günstigen Bedingungen weltweit empfangen werden, vorausgesetzt man verwendet einen extrem guten Empfänger und eine perfekt ausgerichtete Antenne. Lokale Einflüsse wie Wetter, Jahreszeit oder Sonnenflecken können den Empfang negativ beeinflussen. Da Spione jedoch meist mit tragbaren Empfängern arbeiten müssen, oft unter schwierigen Verhältnissen und zu allen Jahreszeiten, benötigt man sehr große Sender, oft mit bis zu 500.000 Watt Leistung. Nur mit so einer Sendeanlage kann jemand, der sich zum Beispiel in einem Keller verstecken muss, solche Übertragungen empfangen. Manche Staaten benötigen aber keine Anlagen dieser Stärke, da ihre Agenten lediglich in Nachbarländern operieren.

Kein Rundfunkunternehmen oder keine Regierung hat bisher den Betrieb eines Zahlensenders bestätigt. In einem Artikel der britischen The Daily Telegraph wird ein Mitarbeiter des Ministeriums für Handel und Industrie (jene Regierungsbehörde, welche zur Zeit zur Regulierung des britischen Radiobetriebs zuständig ist) wie folgt zitiert: "Diese Zahlensender sind, was man annimmt, dass sie sind. Die Leute sollten da nichts hineingeheimnissen. Sie sind, sagen wir, nicht für den öffentlichen Konsum gedacht."[3]

Zahlensender bekommen von ihren Beobachtern meist Spitznamen, die meist von besonderen Eigenheiten abgeleitet werden. Beispiel sind etwa der "Lincolnshire Poacher", einer der bekanntesten Zahlensender (man vermutet den britischen Geheimdienst MI6 dahinter, da man den Ursprung der Übertragungen auf die RAF-Basis Akrotiri in Zypern zurückverfolgt hat), hat als Erkennungsmelodie zwei Zeilen aus dem alten englischen Volkslied "The Lincolnshire Poacher" vor der eigentlichen Nachricht. "Magnetic Fields" spielt das gleichnamige Lied des französischen Musikers Jean Michel Jarre vor und nach jedem Satz Nummern. Der Zahlensender "¡Atención!" beginnt jede Übertragung mit der spanischen Phrase "¡Atención!".

Es ist bedarf viel Feingefühls, technischen Wissens über die Kurzwelle, Geduld und ein gutes Gehör, um die Herkunft eines Zahlensenders bestimmen zu können, ohne die Möglichkeit zu haben, mit einem Peilsender auf Reisen zu gehen.

Zum Beispiel vermutete man den Sender "¡Atención!" in Kuba, als Radio Havanna versehentlich auf der Frequenz des Zahlensenders übertragen hat. Öfter hörte man auch leise "Radio Havanna", vielleicht weil der Tontechniker von "¡Atención!" im Hintergrund diesen Sender gerade hörte. Zwischen 2000 und 2001 wurde "¡Atención!" von den USA offiziell als kubanisch identifiziert.

Bei manchen Stationen hört man auch Geräusche im Hintergrund. Man vermutet, dass die Stimme eine Hilfe sein könnte, welche die Frequenz verrät, auf der die eigentliche Nachricht übertragen wird, in Form modulierter Töne oder als Data burst.

Der ¡Atención!-Zwischenfall

Kubas "¡Atención!" war der erste Zahlensender, welcher als solcher offiziell und öffentlich bestätigt wurde, Nachrichten an Spione in den USA zu übertragen. Es war ausschlaggebend, das Wasp Network kubanischer Spione vor dem US-Bundesgerichtshof 1998 zu verurteilen. Man argumentierte damit, dass die Spione mit Sony-Kurzwellenempfängern die Nachrichten empfangen haben und die Zahlen in Laptops eingaben, um sie zu decodieren. Das FBI bestätigte, 1995 in das Apartment eines vermuteten kubanischen Spions eingedrungen zu sein und das dazu benötigte Programm kopiert zu haben. Mit diesem konnten sie Nachrichten von "¡Atención!" entschlüsseln, wie sie vor Gericht erzählt haben.

Es wurden drei Beispiele entschlüsselter "¡Atención!"-Nachrichten gezeigt:

  • "prioritize and continue to strengthen friendship with Joe and Dennis" [68 Zeichen] ("Prioritisiert und intensiviert weiterhin die Freundschaft mit Joe und Dennis")
  • "Under no circumstances should [agents] German nor Castor fly with BTTR or another organization on days 24, 25, 26, and 27." [112 characters] ("Unter keinen Umständen sollten [die Agenten] German oder Castor mit BTTR oder einer anderen Organisation an einem der Tage 24, 25, 26 oder 27 fliegen.") (BTTR ist die Anti-Castro-Gruppierung Brothers to the Rescue)
  • "Congratulate all the female comrades for International Day of the Woman." [71 Zeichen] ("Gratuliere allen weiblichen Genossen zum internationen Frauentag.") (Vielleicht ein einfacher Gruß zum 8. März, dem Internationalen Frauentag)

Jede Zahl bedeutete einen Buchstaben bei einer Geschwindigkeit von einer Zahl/Sekunde, was pro Übertragung eine gute Minute ausmacht.

Der Moderator einer e-Mail-Liste für globale Zahlensenderbeobachtung behauptete "Jemand hat bereits den Code einer [von Havanna nach Miami] wiederholt übertragenen Nachricht geknackt."[4] So etwas wäre nur dann möglich, wenn wiederholt ein bereits verwendeter Schlüssel benutzt worden wäre.

Formate

Zahlensender übertragen in einem Basisformat, welches aber in vielen Variationen zwischen den einzelnen Stationen auftritt.

Der Vorspann oder das Intro, welches meist ausschlaggebend für den Spitznamen der Station ist, beinhaltet eine Art Identifizierung, entweder für sich selbst oder für den Empfänger. Das können Zahlen sein, phonetisches Alphabet, Codenamen (z.B. "Charlie India Oscar", "250 250 250"), charakteristische Phrasen (z.B. "¡Atención!", "1234567890") oder ein Musikstück, beziehungsweise eine Melodie (z.B. "The Lincolnshire Poacher", "Magnetic Fields"). Manchmal, wie im Falle der Israelischen "Phonetic Alphabet Stations", wird im Vorspann ein Betreff oder der Grad der Wichtigkeit der Nachricht angedeutet werden (als Phantasiebeispiel: "Charlie India Oscar-2" bedeutet, dass keine neuen Nachrichten vorliegen). Meist werden solche Vorspänne einige Zeit wiederholt, bevor die eigentliche Nachricht folgt.

Für gewöhnlich wird die Anzahl der Zahlengruppen bekanntgegeben. Meist bestehen diese Gruppen aus Fünferketten Zahlen oder Buchstaben (phonetisch ausgesprochen). Meist werden diese wiederholt, entweder unmittelbar nach der ersten Nennung oder die Nachricht wird komplett ein zweites Mal wiederholt.

Einige Stationen senden mehr als eine Mitteilung pro Übertragung. In diesem Fall wird der gesamte Prozess so oft wiederholt, bis alle Mitteilungen übertragen wurden.

Am Ende jeder Übertragung meldet sich die Station auf eine charakteristische Art und Weise ab. Gewöhnlich wird eine Variation des Wortes "Ende" gewählt, in welcher Sprache auch immer übertragen wurde (z.B. "End of message, End of transmission", "Ende", "fini", "final", "konec"). Manche Stationen, speziell jene aus der früheren Sowjetunion, enden mit einer Kette Nullen, z.B. "000 000"; andere enden mit Musik oder anderen mehr oder weniger melodiösen Tönen.

Wegen der geheimnisvollen Natur der Nachrichten ist die Form der Verschlüsselung der Öffentlichkeit nicht bekannt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass manche Stationen einen One-Time-Pad verwenden, welcher zufällig generierte Zahlen- und Ziffernketten generiert. Im Normalfall wird der Schlüssel dazu nur einmal verwendet, was das decodieren ohne Schlüssel unmöglich macht. Unter If It Had Not Been For 15 Minutes, Chapter 7 kann man nachlesen, wie eine Zahlenbotschaft ohne Zuhilfenahme eines Computers entschlüsselt werden kann.

Übertragungstechnologie

Als Übertragungsweg wird nach wie vor die Kurzwelle verwendet, bei einer Übertragungsstärke von 10-100 kW.

Amplitudenmodulierte Sender mit variablen Frequenzen der Klasse C sind die Arbeitstiere in der Welt der Kurzwellenübertragung, also auch der Zahlensender. Spektralanalysen zeigten auch, dass Zahlensender versteckt Data-bursts, RTTY-modulierte Informationsträger und andere, unübliche Übertragungsmittel wie polyphone Töne verwenden.[5] Während des Kalten Krieges wurden als Beispiel per RTTY in kommerziellen US-Radiosendern Nachrichten verschickt. [6] Da vermehrt über eine zweite Ebene in den gesprochenen Nachrichten berichtet wird (RTTY, Data-burst, usw), vermutet man, dass man mit einer Übertragung parallel mehrere Empfänger, vielleicht sogar mehrere Operationen mit Informationen versorgt.[1]

Für Spione "hinter feindlichen Linien" sind die gesprochenen Übertragungen die nach wie vor am besten geeigneten, da es einfacher und unauffälliger ist, ein Kurzwellenradio mit sich zu führen, als hochtechnisches Equipment zur Auswertung gefunkter Datenpakete. Botschaften, Flugzeuge und Schiffe haben bekanntlich sehr komplexe und effiziente Ausrüstungen um solche Datenpakete aus der Heimat abfangen und auswerten zu können. In diesen Paketen können sich aus der technischen Möglichkeit heraus Fotos, Dokumente und andere komplexe Berichte befinden (siehe Wetterfax).

Die sowjetischen Superzahlensender

  • Während des Kalten Krieges gab es mehrere Hinweise, dass die UdSSR 500 kW-Sendeanlagen östlich des Urals verwendete, um Agenten in Westeuropa, Nordafrika und womöglich in Nordamerika zu erreichen.
  • Viele Funkamateure haben durch Peilung in besagten Erdteilen vermutete sowjetische Zahlensender in den Osten des Uralgebirges zurückverfolgen können.
  • In Teilen der technischen Literatur der UdSSR wird darauf verwiesen, dass sowjetische Funktechniker gegen Ende der 1960er-Jahre auf dem Gebiet der HRS 8/8/1 Direkthochfrequenzantennen Pioniersarbeit geleistet haben. So ist es möglich, dass in den 1980er-Jahren schwächere Sendestärken (um die 100 kW) verwendet wurden.
  • Ein definitiver Beweis ist nicht möglich, da die UdSSR Hochfrequenzsignale aus dem Westen effektiv gestört hat und eine genaue Peilung dadurch unmöglich machte. Die Hochfrequenzbänder in Europa waren deshalb während des Kalten Krieges generell sehr gestört.

Interferenzen mit regulären Sendungen [Bearbeiten]

Der nordkoreanische Propagandasender Voice of Korea begann 2006 auf einer Frequenz des Lincolnshire Poachers zu senden; auf 11545 kHz.[2] Da der Lincolnshire Poacher für gewöhnlich parallel auf drei verschiedenen Frequenzen sendet, kann man nicht von einer ernsthaft gestörten Nachricht sprechen. Das vermutete Zielgebiet dieses Zahlensenders ist der Mittlere Osten, nicht der Ferne Osten, welcher durch seine Schwesterstation "Cherry Ripe" abgedeckt wird.

Am 27. September 2006 wurde eine Amateursendung im 30 Meter-Band durch den Zahlensender E7 "Russian Man" um 1740 UTC gestört.[3]

Ein Zahlensender des westdeutschen BND mit der Kennung "Hotel Kilo" ([4]) sendete auf 9450 kHz und kollidierte damit mit Radio Moskau.[5]

Der Kurzwellensender Radio Africa, welcher aus Meyerton in Südafrika sendet auf 4880 kHz als Independent Voice of Zimbabwe und konkurrierte mit der MOSSAD-Station E10 "ULX".[6]

Der religiöse Sender WYFR mit Heimat in Okeechobee, Florida sendete zeitgleich mit dem kubanischen Zahlensender "V2" auf der Frequenz 6855 kHz. Dies passiert öfter, daher ist diese Aufzeichnung kein Einzelfall.[7]

Radio Ukraine International benutzt die Frequenz 9950 kHz im 31 Meter-Band. Am 22. November 2007 um 1610 UTC konnte man hier den starken russischen Zahlensender S06 hören, mit einem "call up" für "425".[8]

Störversuche

Zahlensender waren und sind oft das Ziel von Störsendern. Für gewöhnlich senden die Stationen dennoch unbeirrt weiter. Über die Sinnhaftigkeit solcher Versuche wird viel diskutiert. Es wäre wesentlich effizienter, mit den vorhandenen Störsendern so genannte Clandestine-Broadcasts zu stören, die eine viel größere Hörerschaft erreichen können, als Zahlensender, die vielleicht nur eine Hand voll Personen anspricht. Zusätzlich haben einige Stationen keinen fixen oder nachvollziehbaren Sendeplan, also hat es keinen Sinn, zu versuchen, diese Übertragungen zu manipulieren, da sie nie rechtzeitig entdeckt werden können, falls überhaupt.

Beispiele von Störsendern:

  • E3 Lincolnshire Poacher war Anfang der 1990er Ziel eines "bubble" bzw. "warble"-Jammers.[11]
  • E5 Cynthia war ebenfalls Ziel dieses Störsenders.[12]

Klassifikation

Neben den vielen Spitznamen der Zahlensender-Jäger hat die Beobachtungsgruppe ENIGMA 2000 eine eigene Klassifikationstabelle geschaffen, um die einzelnen Zahlensender und ihre Gruppen besser zusammenfassen zu können. Aufgeschlüsselt bestehen diese Kennzeichnungen aus einem Buchstaben, der auf die Sprache oder Art der gesendeten Nachrichten verweist sowie eine Ordnungsnummer:

  • E bedeutet, die Station sendet in englischer Sprache
  • G bedeutet, die Station sendet in deutscher Sprache
  • S bedeutet, die Station sendet in einer slawischen Sprache
  • V bedeutet, die Station sendet in einer anderen Sprache (meist spanisch oder arabisch)
  • M bedeutet, die Station sendet Morsecode
  • X bedeutet, die Station sendet etwas völlig anderes, z.B. polyphone Töne oder unidentifizierbare Geräusche und Tonfolgen.

Beispiele: E3 oder E03 ist der Lincolnshire Poacher, V02 ist der kubanische ¡Atención!, G12 war der vermutlich österreichische Zahlensender NNN, und so fort. Die "neueste" Station ist der unidentifizierte Sender E23, welcher Ende 2006 und Anfang 2007 zu empfangen war.

Manche Stationen werden auch nachträglich als kein Zahlensender identifiziert. So geschehen bei E22, welcher zu jeder vollen Stunde alle vier Minuten "This is Mike Hotel 8" übertragen hat. Wie sich herausstellte, handelt es sich hierbei um eine Testübertragung von All India Radio.

Zahlensender in der Populärkultur [Bearbeiten]

Musik [Bearbeiten]

1997 veröffentliche das englische Label Irdial-Discs das 4CD-Set The Conet Project: Recordings of Shortwave Numbers Stations, welche man sich heute legal herunterladen kann.[13]

65daysofstatic, Boards of Canada, Porcupine Tree, Wilco und Chroma Key (”Even The Waves" - Stimme entspricht Sender "Sweedish Rhapsody") verwendeten in einzelnen Songs Samples von Zahlensenderaufnahmen.

Der österreichische Noisekünstler Subcarrier veröffentlichte 2007 eine freie Download-EP basierend auf Zahlensendermitschnitten.[14]

Kraftwerk wie Boards of Canada waren streckenweise stark von Zahlensender beeinflusst. Kraftwerk veröffentlichte den Song "Numbers" und Boards of Canada das Stück "Gyroscope", in welchem man eine verzerrte Aufnahme von E5 hören kann.

Der kanadische Künstler Derek R. Audette veröffentlichte das Instrumentalstück Numbers Station, in welchen man authentische Aufnahmen von Zahlensendern hört.[15]

Die schwedische Band Covenant verwendete während ihrer Tour United States of Mind im Jahre 2000 verschiedene Samples von Zahlensendern. Man kann diese auf dem Live-Album Synergy hören.

Film & Fernsehen [Bearbeiten]

Im deutschen Film "Der Westen leuchtet!" sieht man den Agenten Harald Liebe, wie er Instruktionen von einem Zahlensender empfängt und diese mit einem One-Time-Pad decodiert. [16]

Cameron Crowe verwendete mehrerer solcher Aufnahmen in seinem Film Vanilla Sky um eine Aura der Verwirrung zu schaffen.

Die Zahlen 4, 8, 15, 16, 23 und 42 werden vom Zahlensender der Insel in der Fernsehserie Lost gesendet.

Im Buch sowie im Film "Der längste Tag" hören Mitglieder der Résistance BBC London, welcher scheinbar sinnlose Sätze wie "Ich mag siamesische Katzen" oder "John hat einen langen Schnurrbart" überträgt, welche codierte Nachrichten zu D-Day sind.

Im 1991 gedrehten amerikanischen Actionfilm "Boy Soldiers" sieht man gleich in 3 Szenen das abhören eines Spanisch- Mexikanischen Zahlensenders von einem Drogenschmuggler- und Terroristen der sich in einer Schule verschanzt hat.

Literatur [Bearbeiten]

  • Claudia Heissenberg: „Achtung: Fünnef, zwo, null, null, Trennung ...“ Geheimdienste auf Sendung. Feature. Deutschlandfunk, 16. September 2003. Online-Version (Link auf der Seite ganz oben führt zur Audio-Version.)
  • Patrick Woods auf netzwelt.de: "„James Bond liegt in der Luft“", 2. September 2007. [17]

Weblinks

Quellen

  1. "The Shortwave And the Calling: For Akin Fernandez, Cryptic Messages Became Music To His Ears", The Washington Post, 3. August 3 2004.
  2. "Photos of Soviet Embassy Antenna Farms"
  3. http://www.salon.com/people/feature/1999/09/16/numbers/print.html
  4. Chris Smolinski of Spooks to Miami New Times-Reporter Brett Sokol, 2001. http://www.miaminewtimes.com/issues/2001-02-08/kulchur.html
  5. Schimmel, Donald W., The Underground Frequency Guide: A Directory of Unusual, Illegal, and Covert Radio Communications (3rd ed.) [Solana Beach, CA: High Text Publications, Inc., 1994], pp. 27–28.
  6. Collins, Barry W., W4TLV, "The day the U.S. Army invaded W4TLV," QST, pp. 48–49 (July 1997) .......................................................................................................................................................

Weitere Links

    http://de.youtube.com/watch?v=YkxSePHWxq4
    http://de.youtube.com/watch?v=GDxXdttkueM
    http://de.youtube.com/watch?v=XGrXD-WHDrE
    http://de.youtube.com/watch?v=sGnPE3yI0hk
    http://de.youtube.com/watch?v=fOxY3L4sQC4
    http://de.youtube.com/watch?v=6lC4JRXsWkk
    http://de.youtube.com/watch?v=mdxYQJkiiyw
    http://de.youtube.com/watch?v=ngq4LrJVO0I
    http://de.youtube.com/watch?v=KZChNxJq3N4
    http://www.simonmason.karoo.net/page30.html
    http://www.google.com/s2/sharing/stuff?user=112946966067578179095
    http://www.fading.de/zahlensender.php
    http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/42/64/dokument.html?titel=Jagd+auf+die+Zahlensender&id=25834624&top=SPIEGEL&suchbegriff=&quellen=&vl=0
    http://www.spyradio.de/afd.html
    http://www.spynumbers.com/
    http://homepage.bluewin.ch/radiomann//audio/audio.htm

       

       
       
      DDR-Untergrundsender -- Bemerkungen eines "Ost"-DXers 
      Soldaten- bzw. Freiheitssender
      Gehen die Frequenzen schon aus den Namen hervor: "Deutscher Freiheitssender 904"

      Nein, der Sender hat ab 1956 [vom ersten Tag des Verbots der westdeutschen KPD durch das Karlsruher Verfassungsgericht, der Tag laesst sich bestimmt in Archiven finden] mindestens bis weit in die 60er Jahre immer auf der Splifrequenz 904 gesendet, das war schon durch das durchdringende Interferenzpfeifen im alten Roehrenempfaenger - mit scheunentorgrossem Eingang - festzustellen. London 908 und Mailand 899 fielen schon damals stark in Deutschland ein. Burg hatte 4 x 125 kW Tesla Sender im Einsatz, d.h. man hatte verschiedene Kombinationsmoeglichkeiten, registriert waren immer 250 kW Sender (2 x 125).

      Ich war damals in der Fachschule des Berufskombinats Poessneck, und war im Wohnheim mit aufpassendem Erzieher untergebracht, mit einer Heimfahrt pro Monat! Da lief "Gemeinschaftsarbeit" am Abend, sowie gemeinsamer TV Empfang vom Inselsberg (manchmal sogar Ochsenkopf!). Wir schafften es aber immer, im Radioraum statt der Orchester Henkels/Gollasch z.B. die starken MW
      Stationen am oberen Ende des Bandes zu hoeren, z.B. SWF 1538, Saarbruecken 1422, Luxemburg 1439, aber auch Laibach 917 und Dornbirn 1025 fielen damals sehr stark in Thueringen ein. Ortssender neben Wachenbrunn 629 u. 693, war eindeutig AFN Frankfurt 872. Aber auch die Geheimsender 904/935 wurden oft gehoert. Der Soldatensender hatte sein Studio im Hauptquartier Straussberg bei Berlin, jetzt Bundeswehr, die KPD sendete aus Koepenick. Sogar mein kleiner RFT Stassfurt? Kolibri mit zwei Festfrequenzen brachte den AFN sehr gut herein. Wieviele Male habe ich an den Ferritkernen des Geraets geschraubt?? Das Ding hatte nur einen Schiebeschalter fuer zwei
      Festfrequenzen, und keinen VFO. Der eine Ferritkern liess sich von 782 auf 872 hintrimmen.
      _________________________

      Morgens war Sendebeginn um 6:15 Uhr. Das war ungefähr auch unsere Aufstehzeit. Die erste Abendsendung ging von 18:00-18:45 Uhr, dan wurde der Sender auf die Frequenz des Freiheitsenders umgetrimmt, der von 19- 20:00 Uhr arbeitete. Um 20:15 Uhr war für eine halbe Stunde wieder der Soldatensender dran. Von 21-22:00 Uhr der Freiheitsender. Die zweite halbe Stunde auf 904 war überwiegend musikalisch, aber das waren mehr so deutsche Schlager, auf die wir nicht so standen. Der Soldatensender kam  dann noch mal um 23:30 Uhr. Lächerlich war die Postadresse des Soldatensenders:
      Werner Schütz, Postfach 116, Berlin W8.
      Berlin W8 war natürlich in Ost- und nicht in W- Berlin.

      ____________________________________

      Als ich 1969 ins Internat der Erweiterten Oberschule für Sehgeschädigte Königs Wusterhausen kam, hatten wir mit einem Effekt zu kämpfen, den wir (ich weiß nicht, ob technisch korrekt) Intermodulation nannten.
      Auf unseren Spulentonbandgeräten und anderen NF- Dingern waren Signale von RBI zu hören und auch von einem  Untergrundsender, der im 41-MB für die damals unter der Militärjunta illegale
      Kommunistische Partei Griechenlands sendete, von KW aus also.

      Ja, das stimmt, als der hoechste der Koe-Wu Sendemasten, 243 m hoch, am 13. November 1972 mittags durch einen orkanartigen Sturm zerstoert wurde, verstummte auch die gerade laufende KW Aussendung der griechischen kommunistischen Partei auf 7335 kHz. Entweder war die Antenne getroffen, oder es gab andere Stromzufuehrungsprobleme ... Jedenfalls meldete das der BBCM genau auf die Minute ... die haben bestimmt in Caversham Park den Griechen zugehoert ... , dass die Aussendung in Griechisch ploetzlich verstummte.
      Der Sender hiess Voice of Truth (Radiofonikos Stathmos I Foni Tis Alithias), neben 7335-Winter auch 9775-Sommer benutzt. Dazu gab es noch Bizim Radio fuer die tuerkischen Kommunisten, der ausbreitungsmaessig im Sommer von Bulgarien, im Winter aus Koe-Wu sendete - oder auch kombiniert
      1xBUL 1xDDR: 6200-BUL, DDR: 9500, 9535, 9585, 9600.  Ersatzsender war wohl manchmal auch Leipzig Wiederau.

      Ich meinte Arne Skoog bei R Sweden hat das auch uebernommen, und im WWDXC DXM gab es auch eine Meldung darueber, damals war wohl Joerg Klingenfuss? Redakteur, ich war es wohl noch etwas spaeter... Also Meldungen darueber muessten sich in diversen DX Publikationen finden lassen.  Die Unterbrechung hielt bis zum 19.11.1972.

      Kommentar: ... Uebrigens sind die daraufhin befragten ehemaligen Techniker in Koe-Wu sehr  TAUB  auf diesem Ohr, als wenn sie noch der Stasi/SED/KPD verpflichtet waeren ....
      __________________________________

      Da wäre dann auch von Radio Vltava die Rede, der aus dem Raum Dresden gen CSSR spuckte.
      Ja, ich hatte noch im Juli 1998 Prag besucht. Nach der Rueckkehr, -- ich hatte zwei ganz gute Portabelempfaenger:
      Schaub Lorenz 49 bis 11 mb, sowie ganz frisch den Grundig Satellit 208 mit 75 mb! -- sooo schoen chromverziert --.Aber die endlosen Pauktoene und auch das Motiv von Smetana "Die Moldau" so
      etwa 5-7 Tage  v o r   dem  Einmarsch auf der Frequenz 1430 hoerte ich im Blaupunkt Autoradio zum ersten Mal nach der Arbeit auf der Heimfahrt gegen 1700 Uhr an der Frankfurt Niederraeder Pferderennbahn. Ich habe dann gleich die Europawelle Saar angerufen, von der Telefonzelle, ganz wenige Leute hatten ein pirvates Telefon.
      Europawelle Saar  -- das war  deeeer  Info- und Musik-Sender damals zwischen 1965 und 1970 -- und die News dem Nachrichtenredakteur dort in Saarbruecken berichtet. Dann ging die Meldung ueber den Vlatava Sender gleich ueber alle Kanaele.

      Zuhause mit beiden Geraeten und den Ferritantennen ausgenullt, ergab das eindeutig die Richtung Dresden Wilsdruff,  n i c h t  Uhlenhorst.

      Ja, wenn die KPD ihr Archiv im Internet haette, koennte man das alles nachlesen, oder bei den CIA-Yankees in ex-Dahlem oder gleich in Pullach. Gibt es eigentlich die Spiegel-Jahrgaenge im Internet zu lesen, wer weiss mehr?

       



       
      Deutscher Soldatensender, Oct. 1998

      Ich war damals Geheimsender-Redakteur beim Schweizer Kurzwellenhörerklub.
      Der DSS unterstand, soweit mir bekannt, dem MFS. Die Adresse, die in den Sendungen angegeben wurde war:  Werner Schütz, Postfach 116, Berlin W8

      Dorthin habe ich meine Empfangsberichte geschickt. Mir war durch meine SWL-Freunde aus Berlin bekannt, daß W8 im Ostteil der Stadt lag. Der Sender gab sich jedoch als einziger Sender der BRD aus, der nicht von der Bundesregierung (West) kontrolliert wurde.

      Es war damals bekannt, daß der DSS keine QSL-Karten versenden würde, also habe ich etwas provokativ geschrieben, daß ich von jedem "normalen" Sender in Ost und West QSL-Karten bekäme, nur von ihnen nicht. Ob dies die Ursache war, weiß ich nicht, drei Wochen später hatte ich die Karte und zahlreiche andere Hörer ebenfalls. Der Sender stand in Burg bei Magdeburg.

      Etwa ein halbes Jahr später bekam ich einen Fragebogen, wieder von einer Privatadresse in Berlin zugeschickt: "Waren Sie schon bei der Bundeswehr ?", "Wenn ja wo?", "Wissen Sie schon wann Sie hin müssen?" etc. Zu gewinnen war ein Wochenende, ich glaube in Prag! Ich habe nicht geantwortet, obwohl die "Politische Polzei" 14.
      Kommissariat eigentlich gerne gesehen hätte, daß ich darauf eingehe. Aber mit 18 oder 19 Jahren schon Doppelagent war mir dann doch zu "haarig". Ich bin sicher, daß bei der Gauck-Behörde seit dieser Zeit eine Akte über mich existiert.
      ...

      Als dann später, ich glaube in 1973 oder 74, im Sturm der Sendemast von Radio DDR umkippte, da war es auch mit dem DSS vorbei. Der Kalte Krieg erfuhr seine erste Entspannungsphase und der Sender wurde nicht mehr in Betrieb genommen.
       
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