Zenki - Ungeteilte Handlung - „Befreiung“ bedeutet, dass Du im Leben vom Leben und im Tod vom Tod befreit wirst. Daher gibt es Verlassen von Leben-und-Tod und Eintreten in Leben-und-Tod. Dies ist die vollkommene Übung des Großen Weges. Es gibt Loslassen von Leben-und-Tod und Erwecken von Leben-und-Tod. Dies ist die vollkommene Übung des Großen Weges. „Volles Erscheinen“, das ist Leben; Leben ist volles Erscheinen. Zum Zeitpunkt dieses vollen Erscheinens gibt es nichts als vollkommen verwirklichtes Leben, nichts als vollkommen verwirklichten Tod. Dieses in sich bewegte Gefüge von Momenten macht Leben ganz zum Leben, Tod ganz zum Tod. Verwirklicht genauso in diesem Moment, ist eine derartige Handlung weder groß noch klein, weder messbar noch unmessbar, weder zurückstellbar noch vordringlich. Leben in diesem Moment ist ungeteilte Handlung. Ungeteilte Handlung ist Leben in diesem Moment. Leben kommt weder noch geht es. Leben erscheint weder noch gibt es dies bereits. So ist Leben vollkommen offenbart und so ist Tod vollkommen offenbart. Wisse, dass es in Dir zahllose Wesen gibt, in Dir ist Leben und in Dir ist Tod. Denke still darüber nach, ob Leben und alle Dinge, die gemeinsam mit ihm erscheinen, untrennbar voneinander sind oder nicht. Es gibt weder einen einzigen Moment noch ein einziges Ding, welches getrennt ist vom Leben. Es gibt weder eine Sache noch ein Herz, das getrennt ist vom Leben. Das Leben ist geradeso wie eine Bootsfahrt. Du hisst die Segel und setzt dich ans Ruder. Obgleich es Du bist, die/der rudert, so ist es doch das Boot, welches dich fährt, und ohne Boot könntest Du nicht fahren. Aber Du fährst mit dem Boot und machst damit das Boot zum Boote. Untersuche einen Augenblick so wie diesen. In ihm gibt es einzig und allein die Welt des Bootes. Himmel, Wasser und Ufer sind alle Welt des Bootes, was nicht das gleiche ist wie eine Welt, die nicht des Bootes ist. Daher machst Du Leben zu dem, was es ist, Du machst Leben zu Deinem Leben. Wenn Du Boot fährst, dann bilden Dein Körper und Geist gemeinsam mit der Umgebung die ungeteilte Handlung des Bootes. Die gesamte Erde und der ganze Himmel sind beide ungeteilte Handlung des Bootes. Daher ist das Leben nichts anderes als Du selbst; Du bist nichts anderes als Leben. Der Zen-Meister Yuanwu Keqin sagte: "Leben ist ungeteilte Handlung, Tod ist ungeteilte Handlung". Erlangt Klarheit über diese Worte und untersucht sie gründlich. Was ihr untersuchen sollt, ist folgendes: Während die ungeteilte Handlung des Lebens weder Anbeginn noch Ende hat und die gesamte Erde und den ganzen Himmel mit einschließt, so verhindert sie doch weder die ungeteilte Handlung des Lebens noch die ungeteilte Handlung des Todes. Im Augenblick der ungeteilten Handlung des Todes, während sie die gesamte Erde und den ganzen Himmel mit einschließt, verhindert sie weder die ungeteilte Handlung des Todes noch die ungeteilte Handlung des Lebens. Da dem so ist, verhindert Leben Tod nicht; Tod verhindert Leben genauso wenig. Beide, die gesamte Erde und der ganze Himmel erscheinen im Leben genauso wie im Tod. Jedoch ist es nicht so, dass ein und dieselbe Erde und ein und derselbe Himmel im Leben und im Tod ganz und gar verwirklicht sind: obschon nicht eins, nicht verschieden; obschon nicht verschieden, so nicht das gleiche; obschon nicht das gleiche, so nicht viele. Gleichermaßen ist im Leben die ungeteilte Handlung aller Dinge und ist im Tod die ungeteilte Handlung aller Dinge. Und es ist ungeteilte Handlung in jenem, was nicht Leben ist und was nicht Tod ist. Es ist Leben und es ist Tod in ungeteilter Handlung. Daher ist die ungeteilte Handlung von Leben und Tod wie wenn ein Jüngling seine Muskeln spielen lässt oder wie jemand, der des nächtens nach dem Kissen tastet. Dies ist Erkennen in weitem und wundersamen Lichte. Weil sich Erkennen in ungeteilter Handlung darstellt, könntest Du in einem derartigen Moment annehmen, dass es davor keine Erkenntnis gegeben habe. Jedoch, vor diesem Erkennen hat sich ungeteilte Handlung offenbart. Die ungeteilte Handlung, welche sich vorher darstellte, verhindert nicht das gegenwärtige Erkennen ungeteilter Handlung. Da dem so ist, kann Dein Verstehen Augenblick um Augenblick voll und ganz erscheinen. Dargelegt vor einer Versammlung im Amtsitz des ehemaligen Gouverneurs der Izumo Provinz, in der Nähe des Rokuharamitsu Tempels, Kyoto, am siebzehnten Tage des zwölften Monats, im dritten Jahre der Ninji Ära (1242). Übersetzung aus dem Originaltext: Kazuaki Tanahashi und Friederike Boissevain, © 2007 |