Zanmai ō zanmai - König der Samadhis - Die Welt direkt zu überkommen, die Herrlichkeit des Hauses der Buddha-Ahnen zu verwirklichen - das ist das Sitzen in Meditationshaltung. Die Köpfe von Außenstehenden und Dämonen zu überspringen und ein wahrer Mensch innerhalb des Hauses der Buddha-Ahnen zu werden - das ist das Sitzen in Meditationshaltung. Das Sitzen in Meditationshaltung bedeutet, die tiefste und innigste Lehre der Buddha-Ahnen zu überkommen. Daher üben Buddha-Ahnen diesen Weg, ohne dass sie etwas anderes tun bräuchten. Wisse, dass die Welt der Sitzenden Übung ganz anders ist als andere Welten. Verdeutliche dies Dir selbst gegenüber, und halte dann Streben (1) , Übung, Erleuchtung und Nirvana der Buddha-Ahnen am Leben. Untersuche die Welt im Augenblick des Sitzens. Ist sie senkrecht oder waagrecht? Im Augenblick des Sitzens, was ist Sitzen? Ist es der grazile Salto eines Artisten oder das pfeilschnelle Sausen eines Fisches? Ist es Denken oder Nicht-Denken? Ist es Tun oder Nicht-Tun? Ist es Sitzen inmitten des Sitzens? Ist es Sitzen inmitten des Körper-Geistes? Ist es das Sitzen und das Loslassen des Sitzens inmitten des Sitzens oder ist es das Loslassen des Sitzens inmitten des Körper-Geistes? Untersuche dies auf alle nur erdenkliche Weisen. Sitze in der Körperhaltung der Meditation. Sitze in der Geisteshaltung der Meditation. Sitze in der Meditationshaltung des Loslassens von Körper und Geist. Rujing, mein letzter Meister, der Alte Buddha, sprach: „Zen zu üben - das ist Loslassen von Körper und Geist. Es kann nur geschehen durch Sitzen von ganzem Herzen; Weihrauch darbieten, sich verbeugen, Buddhas Namen rezitieren, zu bereuen und Sutren zu lesen sind nicht zentral.“ Ruijing ist der einzige in vier oder fünfhundert Jahren, der das Auge der Buddha-Ahnen ergriffen hat und sich im Innersten dieses Auges niedersetzte. Es gibt nur ganz wenige in China, welche Schulter an Schulter mit ihm bestehen können. Vielleicht gibt es einige, die verstanden haben, dass Sitzen Buddha-Dharma ist und dass Buddha-Dharma Sitzen bedeutet. Und vielleicht gibt es einige, welche selbst erfahren haben, dass Sitzen Buddha-Dharma ist. Aber es gibt keinen anderen, der selbst erfahren hat, dass Sitzen Sitzen bedeutet. Wer könnte sonst das Buddha- Dharma als das Buddha-Dharma bewahren? Daher gibt es das Sitzen mit dem Geist, was nicht dasselbe ist wie das Sitzen mit dem Körper. Es gibt das Sitzen mit dem Körper, was nicht dasselbe ist wie das Sitzen mit dem Geist. Es gibt das Loslassen des Körper-Geistes im Sitzen, was nicht dasselbe ist wie das Loslassen des Körper-Geistes im Sitzen. Dies zu erfahren bedeutet, Übung und Verstehen der Buddha-Ahnen zu verschmelzen. Halte diese Erkenntnis aufrecht. Untersuche dieses Bewusstsein. Shakyamuni Buddha sprach zu den Versammelten: „Wenn Du in Meditationshaltung sitzt, so verwirklichst Du Samadhi in Körper und Geist, eine Tugend, welche die Menschen achten werden. Wie die Sonne, welche die Welt erleuchtet und stärkt, nimmt dieses Sitzen unsere Finsternis vom Geist und lässt den Körper leicht werden, so dass unsere Erschöpfung weichen kann. Erleuchtung wird so natürlich wie ein Drache, der sich in seinem Nest aufgerollt hat. Schon allein das Bild eines in Meditation sitzenden Menschen flösst einem Dämonen Angst ein; um so mehr noch eine lebendige Person, welche den Weg durch bewegungsloses Sitzen und in Entspanntheit erkennt“. Wie der Buddha sagte, ein Dämon reagiert verschreckt und fürchtet sich schon allein vor dem Bild von jemandem, der in Meditationshaltung sitzt und fürchtet sich noch viel mehr vor einer lebendige Person, welche auf diese Art und Weise sitzt. Daher wissen wir, dass der Verdienst eines derartigen Sitzens unschätzbar ist. Dieses gewöhnliche, alltägliche Sitzen selbst ist grenzenlose Freude. Shakyamuni Buddha fuhr fort: “Daher solltet Ihr in Meditationshaltung sitzen.“ Dann lehrte der Tathagata, der Welthochverehrte, seine Schüler, wie zu sitzen sei und sprach zu ihnen: „Manche Außenseiter versuchen zu üben, indem sie auf ihren Zehenspitzen stehen, andere wiederum, indem sie fortwährend stehen und wieder andere, indem sie eine Yoga-Haltung annehmen, in welcher ihre Füße über den Schultern zu liegen kommen. Diese Menschen entwickeln unausgeglichene Geisteshaltungen, welche in einem Meer der Verblendung untergehen, weil ihre Körperstellungen unnatürlich sind. Warum lehre ich meine Schüler, aufrecht in Meditationshaltung zu sitzen? Weil es einfach ist, den Geist einzustellen, wenn der Körper aufrecht ist. Wenn der Körper aufrecht sitzt, dann ist der Geist nicht stumpf. Stattdessen ist der Geist offen, die Absicht echt und die Aufmerksamkeit auf das gerichtet, was vor uns liegt. Wenn der Geist sich zerstreut oder der Körper gebeugt ist, sammle Deinen Körper-Geist zusammen und kehre zur aufrechten Sitzhaltung zurück. Wenn Du Samadhi verwirklichen und dort eintreten möchtest, so solltest Du jedwede ablenkende Gedanken und Zerstreuungen des Geistes inmitten dieser Haltung zusammensammeln. Übe auf diese Art und Weise und Du wirst das Eintreten in den König der Samadhis unmittelbar erfahren“. Somit wissen wir genau, dass das Sitzen in Meditationshaltung selbst der König der Samadhis ist. Es selbst ist das Hineingehen in Erkennen. Alle anderen Samadhis dienen dem König der Samadhis. Es ist ein aufrechter Körper, der in der Meditationshaltung sitzt, ein aufrechter Geist, ein aufrechter Körper-Geist, ein aufrechter Buddha-Ahne, eine aufrechte Übung-Erkenntnis, ein aufrechter Scheitelpunkt des Kopfes und eine aufrechte Lebensader. Wenn Du in Meditationshaltung sitzt, so sind Haut, Fleisch, Knochen und Mark eines menschlichen Wesens sofort lebendig im König der Samadhis. Der Welthochverehrte saß stets in dieser Meditationshaltung und alle seine Schülerinnen und Schüler gaben sie wahrheitsgemäß weiter. Der Welthochverehrte lehrte Menschen und Götter, wie man in dieser Meditationshaltung sitzen soll. Es ist das Geistessiegel, wahrheitsgemäß überliefert durch die Sieben Ursprünglichen Buddhas. Shakyamuni Buddha saß in dieser Meditationshaltung unter dem Bodhi-Baum für fünfzig kleine Äonen, sechzig große Äonen, und zahllose nicht näher einzuordnende Äonen. Vielleicht saß er für drei Wochen oder vielleicht auch nur für ein paar Stunden. In jedem Falle ist das Zazen Buddhas das Drehen des wundersamen Rad des Dharmas; in ihm ist seine lebenslange Unterweisung enthalten. Nichts fehlt. Die gelben Schriftrollen und die roten Schriftrollen der Sutras, sie sind alle hier. In diesem Augenblick des Sitzens, sieht Buddha Buddha und alle Wesen erlangen Buddhaschaft. Kurz nachdem Bodhidharma, der Erste Chinesische Ahne, aus Indien kam, saß er für neun Jahre zur Wand hin gerichtet in Zazen im Shaolin Kloster, auf dem Shaoshi Gipfel am Berge Song. Seitdem haben sich Kopf und Augapfel seiner Übung in ganz China behauptet. Bodhidharmas Lebensstrom ist genau dieses Sitzen in Meditationshaltung. Bevor er aus Indien kam, haben die Menschen in China das Sitzen in Meditationshaltung nicht wirklich gekannt. Aber nach seiner Ankunft lernten sie es kennen. Daher, für ein Leben, für zahllose Leben, vom Scheitel bis zur Sohle, ohne das Kloster zu verlassen und ohne Dich um andere Dinge zu kümmern, sitze von ganzem Herzen Tag und Nacht in Meditationshaltung - dies ist der König der Samadhis. Dargelegt vor der Versammlung des Yoshimime Klosters am fünfzehnten Tage, im zweiten Monat im zweiten Jahr der Ära Kangen (1244) (1) Sanskrit: Bodhicitta; dōshin: Die Geisteshaltung, die das Streben nach Erleuchtung bezeichnet Übersetzung aus dem Originaltext: Kazuaki Tanahashi und Friederike Boissevain, © 2009 |