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Katto

Katto

- Verflechtungen -

Während der Versammlung auf dem Geiergipfel hat einzig Mahakashyapa durch sein Erkennen und Erfahren die Schatzkammer des Wahren Dharma-Auges und die unübertroffene Erleuchtung von Shakyamuni Buddha empfangen und weitergegeben. Mittels einer direkten Abfolge von unmittelbarem Erkennen durch achtundzwanzig Generationen hindurch hat sie den Ehrwürdigen Bodhidharma erreicht.
Bodhidharma ging nach China und vertraute die Schatzkammer des Wahren Dharma-Auges und die unübertroffene Erleuchtung Huike an, welcher später der große Meister Zhengzong Pujue werden sollte, und bestätigte ihn als den Zweiten Vorfahren. Weil der Achtundzwanzigste Vorfahre nach China ging und dort zum ersten Lehrer wurde, wird er auch als der Erste Chinesische Vorfahre bezeichnet. Der neunundzwanzigste Vorfahre wird als Zweiter Chinesischer Vorfahre bezeichnet. Dies ist in China so üblich.
Bodhidharma übte einst unter dem Ehrwürdigen Prajnatara und hatte durch unmittelbares Erkennen und Erfahren die Lehre Buddhas, die Knochen des Weges, empfangen. Durch sein Erkennen des Ursprungs bestätigte und empfing er den selbigen und machte ihn so zur Wurzel von Ästen und Blättern.
Obgleich es eine ganze Anzahl an Heiligen gibt, welche zu üben versuchen, indem sie die Wurzeln verflochtener Reben durchtrennen, so betrachten sie doch nicht das Durchtrennen von verflochtenen Reben mittels verflochtener Reben als „Durchtrennen“. Ebenso wissen sie nicht um das Durchtrennen verflochtener Reben mittels verflochtener Reben. Auch wissen sie nicht um das Verflochtensein der einzelnen Reben miteinander. Wie können sie darüber hinaus verstehen, dass verflochtene Reben durch verflochtene Reben weitergegeben werden? Diejenigen, welche wissen, dass die Weitergabe des Dharmas „verflochtene Reben“ sind, sind selten. Niemand hat je davon gehört. Niemand hat bislang dieser Lehre wirklich Ausdruck verliehen. Wie soll es dann für viele möglich sein, sie zu erkennen und zu erfahren?
Rujing, mein letzter Meister, der alte Buddha, sprach: „Ein Kürbis ist durch seine Ranken mit [anderen] Kürbissen verflochten.“
Diese Lehre wurde in den verschiedenen Richtungen der Vergangenheit und Gegenwart weder gesehen noch gehört. Rujing alleine hat davon gesprochen.
Ein Kürbis ist durch seine Ranken mit [anderen] Kürbissen verflochten bedeutet, dass Buddha-Ahnen vollkommen Buddha-Ahnen erfahren, Buddha-Ahnen gehen im Zuge tiefen Verstehens ineinander über.
Bodhidharma sprach einst zu seinen Schülern:
„Meine Zeit neigt sich. Könnt Ihr Euer Verstehen ausdrücken?“
Da sprach Daofu, einer seiner Schüler: „So sehe ich es: Wir sollten uns weder von Worten abhängig machen, noch uns zu sehr von ihnen entfernen und dem Weg erlauben, frei zu wirken“.
Bodhidharma sprach: „Du hast meine Haut erlangt.“
Die Nonne Zongchi sprach: „So sehe ich es: es ist wie die Freude, das Land des Akshobhya Buddha nur einmal zu sehen und dann nie wieder.“
Bodhidharma sprach: „Du hast mein Fleisch erlangt.“
Daoyu sprach: „Die Vier Elemente sind ihrem Ursprung nach leer und die Fünf Skandhas gibt es nicht. Daher sehe ich nichts, was erlangt werden müsste.“
Bodhidharma sprach: „Du hast meine Knochen erlangt.“
Schlussendlich war Huike an der Reihe. Er verbeugte sich drei Mal, stand wieder auf und kehrte an seinen Platz zurück.
Bodhidharma sprach: „Du hast mein Mark erlangt.“
Daher machte er Huike zum Zweiten Vorfahren und gab Dharma und Gewand an ihn weiter.

Untersuche diese Worte Bodhidharmas: Du hast meine Haut, mein Fleisch, meine Knochen und mein Mark erlangt. Dies sind die Worte der Vorfahren. Die vier Schüler hatten sie allesamt erlangt und auch ausgedrückt, was sie gehört hatten. Das Erlangen und Ausdrücken eines jeden von ihnen ist Haut, Fleisch, Knochen und Mark, welche jenseits von Körper und Geist gehen; Haut, Fleisch, Knochen und Mark, welche Körper und Geist abfallen lassen.

Du kannst nicht erwarten, die Vorfahren und Lehrer zu sehen und zu hören, wenn Du nur [Dein] Wissen und Verstehen für Dich selbst beleuchtest. Sonst wird, was gesagt und gehört wurde, nicht vollkommen erfasst werden.
Dennoch denken jene, welche nicht die wahre Dharma-Übertragung erfahren haben, dass Bodhidharmas Worte Haut, Fleisch Knochen und Mark untereinander nicht ebenbürtig wären und dass in Anbetracht der unterschiedlichen Sichtweisen der vier Schüler die eine näher als die anderen wäre. Sie denken, dass Haut und Fleisch weiter außen liegen würden als Knochen und Mark. Sie denken, dass Huike deswegen als derjenige anerkannt wurde, welcher das Mark erlangt hat, weil seine Sichtweise näher und darum besser als die der anderen war.
Menschen, die so denken, haben die Buddha-Ahnen noch nicht erfahren und untersucht und haben keine wahre Übertragung des Weges der Vorfahren erhalten.

Wisse, dass es bei Bodhidharmas Worten Fleisch Knochen und Mark nicht um „oberflächlich oder tief“ geht. Selbst wenngleich es Unterschiede im Verstehen geben mag, so handeln die Worte Bodhidharmas einzig und allein davon, ihn selbst zu erlangen. Es bedeutet, dass weder der Satz Du hast mein Mark erlangt noch der Satz Du hast meine Knochen erlangt jeweils wesentlicher wären, um einen Menschen darin anzuleiten, Gras hochzuheben [Bemühen, gründlich untersuchen] oder Fallenzulassen [jenseits von Bemühen].
Es ist wie das Hochhalten einer Blume oder wie die Weitergabe eines Gewandes. Von Anfang an war Bodhidharmas Bestätigung für alle gleich. Obschon seine Bestätigung für alle gleichermaßen galt, waren die vier Sichtweisen nicht notwendig die selben. Wie auch immer sie sich voneinander unterschieden haben mögen, Bodhidharmas Worte sind einfach nur Bodhidharmas Worte.

Worte und ihr Verstehen stimmen nicht notwendigerweise überein. Bodhidharma sprach zu seinen vier Schülern jeweils als ein Beispiel Worte wie: „Du hast meine Haut erlangt“. Wenn es außer dem Zweiten Vorfahren noch weitere Hunderte oder Tausende von Schülern gegeben haben würde, dann hätte es auch weitere hundert oder tausend Arten für ihn gegeben, seine Lehre auszudrücken. Sie sind unerschöpflich. Da er aber nur vier Schüler hatte, sprach er von Haut, Fleisch, Knochen und Mark. Es gibt noch viele andere Beispiele, die er hätte benützen können, aber er tat es nicht. Er hätte selbst zum Zweiten Vorfahren sagen können, er habe seine Haut erlangt. Wenngleich er gesagt hätte: „Du hast meine Haut erlangt“, so hätte er doch die Schatzkammer des Wahren Dharma Auges an Huike als den Zweiten Vorfahren weitergeben können. Hier geht es nicht um einen Qualitätsunterschied bezüglich des Erlangens von Haut oder Mark.
Bodhidharma hätte selbst zu Daofu, Daoyu oder Zonghi sagen können: „Du hast mein Mark erlangt“. Auch wenn sie die Haut erlangt hätten, so hätte er das Dharma an sie weitergeben können. Bodhidharmas Körper und Geist ist Bodhidharmas Haut, Fleisch, Knochen und Mark. Es ist nicht so, dass sein Mark näher oder seine Haut weiter entfernt wäre.

Das Siegel des Du hast meine Haut erlangt durch das Auge intensiven Schauens zu empfangen bedeutet, den Vorfahren vollkommen zu erlangen. Es gibt einen Vorfahren, dessen Haut seinen ganzen Körper durchdringt, dessen Fleisch seinen ganzen Körper durchdringt, dessen Knochen seinen ganzen Körper durchdringen, dessen Mark seinen ganzen Körper durchdringt. Es gibt einen Vorfahren, dessen Geist seinen ganzen Körper durchdringt, dessen Körper seinen ganzen Körper durchdringt, dessen Geist seinen gesamten Geist durchdringt. Da ist eine Vorfahre, der vollkommen Vorfahre ist. Und da ist ein Vorfahre, dessen gesamter Körper „Dich erlangt - mich erlangt“.

Wenn diese Vorfahren gemeinsam erscheinen würden und zu Hunderten und Tausenden von Schülern auf diese Weise sprächen, so würden sie sagen: „Du hast meine Haut erlangt“. Selbst wenn die Vorfahren mit Hunderten oder Tausenden von Worten Haut, Fleisch, Knochen oder Mark auf diese Weise aufzeigen würden, so werden die Menschen außerhalb dennoch Haut, Fleisch, Knochen oder Mark auf eine sehr oberflächliche Art und Weise betrachten.

Wenn es sechs oder sieben Schüler in Bodhidharmas Gemeinde gegeben hätte, so hätte er sagen können: „Du hast meinen Geist erlangt“, „Du hast meinen Körper erlangt“, „Du hast meine Buddhaschaft erlangt“, „Du hast mein Auge erlangt“ oder „Du hast meine Erfahrung erlangt“.
Dieses Wort „Du“ bedeutet manchmal Bodhidharma und manchmal bedeutet es Huike.
Untersuche gründlich die Bedeutung des Wortes „erlangen“. Wisse, das es sowohl „Du hast mich erlangt“ als auch „Ich habe Dich erlangt“ gibt. [Das ist] „mich und Dich erlangen“ und [das ist] „Dich und mich erlangen“.
Wenn Du den Körper und Geist eines Vorfahren untersuchst und danach sagst, dass innen und außen keine Einheit bilden und dass der gesamte Körper nicht der ganze Körper sei, so befindest Du nicht in dem Land, in dem die Buddha-Ahnen erscheinen.
Die Haut zu erlangen bedeutet, Knochen, Fleisch und Mark zu erlangen. Knochen, Fleisch und Mark zu erlangen bedeutet, Haut, Fleisch und Gesicht zu erlangen. Es bedeutet, nicht nur zu verstehen, dass alle Welten der zehn Richtungen der wahre Körper sind, sondern auch, dass sie Haut, Fleisch, Knochen und Mark sind. Daher: „Du hast mein Gewand erlangt“ und „Du hast das Dharma erlangt“.
Daher sind Worte Stückwerk des Überschreitens, Lehrer und Schüler üben gemeinsam. Dieses gemeinsame Üben sind die Verflechtungen der Buddha-Ahnen.

„Die Verflechtungen der Buddha-Ahnen“ sind der Lebensstrom von Haut, Fleisch, Knochen und Mark. Eine Blume hochzuheben und zu zwinkern - das sind Verflechtungen. In ein Lächeln zu bersten - das ist Haut, Fleisch, Knochen und Mark.
Untersuche dies ebenso: die Samen der Verflechtungen haben die Kraft, den Körper abfallen zu lassen.
Äste, Blätter, Blumen und Früchte winden sich um die ineinander verflochtenen Reben. Diese und die Reben sind ineinander verwickelt und sind es wiederum nicht und daher erscheinen die Buddha-Ahnen und das Wesentliche wird verwirklicht.

Zhaozhou, der große Meister Zhenji, sprach zu seiner Gemeinde:
„Mahakashyapa hat an Ananda weitergegeben. Sag, an wen hat Bodhidharma weitergegeben?“
Ein Mönch sprach: „Der Zweite Vorfahre hat sein Mark erlangt. Wie steht’s damit?“
Zhaozhou sprach: „Beleidige den Zweiten Vorfahren nicht!“
Des weiteren sprach er: „Bodhidharma hatte einen Ausspruch: ‚Jemand, der das Außen erreicht hat, erlangt die Haut.Jemand, der das Innen erreichte, erlangt die Knochen’. Jetzt sage mir: was erlangt dann diejenige oder derjenige, der sich noch weiter innen befindet?“
Ein Mönch fragt: „Was bedeutet es, das Mark zu erlangen?“
Zhaozhou sprach: „Erfasse nur die Haut. In meinem Körper befindet sich kein Mark, von dem etwas abhängig wäre.“
Ein Mönch fragt: „Was ist die Bedeutung des Marks?“
Zhaozhou sprach: „An diesem Ort fühlst Du keine Haut“.
Wisse daher: Wenn Du nicht einmal die Haut fühlst, wie kannst Du dann das Mark fühlen? Wenn Du die Haut fühlst, dann kannst Du das Mark erlangen. Untersuche daher die Bedeutung von An diesem Ort fühlst Du keine Haut.

Ein Mönch fragte: „Was bedeutet es, das Mark zu erlangen?“ Daraufhin sprach Zhaozhou: „Wisse nur ob der Haut. In meinem Körper befindet sich kein Mark, von dem etwas abhängig wäre.“
Wenn Du die Haut kennst, dann brauchst Du nicht nach dem Mark suchen. Dies bedeutet, wirklich das Mark zu erlangen. Daher erschien die Frage: „Der Zweite Vorfahre erlangte sein Mark. Wie steht’s damit?“

Wenn wir uns den Augenblick genau betrachten, an dem Mahakashyapa an Ananda weitergab, so versteckt Ananda seinen Körper in Mahakashyapa und Mahakashyapa versteckt seinen Körper in Ananda.
Daher ist der Austausch von Gesicht, Fleisch, Knochen und Mark im Augenblick der Weitergabe [eines Lehrer an seinen Schüler] unumgänglich.
Genau deswegen sprach Zhaozhou: „Sag, an wen hat Bodhidharma weitergegeben?“
Wenn Bodhidharma die Weitergabe erteilt, dann ist er Bodhidharma. Wenn der Zweite Vorfahre das Mark erlangt, dann ist er Bodhidharma. Dadurch, dass diese Bedeutung gründlich untersucht wurde, ist das Buddha-Dharma bis heute das Buddha-Dharma geblieben. Wenn dem nicht so wäre, hätte das Buddha-Dharma nicht bis heute fortbestanden. Du solltest diese Bedeutung still für Dich und andere untersuchen und zum Ausdruck bringen.
Zhaozhou sprach: „Bodhidharma hatte einen Ausspruch: ‚Jemand, der das Außen erreicht hat, erlangt die Haut, jemand, der das Innen erreichte, erlangt die Knochen’. Jetzt sage mir: was erlangt dann diejenige oder derjenige, der sich noch weiter innen befindet?“

Verstehe bis ins kleinste die Bedeutung von „außen“ und „innen“. Wenn wir über „außen“ sprechen, so sind Haut, Fleisch, Knochen und Mark alle außen. Wenn wir über „innen“ sprechen, so sind Haut, Fleisch, Knochen und Mark alle innen. Da dem so ist, haben diese vier Bodhidharmas alle gemeinsam, einer nach dem anderen, Hunderte und Tausende von Arten und Teilen von Haut, Fleisch, Knochen und Mark gemeistert und sind noch darüber hinaus gegangen.
Glaube nicht, dass Du nicht jenseits des Markes vordringen könntest. Du kannst drei Mal, Du kannst fünf Mal jenseits davon gehen.

Diese Lehre Zhaozhous, eines Alten Buddhas, sind die Worte eines Buddhas. Andere, wie Linji, Deshan, Guishan und Yunmen konnten es weder erreichen noch davon träumen. Wie hätten sie es dann in Worte fassen können? Manche sorglose Altvordere der jüngeren Vergangenheit wissen noch nicht einmal, dass es sie gibt.
Wenn Du ihnen davon berichten würdest, sie wären sprachlos und vollkommen verängstigt.

Xuedou, der Zen Meister Mingjue, sprach, “Zhaozhou und Muzhou - beide Zhous - sind Alte Buddhas.”
Daher sind die Worte Zhaozhous, eines Alten Buddhas, verwirklichtes und zutiefst erfasstes Buddha-Dharma sowie sein Verstehen vergangener Ausdrucksformen.
Xuefeng, der große Meister Zhenjue, sprach: „ Zhaozhou ist ein Alter Buddha.“
Xuedou, der Zen Meister Mingjue, bewunderte Zhaozhou als einen „Alten Buddha“ und Xuefeng, der große Meister Zhenjue bewunderte Zhaozhou als einen „Alten Buddha.“
Deswegen wissen wir, dass er ein Alter Buddha war, welcher die Buddhas der Vergangenheit und der Gegenwart überwunden hat.

Daher ist die Verflechtung von Haut, Fleisch, Knochen und Mark ein wesentlicher Ausdruck von „Du hast mich erlangt“- wie er von einem Alten Buddha ausgesprochen wurde. Untersuche und überprüfe diesen Ausdruck ganz genau.
Es wird gesagt, dass Bodhidharma nach Indien zurückkehrte. Ich habe gelernt, dass dem nicht so ist. Das, was Songyun sah, muss nicht unbedingt wahr gewesen sein. Wie kann Songyun die Abreise und Ankunft Bodhidharmas gesehen haben?
Uns wurde gelehrt, dass seine Asche ihre letzte Ruhe auf dem Berge Xionger fand. Das halte ich für richtig.

Vortrag an die Gemeinde des Kannondori Kosho Horin Klosters, im Bezirk Uji, Provinz Yamashiro, am siebten Tage des siebten Monats im ersten Jahr der Kangen Ära [1243].

Übersetzung aus dem Originaltext: Kazuaki Tanahashi und Friederike Boissevain, © 2009