Baika
- Pflaumenblüten -
Rujing, mein letzter Meister, der alte Buddha Tiantong, war der dreißigste Abt des Tiantong Jingde Klosters vom berühmten Berge Taibo in der Gingyuan Präfäktur, im großen Königreich der Song. Er bestieg den Lehrersitz und sprach zu den Versammelten: Tiantong’s erste Verse zu des Winters Mitte: Ein alter Pflaumenbaum,
knorrig und verkrümmt öffnet plötzlich eine Blüte, zwei Blüten, drei, vier, fünf Blüten, zahllose Blüten, nicht stolz auf Lauterkeit nicht stolz auf Duft; sich verteilend, Frühling werdend, wehend über Gräser, wehend über Bäume, entblößen sie das Haupt eines Mönches mit geflickter Robe. Herumwirbelnd, zu wildem Wind werdend, zu stürmischem Regen, fallend, nichts als Schnee, über der ganzen Erde. Grenzenlos ist der alte Pflaumenbaum. Klirrende Kälte sticht in den Nasenlöchern. Der alte Pflaumenbaum, von dem hier gesprochen wird, ist grenzenlos. Auf einmal öffnen sich all seine Blüten und wie von selbst trägt er Früchte. Er macht Frühling; er macht Winter. Er bringt wilden Wind und stürmischen Regen hervor. Er ist das Haupt eines Mönches mit geflickter Robe; er ist das Auge eines alten Buddhas. Er wird zu Grass und Bäumen; er wird reiner Duft. Seine umherwirbelnde, wundervolle Verwandlung kennt keine Grenzen. Mehr noch - die Baumheit der großen Erde, des hohen Himmels, der strahlenden Sonne und des klaren Mondes stammen von der Baumheit des alten Pflaumenbaumes. Sie waren immer in einander verwoben, Rebe mit Rebe. Wenn sich der alte Pflaumenbaum plötzlich öffnet, erscheint die Welt der blühenden Blumen. In dem Moment, in dem die Welt der blühenden Blumen erscheint, kommt der Frühling. Da ist eine einzige Blüte, die ihre fünf Blätter öffnet. In diesem Augenblick der einzigen Blüte gibt es drei, vier und fünf Blüten, Hunderte, Tausende, unzählige, Billionen von Blüten - zahllose Blüten. Diese Blütenschar ist das nicht-stolz-sein auf eine, zwei oder zahllose seiner Zweige. Eine Udumbara-Blume1 und eine blaue Lotusblüte sind ebenfalls ein oder zwei Zweige seiner Blüten. Das Erblühen ist des alten Pflaumenbaumes Hingabe. Der alte Pflaumenbaum, er ist inmitten der menschlichen Welt und inmitten der himmlischen Welt. In seiner Baumheit verwirklicht der alte Pflaumenbaum sowohl die menschliche als auch die himmlische Welt. Daher werden Hunderte und Tausende von Blüten sowohl menschliche als auch himmlische Blüten genannt. Unzählige und Billionen von Blüten sind Buddha-Ahnen Blüten. In einem solchen Augenblick wird gerufen: "Alle Buddhas sind in der Welt erschienen!" Und: "Der Ahne war ursprünglich in diesem Land!" wird gerufen. Rujing bestieg den Lehrersitz und sprach zu den Versammelten: Wenn Gautamas Auge verschwindet,
Pflaumenblüten im Schnee, nur ein Zweig, er wird Dornengeäst, hier, überall, gerade jetzt. Lachend bläst der Frühlingswind wie wild. Dies ist die Zeit für alle menschlichen und himmlischen Wesen, sich der Erlangung des Weges hinzuwenden - jetzt, da des alten Buddhas Dharma Rad bis an die äußersten Grenzen des Universums gelangt. Selbst Wolken, Regen, Wind, und Wasser sowie Gräser, Bäume und Insekten werden nicht von den Wohltaten dieser Lehre ausgespart. Himmel, Erde und dieses Land werden kräftig durch dieses Dharma Rad gedreht. Worte zu hören, welche zuvor ungehört blieben, bedeutet, diese Worte zu hören. Zu erlangen, was es niemals gab, bedeutet, diese Lehre zu erlangen. Dies ist das Dharma-Rad. Es kann weder gesehen noch gehört werden, ohne nicht unsägliches Glück zu haben. Nun, im großen Königreich der Song in China gibt es sowohl innerhalb als auch außerhalb seiner einhundertundachtzig Provinzen zahllose Bergklöster und Stadt-Tempel. Viele Mönche leben darin, aber derer, die Rujing nicht gesehen haben, sind viele und derer, die ihn gesehen haben, sind wenige. Noch viel seltener sind jene, die seine Worte gehört haben - gar nicht zu erwähnen jene, welche ihm persönlich begegnet sind. Noch viel weniger sind derer, die Zugang zu seinen Gemächern hatten. Unter diesen wenigen, wie vielen ist es erlaubt worden, Zuflucht zu nehmen in seiner Haut, Fleisch, Mark und Bein, in seinem Augapfel und Antlitz? Rujing machte es Mönchen nicht leicht, in sein Kloster einzutreten. Er sprach für gewöhnlich: "Diejenigen, die an einen nachlässigen, den Weg suchenden Geist gewohnt sind, können nicht an diesem Ort bleiben". Er warf sie sofort hinaus. Nachdem sie fort waren sprach er: "Was können wir denn schon anfangen mit solchen, die das ursprüngliches Antlitz nicht erkannt haben? Solche Hunde stören nur die anderen. Ihnen sollte nicht gestattet werden, ins Kloster einzutreten." Ich habe dies selbst gesehen und gehört. Ich dachte bei mir: "Welche Wurzeln unheilvoller Handlungen machten es ihnen unmöglich, beim Meister zu verweilen, obschon sie aus dem gleichen Lande stammten? Mit welchem Glück wurde es mir gestattet, nicht nur ins Kloster einzutreten, sondern auch in seinen Gemächern ein und aus zu gehen, wann auch immer ich es wünschte? Und mehr noch - mit welch unsagbarem Glück wurde es mir gestattet, Zuflucht in seiner ehrwürdigen Gestalt zu nehmen und seinen Dharma Worten zuzuhören, wenngleich ich doch jemand aus einem weit entfernten Lande war? Obgleich ich dumm war und unwissend, ist dies gutes Karma, eine reichhaltige und ganz grundlegende Verbindung." Als Rujing im Reich der Song Menschen anleitete, gab es solche, die von ihm persönliche Unterweisungen erhielten und es gab andere, denen dies verwehrt wurde. Nun, da er das Reich der Song verlassen hat, ist es dunkler als dunkle Nacht. Warum? Weil es keinen alten Buddha wie Rujing gibt - weder vor noch nach ihm. Daher solltet Ihr später Studierende dies bedenken, wenn Ihr diese Worte hört. Denkt nicht, dass himmlische und menschliche Wesen überall dieses Dharma Rad sehen, hören und studieren. Die Pflaumenblüten im Schnee sind das Erscheinen einer Udumbara Blume. Obschon wir wiederholt den Augapfel des wahren Dharma unseres Buddha Tathagata sehen, zwinkern wir weder noch lächeln wir. Wie oft, Tag für Tag, während wir das wahre Dharma Auge unseres Buddha Tathagata sehen, verpassen wir das Zwinkern und lächeln wir nicht? In gerade diesem Augenblick, es wahrhaft übertragend, erkenne dies hautnah - die Pflaumenblüte im Schnee ist das Auge des Tathagata. Wir heben sie hoch und halten sie als Auge auf dem Scheitel2 unserem Kopfes, als des Auges Pupille. Wenn wir in Pflaumenblüten eintreten und sie ganz und gar studieren, dann gibt es keinen Platz für aufkommenden Zweifel. Sie sind bereits das Auge von "Einzig und allein über und unter den Himmeln, Ich bin der Weltverehrte," und wiederum: "Höchst verehrt in der Welt der Erscheinungen." Daher sind himmlische Blüten im Himmel, himmlische Blüten in der menschlichen Welt, Mandara Blüten3, die vom Himmel regnen, große Mandara Blüten, Manjushaka Blüten4, große Manjushaka Blüten und alle Blüten der unerschöpflichen Lande in den zehn Richtungen alle eine Familie der Pflaumenblüten im Schnee. Da sie als Geschenke der Pflaumenblüten blühen, sind Billionen von Pflaumenblüten alle eine Familie an Pflaumenblüten. Sie sollten junge Pflaumenblüten genannt werden. Darüber hinaus sind Blumen im Himmel, Blumen auf der Erde und die Blumen des Samadhi alle die großen und kleinen Mitglieder der Pflaumenblütenfamilie. Billionen von Ländern innerhalb der Blüten zu bilden und in einem Lande zu blühen, ist das Geschenk der Pflaumenblüten. Ohne die Gaben der Pflaumenblüten gibt es keine Gaben des Regens oder Taus. Die Lebensader besteht aus Pflaumenblüten. Betrachte Pflaumenblüten nicht nur als geschlossene Schneedecke über dem Shaolin Kloster des Berges Song. Sie sind der Augapfel des Tathagata, der über dem Kopf und unter den Füssen leuchtet. Betrachte nicht Pflaumenblüten bloß als den Schnee der Schneeberge oder des Schnee Palastes5. Sie sind des Alten Gautamas Augapfel des wahren Dharmas. Die Augäpfel der fünf Augen6 werden vollkommen an diesem Ort verwirklicht. Die Augäpfel der eintausend Augen7 werden in diesem einen Augapfel vollendet. Wahrlich, das strahlende Licht des Alten Gautama Körper-Geistes enthält kein einziges nicht erleuchtetes Teilchen der Wirklichkeit aller Dinge. Selbst wenngleich es einen Unterschied in der Sichtweise zwischen menschlichen und himmlischen Wesen gibt, und die Köpfe der gewöhnlichen und der heiligen getrennt sind voneinander, Schnee-überall ist Erde, Erde ist Schnee-überall. Ohne Schnee-überall gibt es auf der ganzen Welt keine Erde. Das innige alles-in-Einem dieses Schnee-überall ist der Augapfel des Alten Gautamas. Wisse, das Blüten und Erde ganz und gar jenseits des Geborenwerdens sind. Weil Blüten jenseits des Geborenwerdens sind, ist auch die Erde jenseits des Geborenwerdens. Weil Blüten und Erde völlig jenseits des Geborenwerdens sind, ist der Augapfel jenseits des Geborenwerdens. "Jenseits des Geborenwerdens" meint unübertroffene Erleuchtung. Dies in genau diesem Augenblick zu sehen, ist Pflaumenblüten im Schnee, nur ein Zweig. Erde und Blüten - Geborenwerden durchdringt Geborenwerden. Dieses Schnee-überall bedeutet: Schnee bedeckt vollkommen innen und außen. Die gesamte Welt ist Geistes Boden; die gesamte Welt ist Blüten Herz. Da die gesamte Welt Blüten Herz ist, ist die gesamte Welt Pflaumenblüten. Da die gesamte Welt Pflaumenblüten ist, ist die gesamte Welt Gautamas Augapfel. Hier, überall, gerade jetzt sind Berge, Flüsse, und Erde. Alles - jeder Moment, ist überall die Verwirklichung von: "Ich bin ursprünglich in diesem Land, übertrage das Dharma und rette verblendete Wesen. Eine Blüte öffnet fünf Blütenblätter. Die Frucht reift von selbst." Obschon es das Kommen [des Buddha-Dharma] und sein Voranschreiten gen Osten von Indien her gibt, ist dies das Allüberall der Pflaumenblüten gerade jetzt. Die Verwirklichung dieses gerade-jetzt ist nichts anderes als zu Dornengeäst werden, überall, gerade jetzt. Ein großer Zweig ist das gerade-jetzt der alten Zweige und der neuen Zweige. Ein kleiner Zweig ist das Allüberall der alten Zweige und der neuen Zweige. Untersuche diesen Ort so wie alles und untersuche alles so wie jetzt. Im Innern von drei, vier, fünf oder sechs Blüten bedeutet im Innern von zahllosen Blüten. Blüten verkörpern tiefe, weite Eigenschaften im Inneren und enthüllen hohe, weite Eigenschaften im Äußeren. Dieses außen-innen ist das Blühen einer einzigen Blüte. Weil es nur einen Zweig gibt, gibt es keine anderen Zweige, keine anderen Bäume. Jeder Ort, der durch einen Zweig erreicht wird, ist gerade jetzt. Dies ist der Alte Mann Gautama. Da es nur ein Zweig ist, besteht die Nachfolge in direkter Linie. Folglich: "Ich habe den Schatz des wahren Dharma Auges. Dies ist Mahakashyapa anvertraut." Sowie:"Du hast mein Mark erlangt". Diese allgegenwärtige Erkenntnis lässt nichts aus, was nicht zutiefst verehrt würde. Daher öffnen sich fünf Blütenblätter, die fünf Blütenblätter sind Pflaumenblüten. Daher gibt es Sieben Ursprüngliche Buddha Ahnen, achtundzwanzig Indische Ahnen, sechs frühe Chinesische Ahnen und neunzehn späte Chinesische Ahnen. Sie sind alle nur ein Stamm, der sich in fünf Blüten öffnet, fünf Blüten in nur einem Stamm. Einen Zweig gründlich zu erfahren, fünf Blütenblätter8 gründlich zu erfahren - dies die wahre Übertragung von Pflaumenblüten im Schnee und ihre Nachfolge von Angesicht zu Angesicht. Wenn Körper und Geist sich in dem Innersten des ununterbrochenen Wortstromes eines Zweiges einander zuwenden, werden Wolken und Mond eins, Berge und Täler getrennt. Jedoch: jene die kein durchdringendes Auge haben, sagen: Das Öffnen von fünf Blütenblättern durch eine einzige Blüte bedeutet, dass Bodhidharma die Fünf frühen Chinesischen Vorfahren hervorbringt. Da diese Linie der Fünf Vorfahren mit jenen, die entweder zuvor oder danach kamen, nicht gleichgesetzt werden kann, nennt man sie die fünf Blütenblätter." Diese Aussage ist es nicht einmal wert, kritisiert zu werden. Die, die so sprechen, studieren nicht mit Buddhas und Vorfahren. Was für eine Schande! Wie kann die Strasse der fünf Blütenblätter in einer Blüte auf die Fünf Vorfahren beschränkt werden? Sind jene, die nach Huineng, dem Sechsten Vorfahren kamen, denn nicht der Rede wert? Dies erreicht noch nicht einmal das Niveau von Kindergeplapper! Messe derartigen Aussagen niemals irgendeine Bedeutung bei. Ruijing bestieg zu Beginn des Jahres den Lehrersitz und sprach:
Der erste Tag des Jahres ist voller Verheißungen. Die zahllosen Dinge sind alle neu. In Verbeugung sinnt die große Versammlung: Pflaumenblüten eröffnen den ersten Frühling. Bedenkt in Ruhe folgendes: Selbst wenn die gesamten hochverehrten Drillbohrenden9 der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft den Körper in alle zehn Richtungen fallen lassen, - solange sie nicht sagen können: "Pflaumenblüten eröffnen den ersten Frühling", - wer kann sie als solche anerkennen, die den Weg gemeistert haben? Ruijing allein ist der alte Buddha unter den alten Buddhas. Er meint, dass der gesamte Frühling begleitet vom Öffnen der Pflaumenblüten frühzeitig hervor kommt. Zahllose Frühlinge sind eine oder zwei tugendhafte Merkmale der Pflaumenblüten. Ein Frühling macht die zahllosen Dinge alle neu erscheinen und macht, dass alle Dinge am ersten Tag des Neuen Jahres sind. Verheißungsvoll meint den wahren Augapfel. Zahllose Dinge sind nicht nur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sondern vor und nach dem König der Leeren Äonen10. Weil die unermessliche, unerschöpfliche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ganz und gar neu sind, ist dieses Neue bar jeder Neuheit. Daher sinnt die große Versammlung in Verbeugung. Eine große Versammlung, die in Verbeugung nachsinnt - das ist genau das, was eine große Versammlung tut. Ruijing bestieg den Lehrersitz und sprach zu den Versammelten: Ein Wort - haargenau!
Die langen Jahrhunderte bewegen sich nicht. Weidenaugen bringen neue Zweige hervor. Pflaumenblüten erfüllen die alten Zweige. Dies bedeutet, dass die Übung des Weges durch Einhundert große Eonen hindurch von Anfang bis Ende folgendes ist: Ein Wort - haargenau! Übung im Augenblick eines Gedankens ist sowohl zuvor als auch danach wie wenn sich lange Jahrhunderte nicht bewegen. Dies macht, dass die neuen Zweige rasch wachsen und die Augäpfel klar und hell scheinen. Obschon sie neue Zweige sind, sind sie Augen. Obschon sie nichts sind als Augen, werden sie als neue Zweige betrachtet. Durchdringe diese Neuheit im Sinne von: "Die zahllosen Dinge sind alle neu". Pflaumenblüten erfüllen die alten Zweige bedeutet, dass Pflaumenblüten ganz und gar alte Zweige sind und alte Zweige ganz durchdringen: alte Zweige sind nichts als Pflaumenblüten. Auf diese Art verbinden sich Blüten und Zweige. Blüten und Zweige werden aus dem selben Augenblick heraus geboren. Auf einmal werden Blüten und Zweige erfüllt. Da Blüten und Zweige als eins erfüllt werden: "Ich habe das wahre Dharma. Es wird Mahakashyapa anvertraut." Jedes Antlitz wird davon erfüllt, die Blume aufzunehmen. Jede Blüte ist erfüllt davon, in ein Lächeln zu bersten. Ruijing bestieg den Lehrersitz und sprach zu den Versammelten: Weiden tragen Schärpe.
Pflaumenblüten haben ein Armband an. Dieses Armband ist nicht aus Brokat oder Juwelen11. Es ist die Pflaumenblüte. Die Pflaumenblüte ist: "Mein Mark hat Dich erreicht."12 Als der König Prasenajit den Ehrwürdigen Pindola einlud und ihm ein Mittagsmahl anbot, sprach der König: "Ich habe gehört, dass Ihr den Buddha selbst gesehen habt. Ist dem so?" Der Ehrwürdige Pindola antwortete, indem er seine Augenbraue mit seiner Hand anhob. Rujing sagte in seinem Gedicht: Eine Braue hebend beantwortet er die Frage.
Er sah den Buddha selbst und schwindelt nicht. Noch immer ist er die Gaben13 der Welt wert Frühling liegt in kleinen Pflaumenzweigen eingewickelt in Schnee - kalt. Der Geschichte nach fragte einst der König Prasenajit den Ehrwürdigen Pindola, ob er den Buddha gesehen habe oder nicht. Den Buddha zu sehen bedeutet, ein Buddha zu werden. Ein Buddha zu werden bedeutet, die Augenbraue zu heben. Selbst wenn der Ehrwürdige Pindola die Frucht eines Arhats14 erkannt hätte, wenn er kein wahrer Arhat gewesen wäre, so hätte er den Buddha nicht sehen können. Wenn er den Buddha nicht gesehen hätte, so hätte er kein Buddha werden können. Wenn er kein Buddha geworden wäre, so hätte er die Augenbraue nicht heben können. Wisse, dass der Ehrwürdige Pindola ein Schüler Shakyamuni Buddhas war, der von ihm die Übertragung von Angesicht zu Angesicht erhalten hat. Er, der die vier Früchte des Weges15erkannt hatte, wartete auf das Erscheinen eines anderen Buddhas - wie hätte er nicht Shakyamuni Buddha sehen können? Den Buddha sehen ist nicht nur einen Buddha sehen, sondern Shakyamuni Buddha so zu sehen, wie Shakyamuni Buddha sich selbst sieht. Es ist auf diese Weise geübt worden. Als der König Prasenajit dieses Auge der Übung öffnete, traf er auf eine geübte Hand, welche die Augenbraue anhob. Hab ein durchdringendes Buddha Auge, welches in Ruhe die Bedeutung von "sah den Buddha selbst" betrachtet. Dieser Frühling liegt weder in der menschlichen Welt noch in eines Buddha Land, sondern in kleinen Pflaumenzweigen. Woher wir dies wissen? Schnee und Kälte, Augenbrauen anhebend. Rujing sprach: Das ursprüngliche Gesicht hat weder Geboren werden noch Sterben.
Frühling ist in den Frühlingsblüten und betritt ein Gemälde. Wenn Du Frühling malst, so male nicht Weiden, Pflaumen, Pfirsiche oder Aprikosen - male einfach Frühling. Weiden, Pflaumen, Pfirsiche oder Aprikosen zu malen, bedeutet, Weiden, Pflaumen, Pfirsiche oder Aprikosen zu malen. Es ist noch nicht Frühling malen. Es ist nicht, dass Frühling nicht gemalt werden kann, aber außer Ruijing gibt es niemanden in Indien oder China, der Frühling gemalt hat. Er allein war ein gespitzter Pinsel, der Frühling malt. Dieser Frühling ist Frühling im Gemälde, sowie er ein Gemälde betritt. Er benützt keine anderen Werkzeuge, sondern überlässt es den Pflaumenblüten, den Frühling zu beginnen. Er lässt den Frühling ein Gemälde betreten und einen Baum. Das ist eine sehr wohl überlegte Art, Menschen zu führen. Weil Ruijing den Schatz des Wahren Dharma Auges klar verkörpert, überträgt er es unverfälscht an die sich in den zehn Richtungen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft versammelnden Buddha-Ahnen. Auf diese Weise meistert er gründlich den Augapfel, eröffnet und beleuchtet Pflaumenblüten. Geschrieben am sechsten Tage des elften Monats im ersten Jahr der Kangen Ära [1243], im Yoshimine Kloster, Yoshishida Bezirk, Echizen Provinz. Der Schnee liegt drei Fuß hoch über der ganzen Erde. Nachtrag Wenn Zweifel aufkommen und Du meinst, dass Pflaumenblüten nicht Gautama’s Augapfel seien, so bedenke, ob irgendetwas anderes abgesehen von Pflaumenblüten als sein Augapfel betrachtet werden können. Wenn Du den Augapfel andernorts suchst, so wirst Du ihn nicht erkennen, obschon Du ihm gegenüberstehst, weil die Begegnung nicht vollendet ist. Dieser Tag ist nicht das Heute eines Einzelnen; es ist das Heute des großen Hauses16. Jetzt gleich, öffne und beleuchte Pflaumenblüten als den Augapfel. Rujing sprach: Strahlend, strahlend! Klar, klar!
Höre nicht auf, im Farbenspiel der Pflaumenblüten zu suchen. Durch Vergangenheit und Gegenwart hindurch bringen sie Regen und bilden Wolken. Vergangenheit und Gegenwart, weit und still. Wo sind die Grenzen? Wolken zu bilden und Regen zu bringen ist daher Sprache und das Wirken der Pflaumenblüten. Die Bewegung der Wolken und des Regens sind die tausend Formen und zahllosen Farben, die eintausend Verdienste und die zahllosen Eigenschaften der Pflaumenblüten. Durch Vergangenheit und Gegenwart hinweg sind Pflaumenblüten; Pflaumenblüten werden Vergangenheit und Gegenwart genannt. Dereinst sprach [Wuzu] Fayan: Nordwind vermischt mit Schnee lässt den Wald im Tale erbeben.
Zahllose Dinge sind verborgen, kein tiefes Bedauern. Übermütig allein die Bergpflaumen. Sie spucken aus des Winters kaltes Herz, kurz bevor das Jahr zur Neige geht. Daher, ohne das Wirken der Pflaumenblüten zu durchdringen, ist es schwer, des Winters kaltes Herz zu kennen. Manche Eigenschaften der Pflaumenblüten vermischen sich mit dem Nordwind und machen Schnee. Daher weiß ich, dass es die Kraft der Pflaumenblüten ist, welche bewirkt, dass Wind weht, Schnee fällt, das Jahr geordnet und die Wälder im Tale sowie die zahllosen Dinge in Erscheinung gerufen werden. Der Mönchsälteste Fu von Taiyuan sprach, in Verehrung des Weges der Erleuchtung: In alten Zeiten, da ich noch nicht erwacht ward,
war der Klang eines bemalten Hornes der Klang der Trauer. Nun ruhen auf meinem Kopfkissen keine müßigen Träume mehr. Ich übergebe die Pflaumenblüte den starken oder schwachen Winden. Losgelassen, wehen Pflaumenblüten weit und wenig. Der Mönchsälteste Fu hielt früher Vorträge. Er wurde durch den Chefkoch des Berges Jia erleuchtet und erfuhr großes Erwachen, Pflaumenblüten gestattend, dem Frühlingswind, stark und schwach zu wehen. 1 Sanskrit: udonge. Eine legendäre Blume, die nur einmal alle dreitausend Jahre erblüht, wenn der Tathagata erscheint 2 Maheshvara, eine himmlische Gottheit, die ein Auge auf ihrem Scheitel trägt. Es steht für die Fähigkeit, das Prinzip der Dualität mittels von Weisheit zu erkennen. 3 Sanskrit: mandarage. Blüten des Korallenbaumes, deren Farbe und Duft die Menschen in der himmlischen Welt erfreut. Die Pflanze hat viele Schattenspendende Blätter. 4 Sanskrit: manjushage. Weiße himmlische Blüten, welche herunterregnen und den Betrachter von falschen Wegen abhalten. 5 Die Himalaya-Berge, in denen Shakyamuni Buddha in früheren Leben übte: Mahaprajnaparamita Sutra 6 physische Augen, himmlische Augen, das Auge der Weisheit, Dharma Auge, Buddha Auge. Himmlische Augen sind den Devas, Augen der Weisheit den shravakas und pratyekabuddhas, Dharma Augen den Bodhiattvas 7 Avalokiteshvara, welche die Klagen der Welt hört, manchmal mit einem Auge in jeder ihrer 1000 Hände dargestellt 8 basierend auf Bodhidharmas Gedicht („Ich bin ursprünglich in diesem Land, übertrage Dharma und rette verblendete Wesen. Eine Blüte öffnet fünf Blütenblätter. Die Frucht reift von selbst.“ Wird meist als Bodhidharmas Lehre bezeichnet, die sich in die Lehren der Fünf Schulen des Chinesischen Zen unterteilte. Dōgen interpretiert „fünf Blütenblätter“ als Inbegriff für alle buddhistischen Vorfahren 9 bezeichnet einen scharfsichtigen Zen Meister 10 die vier Stadien in einem Weltzyklus sind Erscheinen, Verweilen, Vergehen und Leere. Der Buddha, welcher in den Leeren Eonen erscheint, wird König der Leere genannt, als Symbol für das ursprüngliche Antlitz 11 wörtlich: Brokat aus Shu und Juwel aus Benhe. Der Brokat aus dem Westen Chinas war für seine hervorragende Qualität bekannt. Benhe war ein Mann der Zhou Dynastie, der einen ungeschliffenen Diamanten entdeckte. 12 Dōgen spielt an auf Bodhidharmas Worte zu Huike: „Du hast mein Mark erlangt“. 13 Chinesisch: ōgu. Arhat. Wörtlich: jemand, der es wert ist, Gaben zu empfangen 14 Sanskrit: arakan. Ehrwürdiger. Ein Schüler Buddhas, der Nirvana erlangt hat. Arhatschaft war das letzte Ziel im frühen (Theravada) Buddhismus 15 vier Entwicklungsstadien zum Arhat: Stromeinkehrer; Ein-Mal Wiederkehrer; Nicht-mehr Wiederkehrer; Arhat, der nicht weiter üben muss 16 Zuhörerschaft seiner Rede
Übersetzung aus dem Originaltext: Kazuaki Tanahashi und Friederike Boissevain, © 2008 |