A-3 | Weltfinanzkrise



 

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Video-Vortrag zum gleichen Thema aus dem Jahr 2009
 

 

Dokumentation
von Dienstag, 8. Juni 2010  |  19.00 - 22.00 Uhr

Prof. Dr. Bernd Senf  (Berlin):
Zinssystem, Geldschöpfung, Spekulation und Verschuldung -
Über die tieferen Ursachen der Weltfinanzkrise
 
Ort:  Grosser Saal im 'Haus der Kirche' | Markgrafenstr. 7  |  Bielefeld
Beitrag:  8,--  /  6,-- ermässigt



Einladungs-Flyer





Zur Person:
Bernd Senf (*1944) war von 1973 bis 2009 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin. Er vertritt die arbeitsmarktpolitischen Thesen von Jeremy Rifkin, sowie Positionen der  Freiwirtschaft (z.B. Silvio Gesell), die in den Wirtschaftswissenschaften nur in geringem Umfang diskutiert werden. Neben seiner professionellen Tätigkeit setzt sich Senf seit etwa 1980 für die Vermittlung der Lehren des Psychoanalytikers Wilhelm Reich ein.



Professor Senf während seines Vortrags im 'Haus der Kirche' in Bielefeld 2010



Senf kritisiert neben dem bestehenden Finanz-, Banken- und Geldsystem insbesondere die "zerstörerische Kraft des Zinses" (2009). Er hält zwar die Geldversorgung -bezogen auf einen einzelnen Kredit- für sinnvoll, gesamtwirtschaftlich werfe das durch Schulden geschöpfte Geld (Geldschöpfung) jedoch grundsätzliche Fragen auf.


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So bezweifelt Senf die grundsätzliche Funktionsfähigkeit unseres Geldsystems (2009) ,weil für den Rückfluss des Geldes aus dem Wirtschaftskreislauf durch Zins und Tilgung mehr Geld von den Geschäftsbanken und Zentralbanken gefordert werde, als zu Beginn in den Kreislauf eingeflossen seien. Dies führe zu einem Wachstumszwang mit unabsehbaren Folgen für die Umwelt und zu einer wachsenden Belastung der Staatshaushalte bis hin zu einer riesigen Verschuldung. Senf weist darauf hin, dass jede Kritik am Finanz- und Bankensystem tabuisiert werde und die Argumente der Kritiker des Finanzsystems vorschnell verurteilt würden. Dadurch werden Berührungsängste erzeugt und eine öffentliche Diskussion des Finanzsystems unterbunden.
 



Grundsätzliche Fragen:
Die aktuelle Weltwirtschaftskrise am Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts ist ein nachdrücklicher Beleg für das Ausmaß der Globalisierung. Zentrum und Ausgangspunkt der Krise ist der Finanzsektor als Schlüsselbereich des Wirtschaftssystems. In der Dimension sowohl der Systembedrohung als auch der realen weltweiten Auswirkungen ist die jetzige Weltwirtschaftskrise nur mit der Weltwirtschaftskrise 1929 vergleichbar, auch wenn gewichtige Unterschiede (Krisenursprünge, -reaktionen und zeitlicher Verlauf) zu beachten sind.



Die Antwort auf die zentrale Frage, ob es sich bei der aktuellen Weltwirtschaftskrise um eine Systemkrise handelt, hängt stark von der eigenen Grundperspektive ab. Die Asymmetrie "Privatisierung der Gewinne - Sozialisierung der Verluste" ist allerdings unübersehbar. Diese Krise hat eine neue, verschärfte Diskussion über die Rolle des Staates in der Wirtschaft ausgelöst. In der zeitlichen Wirkungskette ist die Krise vom Finanzsektor auf die Realwirtschaft übergesprungen und hat in Deutschland zu einem deutlichen Schrumpfen des BNP und global erstmals zu einem Rückgang des Welthandels geführt.

Warum und wie haben sich die Widersprüche der derzeitigen Produktionsweise bis zum krisenhaften Eklat, bzw. bis zur schwersten Krise in der Geschichte des Kapitalismus zuspitzen können? Welche Rolle spielen der Zins, der Zinseszins und die Spekulationsgeschäfte innerhalb dieses Systems? Was sind die tieferen Ursachen der Weltfinanzkrise?