VERWALTUNGSSTRUKTURREFORM NORDRHEIN-WESTFALEN – QUO VADIS NRW?Aktuell
(Sept.2009) weist die Dokumentation des Innenministeriums zur
Verwaltungsmodernisierung 68 bisher getroffene Entscheidungen aus.
Neben Entscheidungen zu Verfahrensabläufen sind überwiegend
Entscheidungen mit unmittelbaren Auswirkungen auf Behördenstrukturen
und das Personal getroffen worden.
Längst nicht jede von der Landesregierung getroffene Entscheidung
findet unsere ungeteilte Zustimmung. Wir begleiten den Prozess mit
kritischer Distanz, aber dem festen Willen, unsere Kompetenz und unsere
Erfahrungen in geeigneter Weise einzubringen.
Der vdla dbb hat sich gegenüber Veränderungen immer aufgeschlossen
gezeigt. Allerdings (und notwendigerweise) hinterfragen wir ebenso
kritisch, ob diese immer sinnvoll und vor allem sozial ausgewogen und
verträglich sind.
Das ist und bleibt unser Auftrag!
Dem Land Nordrhein-Westfalen und seiner Landesregierung geht es
offenkundig um einen schnellen und radikalen Personalabbau. Unter
diesem Leitziel scheinen nach unserer Wahrnehmung alle bisher
getroffenen Entscheidungen zu stehen.
Eine äußerst mangelhaft betriebene Nachwuchsgewinnung und Ausbildung
geht damit einher, obwohl gerade dies in Zeiten starker Veränderungen
eine unverzichtbare Flankierung eines sinnvollen Veränderungsprozesses
sein müsste; auch und gerade wegen der zunehmenden “Vergreisung“
ganzer Behörden.
Alle Organisationsentscheidungen betreffen letztlich Menschen.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die teilweise dramatische Änderungen
ihrer Arbeitsbedingungen erfahren müssen. Die soziale Kälte beim
Vollzug von Maßnahmen ist im Einzelfall erschreckend, auch hier äußern
wir deutliche Kritik.
Der Mensch steht im Mittelpunkt. Er ist kein Mittel, Punkt!
Die aus den Strukturveränderungen folgenden Änderungen beim Personal
werden überwiegend unmittelbar gesetzlich geregelt, um so von
vornherein jegliche Beteiligung von Personalräten und der sie tragenden
Gewerkschaften auszuschließen. Das ist Gutsherrenart! Ein mündiges
Personal ist offenbar nicht mehr gewünscht!
Seit dem 01.01.2008 ist das Personaleinsatzmanagement (PEM) tätig.
Zwischenzeitlich liegen erste Erfahrungen mit der Gewährung von
Anreizen, der Vermittlung von Übergangseinsätzen und auch von
dauerhaften neuen Verwendungen vor.
Im Ergebnis ist festzustellen, dass PEM engagiert nach möglichst
sozialverträglichen Lösungen für die von ihnen zu betreuenden
Kolleginnen und Kollegen sucht, und dabei offensichtlich auch
erfolgreich ist. Hierzu trägt auch die dort mögliche Gewährung von
Anreizen bei. Bemerkenswert ist allerdings ebenso, dass die
„Altersteilzeit“ aus dem Instrumentarium der Anreize herausgenommen
worden ist.
Wie bekannt, wird Altersteilzeit derzeit im Übrigen nur noch dann
gewährt, wenn ein tariflicher / gesetzlicher Anspruch besteht.
Wie geht es weiter?
Anreize im Wege künftiger Vereinbarungen dürfte es nach unserer
augenblicklichen Einschätzung wohl kaum noch geben. Der personelle
Aderlass im Laufe der Jahre 2007 und 2008 war offenbar so hoch, dass
nunmehr in Teilen des Personalkörpers empfindliche Lücken eingetreten
sind. Weitergehende Arbeitsverdichtungen für das verbleibende Personal
erscheinen unzumutbar.
Es rächt sich auch, dass, anders als von uns eingefordert, keine
umfassende Aufgabenkritik erfolgt ist.
Entscheidungen über eine grundlegende Organisationsreform der
Mittelinstanz (Bezirksregierungen u.a.) sind auf die kommende
Legislaturperiode verschoben worden; eine kluge Überlegung der
Landesregierung.
Eine Konsolidierung der teilweise völlig neu strukturierten
Personalkörper kann so mit der notwendigen Gründlichkeit in Ruhe
angegangen werden.
Es kann zusammenwachsen, was nach den Vorstellungen dieser
Landesregierung zusammengehören soll. Die angestrebte neue Homogenität
geht halt nicht auf Befehl.
Auch die Sinnhaftigkeit der strukturverändernden Überlegungen und
Entscheidungen sollte kritisch hinterfragt werden. Das gehört auch zu
einem innovativen Veränderungsprozess. Welche Effekte sind erzielt
worden? Welche Auswirkungen sind entstanden? (Sowohl positiv wie
negativ!) Welche Schlussfolgerungen müssen gezogen werden?
Akute „Baustellen“ sind eine nach wie vor propagierte Privatisierung
des Materialprüfungsamtes und die Ansiedlung des Landesinstitutes für
Gesundheit und Arbeitsschutz (LIGA) auf einem Gesundheitscampus in
Bochum. Hier gilt es noch zahlreiche Probleme zu lösen.
Die Auflösung des Kompetenzzentrums für Integration in Unna-Massen
verlief dagegen nahezu geräuschlos. Nicht zuletzt ein Verdienst eines
gemeinsam mit dem Personalrat umsichtig agierenden
Regierungspräsidenten und ein gutes Beispiel, dass es auch m i t
Betroffenen und den Personalräten geht. Die gerade erst begonnenen
Bestrebungen der Landesregierung zur Zentralisierung und
Vereinheitlichung der IT - Struktur in NRW mit einer Zusammenfassung
der vormaligen Gebietsrechenzentren und des Landesamtes für
Datenverarbeitung und Statistik zum gemeinsamen Betrieb IT NRW waren
vermutlich nur ein erster Schritt. Eine nachfolgend beabsichtigte
Zentralisierung von Verfahren wird sich zwangsläufig auch auf die
derzeitigen dezentralen IT-Bereiche bei einzelnen Behörden und
Einrichtungen auswirken.
Diese und weitere Aktivitäten der Landesregierung werden wir auch
weiterhin mit voller Aufmerksamkeit kritisch begleiten. |