Wanderritte

Zürich - Pfäfers (27. - 30 Juli)

27. Juli 2009
 
Ungewohnt früh klingelte der Wecker, doch wegen der Vorfreude auf unseren ersten mehrtägigen Wanderritt in der Schweiz war es kein auf  Problem aufzustehen und uns für unser Abenteuer bereit zu machen.
Fast pünktlich um acht Uhr waren wir im Stall auf dem Adlisberg und halfen Hans, die Pferde zu füttern und den Platz zu säubern. Da wir sicher nicht losreiten würden, bevor unsere zwei Vierbeiner Sokki und Klaufi ihr Frühstück gefuttert hatten, blieb uns genügend Zeit, Hans zum Frühstück zu schicken, wärend wir die Stallarbeit erledigten und unsere Packtaschen und alles andere vorbereiteten.
Kurz vor zehn Uhr ging's dann los! Aufgesessen und unserem ersten Ziel entgegen: dem Pfannenstiel.

 
Nach einer gemütlichen Pause auf der Wiese unter den Tannen ging es unserem Tagesziel Hombrechtikon entgegen. Durch Wälder und über Wiesen, an Kühen, Pferden und anderem Getier vorbei erreichten wir, mit viel "Brämen" im Gefolge um ca. 17 Uhr den Hof von Roman Zweifel und Samantha Falivena. An dieser Stelle ein Dankeschön an die zwei für das kühle Bier und die Aprikosen aus dem eigenen Garten. Klaufi und Sokki freuten sich, auf einer üppigen Wiese zu nächtigen und standen da auch noch am nächsten Tag...

 
Nach einer wohltuenden Dusche, einem hervorragendem Essen und einem etwas zu warmem Dachzimmer (alles gesponsert von Ronnys Mutter) fand ich dann in der Gewitterpause meinen Schlaf. Leider kam Ronny nur zu wenig bis gar keiner Ruhe in dieser gewitterhaften Nacht.
 
Fazit vom ersten Tag:
- Bremsen können so lästig sein, das kann man sich überhaupt nicht vorstellen!!!
- Die Knie können nach sechs bis sieben Stunden reiten doch mal froh sein, wenn man sie durchstreckt!!!
- Auch wenn noch nie was passiert ist, nächstes Mal kommen Ersatzzügel ins Gepäck; nach den ersten zwei Stunden sind Klaufis Zügel gerissen!!!

 
28. Juli 2009
 
Doch etwas gerädert aber mit voller Vorfreude auf den neuen Tag, standen wir um ca. 06:30 Uhr auf und assen Frühstück. Helena war so nett und hatte uns schon Sandwichs vorbereitet und unsere Satteltaschen von Uerikon nach Hombrechtikon zum Stall gefahren.
Nach unserem Morgenspaziergang den Hügel hoch holten wir unsere zwei Wuschis von der Weide und gaben ihnen ihr Frühstücksmüsli, damit sie die längste Etappe unseres Wanderrittes mit voller Kraft starten konnten. Die Gewitternacht schien sie nicht allzu sehr mitgenommen zu haben, da sie schon wieder völlig neugierig den ihnen fremden Stall beäugten.



Alles gepackt, alle gestärkt und alles wieder geputzt, was wir gebraucht hatten, ritten wir um 08:28 Uhr los Richtung Benken. Der Panoramaweg, auf dem wir schon ein Stück nach Hombrechtikon geritten waren, hielt, was er versprach: ein wunderschönes Panorama mit Zürich- und Oberseeblick.

Durch wunderschöne Wälder und über weite Wiesen führte unser Weg. Manchmal ausnahmsweise auch über Reitverbotwege, da wir keinen Grund dafür erkennen konnten und die Umwege teilweise einfach zu weit waren. Ach ja, und manchmal wird man halt einfach mitgerissen und reitet ein Stückchen Tölt oder sogar Galopp... Alles toll, wenn man nicht sein Gepäck verliert. * zwinker *

 

Das Gewitter der vorherigen Nacht hatte auf einigen Waldwegen seine sumpfigen Spuren hinterlassen und es gab dreckige Hufschuhe. Aber verloren haben wir bis jetzt noch keinen. Die Mittagspause verbrachten wir in einem wunderschönen Naturschutzgebiet.



Um ca. 14 Uhr ritten wir gut gestärkt weiter zu unserem Tagesziel.

Doch wir ahnten ja nicht, dass es länger dauern würde als gedacht...

Hügelchen hoch, Hügelchen runter, Flussüberquerungen und Sackgassen waren noch Hindernisse, die wir gerne und mit viel Humor in Kauf nahmen. Doch dann, ein Reitverbot nach dem anderen und zu viele Menschen, die einen sehen konnten. Also hiess es Umwege suchen, die nicht zu lange dauerten. Aber davon fanden wir leider keinen, und so ritten wir sehr, sehr lange dem Berghang entlang, da wir irgendwie keinen Wanderweg nach unten ins Tal fanden. Das Gemeine an der ganzen Sache war, das wir Benken und sogar den Hof schon lange sehen, aber einfach keinen direkten Weg hinunter finden konnten. Als wir, respektive ich schon die Hoffnung aufgeben und umdrehen wollte, sagte uns ein netter Bauer, dass wir noch bis ans Ende dieser Strasse reiten müssten und dann ein Weg an Bauernhöfen vorbei mitten durch ein Dorf nach Benken runter führe. Als wir schon losreiten wollten, fragte er uns, wohin wir schlussendlich in Benken möchten und meinte dann mit einem breiten Lächeln, den Hof sehe man von hier schon. Ha ha... Als ob wir den noch nicht bemerkt hätten. Wir bedankten uns und ritten endlich unserem Tagesziel entgegen.



Im Tal angekommen merkte man, das Klaufi langsam aber sicher keine Lust mehr hatte. Am Hof von Stefan Kühne angekommen, waren wir alle, wirklich alle erleichtert, endlich unser Ziel erreicht zu haben. Helena, unsere Trossfahrerin, wartete schon eine Stunde beim Stall, da wir unsere Ankunftszeit eigentlich zwei Stunden früher berechnet, durch die Umwege aber sehr viel Zeit verloren hatten. Sokkis Stimmung hatte nix getrübt und er frass voller Elan wie immer seinen Anteil Kraftfutter und Heubrikett, während Klaufi sein Kraftfutter knabberte, aber das Brikett links liegen liess und einfach nur dastand. Er machte mir schon ein wenig Sorgen in dem Zustand, da er sonst die Briketts sehr gerne hatte. Schlussendlich führten wir unsere vierbeinigen Weggefährten dann auf eine MEGA Weide, wo sie sich die ganze Nacht am frischen Gras laben konnten. Als Klaufi auf der Weide dann ganz normal graste und sonst nicht auffällig war, wartete ich mal bis morgen ab.

Nachdem wir alles verräumt und uns ein bissel frisch gemacht hatten, gingen wir zum Abendessen ins Restaurant Rössli in Benken. Das war vielleicht lecker und mit freundlicher Bedienung, wirklich jedem zu empfehlen.

Unser Nachtlager schlugen wir auf den Strohballen im Stall auf und freuten uns schon auf den wohlverdienten Schlaf.

Fazit vom zweiten Tag:

- Trotzt GPS wäre es hilfreich, eine Karte dabei zu haben.
- Und es wäre auch nicht schlecht, einen Ersatz für Sokkis nigelnagelneue Zügel dabei zu haben. Einer der drei Monate alte Karabiner ist schon defekt!!!


29. Juli 2009

Nach einer schlaflosen Nacht (es hatte einfach zu viele Mücken, um wirklich schlafen zu können) ging um fünf Uhr früh die Melkmaschine los, die uns dann doch noch zu ein paar Stunden Schlaf verhalf, da sie so laut war, dass man das lästige Summen der Mücken nicht mehr hören konnte.

Um ca. 9 Uhr standen wir dann völlig von den Mücken durchlöchert von unserem Strohlager auf und packten unsere Siebensachen zusammen. Wir waren ja noch zum Kaffee eingeladen bei Vreni Kühne; ein richtiges Bauernfrühstück hatten wir am Abend zuvor dummerweise aus Bescheidenheit ausgeschlagen, da wir dachten, wir würden früh genug aufstehen, um uns was im Laden zu kaufen. So beschlossen wir, zuerst Kaffee trinken zu gehen und danach mit den Pferden einkaufen zu reiten. Doch Vreni liess uns dann nicht nur mit einem Kaffee aus dem Haus, sondern tischte ein komplettes Frühstück auf.

Dann ging es mit Enkelkindern zum Pferdeputzen und Satteln.

Klaufi naschte auch an diesem Morgen nur ein wenig vom Brikett und überliess den Rest Sokki, was mir schon ein bisschen Sorgen machte. Da er aber kein Fieber hatte oder sonstige Beschwerden zeigte, wollte ich auch noch diesen Tag abwarten.

Mit den zwei Kindern in den Sätteln spazierten wir vom Bauernhof zum Wohnhaus der Kühnes, um uns zu verabschieden und zu bedanken. Um 11:33 Uhr ritten wir dann los zum Spar, um uns noch ein paar Früchte für den kurzen Ritt nach Weesen zu kauf en und unseren geliebten Yogi-Drink zu schlürfen.

Also ritten wir durch Benken zum Linthkanal raus. Eine wundervolle Strecke, um mal richtig schön zu tölten. Leider sind die grossen Bäume gefällt worden und die kleinen noch nicht so gross, dass sie genügend Schatten auf den Weg werfen, weshalb es verdammt heiss war entlang des Flusses.


Doch dann kam wieder mal ein Reitverbot... So mussten wir vom Kanal über die Brücke nach Bilten. Als die Pferde aus einem kleinen Bach tranken, verloren wir den ersten Hufschuh im Bachschlamm. Da wir immer wieder die Hufe überprüften, bemerkten wir dies natürlich sofort und hatten auch keinerlei Probleme, ihn wieder zu finden. Dann ritten wir am Berghang auf einem schönem Weg Richtung Ziegelbrücke, am dortigen Bahnhof vorbei und wieder dem Linthkanal entlang bis nach Weesen.

In Weesen angekommen ritten wir ein wenig am rechten Walenseeufer entlang, da wir eigentlich noch mit den Pferden ins Wasser wollten, aber es waren zu viele Spaziergänger unterwegs, die jede Badenische besetzten. Darum machten wir unter einem grossen Baum Pause.


Helena telefonierte uns dann, dass sie nun in Weesen sei und nicht genau wisse, wo unsere Sachen hinkämen. Also sattelten wir auf und ritten Richtung Dorf-Zentrum. Am Parkplatz am See stieg Ronny dann ins Auto, um seiner Mutter den Weg zu zeigen und ihr beim Ausladen zu helfen, wärend ich mit Handpferd weiter durchs Dorf ritt und von einigen Turisten bestaunt wurde. Zuerst ritten wir an der Weide beim Restaurant - Hotel Elite vorbei bis zu Wiebkes Haus (Wiebke hatten wir letztes Jahr in Island auf einer Reittour kennengelernt). Auf halbem Weg kam mir ihr Mann Peter mit dem Fahrrad entgegen und führte Sokki dann noch bis zum Haus. Da sattelten und zäumten wir die Wuschis ab und nahmen ihnen die Schuhe ab. Klaufi war wieder ganz der Alte, frech und ganz auf Leckerreien aus. Ich denke, es war gestern einfach eine zu lange Strecke für ihn, und seine Motivation war völlig am Boden, er war sicher verdammt froh, dass wir heute eine fast ebene Strecke ritten, und das nicht mal sehr lange. Nun führten Ronny und ich unsere zwei Kumpels zurück zur Weide, die völlig üppig hinter einer Hecke (die nicht gerade schön geschnitten war. Insider.) verborgen an der Hauptstrasse lag. Dort verbrachten die Isis die Nacht.

Fotos folgen bald!

Im Restaurant gönnten wir uns dann noch ein Frappé und Helena sich eine Cola, bevor sie uns nun als Trossfahrzeug verliess. Wir danken dir sehr für deine Arbeit und das Hinterherfahren mit unseren Sachen. Dann liefen wir wieder zum Haus zurück, wo Wiebke nun von der Arbeit zu Hause angekommen war. Sie zeigte uns unser Zimmer und wir machten uns mit einer wohlverdienten und notwendigen Dusche fürs Abendessen fertig. Das war ja echt lecker und ein völlig simples Gericht, das sie uns auftischten. Mit einem mega feinen Dessert, innen flüssiger Schokokuchen oder irgendwie so.

Völlig gesättigt und zufrieden besuchten wir dann Klaufi und Sokki nochmals auf der Weide und brachten ihnen noch einen Eimer Wasser. Sie schienen sich völlig wohl zu fühlen. So konnten dann auch wir unbesorgt zu Bett gehen und waren froh, dass es keine Mücken zu haben schien. Übrigens, ich zählte pro Hand etwa 10 - 12 Mückenstiche und Ronny auf beiden Füssen zusammen 34 Stiche. Schlafen im Stroh war eben doch nicht so romantisch wie wir gehofft hatten.

Fazit vom dritten Tag:
- Mückenschutz für Menschen dabeihaben!
- Antijuckreiz für Mückenstiche dabeihaben!
- Kürzere, einfachere Strecken heben das Gemüt von Pferd und Reiter.
- Das Rezept vom Essen müssen wir uns merken!
- Beweisfoto für unsere isländischen Freunde machen, dass Wiebke und wir uns wirklich getroffen haben.


30. Juli 2009

Auch an unserem letzten Reittag klingelte der Wecker früh. Wir passten uns Wiebke an, da sie so freundlich war, unsere Pferdis mit dem Hänger bis nach Sargans zu farehn. Die Stecke am rechten Walensseufer entlang ist leider nicht sehr einladend für Reiter und Pferd, viele geteerte Stellen, lange Tunnels und wahrscheinlich bei so schönem Wetter viele Fahrradfahrer. Die linke Uferseite wäre vom Weg her viel verlockender gewesen, aber doch sehr riskant mit zwei Wuschis, da der Weg teilweise sehr eng wird und auch der Gegenverkerh (Wanderer mit Stöcken und so) nicht wirklich Platz finden würde um uns ausweichen zu können. Deswegen entschlossen wir uns schlussendlich die faulere Variante zu nehmen und uns bis zum Rheindamm fahern zu lassen.

Um 08:20 Uhr verluden wir Klaufi und Sokki in Wiebkes Pferdetransporter. Sokki war wirklich vorbildlich, während Klaufi so seine Zickereien zum Besten gab. Als dann beide im Hänger standen und alles andere verladen war, ging es los Richtung Sargans.




Mein Gedächnis trübte mich nicht und ich fand den Weg zum verborgenen Reitplatz auf dem Rheindamm auf Anhieb. Um neun Uhr luden wir die Pferde aus und verabschiedeten Wiebke bis zum Abendessen, zu dem wir sie
als Dankeschön eindluden. Es war eine wunderbar klare Luft und einfach ein schöner Moment, unter den Ersten auf dem Rheindamm zu sein. Am Fluss kann man Kilometer entlangtölten auf einem dafür bestens geeigneten Weg. Oder man kann auch gemütlich auf dem geteerten Dammweg laufen, während es auf der anderen Böschungsseite einen Reitweg gibt, der über weite Wiesen füht und den man für einen schönen Galoppsprint benutzen kann. Es gibt auch einige Gelegenheiten, mit den Pferden ins Wasser hinein zu reiten.




Es war ein tolles Gefühl, wieder in meinem früheren Reitgebiet unterwegs zu sein und Ronny all die tollen Reitwege zu zeigen, die der Anfang vom Rheintal zu bieten hat. Da gibt es die Wege direkt am Fluss entlang oder eben jene, die man nur kennt, wenn man hier aufgewachsen ist oder noch hier wohnt. Nämlich jene, die sich im Wald befinden, abseits von Hündelern, Bikern und Fussgängern. Jene, die noch Natursprünge über Baumstämme und vom Train erbaute Hindernisse beinhalten (man kann jedem Sprung auch ausweichen). Jene, die über Felder von Bauern führen, die nix dagegen haben, wenn man mal darüber galoppiert. Jene, die man halt eben für Pferd und Reiter gemacht hat! Leider sind sie in all den Jahren ein wenig zugewachsen, und ein paar der Sprünge sieht man gar nicht mehr unter all den Brombeersträuchern. Aber egal, es war toll!

Über die Rheinbrücke bei Meienfeld Richtung Bad Ragaz, und schon sahen wir unser Ziel. Das Hotel Schloss Wartenstein auf dem überhängendem Felsen in Pfäfers. Jetzt heisst es einfach noch den Ber,g hoch und zwei Wochen Ferien stehen uns noch bevor!
Es gibt vier Wanderwege nach Pfäfers hoch. Wir haben uns für den Pferdefreundlichsten entschieden, nämlich den, der nicht so steil war wie die anderen, aber am Schluss der Strecke noch ein wenig der Strasse entlang läuft. Es war schade zu sehen, wie im Laufe der Jahre dieser Waldteil ziemlich gerodet worden war. Ich mag mich noch dran erinnern, als ich mit meinem Freiberger diesen Weg geritten bin, und da war es noch tiefster Wald!




Kurz vor Mittag um 11:31 Uhr erreichten wir das Hotel meiner Eltern und die Pferde ihr Feriendomiziel mit herrlicher Aussicht für die nächsten zwei Wochen. Meine Eltern freuten sich, dass wir es geschafft hatten, mein Patenkind und meine Nichte, die gerade bei ihren Grosseltern in den Ferien waren, freuten sich übermässig darüber, dass es jetzt Pferde hier hatte, die man putzen und streicheln konnte und - wenn man lieb war - sogar mal reiten durfte.

Und wir waren glücklich, unser Ziel heil und ohne grössere Probleme erreicht zu haben und bedankten uns bei Sokki und Klaufi für ihre Treue und Kraft, mit der sie uns durch die halbe Schweiz trugen. Dafür hatten sie Ferien mit Panoramablick verdient. Ob Pferde diese Aussicht überhaupt schätzen, wissen wir nicht, aber das Gras mochten sie auf alle Fälle!



Text: Jacki
Fotos: Ronny und Jacki