Früher, als es in den umliegenden Ortschaften noch mehr reitbegeisterte Menschen und somit auch mehr Pferde gab, fand jeden Sommer eine Fahrt mit mehreren Kutschen zum Kunkelspass (1'357 MüM) statt. Auf einer Wiese wurden ein mittelgrosses Zeltdorf aufgestellt und es war jedes Mal ein tolles Fest für alle Natur- und vor allem Pferdefreunde. Offenbar sind die jungen Leute heutzutage nicht mehr so pferdebegeistert und/oder abgewandert in Richtung der grösseren Städte, so dass die grosse Fahrt momentan leider nicht mehr jedes Jahr stattfindet. Dieses Mal waren es nur zwei, drei Familien, die mit ein paar Pferden und einer Kutsche voller Küchenutensilien zwei Ferienwochen in der Nähe von Vättis verbrachten. Warum nicht einen Besuch verbinden mit einem zweitätigen Rundritt über den Pass nach Domat/Ems hinunter und dem Rhein entlang wieder zurück nach Pfäfers?
Nachdem wir die Strecke mit der TopoSchweiz-Karte von Garmin am Computer provisorisch geplant hatten, zeigte sich, dass es von der Passhöhe nach Pfäfers über 33 Kilometer waren. Natürlich hätten wir bei den Kunkelsfahrt-Rösselern im Zelt schlafen können, doch das hätte die zweite Etappe um etwa 6 Kilometer verlängert, weshalb wir eine nähere Übernachtungsmöglichkeit finden wollten. Zuerst versuchten wir es beim Restaurant mit Kuhstall direkt auf der Passhöhe, doch die waren von unserem Anliegen gar nicht begeistert: "Das ist ein Kuhstall, da können Sie unmöglich mit Pferden rein." Quatsch mit Sauce, aber was kann man machen? Etwas weiter unten steht das Bergrestaurant Eggwald. Vielleicht hat's ja da eine Weide in der Nähe, die wir für eine Nacht benutzen konnten. Beim ersten Anruf nahm niemand ab, doch gegen Mittag klappte es. Der Herr am Telefon meinte, unsere Pferde könnten auf der Ziegenweide nächtigen. Er sei sogar froh, wenn sie ein bisschen Gras mähten, da die Geissen doch einiges wählerischer seien. Für uns zwei gebe es Platz im Massenlager. Nun stand unserem Ritt also nichts mehr im Weg.
6. August 2009
Die erste Etappe war knapp 20 Kilometer lang. Jacki hatte morgens noch einen Zahnarzttermin, weshalb wir erst am Mittag losreiten konnten. Zuerst ging es auf der glücklicherweise nicht sehr befahrenen Strasse durch Pfäfers. Danach hatte es meist einen Wanderweg neben der Strasse mit teilweise atemberaubender Aussicht ins Taminatal. Einmal geht es auf einem Holzsteg über einen Wasserfall, und auch auf einem Isländer sitzt man höher als das Geländer. Jetzt nur nicht scheuen... Auf der asphaltierten Strasse durch Vadura hinunter zum Stausee stolperte Sokki plötzlich, fiel auf beide Vorderfusswurzelgelenke und schürfte sich das Fell weg. Geblutet hat es nicht, aber es sah ziemlich doof aus. Die Strasse nach Vättis führt der rechten Seeseite entlang. Deshalb ritten wir über den Damm zum wunderschönen Wanderweg auf der anderen Seite. Bei der Mündung der Tamina mussten wir über eine schmale Holzbrücke wieder zurück zur Strassenseite wechseln. Endlich verlief der Weg über eine Wiese, die wir natürlich zu einem kurzen Galopp nutzten, und Feldwege, bis wir kurz vor Vättis wieder auf Asphalt gezwungen wurden. Von da ging's im Schritt weiter auf asphaltierten, kaum befahrenen Wegen bis wir den Lagerplatz der Rösseler, die sich sehr über unseren Besuch freuten, gefunden hatten.
Wir sattelten unsere Pferde ab, banden sie in einem kleinen Gehege neben den anderen Pferden im Schatten einiger Bäume an, gaben ihnen ein Brikett und etwas Heu und liessen uns von Jackis alten Bekannten zu einem Kaffee einladen. Etwa eine Stunde später machten wir uns auf Richtung Kunkelspass. Der Weg führte stetig, aber nur leicht aufwärts, durch wunderschöne Landschaft mit toller Aussicht auf die Berggipfel, aber leider auf fahrbaren Wegen. Bald war nebst dem Kunkelspass auch das Restaurant Eggwald ausgeschildert, und wir waren gespannt, wie das aussehen würde. Später begrüsste uns auf dem Weg ein junger Mann, der mit einem Rottweiler Gassi ging. Es war wohl nicht schwer, uns zu erkennen, denn er meinte gleich: "Ihr wollt sicher zu uns ins Eggwald!" Als wir wenig später das Restaurant erreichten, stellte er sich vor als Mischa und zeigte uns die Ziegenweide und unseren Schlafplatz. Auf der kleinen umzäunten Weide gleich neben dem Haus stand ein Tipi, das ursprünglich für die Kinder gedacht war, doch mittlerweile von den Ziegen in Beschlag genommen worden ist. Klaufi und Sokki fühlten sich sogleich wohl im hohen Gras. Nachdem wir unsere Sachen verstaut hatten, schauten wir uns das Bergrestaurant näher an. Es gibt eine grosse Terrasse mit Holzbänken und -tischen und wunderschöner Aussicht auf die umliegenden Wiesen, Wälder und Berggipfel. Wirtin Lucia sass mit zwei Gästen am Tisch, die wir schon bei einer Feuerstelle beim Stausee gesehen hatten. Lucia und Mischa wohnen beide im Restaurant, und man sieht dem Haus an, dass es halb Wohnhaus, halb Restaurant ist. Der innere öffentliche Raum ist liebevoll eingerichtet und strahlt eine Atmosphäre aus, in der man sich sogleich wohlfühlt. Bei unserer "Buchung" hatten wir gar nicht nach dem Preis gefragt und wohl etwas wie eine Jugendherberge mit karger Menükarte erwartet. Als Lucia vom geplanten Viergang-Menü erzählte, trauten wir kaum unseren Ohren: Salat, Suppe, Pasta, Dessert - alles hausgemacht und nach eigenem Rezept - und alles unglaublich lecker. Für die Fleischesser gab's sogar fünf Gänge! Die ersten beiden Gänge nahmen wir noch draussen ein, doch da die Sonne schon hinter den Bergen verschwunden war, wurde es merklich kühler, so dass wir uns in die Stube setzten. Pappsatt, zufrieden und langsam müde schauten wir noch rasch nach den Pferdis und begaben uns in die Heia. 7. August 2009
Das Massenlager hatten wir für uns alleine. Nach einer ruhigen Nacht versorgten wir gegen halb neun wie üblich zuerst unsere Pferde mit Kraftfutter, obwohl die beiden soeben den Ziegen die Körner weggefressen hatten. Danach erwartete uns selber ein exquisites Frühstück mit allem, was das Herz morgens begehrt. Falls es noch nicht klar geworden sein sollte: Wir empfehlen das Bergrestaurant Eggwald all jenen weiter, die noch nicht verlernt haben zu geniessen und dies vor allem auch zu schätzen wissen!
Weiter ging's Richtung Kunkelspass. Eigentlich herrscht auf der asphaltierten Strasse über den Pass Fahrverbot, aber entweder hatten erstaunlich viele eine Ausnahmebewilligung oder sie scherten sich einfach nicht darum. Nach einigen Kurven und einer leichten Steigung durch ein Wäldchen erreichten wir schliesslich den höchsten Punkt unseres Ausflugs mit fantastischer Aussicht auf die umliegenden Berggipfel. ![]() Da es von nun an nur noch bergab ging, stiegen wir ab und spazierten die ungefähr acht Kilometer in langen Serpentinen. Vereinzelt kamen uns Biker entgegen, von denen einige ihren Untersatz offenbar auch schonen wollten. Warum sonst sollten sie es sonst schieben? Einmal mussten wir durch einen etwa hunder Meter langen Tunnel, der abgesehen von einigen in den Fels gehauenen Galeriefenstern völlig unbeleuchtet war. Zwischen diesen Fenstern sah man kaum die Hand vor Augen. Unsere Pferde schafften auch diese Gelassenheitsprüfung ohne Weiteres. Nach dem Ausgang ging es noch ein Stück weiter runter, bis endlich der ungepflasterte Weg nach links abzweigte, den wir eingeplant hatten. Wir wollten nämlich Domat-Ems am Berghang umreiten und erst später ins Rheintal runter. Da dieser Weg nach einer Strecke wieder Richtung Berggipfel führte, bogen wir rechts auf einen schmalen Bergwanderweg ein, der sich hinunter ins Tal schlängelte. Der Einstieg stellte bereits höhrere Anforderungen an Pferd und Reiter, da gleich eine Art Kuhgitter überwunden werden musste. Es handelte sich um eine gebogene Minibrücke mit dicken Metallstangen, deren Abstand klein genug für die Hufe war. Auch diese Gelassenheitsprüfung war kein Problem für Klaufi und Sokki. Wegen der Steilheit führten wir unsere Pferde wieder an der Hand und stiegen erst auf, als es wieder etwas ebener wurde. Nachdem wir ein zweites Gitter überwunden hatten, befanden wir uns auf einem tollen Waldweg, noch nicht ganz auf Rheinhöhe. Wie schon zwischen Sargans und Landquart war auch dieser Rheinabschnitt sehr reiterfreundlich. Wir folgten dem linken Ufer, erst auf einem breiten Kiesweg, bevor wir auf den schmalen Wanderweg in Ufernähe wechselten. Nach einer Weile hörten wir Schüsse, und unsere Pferde zuckten leicht zusammen. Toll, ein Schiessplatz... Später stiessen wir auf ein Schild, das besagte "Weg führt über Schiessplatz". Von dem sahen wir zwar nichts, aber an einer Brücke war ein militärisches Fahrzeug und ein Uniformierter. So wechselten wir gleich dort die Rheinseite, wo es getrennte Reit- und Spazierwege hatte. Bei Landquart fliesst der gleichnamige Fluss in den Rhein. Dazu gibt es eine Eisenbahn- und eine grosse Autobahn-/Strassenkreuzung, die beide den schönen Rheinweg unterbrachen. Da mussten wir durch, und zwar voll im Verkehr. Glücklicherweise konnten wir den riesigen Kreisel auf dem Veloweg und Trottoir passieren und fanden uns schliesslich auf vertrautem Gelände wieder. Die Strecke Landquart-Bad Ragaz hatten wir ein paar Tage zuvor auskundschaftet. Auf den tollen, leider etwas verwachsenen Reitweg mit Natursprüngen gelangten wir schnell nach Bad Ragaz. Dort ging's wieder durchs Dorf und den steilen Weg hoch zum Hotel. |




























