Es ist Samstagmorgen, die
Uhr am S-Bahnhof Berlin-Südkreuz zeigt 08:58 Uhr als sich 6 verrückte Freizeitvolleyballer,
mich eingeschlossen, mit ihren Sporttaschen und Koffern treffen. Fachmännisch werden
von Tobias erst das Gepäck und anschließend die Spieler im angemieteten Ford
Galaxy verstaut und schon beginnt ein abenteuerlicher Wochenend-Ausflug ins
Ungewisse. Obwohl, so ungewiss ist die Fahrt dann doch nicht, denn das Navi hat
keine Probleme die Route nach Hettenhausen/Gersfeld in der Rhön mit 445,4 km
und einer Fahrtzeit von 4:40 Stunden zu berechnen.
Die Berliner Stadtgrenze
ist noch nicht erreicht, als Ercan schon in seinem Element ist und uns mit
Anekdoten aus seinem Leben amüsiert. Davon gibt es reichlich und alle beginnen
mit „was ich euch noch erzählen wollte…“. Da ist der Spaß vorprogrammiert, die
Müdigkeit verfliegt sehr schnell und auch die Autobahn-Kilometer rasen nur so
an uns vorbei. So kommen wir trotz ausgiebiger Pause nach nur 5 Stunden in
Schwarzbach an, wo wir uns für die Nacht einquartiert haben.
Doch zum Ausruhen bleibt
nicht viel Zeit. Christines Bekannter Dietmar, der uns eingeladen hat, brennt
darauf „die Berliner“ endlich kennen zu lernen und uns seine schöne Heimat zu
zeigen. Also starten wir zu einer ausgiebigen Rundreise durch die Rhön. Vorbei
an verschneiten Feldern und Wäldern, durch kleine und teilweise verschlafene
Ortschaften mit lustigen Namen wie beispielsweise Unterweid, Rabennest oder
Poppenhausen geht es zuerst auf die Wasserkuppe, der höchsten Erhebung der
Rhön. Hier schauen wir dem Skitreiben zu und manch einer würde am liebsten
einem Kind den Schlitten klauen und selbst den Abhang runter sausen. Doch so
begnügen wir uns mit einem Spaziergang um die alte Militäranlage herum und
versuchen nicht auf der spiegelglatten Schneefläche auszurutschen – was nicht
allen gelingt. Bei der tollen Aussicht bemerken wir auch nicht mehr alle
Eiskristalle, die der Wind uns entgegen schleudert. Dann geht es zum
gegenüberliegenden Kreuzberg, wo uns im Kloster eine deftige Mahlzeit und ein
Maß erwarten. Den schönen Tag beenden wir in einer urigen Dorfkneipe in Hettenhausen.
Nach knapp 7 Stunden
Schlaf müssen wir am nächsten Tag schon wieder raus aus den Betten und werden
von der Wirtin mit einem Frühstück und vor allem Kaffee versorgt. Nun endlich
haben wir Zeit unsere Taktik für das bevorstehende Turnier zu besprechen, denn
schließlich haben wir nicht nur zum Vergnügen die weite Reise angetreten. Zum
Glück haben wir Thomas, Trainer der 3. Damen, dabei, der ganz klar das
Tagesziel festlegt: Der Turnier-Sieg sollte es schon sein.
Anschließend machen wir
uns mehr oder weniger ausgeschlafen, aber gestärkt und hochmotiviert auf den
Weg zur Sporthalle. Die anderen Mannschaften sind bereits dort, doch zur
Analyse unserer Gegner bleibt keine Zeit, denn kurz nach unserem Eintreffen
wird das Turnier auch schon angepfiffen. Wir haben das schwere Los gezogen und
müssen das Eröffnungsspiel gegen die Gastgeber bestreiten. Doch ohne richtiges
Einspielen und mit kalten Füßen kann das nichts werden, sodass wir uns gegen
Hettenhausen geschlagen geben müssen. Aber aus Fehlern lernt man und so nutzen
wir die Spielpause zum Warmlaufen im Flur, was uns im nächsten Spiel einen
überragenden Sieg bringt. Auch die nächsten 2 Vorrunden-Spiele gewinnen wir und
dank der gegenseitigen Anfeuerung spielen wir uns in einen wahren Rausch. Im
letzten Vorrundenspiel gegen die bis dahin Tabellenersten „Wilde Pilger“ heißt
es dann alles oder nichts – also geben wir alles … und gehen auch hier als
Sieger vom Platz.
In der Hauptrunde werden
dann anschließend die Turnierplätze ausgespielt und wir müssen nochmals gegen
die „Wilden Pilger“ ran. Da die Zuschauer ausschließlich aus der Rhön kommen, kann
man fast von einem Heimvorteil unserer Gegner sprechen. Doch uns lässt dies
völlig kalt, wir bleiben unserer Linie treu und punkten mit tollem
Zusammenspiel und gezielten Angriffen. Da können auch Annahmefehler und
vereinzelte Missgeschicke unsererseits den Gegner nicht in Führung bringen. Der
Jubel ist groß, als wir Thomas‘ Wunsch entsprechend das Turnier gewinnen. Statt
einem Pokal gibt es eine Urkunde und einen Karton voller
Geschenke, aus dem Denis Duschbad und Schokolade hervorzaubert.
Nach der wohlverdienten
Dusche und einer Stärkung in Form von Kaffee und Kuchen machen wir uns auf den
Weg zurück. Da unsere Fahrer Thomas und Tobias nach dem Spiel jeweils einen
schweren Fuß haben, erreichen wir nach nur 4 Stunden Berlin, wo uns zwar keine
begeisterte Fan-Gemeinde erwartet, dafür aber ein warmes Bett, um von nächsten Turniersieg
zu träumen …
(von:) Jessica Schiffke
;)