14. Juni 10 ohne, dass wir es gemerkt haben, sind wir nun auch schon wieder seit einiger Zeit in Wien zurück. Wie schnell die Zeit um war. Unglaublich. Nun geht jeder wieder seine eigenen Wege - mit einer kleinen Veränderung: einem Haufen neuer Eindrücke und viel neu Gelerntem. Wir hatten im Endeffekt zwar weit weniger Aufführungen als geplant (ca. 10 Stück) aber in Anbetracht der ganzen Probleme, die sich uns gestellt haben können wir trotzdem extrem stolz darauf sein, dass wir es überhaupt geschafft haben. Keine Sponsoren, zu wenig Schauspieler, Schauspieler die mitten in der Reise abspringen, neue Konzepte, Proben am Strand in glühender Hitze oder in den Eingangszimmern von Hostals, das dauernde "neu ankommen" und "sich nicht auskennen", kein Geld, etc etc etc etc. Aber mit Humor und Selbstironie (und daran hats uns sicher nicht gefehlt) liess sich alle sehr gut meistern. Alles in allem war es auf jeden Fall eine einzigartige und wundervolle Erfahrung. Wir danken allen, die uns unterstützt haben und uns selber für den Mut das gemacht zu haben. Road:tracks ist immer noch in Arbeit und an der Arbeit zu alternativem Theater in Südamerika werde ich sicher auch noch weiterhin mein Köpfchen zermartern. Interviews gibt es - zumindest ein paar erste. Liebste Grüße, Erika p.s. Buenos Aires war super. Wir sind auch dort nochmal aufgetreten und hatten unseren Spaß. Ganz liebe Verwandte von Philipp haben uns dort die erste Zeit beherbergt und luxuriös verwöhnt (was sehr ungewohnt war). Dann haben sich unsere Wege kurz getrennt, um sich in Venezuela wiederzufinden. Dort haben wir die letzten zwei Wochen zwar nicht mehr aufgeführt, aber dafür ganz wilde Abenteuer erlebt. Diebstähle, Flucht aus Choroni, Caracas, Ausflüge zu verschiedenen wunderschönsten Inseln, ach und noch viel Meer (haha wortspiel). 15. März 10
...ohne dass ich es gemerkt habe hat der Mate ganz natürlich den Platz des Cocablattes eingenommen (nur Hartgesottene kauen weiter) überall gibt es Klopapier und ich muss mir langsam abgewöhnen in jedem Restaurant wie ein Hamster jedes Stück Serviette mitgehenzulassen...
Mit anderen Worten: Wir sind in Argentinien, dem Europa Südamerikas und das nun auch schon seit geraumer Zeit weshalb es mal wieder höchste Zeit für einen "pensionären Blockeintrag" (wie unsere Updates intern genannt werden) ist.
Wir, die wir uns inzwischen schon in echte Südamerikaner transformiert haben müssen uns erst wieder an diese europäische Art gewöhnen. In Kolumbien sagt jeder Besitzer eines noch so kleinen Taxis beim Anblick unseres übermässigen Gepäcks nur "No Problema!" und wuchtet die ersten Rucksäcke auf ein Dach dem wir nichteinmal zutrauen den nächstem Regenguss standzuhalten und steigen nur ein um den Fahrer samt Fahrzeug nicht zu beleidigen. Und hier weisen uns die geschleckten Taxisten mit ihren noch geschleckteren Riesenkarren ab, egal wie oft wir beteuern, dass wir das schon 100mal gemacht haben und meister im Gepäck verstauen sind. Busse haben auf einmal wieder Haltestellen, Türen und Fahrscheine. Aber keine schreienden Händler die dir von Zahnaufhellern bis Kokusnüssen alles un- und erdenkliche zu Spottpreisen anbieten. Aber was mir persönlich natürlich am meisten zu schaffen macht: Ich falle nicht mehr auf. Die Menschen hier sehen so aus wie wir, nur dass sie schöner und modischer gekleidet sind als wir. Die meisten sind ersmal kurz verwirrt wenn sie mich ansprechen und ich in meinem (immernoch) gebrochenem Argentinisch antworte. Aber ich brauche nur meinen Europäerbonus auszuspielen und ihnen verraten wo ich herkomme schon habe ich alle Sympathien auf meiner Seite. Ganz so europäisch ist es natürlich nicht, aber nach Ländern wie Peru und Bolivien ist der Kontrast ziemlich groß. So, mancher wird sich natürlich fragen, was macht das Tollplatz´sche Theaterleben? Nun, das ist so stark mit der Reise und ihren Wandlungen verbunden, dass es sich selbst auch ständig wandelt. Bevor wir Sucre (Bolivien) verlassen haben, hatten wir noch die wunderschöne Gelegenheit in einem Waisenhaus zu spielen, vor ca. 20 drei- bis sechsjährigen Kleinkindern die dich an die Handnehmen, mit ihren großen Augen ansehen und Mama zu dir sagen. Eine Mutter kann ihnen natürlich keiner ersetzen, dafür konnten wir sie mit unserem Stück erheitern. Glücklicherweise haben wir ja inzwischen soviele Versionen von Rotkäppchen, dass wir für jede Gelegenheit und jedes Publikum was passendes haben, hatten wir gedacht. Denn unsere Kinderfreundliche Maskenversion brachte doch die Hälfte unseres kleinen Publikums zum Weinen, als Philipp, der böse Wolf auftauchte und Großmutter und Rotkäppchen verspeiste. Zur Strafe wurde er danach von einer Kinderlegion bewaffnet mit Luftballons verprügelt. Nachdem wir noch einige Stunden mit ihnen spielten traten wir den Rückzug an. Am nächsten Tag hieß es mal wieder packen und unser Ziel Argentinien ansteuern. Dank einer falschen Auskunft machten wir einen relativ großen Umweg, der uns über Potosi führte. Die höchste Stadt der Welt, die eine sehr interessante Geschichte hat. Zur Zeit als aus dem "Berg der die Männer lebend isst" noch tonnenweise Silber geholt wurde, war Potosi die reichste Stadt Südamerikas und auch reicher als London oder Paris. Davon ist nicht mehr viel zu sehen. Ausserdem brachten wir wie immer mal wieder den Regen mit der die Strassen der Stadt für Wildwasserrafting geeigneter machte als zum gehen oder Autofahren. Die tapferen kleinen Busse kämpften sich dennoch durch die Fluten und brachten uns ins Zentrum wo auch wir durch Knöchelhohes Wasser wateten um wenigstens in ein Restaurant zukommen, statt wie ursprünglich geplant uns die Minen anzusehen. (Empfehlenswert: der Film "The Devil´s Miner" wurde dort gedreht, und wen interessiert was aus dem kleinen Jungen geworden ist kann uns gerne fragen, ein Reisebekannter hat ihn in Potosi getroffen...) Weiter ging es am Abend und über Nacht nach Villazon an der Grenze. Das war meine bisher schlimmste Fahrt, da mein Sitzplatz, vollkommen nass war, mich von allen Seiten der Grind antropfte und der Bus die meiste Zeit neben der Strasse zu fahren schien, das merkte ich daran, dass ich aus meiner Betäubung alle Minuten aufschreckte, weil ich mir wieder den Kopf an der Fensterscheibe anschlug. Die Grenze selbst war auch die mühsamste bisher. Ich weiss nicht wieviele Stunden wir insgesamt dort verbrachten, aber in einer Schlange bewegten wir uns ca. zwei Meter vorwärts innerhalb von drei Stunden. Aber bisher sind wir schon recht gut im Warten. Nach einer Nacht in Huamauaca ging es weiter nach Salta. Mal wieder eine schöne kleine Stadt mit sehr nettem Hostal, das wir mal wieder in unsere Werkstatt verwandelten. Man kann Salta auch die Geburtstätte unserer Telenovela "Caperucita Feita" nennen. Dort wurden unsere Ideen und eine neues Bühnenbild geboren, dass wir aus unseren Karten bauen können, sowie der "Emo Control 2460", alles Zutaten für eine Weitere Version des Rotkäppchen Märchens. Und vorgestern haben wir diese neue Version hier in Cordoba zum erstenmal aufgeführt. Auf der Hostaleigenen Bühne (Terrasse) mit echtem Scheinwerfer haben wir vor unserem Testpublikum gespielt, nachdem wir ca. eine Stunde vorher nochmal unser ganzes Konzept umgestellt haben, eine Version herausgenommen haben... wie gesagt es ist ständig im Wandel unser Stück, weil wir sich unsere Aufführungssituationen auch ständig wandeln. Bisher gab es keine zwei gleichen Aufführungen. Aber das ist das spannende dabei. Unserem Publikum hat es so gefallen, dass sie uns danach alle umarmt und abgeküsst haben. Am nächsten Tag haben wir uns mit einem Ausflug belohnt. Mit mehr Glück als Plan kamen wir nach La Cumbre, von wo uns ein Freund unserer Hostalbesitzerin (einer sehr sehr lieben Fotografin) abholte und uns über eine Schotterpiste, auf eine Bergplattform prachte wo schon unsere "Schirme" auf uns warteten. Jaaaaaaa, wir waren Paragliden. Jeder bekam einen Piloten und Schirma auf den Rücken geschnallt und nach ein paar Schritten Anlauf hoben wir ab in die Lüfte und schwebten herum. War lustig und ein komisches Gefühl, aber wir hatten es uns alle etwas aufregender vorgestellt. Vielleicht werde ich als Pensionistin diese Sportart wieder aufgreifen. Wieder zurück in Cordoba kauften wir uns ein Busticket nach Buenos Aires. Heute Nacht ist es soweit... wir fahren nach Buenos Aires! Diese Stadt wird für uns die Stadt der Wahrheit, denn immer wenn wir uns etwas nicht verraten haben, hieß es "... ich sag es dir in Buenos Aires" von dem her können wir alle sehr gespannt sein. Eigentlich wär ich jetzt am Ende meines Berichtes, aber natürlich gibt es Dinge die dem Philipp sehr wichtig sind, dass sie veröffentlicht werden. Erstens: Philipp steigert sich fast jeden Tag in der Kilozahl an verzehrtem Fleisch, weil das hier ja ausgezeichnet ist. Komischerweise aber ohne an Gewicht zuzulegen, im Gegenteil zu uns Frauen :-(
Zweitens: Hunderln Hunderln! 16. Februar 10
Bolivien. Ja, Bolivien. La Paz: Karneval. Eine vollkommen betrunkene Stadt. Torkelnde Gestalten, teils in absurden Clownartigen Kostümen, sich gegenseitig stützend, wankend und lallend; oh, oh, diese seltsamen Ankünfte des nächtens in fremden Städten. Nachdem wir unseren Inka [1] zurückgelassen hatten, und zwar in Copacabana, nach über einer Woche 'mitreisen' - Arequipa, Colca Canyon [2], Puno (by the way das bisher g(arrr)rindigste Hostal samt creepiest guy) mit seinen Karavanen voller Teufelsmasken und kroetenhafter sowie aufreizender Gestalten, der Besichtigung seltsamer schwimmender Schilfinseln samt gelangweilter geldgeiler Bewohner (5 soles für eine kurze Fahrt mit Schilfboot zur nächsten Insel, aber wer wills ihnen verübeln?) und Kreuzen der Grenze (schlepp schlepp) bei Yunguyo (freundlichste Bedienung in einem Land, wo der Kellnerstand wohl eher als Fluch und Verdammnis denn als rechtschaffene Beschäftigung angesehen wird). Isla del Sol: hier wurde der Legende nach Manco Capac, der erste Inka, geboren, entworfen oder sonstwas [3]. Sonnenverbrannt, nach Wanderungen auf 4000m und atemberaubenden Blicken auf den unendlich grossen See.. (Titicaca) Hunger führt zum Aufsuchen von Restaurants, wo sich immer wieder eine ähnliche Szene abspielt: 'Könnte ich eine Portion Kartoffelpüree haben?'
- 'Gibt es nicht' 'aber es gibt doch Kartoffelpüree als Beilage zum Filet oder?' -'Ja' 'dann geben Sie mir doch eine Portion' -'Kann man nicht portionieren' 'Sie könnten doch aus dem Topf mit dem Püree einen Löffel auf einen Teller geben--' -'M.. Ja' 'dann hätte ich gern einen Löffel Püree auf einem Teller.' (im Gesicht des Kellners zeichnet sich eine Mischung aus ungläubigem Staunen, Misstrauen und Ctrl-Alt-Entf [4] ab..) schliesslich kommt ein Klacks Püree auf einem Teller fast zum Preis eines ganzen Menüs ... Auch in diesem Lande scheint die Gastronomie sich auf das roboterhafte Bereitstellen von immergleichen Tellern zu beschränken. Generell wird man mit Problemen gern allein gelassen, bzw die Möglichkeit einer Lösungssuche wird nicht einmal im Ansatz in Erwägung gezogen. Dafür sind die Leute recht drollig und haben lustige Hüte auf. PS: ad theaterum: Sind seit Lima noch nicht aufgetreten, haben aber weiter brav am Stück gearbeitet und Masken gebastelt. Demnächst gibt es einen Zusammenschnitt unseres Auftrittes in Cuenca zum Ansehen. Weiters wurde das Tragesystem [5] weiterentwickelt und ein Kofferartiges Behältnis durch eine Auftragsarbeit bei einem Schneider in Arequipa geschaffen. Die Befestigung dieses Systems an Rucksack / Schultern ist noch nicht ganz geklärt und besetzt viel gedanklichen Raum. PPS: an die Höhe gewöhnt man sich mit der Zeit, auch wenn Wanderungen im Stechschritt noch immer anstrengend sind. (besonders für Leute mit geringer Kondition und der Angewohnheit, Zigaretten in Kette zu rauchen) PPPS: Das Coca-Kauen scheint wirklich zu helfen, Hunger und Müdigkeit zu unterdrücken. Genaueres dazu demnächst, wenn sich bereits erste Gewöhnungseffekte eingestellt haben. [1] Edwin, unser Couchsurfing - Kontakt in Arequipa (wens interessiert: http://www.couchsurfing.org). hat (zumindest seiner Behauptung nach) starke Inka - Wurzeln (sieht auch so aus). Lehrte und vielerlei Dinge über Coca, das Ritual, Pachamama etc.. Ein sympathischer, doch scheuer, meist stiller, doch sehr höflicher Mensch, der Geologie in Arequipa studiert und ein paar Monate in Frankreich war. War mit uns das erste Mal in Bolivien und trug seinen Peruanischen Stolz mit Überzeugung vor sich her. [2] Colca Canyon - der tiefste Canyon der Welt. Mehr (viel mehr) weiss Lydia. Bitte Fragen direkt an sie richten [3] Isla del Sol ist einer der 3 legendären Orte, an denen Manco Capac das Licht der Welt erblickt haben soll. Weitere sind: der Strand von Puno (aus dem Wasser steigend) und Cusco (mit seinen Brüdern und Schwestern direkt vom Sonnengott Inti geleitet emporgestiegen aus Tunneln, unterirdisch) [4] Diese Tastenkombination startet im Betriebssystem 'Windows' den sg. 'Task-Manager' und wird meist dann angewandt, wenn sich ein Programm 'aufhängt', dh auf keine Befehle mehr reagiert, um dasselbe zu beenden (und ggf neuzustarten) [5] 12 Stk Kartonkarten im Format 52x66cm samt Extras wiegen geschätzte 15kg (gefühlte 50) und lassen sich auf längeren Strecken nicht mehr 'einfach so' nehmen. Deshalb die monatelange Suche nach der perfekten Lösung zum Transportieren dieses Gewichtes. (Lösung bald in Sicht) 08. Februar 10 Ahh. Endlich bin ich wieder an der Reihe zu schreiben. Ich harre ja schon lange in den Startlöchern um meine pensionäre Schreibweise gegenüber dem jungspundschen Kauderwelsch zu verteidigen. Und auch das berechtigte Vorurteil, dass ich immer Wörter erfinde, die es gar nicht gibt. Aber jetzt zu den wichtigeren Dingen des Lebens: Nach unserem Auftritt in Bahia, bei dem wir ja aufgrund des Fußballspiels kaum Publikum hatten, versuchen wir unser Glück in La Libertad, im südlichen Ecuador. Dort kommt uns allerdings ein Polizist in die Quere und wir handeln uns unglaubliche 15 Minuten aus und dürfen kein Geld einsammeln. "Que comienzen", das Publikum wird ungeduldig. Ich - sowieso schon high von all den Anti-Übelkeits,-Kopfweh und -Müdigkeitstabletten - fühle mich, als würden das ganze Stück, das eh schon sehr schnell ist, nochmal in fast forward gespielt werden. Aber das Publikum ist genügsam und freut sich. Man schenkt uns sogar aus Symphatie und Mitleid für das Geldeinsammelverbot eine 2 Liter Flasche Cola. Die Leute sind sehr interessiert und fragen uns nach der Performance regelrecht aus. Nächste Station Guayaquil - hier versuchen wir aber leider umsonst eine Genehmigung zu bekommen. Auch die Polizisten lassen nicht mit sich reden. Wir bleiben nur kurz in dieser extrem lauten, stressigen und nicht besonders bunten Stadt - einzig Philipp gefällt es hier - und das auch nur wegen den vielen Ferreterias (Eisenwarengeschäften). Unsere Tour geht weiter nach Cuenca, wo unser Couchsurfing-Host Israel uns den Kontakt zu "Daniela" von der Stadtverwaltung legt. In Cuenca wird Do-So auf der Plaza de Flores Kultur gemacht - und wir werden gleich für den nächsten Tag eingeteilt. Sie fragen uns nach den Kosten - wir verstehen erst nach einigen Minuten, dass sie uns bezahlen wollen. 50 Dollar, weil so kurzfristig und kein Budget mehr. Wir können es kaum glauben, unterdrücken Jubelschreie und Freudentänze: ganze FÜNFZIG DOLLAR !??!? (jaja ok, ich übertreibe ein wenig) Für so viel Geld beschliessen wir, uns sogar zu schminken: in Blau natürlich (Fotos bald). Am nächsten Tag am Platz: die Schminke sitzt. Der Platz = gehüllt in gelb und orange.. kein Fest sondern die Farben einer BAUSTELLE!!! Der Stromgenerator tut auch sein Bestes um einen Auftritt fast unmöglich zu machen. Wir bitten um Mikros, die sie uns gerade noch rechtzeitig natürlich mitten auf die kleine "Bühne" legen, die im ganzen Baustellenchaos noch über war. Wir kämpfen mit unserer Lautstärke und den herumliegenden Mikros - aber die Leute sind begeistert und es werden immer mehr. Die Organisatoren waren auch happy und laden und ein jederzeit wiederzukommen. Die Stadt und die Leute in pensionären Worten: wunderbar, einzigartig, bezaubernd. Danach in Lima. Wieder laut, wieder stressig. Wir versuchen es wieder mit Couchsurfing und werden in ein "gefährlicheres" Viertel gebracht. Dafür ist der Cousin unseres Hosts ein Touristenguide.. zumindest behauptet er das. Wir haben Glück, finden einen Ort zum spielen und können noch am gleichen Abend dort auftreten. Die Genehmigung bekommen wir schnell, weil die Promenade in privaten Händen ist und das scheinbar um einiges unbürokratischer und schneller geht. Wir sind so im "drive" dass wir sogar noch eine kleine Zugabe geben. Nach einer wortwörtlichen Horror-Busfahrt (abgesehen von seiner Dummheit scheint der ServiceTyp im Bus einen Fetisch für Horrorfilme gehabt zu haben, die er uns noch schnell um 10 am Abend aufzwingt) kommen wir erschöpft in Arequipa an. Eine weitere Erfahrung mit Couchsurfing: wir werden auf eine Gratis Übernachtung in einem Hostal eingeladen, das einem früheren (!?) Bordell ähnelt. In einem Doppelbett. Zu dritt. Wir laden Lydia auf ein eigenes Zimmer ein. Lydia flüchtet für 2 Tage in die Berge und Philipp und ich geniessen die Ruhe (vor einem weiteren Sturm?). Natürlich werden wir auch hier versuchen aufzutreten und versuchen gleichzeitig am Rest unseres Stückes zu feilen. Ideen sprudeln weiter und werden nur aufgehalten durch die dauernden Eindrücke und Erfahrungen die hier unentwegt auf einen lauern. Für die nächste Reise: unbedingt VORHER ein Stück machen (das auch für die benötigten Zwecke geeignet ist) damit man sich auf der Reise dann ganz aufs Reisen und Spielen konzentrieren kann. Aber auch so kommen wir weiter - auf der Reise ein Stück zu entwickeln ist auch eine ganz eigene, sehr (!!!) "lehrreiche" Erfahrung. Bald gehts auf zum Titicaca See und nach Bolivien. Oh Bolivien. Geistreiches Bolivien. Ich gebe zu ich habe erfahrungsgeprägte Vorurteile bezüglich der Intelligenz einiger Bolivianer - aber ich werde mich bemühen diese Vorurteile zu wiederlegen. Haltet mir die Daumen dafür, und der ganzen Gruppe dafür, dass wir keinen Höhenkollaps in La Paz bekommen. Bis demnächst und viel Spaß bei Philipps nächstem "absurden" Bericht. Erika 25. Januar 10 Nun ist es soweit und die Ehre einen Eintrag zu schreiben fällt mir zu. Eine große Ehre, aber auch eine große Verantwortung, denn angesichts der Wichtigkeit der Ereignisse will jedes Wort gut überdacht sein.
Doch vorerst der aktuelle Lagebericht: Gezeichnet vom Hunger und einer aussichtslosen Suche nach einer ominösen Organisation deren Namen wir nicht genau kennen - irgendwas mit Ayampe – sind wir drei (darauf komm ich später zu sprechen) schlussendlich in einem Restaurant gelandet dessen Speisekarte wie es hier üblich ist zu 50% aus Fisch und zu 50% aus Reis besteht. Ob sie es dennoch schaffen werden ungefähr das zu bringen was wir bestellen bleibt bis zum Ende spannend. Wir begannen unsere Suche in Puerto Lopez, dort stiegen wir in den Bus und unser logischer Instinkt riet uns die Organisation Ayampe im gleichnamen Ort Ayampe zu suchen, wo wir den Bus wieder verließen. Nachdem wir dort einmal den ganzen Ort abgesucht hatten und von den Bewohnern nur unwissendes Kopfschütteln ernteten, folgten wir dem einzigen Hinweis den wir erhielten - Ligia Gonzales - eine Frau die angeblich in dieser Organisation arbeitet und in einem grünen Haus 10 Minuten mit dem Bus in Richtung Puerto Lopez wohnt. Der nächste Bus lässt auch nicht lange auf sich warten und sofort strecken sich uns viele Hände entgegen um uns und unser absurd vieles Gepäck in dem ohnehin schon überfüllten Bus zu verstauen. Im grünen Haus finden wir nicht Ligia Gonzales, sondern ihre Mutter vor, die zwar nicht weiß wie die Organisation heißt, aber dass sie ca. fünf Minuten mit dem Bus in Richtung Ayampe liegt. Das heißt, im unwahrscheinlichen Fall, dass diese Organisation existiert sind wir schon zweimal vorbeigefahren, aber wir nähern uns. Die Wartezeit bis zum Eintreffen von Ligia Gonzales verkürzen wir uns mit der einzig logischen Tätigkeit – Essen......und Berichte für die Homepage zu schreiben....je länger wir warten, desto länger wird dieser Bericht. Jetzt wo wir endgültige Gewissheit haben wird es Zeit die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen. Wir haben ein Gruppenmitglied verloren: Johannes. Nach einem Monat in Kolumbien eröffnete er uns, dass er sich selbst ausprobieren möchte und deshalb eine zeitlang alleine reisen muss, wir vereinbarten uns wieder zwischen Weihnachten uns Silvester in Equador zu treffen. Doch die Zeit verging, Weihnachten, Neujahr...und kein Lebenszeichen von Johannes. Wir fingen an uns Sorgen zu machen und ihm e-mails zu schicken, ohne Erfolg. Schließlich stellten wir eigene Nachforschungen an und fanden heraus dass er in Mexico bei seiner Exfreundin gelandet ist. Inzwischen hat er sich auch gemeldet und ist zu unserer Erleichterung wohl auf. Unser tägliches Johannes Rätsel hat sich also gelöst. Das hat nicht nur privat Veränderungen für uns mit sich gebracht – vorallem für mich, da ich nun mit einem Pärchen reise – sondern natürlich eine große Veränderung was unser Projekt und Stück angeht. Schließlich hatten wir schon ein ganzes Stückkonzept erarbeitet und Szenen gemeinsam einstudiert. Aber wir ließen uns nicht unterkriegen erarbeiteten ein neues Konzept mit neuer (alter) Besetzung, probten bauten an unseren Kartons, bastelten Kostüme UND hatten schon unsere ersten Auftritte. Z.B.: In einer Nacht- und Nebelaktion packten wir uns zusammen, fuhren über Land und Wasser (mit unserem absurd vielen Gepäck) ins nahegelegene Bahia, suchten uns dort einen (un)passenden Platz aus, dessen einziges Manko war, dass weit und breit kein Mensch zu sehen war – was sicher auch an dem Fußballspiel lag, das gerade im Fernsehn übertragen wurde. Wir beschlossen diese Tatsache zu ignorieren und legten trotzdem los und siehe da, am Ende hatten wir ca. 20 Zuseher, die lachten, klatschten und auch Kleingeld für unseren Hut übrig hatten. Und wenn wir nicht den letzten Bus zurück nach Canoa verpasst hätten und stattdessen für 5 Dollar ein Taxi nehmen mussten hätten wir sogar einen Gewinn gemacht. Aber darum geht’s ja nicht, noch nicht. Die Leute hatten Spass und wir auch! Reich werden können wir später immernoch ;-) Nun heißt es für uns weiterproben, weiterspielen und vorallem auch weiterreisen! Nach über einem Monat Equador wird es höchste Zeit das Land zu verlassen und das ehemalige Inkareich Peru zu erobern. Seid alle herzlichst gegrüßt und unterstützt uns weiterhin so fleissig mit euren Spenden! Es beglückte euch mit diesen Zeilen, Lydia PS: was außerdem geschah:
Wir hatten unsere erste Auftragsarbeit – zwei neue Schilder fürs Camping Iguana. Philipp, hatte den Auftrag und die künstlerische Arbeit des Entwurfes und Erika und mich als Hilfskräfte für die Deppen/Bilvißarbeit (<-Zusatz von Philipp) Nach einem Tag in giftige Farbdämpfe gehüllt, beschloss ich einen Robinson Crusoe - Tag einzulegen und schnappte mir kurzerhand einen Franzosen (meine Eltern ((Erika und Philipp)) wollten mich nicht allein ziehen lassen) den schleifte ich zum Cabo Pasado einem entlegenen Strand auf, auf dessen beigen Hügeln das rote Krebsballett im Takt der türkisen Wellen tanzt, dessen Schaumkronen beinahe von den Pelikanflugformationen auf ihren eleganten Beutezügen gestriffen werden. Dort trafen wir auf weitere Zivilisationsverweigerer mit denen wir unser Brot und Thunfischdosen am Feuer teilten. Nach einer verregneten Nacht in der ich mich unter die notdürftig gegen den Regen geschützte Hängematte des Franzosen zwängte weckten mich zwei Krebse, die im Gegenteil zu ihren Artgenossen keine Angst vor mir hatten und begannen mit ihren Scheren mein Haupt zu attackieren. Ich versuchte sich mit Nestlekeksen zu besänftigen. Nachdem das Wasser soweit zurückgegangen war, dass wir unseren Rückweg antreten konnten mussten wir feststellen dass sich der Weg ins Landesinnere in eine einzige Schlammpiste verwandelt hatte, auf der wir mehr zurückrutschten als gingen, mit 40 centimeter hohen Schlammplateaus an den Schuhen, begleitet vom Schreien der Brüllaffen....
PPS: gestern sind wir knapp dem Stromtod entgangen. Kaum hatten wir den Bus in Puerto Lopez verlassen, wurde die Luft über uns durch einen grellen Schein und ein scharfes Geräusch zerissen. Eine Stromleitung war durchgebrannt und schnellte in kaum zwei Meter Entfernung auf die Straße herab. Was die ganze Stadt für einige Stunden in eine dunkle Geisterstadt verwandelte. Ende der Geschichte. PPPS: Philipp besteht darauf noch einen unserer selbsterfundenen Artesanowitzen zu veröffentlichen (ich und auch Erika möchten uns hiermit vom Inhalt und Humor folgender Aussage distanzieren):
Für was braucht eine Artesano einen Computer? -Um Verknüpfungen zu erstellen! (Wer diesen Witz nicht versteht, möge sich bitte an Philipp wenden)
PPPPS: Ja, der Bericht ist lang geworden, aber nun hat sich das Rätsel um die Ayampe Organisation gelüftet. Sie besteht schon, aber wie ich das verstanden hab, momentan noch mehr theoretisch als praktisch, also packten wir uns und unser absurd vieles Gepäck und nehmen den nächsten Bus... 8. Januar 10 da erika so pensionär schreibt [1], werde ich nun ein paar etwas jugendlichere (ah die jugend=) zeilen schreiben. es ist seit ca 3 tagen durchgehend der 8. januar. genau laesst sich das nicht wirklich sagen, weil die tage hier keine scharfe abgrenzung nach vorne oder hinten haben. canoa, kueste ecuador: ein surferort. mit all dem besten, was diese kueste zu bieten hat: ein unendlich langer strand, bemerkenswertes essen und die moeglichkeit eines wifi in der bar am strand. mit taeglich dem selben ritual des wartens und hoffens auf das ende des stromausfalles[2]. aber: das stueck geht weiter. und mit dem kulturzentrum[3], das wir hier am unterstuetzen, aufbauen und erweitern sind, im ruecken, haben wir schliesslich auch einen ruf zu verlieren. und das ist doch schon mal was ! ps: was bisher geschah: bogota - quito im bus, 44h weil grenze geschlossen ueber nacht, kriechfoermig geradezu bergauf, 2 wochen in quito, kalt, kalt, nass, nass. aber arbeiten und karten bauen [4]. und diverse orte besichtigen, wie ein museum direkt auf der equatorlinie (faszinierend) und einen chinesen all you can eat fuer 3,50 (allerdings ohne steurern und das essen was man uebrig laesst muss man extra zahlen haha). notwendiger abschied wg reisefieber, silvester in las pen(y)as samt anzuenden der 'puppe' / skulptur namens orlandino[5], viel busfahren, tw auf dem dach (und dadurch wahnsinnigst braun werden) ((wir sind wirklich ur braun)). erika moechte mal wieder ein haus kaufen. oder vielleicht mieten. lydia laesst sich weiterhin armbaender schenken und philipp schafft es nicht, 100kg fett anzuhaeufen, aber er ist auf dem besten weg. und erika hat jetzt rasierte haare hinterm ohr (oho hoho !) pps: das mit dem kulturzentrum stimmt wirklich ! [1] unterschiedliche stilrichtungen unser jeweiligen blogeintraege sind erwuenscht und werden als bereicherung empfunden. [2] ecuador hat mit taeglichen stromausfaellen aufgrund div. energieengpaesse zu kaempfen. so kann es passieren, dass zb der strom in canoa zw. 1500h und 1900h ausfaellt, im benachbarten bahia, dem internet-knotenpunkt der zone, zw 1400h und 1700h, so dass manche kommunikations - zeitfenster aeusserst eng ausfallen. [3] centro cultural canoa - eine initiative von galileo (ein bewohner dieses ortes), einen menschenverbindenden raum zu schaffen, eine zone 'ausserhalb der kommerzkultur'. bislang nicht wirklich erfolgreich, da das system an politischen foerderungen noch nicht ganz funktioniert. die neue verfassung ecuadors (2007) befasste sich erstmalig mit der schaffung eines kulturministeriums samt 'ley de cultura', unter einbeziehung der gesamten bevoelkerung geschrieben wurde. derzeit ist das ministerium am bekanntmachen dieses neuen gesetzes und am sammeln und analysieren der kultur und deren foerderung. [4] unser buehnenbild, welches aus 12 kartonkarten (52x66cm) besteht, wird staendig erweitert, verbessert, repariert und hat mehrere, fast unbegrenzte moeglichkeiten der nutzung. mehr dazu demnaechst auf bildern und videos. [5] das verbrennen von lebensgrossen puppen zu silvester gehoert in ecuador zur tradition, das alte jahr zu verabschieden. 'quemar el viejo' (= 'den alten verbrennen'). zu diesem zweck bieten um die zeit des jahreswechsels unzaehlige haendler eine vielzahl kunstfertig gemachter pappmachée - masken an, um diese puppen mit einem gesicht oder kopf zu versehen. die variation mag politische karikaturen ebenso wie figuren aus der populaerkultur (comics, filmhelden etc) enthalten und ersteckt sich ueber alle moeglichen preiskategorien. 18. November 09 Wir sind nach 15 Stunden Flug am Freitag dem 13. November um ca. 17:00 in Bogota angekommen. Leider einer nach dem anderen krank geworden und Johannes bereits ausgeraubt. Dafür haben wir schon ein paar Theaterstücke gesehen und sind fasziniert von vielen Dingen in dieser Stadt: der Unperfektion in jeglichem Bereich, dem vielerzählten Unterschied von Arm und Reich, den Leuten die auf der Straße tanzen und singen, der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit die uns empfängt... und noch vielem mehr. Es klingt nach Klischees, aber es ist tatsächlich so. Unser Hostal (Hostel Alegria's in La Candelaria) ist sehr sehr schön und empfehlenswert. Nachdem auch Lydia wieder am Weg der Besserung ist feilen wir an ersten Ideen zu unserem Straßentheaterstück. More soon. AH Die ersten Fotos von Kolumbien sind oben.. unter "Fotos"... |