Zur Rolle Marias

Als Antwort auf den Artikel: Zum 15. August: „Für Gott ist nichts unmöglich“ 

Die französische Tageszeitung „La Croix“ bat Fr. Alois, Betrachtungen zu den christlichen Festtagen zu schreiben. Da das Thema Mariologie doch oft noch einen der Streitpunkte zwischen Katholiken und Protestanten darstellt, hat es uns interessiert, welchen Standpunkt die Taizé-Bruderschaft dazu einnimmt. Wir gehen hierbei davon aus, dass die Gedanken des Priors die allgemeine Ansicht der Bruderschaft widerspiegeln.

In kursiver Schrift zitieren wir wörtlich bzw. sinngemäß Aussagen aus dem Text von der Taizé-website, darauf folgt unser Kommentar.

Gott brauchte Maria, um in die Welt zu kommen, sie hat allein mit ihrem Vertrauen und ihrem Mut Gott eine Tür zu den Menschen geöffnet.

Sie selbst war sich dessen bewusst, dass es nichts als Gnade war von Gott, dass er sie erwählt hat, die Mutter des Erlösers zu werden. Sie nennt Gott ihren Retter (Lukas 1,47). Nirgends in der Schrift finden wir auch nur andeutungsweise eine Aussage darüber, dass Maria Gott den Weg zu den Menschen gebahnt hat. Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass der allmächtige Gott auch andere Wege hätte gehen können. Maria hat ein freies JA gesprochen zu der Aufgabe, die Gott ihr anvertraut hat. Sie war auch frei, Nein zu sagen, was für Gott nicht bedeutet hätte, dass sein Heilsplan für die Menschheit scheitern muss. Wir denken, dass die oben zitierte Aussage Maria in eine Position hebt, die sie nicht hat und die in der Schrift nicht zu finden ist.

Gott hat sie von Anfang an geliebt und auf seinen Plan vorbereitet.

so wie er es mit jedem Menschen tut. Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. Jedes seiner Geschöpfe liebt er von Anfang an und will es auf seinen Wegen leiten. ...oder hat diese Aussage, dass Gott Maria von Anfang an auf seinen Plan vorbereitet hat, doch noch eine andere Bedeutung? Ist es vielleicht eine Anspielung auf die von der Katholischen Kirche im 19. Jahrhundert dogmatisierte angebliche Erbsündenlosigkeit (Immaculata conceptio) Marias?

Dazu ein Ausschnitt aus Wikipedia:

Papst Pius IX. verkündete am 8. Dezember 1854 in seiner dogmatischen Bulle (auch Päpstliche Bulle) Ineffabilis Deus (‚Der unbegreifliche Gott‘):

Zu Ehren der Heiligen und Ungeteilten Dreifaltigkeit, zu Schmuck und Zierde der jungfräulichen Gottesmutter, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zur Mehrung der christlichen Religion, in der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und der Unseren erklären, verkünden und definieren Wir: Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde, ist von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben.“

Anders als die auf die Bibel gestützte Lehre von der Jungfrauengeburt wird die nicht direkt aus der Bibel ableitbare Lehre von der unbefleckten Empfängnis jedoch im Allgemeinen weder von evangelischen noch von orthodoxen oder altkatholischen Christen geteilt. (Zitat Ende)

Jesus stellt uns Maria, die Mutter Gottes, wie eine Ikone vor Augen.

Uns ist keine Stelle aus der Schrift bekannt, wo Jesus seine Mutter besonders hervorgehoben hätte. In der Situation bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2) gibt er ihr deutlich zu verstehen, dass er selbst weiß, was er zu tun hat. Maria hat das auch verstanden und akzeptiert. Als einmal seine Mutter und Brüder kamen und mit ihm reden wollten, weil sie dachten, er sei von Sinnen, macht er ihnen klar, dass es für ihn keinen Unterschied zwischen seiner Mutter und allen anderen Hörern und Tätern des Wortes gibt:

Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen. Es saßen viele Leute um ihn herum und man sagte zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir. Er erwiderte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herum saßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ Markus 3,31-35

Ganz ähnlich äußert er sich in einer anderen Situation, die in Lukas 11,27-28 beschrieben ist:

Als er das sagte, rief eine Frau aus der Menge ihm zu: Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat. Er aber erwiderte: Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“

Aus dieser Reaktion Jesu wird deutlich, dass er in seiner Mutter nicht „das Vorbild des Glaubens“ schlechthin gesehen hat, sonst wäre seine Antwort sicher anders ausgefallen. Entscheidend ist, das Wort Gottes zu hören und zu befolgen. Das hat seine Mutter getan, das haben auch seine Jünger getan. In der in Markus 3,31-35 beschriebenen Situation haben es seine Jünger allerdings eher getan als seine Mutter.

Maria hat als erste dem Evangelium vertraut.

Vor Gott spielt es keine Rolle, wer früher oder wer später dem Evangelium vertraut. Entscheidend ist, dass man dem Evangelium vertraut. Dafür muss man das Evangelium auch kennen. Das geschieht nicht dadurch, dass man über Maria meditiert, sondern dass man die Evangelien liest, darüber nachdenkt und nach dem handelt, wo Gott Verständnis schenkt.

Maria führt uns zu Jesus

In Johannes 6,42-44 sehen wir, was Jesus dazu sagt: „Und sie (die Juden) sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herab gekommen? Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt …

Viele Juden haben sich der Botschaft Jesu nicht geöffnet. Sie wehrten sich gegen den Anspruch, den er stellte, das Brot des Lebens zu sein. Jesus macht ihnen deutlich, dass in Jedem, der Gott liebt und sucht, Gott selbst die Erkenntnis wirken wird, dass der Vater Jesus gesandt hat und dass seine Worte die Heilsbotschaft für die Menschheit sind. Maria spielt hier, wie auch überhaupt in allem, was Jesus sagt, offensichtlich keine Rolle. Die Katholische Kirche bezeichnet sie gern als „Mittlerin zum Mittler“. Paulus schreibt in seinem

1. Brief an Timotheus 2,5: „Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus“

Hier wird ganz klar, dass zwischen den Menschen und Gott EIN Mittler steht: Jesus Christus. Es scheint, als ob Paulus geahnt hätte, dass es Menschen geben wird, die einmal etwas anderes lehren werden …

Jeder Gläubige hat ein so enges Verhältnis zu ihr wie zu einer Mutter

Die Selbstverständlichkeit, mit der diese Behauptung aufgestellt wird, verschlägt einem fast die Sprache. Sie entbehrt einfach jeder Grundlage. Von einer „Mutter der Gläubigen“ spricht die Schrift nirgends. Schon die Gläubigen im Alten Testament wussten, dass es keine Verbindung zwischen den Lebenden und den verstorbenen Gläubigen gibt: „Blicke vom Himmel herab und sieh von der Wohnstätte deiner Heiligkeit und deiner Majestät! Wo sind dein Eifer und deine Machttaten? Die Regung deines Innern und deine Erbarmungen halten sich zurück mir gegenüber. Denn du bist unser Vater. Denn Abraham weiß nichts von uns, und Israel kennt uns nicht. Du, HERR, bist unser Vater, unser Erlöser von alters her, das ist dein Name …“ Jes 63,15-16 (Elberfelder Übersetzung)

Jeder Mensch kann eine Beziehung mit Gott haben, da ER allwissend, allmächtig und allgegenwärtig ist. Man müsste auch Maria diese Eigenschaften zuschreiben, wenn man glaubt, sie hätte eine Beziehung zu jedem Gläubigen. Damit würde man sie zur Göttin erklären... Dieser Gedanke scheint allerdings auch nicht mehr sehr fern, wenn man eine weitere Aussage von Fr.Alois liest:

Ihre Verehrung ist Teil unseres Gotteslobes.

In der Offenbarung (19,10) sagt der Engel zu Johannes, der vor seinen Füßen niederfällt, um ihm zu huldigen: „Tu das nicht! Ich bin ein Knecht wie du und deine Brüder, die das Zeugnis Jesu festhalten. Gott bete an!

Maria eint alle Getauften

Am Ende des Textes wird ihr eine Einheit wirkende Rolle zugeschrieben, wobei offen bleibt, was das konkret bedeutet.

In der Heiligen Schrift ist es nicht Maria, sondern Jesus, der die Gläubigen vereint: „Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben, damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, dass sie eins seien, wie wir eins sind - ich in ihnen und du in mir -, dass sie in eins vollendet seien, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast.“

Joh 17,20-23

In diesem Gebet Jesu ist die Einheit der Gläubigen ein zentraler Punkt. Hier äußert er sich am deutlichsten zu diesem Thema und es ist auffallend, dass Maria überhaupt nicht vorkommt. Auch im übrigen Neuen Testament findet man diesen Gedanken nirgends, was auch das Fehlen jedes Verweises auf das Wort Gottes im Text von Fr. Alois erklärt. Ist nicht hier, wie auch bei anderen Aussagen, der Wunsch der Vater des Gedankens? Warum wird nicht der Weg zur Einheit eingeschlagen, den Jesus uns weist? Warum wird statt dessen mit suggestiven1 Aussagen gearbeitet, die offensichtlich die Wirklichkeit ignorieren? Wo bleibt die Liebe zur Wahrheit und zum Wort Gottes?

Offensichtlich liegt die Taizé-Bruderschaft in ihren Ansichten über Maria ganz auf römisch-katholischer Linie. Sie machen keinen Ansatz, römisch-katholisches Lehrgut anhand der Bibel zu korrigieren, was der einzige Weg zur Einheit ist.

Hier noch ein Ausschnitt aus Wikipedia:

Das Fest Mariä Himmelfahrt geht auf ein Marienfest zurück, das Cyrill von Alexandrien im 5. Jahrhundert einführte. Dieses Fest legte er auf den 15. August, den Tag, an dem bereits die Heiden die Himmelfahrt der Astraea (Astraea ist in der griechischen beziehungsweise römischen Mythologie die Tochter des Zeus/Jupiter und der Themis/Iustitia. Sie steht für Gerechtigkeit) feierten.

Der Glaube an die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel ist seit dem 6. Jahrhundert bezeugt und wurde 1950 von Papst Pius XII. in der Apostolischen Konstitution „Munificentissimus Deus“ für die römisch-katholische Kirche zum Dogma erhoben.

Gebt acht, dass euch niemand mit seiner Philosophie und falschen Lehre verführt, die sich nur auf menschliche Überlieferung stützen und sich auf die Elementarmächte der Welt, nicht auf Christus berufen. Kol 2,8


1 beeinflussend, so die Suggestivfrage (die eine bestimmte oder gewünschte Antwort aufdrängt);

(Quelle: Herders Fremdwörterbuch)


Alle Bibeltexte, soweit nichts angemerkt ist, sind aus der Einheitsübersetzung zitiert.