Die Kirche – (nur) ein Wort aus der Bibel?

Unter „Bibel und Glauben“ finden wir auf der Taizé-Website einen Text mit dem Titel „Ein Wort aus der Bibel - Die Kirche“ sowie einen Brief aus Taizé: „Brauchen wir die Kirche?“.
Wir haben uns mit diesen Texten beschäftigt, um zu verstehen, welche Vorstellungen die Taizé-Gemeinschaft von Kirche hat, und wollen diese  ins Licht der Bibel stellen.

Die Abhandlung „Die Kirche” konzentriert sich auf bestimmte Aspekte des Gebrauchs des griechischen Wortes ekklesia (Versammlung, Kirche, Gemeinde) und auf dessen Synonyme im Neuen Testament. Sie schweigt fast völlig darüber, was dieses Wort damals bedeutete und was die frühe Kirche gekennzeichnet hat. So werden seltene Fälle des Wortgebrauches von ekklesia in der Heiligen Schrift besprochen, wie z. B. die Verwendung dieses Begriffs zur Beschreibung des jüdischen Volkes oder von öffentlichen Versammlungen in den griechischen Städten.
Damit möchte offenbar der falsche Eindruck erweckt werden, dass die Grenzen der Kirche fließend waren und nicht nur gläubige Menschen dazu gehörten.

Heute haben viele Menschen keine Klarheit darüber, wie Gott sich die Kirche gedacht hat und wo ihre Grenzen verlaufen. In der Taizé-Bruderschaft scheint diese Unklarheit zur Denkweise geworden zu sein. Das vermittelt z. B. ein Kommentar zu einem Gleichnis Jesu über den Sauerteig, der eine größere Menge Mehl durchsäuert. Der Teig wird von der Taizé-Bruderschaft als ein Bild für die ganze Menschheit erklärt:

„Um auf das von Jesus verwendete Bild zurück zu kommen: ein Teil des Teigs lässt den Sauerteig des Evangeliums seine verwandelnde Arbeit tun, während ein anderer mehr oder weniger widersteht. Die Trennungslinie ist in konstanter Bewegung; sie verläuft nicht nur zwischen „der Kirche“ und „der Welt“, sondern zwischen verschiedenen Teilen der christlichen Gemeinde, und letzten Endes findet sie sich auch in jedem Glaubenden.” (Hefte aus Taizé, Heft 6 „Brauchen wir die Kirche?“, Seite 12)

Leider hat Frère John keine Scheu, Gleichnisse Jesu für sein Ziel umzudeuten. Schauen wir es uns an. Matthäus 13,31-33:

Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; das ist das kleinste unter allen Samenkörnern; wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, sodass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen. Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.

In Heft 6 von Frère John finden wir eine durchaus richtige Erklärung dieser Gleichnisse: Gottes Wirken in der Welt beginnt unscheinbar, bewirkt aber eine tief greifende Veränderung – natürlich nur dort, wo sie zugelassen wird.
In der oben zitierten Erklärung wird das Bild vom Sauerteig aber ausgedehnt und auf die Institution Kirche bzw. den einzelnen Menschen bezogen umgedeutet, wo es immer auch einen Teil gibt, der sich der umformenden Wirkung des Sauerteigs widersetzt. Das heißt, dass dieses Gleichnis nach Ansicht der Taizé-Bruderschaft aussagt, dass es normal sei, wenn es ungläubige Massen in den „Kirchen“ gibt.
Es ist nicht schwer zu erkennen, woher diese Deutung rührt: Man versucht, die heutige Realität in die Schrift hinein zu deuten anstatt anzuerkennen, dass die heutige Realität weit von der Schrift abweicht. Wir wollen dazu mehr erklären.

Hat die Kirche Grenzen?


Jesus und seine Apostel haben deutlich gemacht, dass die Welt einerseits und die Gläubigen andererseits, die die Kirche bilden, unvereinbar sind. In Johannes 15,19 sagt Jesus:

„Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.”

Was Jesus hier mit „Welt“ meint, sind alle die Menschen, die sich in ihrem Leben nicht nach den Geboten Gottes richten wollen und denen diejenigen, die es tun wollen, die Jünger Jesu bzw. Christen, ein ständiger Anstoß sind. Deshalb werden sie von „der Welt“ gehasst. Wenn eine Institution oder eine Gruppe von Menschen sich Kirche nennt, aber nicht den Widerspruch der Welt erregt, zeugt es davon, dass sie „von der Welt stammt“, also selbst Welt ist. Leider finden wir das sehr häufig in der religiösen Welt, dass Kompromisse gemacht werden und die Botschaft Jesu nicht klar gesagt wird, weil man bei den Menschen beliebt sein will.

Paulus schreibt in 2. Kor. 6,14-18:

(...) Was haben denn Gerechtigkeit und Gesetzwidrigkeit miteinander zu tun? Was haben Licht und Finsternis gemeinsam? Was für ein Einklang herrscht zwischen Christus und Beliar? Was hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen gemeinsam? Wie verträgt sich der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Wir sind doch der Tempel des lebendigen Gottes; (...) Zieht darum weg aus ihrer Mitte und sondert euch ab (...) Dann will ich euch aufnehmen und euer Vater sein und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Herrscher über die ganze Schöpfung.

Wir finden hier einen sehr klaren Aufruf zur Trennung zwischen Licht und Finsternis, zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Diese Grenze darf nicht verwischt werden. Nur die, die sich klar von der Welt mit all ihrer Unreinheit abwenden, die Gott und nicht die Welt mit ihren gottlosen Freuden lieben, werden von Ihm als seine Kinder angenommen.

Ganz anders ist die Vision von Kirche, die die Taizé-Bruderschaft hat:

„Wenn nun also die christliche Gemeinde ein solcher vermischter Körper ist (d. h. aus Gläubigen und Ungläubigen besteht), immer auf dem Weg, dann folgt daraus, dass jeder Versuch, ihre Probleme durch Trennung zu lösen, die Dynamik ihrer Existenz missversteht.“ (Hefte aus Taizé, Heft 6 „Brauchen wir die Kirche?“, Seite 12)

Wie sah die Kirche in neutestamentlicher Zeit aus?


Um zurück zum Taizé-Text über „Die Kirche“ zu kommen: Es geht darin um zwei Bezeichnungen der Kirche, die sich im ältesten Teil der Apostelgeschichte befinden, nämlich ekklesia und plethos in den Kapiteln 1-8. Allerdings gibt es in diesen Kapiteln noch einige andere Bezeichnungen der Kirche zu entdecken:
„Brüder“ (griech. adelphoi – Kap. 1,15) beschreibt eine feste Verbundenheit unter den Gläubigen. Sie alle waren Geschwister füreinander. Diese Brüderlichkeit fand sich nicht nur unter einigen von ihnen, die dann Sondergruppen gebildet hätten.
„Jünger” (griech. mathetai – Kap. 6,1.2.7) bedeutet auch „Schüler“ und drückt aus, dass die Gläubigen ein und dieselbe Lehre des einen Meisters Jesus angenommen haben und nicht verschiedene, einander widersprechende Lehren.
„die Ihren” (griech. toi idioi – Kap. 4,23) – dieser Begriff macht deutlich, dass sie die zur Gemeinde Gehörigen klar von den Außenstehenden unterschieden haben.
„Knechte [Gottes]” (griech. douloi sou, wortwörtlich “deine Knechte” – Kap. 4,29) war nicht ein frommer Ausdruck aus der Liturgie, sondern spiegelte die Realität ihres Lebens wider.
„die des Weges waren” (griech. tes hodou ontes – Kap. 9,2) drückt aus, dass Christ-Sein eine Lebensweise ist. Es knüpft an die Worte Jesu über den schmalen Weg an (Matthäus 7,13-14), den Weg der Nachfolge Jesu, auf den sich seine Jünger begeben und den sie bis ans Ziel treu gehen müssen.

Diese Bezeichnungen sagen viel mehr über die Kirche aus, als das in der Abhandlung angeführte Wort plethos (Apostelgeschichte 4,32; 5,14; 6,2.5), das zusammen mit einem Synonym ochlos öfter einfach “Menschenmenge“ bedeutet. Wir finden es z. B. in  Kapitel 5,14: „umso mehr wurden [solche], die an den Herrn glaubten, hinzugetan, Scharen (gr. plethos) von Männern und auch Frauen …”. In 1,15 steht: „es war aber eine Menge (ochlos) von etwa hundertzwanzig Personen beisammen”, oder in 6,7: „und die Zahl (arithmos) der Jünger in Jerusalem mehrte sich sehr”. Diese Worte beschreiben nicht das Wesen der Kirche, sondern die Anzahl der Versammelten.

Wenn man Kirche so verstehen will, wie sie in der Bibel verstanden wird, ist ein Grundaspekt zu beachten, der in den ersten Kapiteln der Apostelgeschichte und auch sonst im Neuen Testament sehr betont wird: die Einheit.

„Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet (...)” Apg. 1,14
„Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, waren sie alle an einem Ort beisammen.” Apg. 2,1
„Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. (...) Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam.” Apg. 2,42-44
„Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot (...)” Apg. 2,46
„Sie aber, als sie es hörten, erhoben einmütig ihre Stimme zu Gott (...)” Apg. 4,24
„Die Menge derer aber, die gläubig wurden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein eigen sei, sondern es war ihnen alles gemeinsam.” Apg. 4,32
„Sie waren alle einmütig in der Säulenhalle Salomos. Von den Übrigen aber wagte keiner, sich ihnen anzuschließen…” Apg. 5,12-13

An dieser Einheit kann man die Kirche klar erkennen und von allen anderen Gruppierungen und Versammlungen unterscheiden, auch von der Gemeinde des Alten Testaments.

- „Einmütig”. Die ersten Christen waren eines Sinnes. Einmütigkeit ist eine Gabe und Wirkung des Heiligen Geistes. Sie ermöglicht, Gott gemeinsam zu dienen. Ohne Einmütigkeit gibt es die Kirche nicht. Sie ist eine Frucht des verwandelten Denkens jedes Menschen, der Christ wird (Röm. 12,2). Wenn Gläubige nicht eines Sinnes und einer Meinung sein können oder nicht danach streben, können sie nicht die Kirche bilden, den Leib, der „ein Herz und eine Seele“ ist. (Ausführlich kannst du darüber im Text über die Einheit lesen.)

- „Sie verharrten (...)”. Gemeinde ist etwas Bindendes. Sie sind nicht Fußball spielen gegangen in oder in  den Urlaub gefahren, sie waren nicht nur für ein paar schöne Momente zusammen, und dann einfach weg, jeder auf seinen eigenen Lebenswegen. Nein, sie verharrten in der Gemeinschaft - am Tempelplatz in Jerusalem, der als Treffpunkt gläubiger Juden an den Feiertagen diente und zu Hause in kleinen Kreisen, wo sie einander tief kennen lernen konnten.

- „Sie alle (...)”. In der ersten Kirche gab es keine Unterteilung in verschiedene Gruppen, wo die Einzelnen mit manchen lieber zusammen waren als mit anderen Gläubigen. Dort waren alle zusammen: die Jungen, die Alten, Menschen verschiedener Stände – es verband sie die Liebe Christi, die die Lasten der anderen tragen lehrt. Sie folgten nicht dem Prinzip „Jedem das Seine”. Es ist lieblos und inkonsequent, Menschen um mich herum für Glaubensgeschwister zu halten, und sie aus einigen Teilen des Lebens auszugrenzen, in dem man Interessengemeinschaften bildet, bei denen viele Menschen ausgeschlossen sind. Dazu gehören der Jugendkreis, bei dem die Rentner ausgeschlossen sind, die Sportlerseelsorge, die sich nur um Menschen mit sportlichem Interesse kümmert, klösterliche Orden, die das Teilen des Lebens mit Familien unmöglich machen, die katholischen Akademiker, bei denen sich einfache Leute ohne akademischen Titel nicht eingeladen wissen …

Gibt es heute diese Liebe und Einmütigkeit?


Es gibt sie, aber leider selten. Einheit und Liebe entstehen nicht aus dem, was die Emotionen bewegt: aus gemeinsamen Gesängen z. B. bei der „Nacht der Lichter“, Gottesdiensten oder Andachten, oder einem überwältigenden Gemeinschaftsgefühl bei internationalen Jugendtreffen. Einheit und Liebe werden geboren aus der Entscheidung, Gott zu gehorchen, aus der Bereitschaft zur Selbstverleugnung und dem Wunsch nach einem reinen und heiligen Leben vor Gott und Menschen. „Der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen“ (Apostelgeschichte 5,32) verbindet die Christen.

Ist so eine Einheit wirklich möglich?


Nicht nur möglich, sondern notwendig. Christus betete am Vorabend seines Todes:

Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben, damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. (...) dass sie eins seien, wie wir eins sind - ich in ihnen und du in mir - dass sie in eins vollendet seien, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast” (Joh. 17,21.23)

Jesu Wunsch und das Ziel seines Kommens war, dass die Welt durch die Einheit aller Glaubenden die verändernde Kraft seiner Gnade und Liebe sehen und daran glauben kann. Diese Einheit muss sich über Jahrhunderte und Kulturen erstrecken, um einen Gott bezeugen zu können, der sich nie verändert.

Jesus sagte auch: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt” (Joh. 13,34-35)
Jesus kam, um Liebe zu lehren. Sie kennzeichnet seine Jünger und ist somit auch ein Merkmal der Kirche, an dem sie „alle erkennen werden”. Wenn Einheit und Liebe fehlen, gibt es dann irgendetwas, das sie ersetzen kann? Sakrale Kunst, gregorianische Gesänge, Symbolik, Rituale, Hochgefühle, tiefe Gedanken?

Hier in diesem Leben gibt es Zeit und Raum dafür, dass jeder, der willig ist, die Worte Jesu verwirklicht. Hier und jetzt muss die Welt Gott in der Kirche erkennen können, damit die, die Gott suchen, Ihn durch seinen Leib finden können und ewig mit Ihm leben.

Sollte Jesus unmögliche Dinge geboten haben? Hätte er den Vater um unrealistische Dinge gebeten, wäre er ein Träumer. Er kennt den Menschen gut. Daher ist es großer Unglaube, es nicht ernst zu nehmen, wie Er die Kirche haben will.

Unkraut und Weizen in der Kirche vermischt?


Warum wird in Taizé nicht gesagt, dass Menschen aus verschiedenen Bekenntnissen eine Auseinandersetzung mit den Unterschieden im Schriftverständnis und das Aufgeben der verschiedenen Strukturen anstreben sollen, um zu wirklicher Einheit zu finden?

Ihrer Ansicht nach sollten Menschen heute angesichts dessen, was in den verschiedenen Konfessionen zur Lehre und zum Leben Christi nicht passt, weder dagegen aufstehen noch die Missstände ansprechen. Mit der Zersplitterung und Verweltlichung der christlichen Gruppierungen sollen sie sich abfinden, wie das folgende Zitat zeigt:

„Mit einer Kirche konfrontiert, die sich auf einen Frieden mit den Mächten der Welt viel zu einfach einzulassen scheint, ... ist die Versuchung groß, die offenbar ungläubigen Massen zurückzulassen und sich in eine kleine Gruppe von Menschen mit derselben Vision zurückzuziehen... In einem weiteren seiner Gleichnisse warnt Jesus uns ausdrücklich vor einem solchen Unternehmen. Bei der Beschreibung eines Feldes, auf dem Weizen und Unkraut vermischt sind, warnt er vor jedem verfrühten Versuch, sie zu trennen, wenn wir nicht die ganze Ernte zunichtemachen wollen.“  (Hefte aus Taizé, Heft 6, S. 12-13)

Das erwähnte Gleichnis finden wir in Matthäus 13,24ff; vgl. 13,36ff. In Vers 38 sagt Jesus „Der Acker aber ist die Welt” -  also ausdrücklich NICHT die Kirche, wie es in der Taizé-Auslegung behauptet wird.
Die Juden glaubten, der Messias kommt, um sein Reich auf der Erde in politischer Form aufzurichten, die Welt zu richten und alle Gottlosen aus seinem Reich zu entfernen (z. B. Maleachi 3,1-5 und Jesaja 66,15-24). Jesus erklärt, dass mit seinem Kommen die Zeit der Gnade angebrochen ist, dass er aber wieder kommen wird um zu richten. Bis dahin müssen die Gerechten in der Welt umgeben von Gottlosigkeit leben, bis die Welt zur Ernte reif ist. Der Begriff „Ernte” wird in der Schrift nie auf die Kirche bezogen, sondern entweder auf die Mission oder auf das Gericht über die Welt (Joh. 4,35-38; Offb 14,14-20).

Wenn sich etwas, das sich als „Kirche“ bezeichnet, auf einen Frieden mit den Mächten der Welt einlässt, kann es dann Kirche sein? Jakobus schreibt in 4,4:

„Wisst ihr nicht, dass die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes (...)“

Die Lösung des Dilemmas wäre, sich gemeinsam hinzusetzen, die Unterschiede zu betrachten und anhand des Wortes Gottes zu beurteilen, wer wo welche Fehler gemacht hat und was zu diesen Fehlern geführt hat. Es gibt aber ein großes Hindernis: so eine Lösung braucht Demut. Man müsste zugeben können, dass viele, die im Namen Gottes gehandelt haben (z. B. als sogenannte „Stellvertreter Christi“ oder sonstige religiöse Leiter), in Wirklichkeit sein Werk zerstörten.
Im Taizé-Text „Brauchen wir die Kirche?“ steht dagegen:

„Unsere Aufgabe ist eher, die Worte Papst Johannes XXIII zu leben, die Frère Roger, der Gründer von Taizé, oft zitierte: Wir werden nicht untersuchen, wer Unrecht hatte und wer im Recht war. Die Verantwortung ist geteilt. Wir werden einfach sagen: Versöhnen wir uns!“ (Hefte aus Taizé, Heft 6, Seite 19)

Christus dagegen sagte:
„Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.” (Matthäus 18,15)

Paulus schrieb:
„Ich ermahne euch aber, Brüder, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn: Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung.” (1. Korintherbrief 1,10)
„Ich sage das, damit ihr euch schämt. Gibt es denn unter euch wirklich keinen, der die Gabe hat, zwischen Brüdern zu schlichten?” (1. Korintherbrief 6,5)

Man kann sich nicht wirklich versöhnen, wenn man nicht die Augen öffnen will für die eigenen Fehler und dafür, wer Unrecht hatte und wer im Recht war. Jede Partei würde doch bei der eigenen Beurteilung der Situation bleiben, auch wenn es nach außen herzlich wirkt. Eine Auseinandersetzung mit Fakten und Argumenten braucht Demut und Mut. Das ist der Weg zur Umkehr: Man muss herausfinden, wo man Gott widerstrebte und wo man Seinen Willen ignoriert oder abgelehnt hat. Man kann sich nicht mit Gott versöhnen ohne Umkehr – genauso wenig wie mit den Menschen.

*

Unser Verlangen ist nicht nur, dass die ursprüngliche Lehre über die Kirche richtig verstanden wird, sondern dass sie auch gelebt wird. Das ist es, was wir tun, und wir glauben, dass jeder, der Gott ernsthaft sucht, dieselbe Sehnsucht hat. Wenn dich diese Gedanken angesprochen haben, möchten wir dich gern kennen lernen und erfahren, was du über das Gelesene denkst.