Über den Soldiner Kiez

... nicht so, wie man sich einen gefährlichen Stadtteil vorstellt 

„Der Soldiner Kiez ist ein Dorf, ein glückliches Dorf“, sagte der aus Makedonien stammende und heute im Kiez lebende Künstler Jovan Balov www.balov.de einmal. Als Dorf mag man das im östlichen Wedding nördlich der Osloer Straße gelegene Gebiet rund um die Soldiner Straße mit seinen 16 000 bis 20 000 Einwohnern – je nachdem, wie man die Grenzen zieht - wohl bezeichnen, hinter das "glücklich" gehört jedoch ein Fragezeichen.

Man kennt sich hier zwar, aber kämpft mit enormen sozialen Problemen. Das Gebiet ist eines der ärmsten in Berlin. Bei den „Stadtteilen mit besonderem Förderungsbedarf“ rangiert es in der obersten Prioritätengruppe. Die Arbeitslosigkeit beträgt an die 40 Prozent, etwas höher als im restlichen Wedding. Auch das Zusammenleben der Ethnien funktioniert in der bunt gewürfelten Gemeinschaft mit 40 Prozent ohne deutschen Pass nicht immer ideal. Häufig gehen Deutsche und Ausländer getrennte Wege.

Zusätzlich kämpft der Stadtteil mit einem übertrieben schlechten Image. In den 90er Jahren trieben hier einige Jugendbanden, vor allem die berüchtigten „Kolonieboys“, ihr Unwesen. Das hängt dem Kiez immer noch hinterher. Mittlerweile ist das Vergangenheit, und die Polizei bestätigt, dass der Soldiner Kiez kein Verbrechensschwerpunkt sei.

Gegen Armut und Arbeitslosigkeit kann ein Kiezverein zwar wenig ausrichten, aber wir wollen Kommunikation und Zusammenhalt fördern, damit der Stadtteil nicht nur im Vergleich zum Balkan ein „glückliches Dorf“ wird, sondern sich auch im Wedding mit einer vernetzten und aktiven Bürgerschaft sehen lassen kann. Wir arbeiten daran.

Thomas Kilian 2007