Ziel: Nümbrecht, Rundwanderweg 3 („gelb“): Kurpark - Aussichtsturm - Spreitgen - Hexenweiher - Dicke Steine - Holstein-Mühle - Schloss Homburg - und zurück zum Ausgangspunkt. Ein altes Hückeswagener Sprichwort besagt: „Die, die nicht dabei waren, haben was verpasst.“ So war es auch bei unserer ersten Wanderung im Jahr 2012. Ziel war die Gemeinde Nümbrecht oder sagen wir besser: die offenkundig aufstrebende Gemeinde Nümbrecht. Sie ist ein heilklimatischer Kurort, und viele Gebäude im Zentrum sind relativ neu. Eine Mitwanderin in der Gruppe meinte: „Dieser Ort ist ganz anders, als ich mir ihn vorstellt habe.“ Los ging es um 13 Uhr am Bahnhofsplatz. Das erste Mal fuhren wir in einem Siebensitzer, der dann auch voll belegt war. Es war ein ganz anderes Fahrgefühl, und dank des umsichtigen Fahrers war es auch ein Gutes! Um 14 Uhr kamen wir dann am Kurpark an der Weiherstraße an. Nun galt es, den Einstiegspunkt zu finden: Wir wollten auf die „gelbe Route“, es gab nämlich auch eine rote und eine blaue. Es gab die Kurwege (dummerweise war einer davon orange), und es gab die SGV-Wege im Dreieck, es gab den A3 usw. usw.) Nach zehn Minuten(!) waren wir uns sicher: „Wir müssen der Route mit dem gelben Kreuz folgen, die bis zur Talsohle reicht.“ Die erste Station war der Holzturm auf dem „Lindchen“. Er war über 30 Meter hoch, und einige ließen es sich nicht nehmen, ihn zu besteigen. Das Wetter war etwas diesig, trotzdem konnte man so einiges sehen, zum Beispiel das Schloss Homburg. Am Fuße des Turmes gab es auch ein schönes Café. Weiter ging es durch ein Dorf namens Spreitgen. Dort erregte eine Haltestelle der Historischen Postkutsche unsere Aufmerksamkeit. Auf seiner Fahrtroute von Nümbrecht nach Wiehl und zurück hält dort der Original-Nachbau der kaiserlichen Postkutsche um 1871. Allerdings wollten wir nicht bis zur nächsten Kutsche warten, denn die wäre im Mai 2012 gefahren ,und so lange hätten die mitgeführten Pausenbrote nicht gereicht. Also sind wir zu Fuß weiter zum Hexenweiher. Dort gab es angeblich „Hexenproben“. Die Hexen wurden geschwemmt, d.h., sie wurden an Händen und Füßen gefesselt und in einen Teich geworfen. Gingen sie unter, galten sie als unschuldig. Meist hieß es aber: „Sie sind artig geschwommen.“ Dann war ihr Schicksal aber auch besiegelt. „Wirklich zwei tolle Alternativen“, möchte man da sagen. Tatsächlich haben auf Schloss Homburg Hexenprozesse stattgefunden. Leider (oder Gott sei Dank) haben wir weder eine Hexe noch den Teich wirklich gesehen. Dann kamen wir an den Dicken Steinen vorbei. Dabei handelt es sich um Quarzit-Härtlinge aus der Devon-Zeit (Alter ca. 350 Millionen Jahre). Die Steine wurden in der Tertiärzeit vor ca. 60 bis 70 Millionen Jahren durch Erosion aus dem weicheren Meergestein freigewaschen. Das waren schon zwei riesige Brocken, die da in der Landschaft herumlagen. Gute Gelegenheit also für ein Foto. Nun machten wir einen Abstecher zur Holstein-Mühle. Sie gilt als eines der ältesten Gebäude im Oberbergischen Kreis. Es war die ehemalige Mühle der früheren Wasserburg „Holstein“. Sie wurde im Januar 1270 von Graf Gottfried, dem ersten Grafen von Sayn aus dem Haus Sponheim gekauft. Heute Hotel und Ausflugslokal. Nun, die Betonung liegt wohl auf Hotel und Ausflugsplatz. So richtig ursprünglich erschien der Komplex nun wirklich nicht mehr, allerdings gab es ein großes Wasserrad. Aber auch dieses nahm ein mitgereister Mühlenexperte (natürlich nur verbal) auseinander. Er erklärte uns den Unterschied zwischen einem oberschlächtigen und einem unterschlächtigen Wasserrad und, dass die Holstein-Mühle wohl keines von beiden hat. Eine andere Mitwanderin vermutete sogar einen Elektromotor dahinter. So also verpuffen Illusionen. Fazit: Wenn man nur einen Nachmittagskaffee trinken will, ist man dort bestens aufgehoben. Schnell ging es also weiter zur „Mutter aller Ziele“ in Nümbrecht: zum Schloss Homburg. Wobei das Wort „schnell“ relativ zu sehen ist, denn die Steigung von der Mühle hinauf zum Schloss war schon ganz ordentlich. Die alte Höhenburg wurde 1276 erstmals urkundlich erwähnt. Die Schlossanlage wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts von Gottfried I. zu Sayn erbaut; vermutlich auch aus Steinen und an Stelle der ehemaligen Wasserburg „Holstein“, von der eben nur noch die Mühle übrig geblieben ist. Uns „erwartete erwartungsgemäß“ eine große Baustelle. In diesem Jahr braucht man das Schloss als Freizeitziel nicht mehr anzusteuern, es sei denn, man interessiert sich für den Fortgang der Bauarbeiten. So konnten wir leider auch nicht auf den Innenhof, um die Arbeiten mal ganz aus der Nähe zu betrachten. Auffällig viele Bauaktivitäten waren auch an den Nebengebäuden zu sehen. Nun, das Ergebnis wird man sehen. Werden sich die großen Investitionen gelohnt haben? Burgen- und Schlösserfreunde werden sich auch sicher an den großen Glasanbau gewöhnen müssen, der dort entsteht. Nach dem offiziellen Höhepunkt der Wanderung folgte der inoffizielle: das Winterfest am Park-Hotel Nümbrecht. Es gab Lagerfeuer, Bratwurst, heiße Waffeln, heißen Kakao und Glühwein! Genau das Richtige nach einer Wanderung bei Minusgraden. Ein tolles Fest; allerdings war uns unklar, wo die Probleme der Blechbäser-Band lagen. Waren es wirklich die tiefen Temperaturen, die den Tonerzeugungskünstlern den einen oder anderen schiefen Ton entlockten, oder war es doch die fehlende Übung? Nun, bei dem sechsten Lied und nach Beendigung des Verzehrs von Waffeln und Glühwein war das Urteil gefällt. Ausgerechnet von der bekannten auch in Hückeswagen wirkenden Persönlichkeit Johann Heinrich Jung-Stilling stammt der Spruch: „Übung macht den Meister.“ Fazit: Eine tolle Wanderung, auf der es unheimlich viel zu sehen gab. Und wenn dann zum Abschluss noch ein Fest wartet, ist das ein Glücksfall. Hinweis: Als Anhang findet Ihr den aufgezeichnet Track. Die Strecke hatte eine Länge von 6,3 Kilometern. |