Die Hummelshainer Schlösser - Problem oder Chance der Dorfentwicklung?
In der Wittenberger Kapitulation von 1547 wurde Hummelshain als "ein Jagdhaus und Dorf daran" beschrieben. Bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts Jahrhunderte lang prägten die sich aus diesem Jagdhaus entwickelnden Schlösser den Ort maßgeblich – ob als herzogliche Jagdresidenz, Altenheim oder Jugendwerkhof mit wichtigen kulturellen und sozialen Funktionen sowie zahlreichen Arbeitsplätzen. Das ist heute nicht mehr der Fall. Ist die seit Jahrhunderten existierende Wechselbeziehung zwischen Schlössern und Dorfentwicklung damit aufgehoben?
Auch in Hummelshain ist die Bevölkerungsentwicklung rückläufig. Damit einhergehend schwindet die kommunale Infrastruktur: Poststelle, Sparkassenfiliale, Ambulanz sind bereits weggefallen. Immerhin existieren noch eine Verkaufsstelle, der Kindergarten, zwei Gaststätten, das Teehaus mit Kegelbahn, ein Jugendklub, Wohnbaugebiet und Vereinsleben. Mit fortschreitendem Bevölkerungsrückgang würden sich auch diese Faktoren dörflicher Lebensqualität langfristig nicht aufrecht erhalten lassen.
Welche Chancen hat ein Ort wie Hummelshain unter den künftig sicher nicht einfacher werdenden Rahmenbedingungen? Wie kann der Ort mit seinem Ortsteil Schmölln so an Attraktivität gewinnen, dass junge Leute gern hier bleiben und weiterhin Neubürger zuziehen? Dass Nutzer und Investoren der Schlösser ein gutes Umfeld finden. Dass sich die Auftragslage für Handwerk und Gewerbe verbessert. Sicher werden die Schlösser ihre frühere Funktion als Wegbereiter der dörflichen Entwicklung und Hauptarbeitgeber des Ortes nicht wieder erlangen können. Aber ihre Existenz sollte nicht als "Erblast", sondern als e i n e ortspezifische Chance gesehen werden:
* Als Imagefaktor für einen attraktiven Wohnort: Die Schlösser und Parkanlagen können dazu beitragen, den Ruf von Hummelshain als attraktivem Wohnort mit guten Lebensbedingungen im Umfeld der prosperierenden Großstadt Jena zu profilieren. Denn Jagd- und Sommerresidenz wurde der Ort nicht zuletzt dank seiner bevorzugten klimatischen Verhältnisse, seiner landschaftlich reizvollen Lage. Dies sind Faktoren der Lebensqualität, die auch heute große Wertschätzung genießen. Bei Einheimnischen, bei Bauwilligen wie auch bei möglichen Investoren. Ein positives Image dieser Art müsste aber zielgerichtet entwickelt und gepflegt werden, was derzeit nicht geschieht.
* Als Stätten der Kultur: Dazu gehört, die Schlösser wieder mehr als Orte der Kultur - in einem weiten Sinn - zu nutzen, die Standesamt-Tradition weiter zu führen, forstliche und jagdliche Traditionen zu pflegen, Feste zu feiern usw.
* Als touristische Anziehungspunkte: Ausbauwürdig und -fähig ist fraglos auch die touristische Nutzung des Schlossensembles. Dabei ist u.a. an ein Angebot qualifizierter „Kulturlandschaftsführungen“ zu denken, bei denen die Schlösser wie auch die umgebende Jagdkulturlandschaft wirkungsvoll einbezogen werden können. Ebenso an einen mit Schildern markierten selbstführenden Rundgang durch das „Residenzdorf“.
* Als Chance für Arbeit: Schließlich bietet jede sinnvolle Nutzung der Schlösser und Parkanlagen Chancen auf direkte und indirekte Arbeitsplätze.
Der Ort Hummelshain ist heute nicht mehr ein "Schloss mit einem Dorf daran"; eher sind die Schlösser zum Anhängsel und Problem des Ortes geworden. Doch davon, ob es gelingen wird, die Baudenkmäler zu erhalten und sinnvoll zu nutzen, wird die Entwicklung des Dorfes und der Lebensqualität seiner Bürger nicht unberührt bleiben. Es gilt, das Hummelshainer Schlossensemble nicht nur als Erblast, sondern vor allem als Chance für die Entwicklung des Dorfes und der Region zu betrachten. |
