Aktuelles‎ > ‎

Reaktion der Landesregierung enttäuschend!

Stellungnahme der Vereins zur Antwort der Landesregierung auf die Anfrage der Abgeordneten Jennifer Schubert

Ungeachtet der Erfurter Ignoranz: Das Neue Schloss Hummelshain darf nicht länger im Regen stehen!

Von der Antwort der Landesregierung auf die Anfrage der Abgeordneten Jennifer Schubert und damit auf unseren Offenen Brief vom 7. Mai 2011 ist der Förderverein Schloss Hummelshain überaus enttäuscht. Das von Finanzminister Voß unterzeichnete Schreiben zeugt von kaum zu überbietender Ignoranz nicht nur hinsichtlich eines herausragenden Thüringer Baudenkmals, sondern auch gegenüber vielen Menschen in Ostthüringen, für die dieses Schloss ein kulturelles Wahrzeichen ihrer Heimatregion ist. Wie groß das öffentliche Interesse ist, bekundeten erst kürzlich, beim Tag des offenen Denkmals, mehr als eintausend Besucher.

Wie die jüngsten Presseveröffentlichungen erneut bestätigen, hat das Land Thüringen und ihre Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) beim Verkauf des Baudenkmals nahezu alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Dass der von der LEG ausgewählte Käufer finanziell nicht in der Lage ist, das Schloss zu erhalten, war schon lange absehbar. Doch Konsequenzen zog man nicht; sehenden Auges wurde die Karre in den Dreck gefahren. Und jetzt, wo es darum geht, sie wieder heraus zu ziehen, heben die Verantwortlichen in der Landesregierung beide Hände. Nicht der Ansatz einer Idee, wie das Problem gelöst werden könnte. Nicht die geringste Bereitschaft zum Zupacken. Verantwortung für Landesentwicklung sieht unseres Erachtens anders aus!

Neben der Abgeordneten Schubert (Die Grünen) haben sich in den letzten Wochen auch die Landtagsabgeordneten Mike Huster (Linke), Wolfgang Fiedler (CDU) und Regine Kanis (SPD) sowie der Kreistagsabgeordnete Knut Schurtzmann (Linke) intensiv mit der Situation des Hummelshainer Schlosses beschäftigt. Auf Initiative von Frau Kanis soll dazu demnächst eine gemeinsame Beratung stattfinden. Im Rahmen seiner am 25. September beginnenden Vortragsreihe wird der Förderverein die Öffentlichkeit über die Situation rund um das Neues Jagdschloss Hummelshain regelmäßig unterrichten.

Förderverein Schloss Hummelshain e.V.

Im Auftrag des Vorstandes

R. Hohberg


Offener Brief des Fördervereins Schloss Hummelshain e.V. an die Landtagsabgeordneten des Wahlkreises Jena-Saale-Holzland 1, verabschiedet zur Jahreshauptversammlung am 7. Mai 2011

Das Neue Schloss Hummelshain darf nicht länger im Regen stehen!

Sehr geehrte Damen und Herren,

immer häufiger und dringlicher werden die kritischen Anfragen, die uns von Besuchern des Neuen Jagdschlosses Hummelshain erreichen. Meist ist darin zunächst von der ungewöhnlichen Faszination die Rede, die von diesem Bauwerk noch immer ausgeht. Umso größer ist aber das Unverständnis, warum man diese Schloss - und damit einen der wichtigsten touristischen Anziehungspunkte der Region - seit beinahe zwei Jahrzehnten so verfallen lasse.

Diese Einschätzungen sind leider berechtigt. Obwohl die Noteindeckung des Daches Wassereinbrüche derzeit verhindert, sind die Zeichen des Verfalls am Schlossgebäude unübersehbar. Ebenso erschreckend ist der Zustand des Umfeldes, der Terrassen und Wasserspiele. Auch das Parkareal des Neuen Schlosses, in dem die zu Ruinen verfallenen Gebäude des Jugendwerkhofes auf den seit Jahren angekündigten Abriss warten, verkommt immer mehr.

Die Gründe dafür sind vielfältig. In erster Linie ist der desolate Zustand aber das Ergebnis einer verfehlten Politik des Landes Thüringen als ursprünglichem Eigentümer dieser Immobilie. Das 1880-85 errichtete Neue Jagdschloss Hummelshain ist eines der „herausragenden Zeugnisse des Historismus in Thüringen“, wie Bertram Lucke in „Thüringen – Land der Residenzen“ schreibt. Seit 1992 leer stehend, stellte die Denkmalpflegebehörde bereits 1993 fest, dass Wasser durch das Schlossdach eindrang und veranlasste eine Notsicherung. Entgegen den Bemühungen der Fachleute des Thüringer Landesamtes für Denkmalpflege, das im Landesbesitz befindliche Jagdschloss der Thüringer Stiftung Schlösser und Gärten zuzuordnen und damit dauerhaft zu erhalten, setzte die Oberfinanzdirektion alles auf eine andere Karte: Privatisierung.

1998 wurde zwischen der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH (LEG) und einem Leipziger Unternehmen ein Kaufvertrag abgeschlossen. Anfänglich von der LEG noch als Erfolg gefeiert, hat sich im Verlauf der seither vergangenen 13 Jahre immer deutlicher gezeigt, dass die Bemühungen um Erhaltung des Schlosses mit dieser Privatisierung gescheitert sind. Die vertraglich vereinbarten Investitionen sind ausgeblieben. Durch einzelne Notsicherungsmaßnahmen konnte der Verfall bestenfalls verlangsamt, nicht aber aufgehalten werden. Der derzeitige Eigentümer ist guten Willens, finanziell aber nicht in der Lage, die anspruchsvolle Aufgabe der Sanierung des Schlosses oder wenigstens des Daches zu stemmen. Es gibt im Schloss seit 2010 keinen angestellten Verwalter, Hausmeister o.Ä. mehr. Der weitere Niedergang scheint damit vorprogrammiert zu sein.

Das Neue Jagdschloss ist fraglos eine Perle der Thüringer Denkmallandschaft, doch – obwohl erst 125 Jahre alt – eine Perle mit erheblichen Schrammen. Dieses heiklen und kostenaufwändigen Falls hat sich das Land Thüringen bzw. die LEG 1998 auf sehr fragwürdige Weise entledigt. In dem von der Landesentwicklungsgesellschaft abgeschlossenen Kaufvertrag ist eindeutig festgeschrieben: „Die Käuferin verpflichtet sich, bis zum 31.12.2002 Investitionen am Kaufgegenstand von mindestens 9.450.000 DM vorzunehmen… Für den Fall, dass dies nicht in der vereinbarten Frist geschieht, verpflichtet sich die Käuferin auf Verlangen der Verkäuferin zur Rückübertragung des Kaufgegenstandes auf die Verkäuferin…“ Die vereinbarte Investition in das Denkmalsobjekt ist weder bis 2002 noch später erfolgt. Im Sinne des Kaufvertrages darauf reagiert hat die LEG aber nicht. Trotz mehrfacher Rückfragen seitens des Landesamtes für Denkmalpflege und des Fördervereins Schloss Hummelshain hat man den Kopf bislang konsequent in den Sand gesteckt. Verantwortung für Landesentwicklung sieht unseres Erachtens anders aus!

Wir wenden uns mit diesem Brief an Sie als die Landtagsabgeordneten unserer Region und zugleich an alle politisch Verantwortlichen des Landes, des Landkreises, der Verwaltungsgemeinschaft und der Kommune, sich an der Suche nach einer tragfähigen Lösung zur Erhaltung dieses herausragenden Baudenkmals zu beteiligen. Wir wenden uns mit diesem Offenen Brief erneut auch an die LEG mit der Aufforderung, die Versäumnisse bei der Vertragsabwicklung zu klären und tätig zu werden. Schloss Hummelshain darf nicht länger ohne jede Unterstützung im Regen stehen!

 Am diesjährigen Tag des Offenen Denkmals, der speziell den historischen Baudenkmalen des 19. Jahrhunderts gewidmet ist, wird der Förderverein Schloss Hummelshain die Öffentlichkeit über den aktuellen Stand der Dinge sowie über die bis dahin vorliegenden Stellungnahmen seitens der verantwortlichen Politiker und der LEG informieren.

Hochachtungsvoll

Förderverein Schloss Hummelshain e.V.

Vorstand: R. Hohberg, Dr. R. Berthelmann, M. Ehrig, Dr. R. Ehrig, H. Ludwig