Hightech im Eichenholzgewand Tarmstedt. Für
die meisten Menschen ist eine Orgel zunächst ein Instrument. Nicht mehr,
nicht weniger. In einer Kirche hingegen kommt ihr eine
bedeutungsvollere Rolle zu. „Sie dient dem Lobe Gottes“, wie es Martin
Rothfuchs, Pastor der Salemsgemeinde formuliert. In seiner Kirche
leistet ab sofort eine digitale Orgel diesen Dienst. Am Sonntag wird sie
geweiht. Von Bert Albers
Soundcheck
vor der Weihe am Sonntag: Organistin Christa Otten präsentiert den
Klang der neuen Orgel in der Tarmstedter Salemskirche. An deren
Finanzierung hat sich die Bürgerstiftung der Zevener Volksbank als
einzige außergemeindliche Institution mit 1000 Euro beteiligt.
Beiratsmitglied Günter Michaelis sowie die Stiftungsvorstände Werner
Bruns und Uwe Schradick beeindruckt das digitale Instrument ebenso wie
Pastor Martin Rothfuchs und Rendant Johann Gerdes (von rechts). Foto:
bal
Sie heißt „Ecclesia D35“, kommt aus den Niederlanden und
kostet mehr als manches Auto. 20 000 Euro hat die Gemeinde in das
Sakralinstrument investiert. Viel Geld für eine selbständige Kirche, die
nicht von der Kirchensteuer partizipiert, sondern mit dem auskommen
muss, was die gerade mal 270 Gemeindeglieder zahlen. Doch der
Kraftakt, der neben einigen Benefizkonzerten auch mit 1000 Euro von der
Bürgerstiftung der Zevener Volksbank unterstützt wurde, hat sich
gelohnt. Das findet nicht nur Christa Otten, Organistin aus
Leidenschaft, wie es jüngst im Gemeindebrief hieß. „Ich bin sehr
überzeugt, die Orgel ist eine große Bereicherung. Das ist etwas ganz
anders als vorher“, sagt sie. Vorher saßen sie und ihre
Kolleginnen Gertrud Schnackenberg und Carola Warncke an einer 40 Jahre
alten Elektroorgel, die sich nur noch stark eingeschränkt bedienen ließ
und für die es nicht einmal mehr Ersatzteile gab. „Alle mitnehmen“Die
„Ecclesia D35“ hingegen ist ein Stück Hightech im Eichenholzgewand,
das, falls gewünscht, auch den Klang riesiger Kathedralen erzeugt. Der
Spieltisch ist per Kabel mit elf Lautsprechern verbunden, die sich auf
der Empore hinter Holz verstecken. Von Pfeifen keine Spur. Selbst eine
gebrauchte Pfeifenorgel hätte mindestens 100 000 Euro gekostet, schätzt
Pastor Rothfuchs. Eine solche Anschaffung hätte die
finanziellen Kräfte der Gemeinde auf Jahre gebunden und zudem wohl auch
Platz- und Statikprobleme verursacht. Gleichwohl ist Rothfuchs sicher,
dass das eine oder andere seiner Schäfchen mit einer Pfeifenorgel
geliebäugelt hat. „Das ist auch eine emotionale Frage. Da ist es nötig,
alle mitzunehmen und step by step zu überzeugen“, sagt der Pastor. Das
gelang. Im Dezember entschied die Gemeindeversammlung sich für die
Digitalorgel, die Mitte April geliefert und aufgestellt wurde. Seitdem
haben die Gottesdienstbesucher das Instrument schätzen gelernt – auch,
weil es bestens mit dem Posaunenchor harmoniert. Das wiederum
bestätigt die Verantwortlichen der Bürgerstiftung der Volksbank darin,
mit ihrem Zuschuss richtig gehandelt zu haben. „Wir unterstützen solche
Dinge gerne. Es war schon oft zu hören, dass hier vieles anders läuft,
die Identifikation ist eine andere“, betont Stiftungsvorstand Werner
Bruns. Auch der hohe Eigenfinanzierungsanteil beim Kauf der Orgel sei
eine absolute Besonderheit der Salemsgemeinde. Die freut sich nun
auf den kommenden Sonntag, wenn die Orgelweihe mit einem Gottesdienst
gefeiert wird. Dass das Ganze nachmittags stattfindet, hat zwei
Vorteile: Auch Mitglieder und Vertreter anderer Gemeinden können der
Einladung folgen, ohne den eigenen Gottesdienst am Morgen zu verpassen –
und man kann anschließend Kaffee und Kuchen genießen. Dazu lädt die
Gemeinde im Anschluss ein. Auf einen BlickWas: Festgottesdienst mit Orgelweihe und anschließender Kaffeetafel Wann: Sonntag, 15. Mai, 14.30 Uhr Wo: Salemskirche Tarmstedt |