Ryōkans Zen-Tradition Sōtō-Zen Ryōkan stand in der Tradition des Sōtō-Zen. Der Name Sōtō leitet sich von den chinesischen Zen Meistern Tōzan Ryōkai (chin.: Dongshan Liangjie) und dessen Schüler Sōsan Honjaku (chin.: Caoshan Benji) ab. Beide heute vorherrschende japanische Zen Linien, Sōtō- und Rinzai-Zen, haben sich Elemente des buddhistischen Ordens in Indien um ca. 500 v. Chr., Bestandteile des Klosteraufbaus und der Mönchsorganisation aus Japan sowie des mittelalterlichen Chinas zu eigen gemacht. Im Gegensatz zum Rinzai-Zen, welches traditionell eng mit der herrschenden Klasse verbunden war, wurde das Sōtō-Zen seit der Zeit von Keizan Jōkin (1268-1325) immer mehr zu einer Übung der einfachen Leute und des Landadels. Sōtō-Zen zeichnet sich unter anderem durch seine Konzentration auf „reines Sitzen“ aus, shikantaza. Das Lösen von Koans (absurde Rätsel, meist in Form von kurzen Geschichten aus der Vergangenheit) steht nicht im Vordergrund. Die vollkommene Sammlung auf den gegenwärtigen Moment wird durch das Sitzen mit dem Gesicht zur Wand betont. Eihei Dōgen (1200-1254) brachte die Tradition des Sōtō-Zen von China nach Japan und gründete mit dem bei Kyoto gelegenen Kloster Eiheiji 1243 den ersten Sōtō-Zen Tempel in Japan. In Deutschland sind Rinzai- und Sōtō-Zen ungefähr gleich verteilt, in den USA überwiegt Sōtō-Zen bei weitem. Der außerjapanische Zweig der Sōtō-shu (Sōtō-Zen Vereinigung) bemüht sich unter anderem um Übersetzungen in die jeweilige Landessprache, um Ausbildung und um regelmäßige Zusammenkünfte. Ryōkans Ausbildung zum Zen-Priester Daigu Ryōkan entstammte einer angesehenen Bürgermeisterfamilie aus der Küstenstadt Izumozaki. Mit siebzehn Jahren wurde er im nahe seiner Heimatstadt gelegenen Kloster Koshoji zum Mönch ordiniert. Dort begegnete er mit zweiundzwanzig Jahren dem Zen-Meister Dainin Kokusen (1723-1791), dem er sich bald darauf zur Rückkehr in dessen Kloster Entsuji anschließt. Ryōkan durchlief die klassische Mönchsausbildung und wurde, nach insgesamt fast zwölf Jahren Klosterleben, nach dem Tode seines Meisters mit der Nachfolge des damals sehr renommierten Ausbildungstempels Entsuji betraut. Er hingegen zog schon nach kurzer Zeit ein raues Wanderleben vor, bis er sich in einer Waldhütte (Gogo-an) niederließ. Ryōkan tat nichts, um seine eigene Zen-Linie fortzusetzen. Er nahm zeitlebens nur einen offiziellen Schüler an, der wenig später verstarb. Er nannte sich selbst nie einen Lehrer, wurde aber früh von anderen als solcher anerkannt. Ryōkan gilt als der bei weitem bekannteste Dharmanachfolger von Entsuji, das als „sein“ Tempel den Status eines Nationaldenkmals in Japan trägt. Heimatkloster Entsuji wurde 1708 von Zen Meister Tokuo Ryoko gegründet. Es liegt an der japanischen Inlandsee, zwischen Osaka und Hiroshima über den Dächern der Stadt Tamashima. Das Kloster Entsujii wird heute von Niho Tetsumei Roshi geleitet. Niho Roshi betreut eine auch für japanische Verhältnisse relativ große Gemeinde von etwa 800 Mitgliedern. Dazu kommen zahlreiche Aufgaben, die mit den vielen Besucherströmen zu tun haben, die jährlich das Heimatkloster des in Japan äußerst verehrten Ryōkan besuchen. Daneben gibt es eine kleine Zen-Gruppe, eine Ryōkan-Gedenk-Gruppe und eine umfangreiche Sammlung an Schriften von und über Ryōkan, welche von Niho Roshi angeleitet und betreut werden. Vor zwei Jahren begann die Gemeinde mit dem Bau eines zweiten Tempels, dem Fukujuji, im etwa vierzig Minuten entfernten Nakasho, dem Eido Frances Carney Roshi vorsteht. In der Traditionslinie des Klosters Entsuji hält Eido Roshi als erste Frau und als erste Person westlicher Herkunft die Dharmanachfolge inne. Eido Roshi ist in den USA vor allem durch ihre langjährige Tätigkeit als Präsidentin der Amerikanischen Sōtō-Zen-Lehrer und -Priester bekannt. |




